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Bio kann mehr! - Newsletter 08/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Also doch: Bio-Lebensmittel gesünder

Bio ist besser für Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt, aber auch gesünder? Darüber wird seit Jahren gestritten. Jetzt hat ein internationales Forscherteam unter Leitung der britischen Newcastle University die bisher umfassendste und methodisch ausgefeilteste Metastudie zum Nährstoffgehalt von ökologischen und konventionellen Lebensmitteln veröffentlicht. "Es gibt keine Zweifel an den Unterschieden in der Zusammensetzung von ökologisch und konventionell angebauten Feldfrüchten", konstatiert Studienleiter Carlo Leifert, Professor für Ökologischen Landbau in Newcastle.

So enthielt Bio-Gemüse zwischen 18 und 69 Prozent mehr Polyphenole und andere antioxidativ wirkende Pflanzeninhaltsstoffe. Antioxidantien gelten als potenziell vorbeugend gegen Herz-Kreislauf- und bestimmte Krebs-Erkrankungen. Außerdem wurde bei Bio im Schnitt 48 Prozent weniger Cadmium nachgewiesen, ein Schwermetall, das sich in den Organen anreichern und zu einer chronischen Vergiftung führen kann. Auch die Belastung mit Nitrat und Nitrit war deutlich geringer. Dass Bio-Lebensmittel deutlich geringer mit Pestiziden belastet sind, ist anerkannt und wird auch durch die neue Studie bestätigt.

Nach Ansicht der Forscher lässt sich der höhere Wert vor allem der Antioxidantien biologisch gut erklären: Pflanzen bilden diese sekundären Inhaltsstoffe meist als Reaktion auf Stress, zum Beispiel durch Schädlinge. Die höheren Konzentrationen in ökologisch angebauten Pflanzen könnten daher darauf beruhen, dass keine synthetischen Pestizide eingesetzt werden und sich die Pflanzen daher stärker gegen Schädlinge und Krankheiten zur Wehr setzen müssen.

Die Ergebnisse sind im angesehenen British Journal of Nutrition erschienen. Der gesamte Datenbestand ist frei verfügbar auf der Website der Newcastle University.

Grüne Blütenknospen am Stiel

Sprossenkohl, besser bekannt unter seinem italienischen Namen Broccoli, ist hierzulande sehr beliebt. Zwischen Juni und Oktober gibt es ihn aus heimischem Bio-Anbau, danach kommt Nachschub aus den Mittelmeerländern. Essbar sind nicht nur die Röschen, sondern auch Blätter, Stängel und der Strunk, dessen Aroma ein wenig an grünen Spargel erinnert. Broccoli kann man auch roh genießen – das ist wegen des hohen Vitamin-C-Gehalts sogar empfehlenswert. Je kürzer man ihn dünstet oder brät, desto mehr der besonders zahlreichen und gesunden Inhaltsstoffe bleiben erhalten.

Broccoli schmeckt als Gemüse mit frisch geriebener Muskatnuss, Knoblauch und gerösteten Pinienkernen oder Mandelblättern zu Reis, Couscous oder Bratkartoffeln. Er lässt sich aber auch mit anderen Gemüsesorten kombinieren, zum Beispiel in asiatischen Wokgerichten mit Tofu oder Huhn und Sojasauce sowie wahlweise Möhren, Paprika oder Pilzen. Für einen Auflauf blanchiert man die Broccoli-Röschen in Wasser oder Wein, kocht einige Kartoffeln und reibt eine Form mit Knoblauch aus. Dann Broccoli und Kartoffelscheiben mit einer Mischung aus Sahne, Ei, geriebener Muskatnuss, Salz und Pfeffer übergießen und mit Käse überbacken. Für einen Salat die Röschen kurz blanchiert und lauwarm mit einer Kräuter-Vinaigrette servieren. Dazu passen zum Beispiel hart gekochte Eier, Schalotten, Tomaten und Pinienkerne oder geröstete Sesamsaat.

Die grünen Broccoli-Röschen sind übrigens die noch nicht voll entwickelten Blütenstände. Wer genau hinschaut, erkennt die Knospen, die später gelb blühen. Auf dem Saatgutmarkt gibt es fast nur noch konventionell gezüchtete Hybrid- und CMS-Broccoli-Sorten. Bio-Züchter entwickeln daher seit geraumer Zeit samenfeste Sorten, die speziell auf Ansprüche im Ökolandbau zugeschnitten sind.

Basis für besten Bio-Wein

„Boden des Jahres“ sind 2014 die Weinbergsböden. Ob Riesling vom Schiefer, Silvaner vom Muschelkalk oder Spätburgunder vom Bundsandstein – der Boden prägt den Charakter der Weine, die auf ihm wachsen. Die Art der Bewirtschaftung wiederum prägt den Boden: Bio-Winzer verzichten auf Pestizide und Kunstdünger, während Pflanzenschutz und Düngung im konventionellen Weinbau besonders intensiv sind und zum Teil zu erheblichen Belastungen der Böden führen. Im ökologischen Weinbau sorgen schonende mechanische Bodenlockerungsmaßnahmen und eine artenreiche Begrünung für eine gleichmäßig durchlüftete, biologisch aktive und gut wasserspeichernde Humusschