Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 09/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Demokratie geht anders: EU-Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA abgelehnt

Letzte Woche hat die scheidende EU-Kommission überraschend die geplante Europäische Bürgerinitiative (EBI) abgeschmettert, mit der ein europaweites Bündnis von bisher 230 Organisationen einen Verhandlungsstopp bei den Freihandelsabkommen TTIP und CETA erreichen wollte. In beiden Abkommen - eines mit den USA, eines mit Kanada - geht es um entscheidende Zukunftsfragen: Sollen tatsächlich Konzerne Staaten auf hohen Schadenersatz verklagen dürfen, nur weil ein Gesetz oder eine neue Richtlinie ihren Gewinn schmälern könnte? Wollen wir wirklich im Rahmen des „Abbaus von Handelshemmnissen“ Techniken und Standards, die in den USA gang und gäbe sind? Bekannte Stichworte dazu sind Fracking, Agro-Gentechnik, Chlor-Hähnchen sowie Hormone und Antibiotika in der Tiermast.

"Jetzt geht die Auseinandersetzung erst richtig los", erklärte Michael Efler, Kontaktperson des Bündnisses für die EBI. Die Ablehnung der Bürgerinitiative reihe sich ein in die Strategie der EU-Kommission, Bevölkerung und Parlamente aus den Verhandlungen um CETA und TTIP herauszuhalten. Stattdessen würden lieber Lobbyisten gehört. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist die Ablehnung der Bürgerinitiative Wasser auf die Mühlen von Europaskeptikern. Der BUND ist dennoch überzeugt, dass der Protest gegen das Handelsabkommen nun noch zulegen wird.

Die Ablehnung der EBI wird von der EU-Kommission mit dürren Worten und ausschließlich formal begründet. Diese Rechtsauffassung teilt das TTIP-Bündnis nicht. Es hatte vor Einreichung des Antrags ein eigenes Rechtsgutachten eingeholt und prüft nun den Weg vor den Europäischen Gerichtshof.

Mehr Infos auf der Website des Bündnisses „TTIP unfairhandelbar“. Dort werden im Kalender auch regionale Widerstandsaktionen angekündigt. Für den 11. Oktober ist ein europaweiter dezentraler Aktionstag gegen TTIP und CETA geplant.

Goldene Apfelzeit

Selten ist die Apfelernte so gut und reichlich ausgefallen und gleichzeitig so früh gestartet wie in diesem Jahr. Und ausgerechnet jetzt entfällt ein großer Absatzmarkt, da Russland einen Importstopp für Fleisch, Obst, Gemüse und Milchprodukte verhängt hat. Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt wirbt daher sogar fürs Apfelessen als politisches Zeichen: „An apple a day keeps the Putin away!“

So muss man es nicht sehen, zudem Bio-Äpfel kaum nach Russland gehen. Aber schade wäre es schon, den reichlichen Apfel-Segen verkommen zu lassen. Auch zwei Äpfel am Tag schaden nicht, und auch sonst lässt sich mit Äpfeln bekanntlich viel zaubern: Apfelmus, Apfelkuchen und Apfel-Pfannkuchen, Bratapfel und Apfelgelee sind die Klassiker, aber jede Region hat auch Spezialitäten wie Kartoffelsalat mit Apfel in Sachsen, Apfel-Speck-Schmarrn in Bayern und Franken oder Himmel und Erde (im Rheinland: Himmel un Ääd) mit Kartoffeln, Äpfeln oder Apfelmus, gebratener Blutwurst oder gerösteten Zwiebeln. Äpfel lassen sich auch kreativ in alle möglichen Rezepte einbauen, zum Beispiel als Zutat in Kürbis- und Lauchsuppen oder auf einem Flammkuchen kombiniert mit roten Zwiebeln, Champignons und Thymian.

Tipps, wie man Äpfel richtig lagert und verarbeiten kann, gibt die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Gerade alte heimische Sorten lassen sich gut aufbewahren. Am besten lagern sie kühl und dunkel bei hoher Luftfeuchtigkeit und gut durchlüftet, zum Beispiel im Keller, in der frostsicheren Garage oder auf kühlen Dachböden. Übrigens: Die besten Inhaltsstoffe stecken wie so oft unmittelbar unter der Schale. Schon deswegen sind Bio-Äpfel die beste Wahl, denn sie wachsen ohne Pestizide und werden nicht gewachst.

Ein guter Fang: Fisch im Bio-Fachhandel

In nur wenigen Jahrzehnten sind die Fischbestände weltweit um bis zu 80 Prozent eingebrochen, vor allem als Folge der hochgerüsteten Fischfang-Industrie. Mit gigantischen Schleppnetzen wurden vor allem der Nordatlantik und das Mittelmeer praktisch leergefischt. 2013 haben erneut zehn EU-Mitgliedsstaaten ihre Fangquoten überschritten, darunter Dänemark, Irland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Polen, Portugal und Großbritannien. Ihre Quoten für die betroffenen 45 Fischbestände wurden daher 2014 gekürzt, damit sich die Bestände erholen können.

Mit der neuen Gemeinsamen Fischereipolitik hat sich die EU erstmals verpflichtet, stärker auf die nachhaltige Bewirtschaftung von Beständen zu setzen.

 

So sollen die Quoten nun nach dem „Prinzip des nachhaltigen Dauerertrags“ berechnet werden. Auch das Zurückwerfen versehentlich gefangener Fische wird stärker reglementiert. Der sogenannte Beifang soll künftig auf die Quoten angerechnet werden.

Für die Naturkostfachgeschäfte, die sich im Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. und dem Einzelhandelsverband Naturkost Südbayern zusammengeschlossenen haben, gilt schon seit 2012: Für Fisch aus Wildfang müssen sowohl die Fangmethode als auch eine strikte Bestandseinschätzung beurteilt werden. Damit sind die Richtlinien für zertifizierte Fachgeschäfte mit dem grünen „N“ des BNN der Politik um einiges voraus. Sie verlangen, dass unabhängige Bewertungen wie die von Greenpeace oder Fischbestände Online oder von anderen Experten herangezogen werden und dass das Fischunternehmen sich unabhängig kontrollieren lässt.

Wer Fisch im Naturkosthandel kauft, findet also nicht nur Lachs, Garnelen und Pangasius aus ökologischer Aquakultur, sondern auch nachhaltig gefischten Wildfisch. Inzwischen gibt es auch immer mehr heimische Angebote aus Wildfang und Bio-Aquakultur, die das Sortiment erweitern. So führen einige Läden Frisch- und Räucherfisch wie Forellen, Karpfen, Wels und Saiblinge. Bio-Fischzuchten gibt es unter anderem in der Lüneburger Heide, in der Oberlausitz, in Nordhessen und in Bayern.

Chia – winzige Kraftpakete für Müsli & Co.

Wunder-Samen, Powerkörnchen, Superfood – für Chia-Samen werden viele Superlative bemüht. In der Tat enthalten die Körnchen besonders viel Omega-3-Fettsäuren, dazu hochwertiges Eiweiß, Faserstoffe und zahlreiche Mineralien. Der Naturkost-Fachhandel hat sie daher schnell in sein Sortiment aufgenommen, natürlich in bester Bio-Qualität. Weil Chia-Samen in Wasser stark quellen und eine gelartige Substanz bilden, kann man damit schnelle Desserts anrühren oder sie Smoothies und Mixgetränken zufügen, die den Körper langanhaltend mit Energie und Flüssigkeit versorgen sollen.

Doch wie startet man am besten mit dem neuen „Superfood“? Erster Tipp: Einfach über das Müsli, den Salat oder in den Joghurt streuen. Oder versuchen Sie es mit einem Pudding: Zwei Esslöffel Chia-Samen in 100 Milliliter Flüssigkeit einrühren, je nach Geschmack Wasser, Kokos- oder Mandelmilch. Nach zehn Minuten Quellzeit kann man frische Beeren und Naturjoghurt hinzugeben und nach Geschmack mit Honig oder Agavensirup süßen. Vanille oder Zimt geben eine besondere Note.

In den USA, Kanada und Australien sind Chia-Samen schon seit einigen Jahren sehr beliebt. Experimentierfreudige Hobbyköche und Ausdauersportler schwärmen in ihren Blogs und veröffentlichen immer neue Chia-Rezepte. In der EU hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den Verkauf erst 2013 genehmigt, da Chia als „neuartiges Lebensmittel“ gilt. Tatsächlich hat Chia eine jahrtausendlange Geschichte. Die kleinen Samen einer Salbeiart aus Lateinamerika waren bei den Azteken eine wichtige Nahrungs- und Heilpflanze, gerieten aber fast in Vergessenheit.

Schluss mit Plastik - Berlin tüt was!

Bei Ihnen gehören Tasche oder Korb längst zur Grundausstattung beim Einkauf? Gut so, denn jedes Jahr werden in der EU unvorstellbare 100 Milliarden Plastiktüten verwendet - allein in Berlin täglich rund 710.000 Stück! Die Hauptstadt will nun mit einer besonderen Aktion auf diesen Wahnsinn aufmerksam machen: Am 20. September findet auf dem Tempelhofer Feld ein Weltrekordversuchstatt, bei dem eine rund neun Kilometer lange Kette aus 30.000 Einweg-Plastiktüten entstehen soll. Das entspricht der Zahl von Tüten, die in Berlin jede Stunde ausgegeben werden.

Außerdem läuft in Deutschland seit August eine Petition für eine Umweltabgabe auf Einweg-Plastiktüten, an der sich schon in den ersten drei Wochen über hunderttausend Menschen beteiligt haben. Mit einer Abgabe in Höhe von 22 Cent konnte in Irland der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von 328 Tüten auf 16 gesenkt werden. Auch die EU-Kommission hat der Plastiktüte den Kampf angesagt und beschlossen, den Verbrauch bis 2019 stark einzuschränken.

Übrigens, auch wer seinen Einkauf selten oder nie in Plastiktüten packt, kann noch etwas tun, zum Beispiel die dünnen Plastiktüten mehrfach verwenden, die man bei empfindlichen Obst- und Gemüsesorten nicht immer vermeiden kann. Also beim nächsten Einkauf aufheben, wieder mit in den Bioladen nehmen und erneut mit reifen Tomaten, süßen Weintrauben oder taufrischem Salat befüllen!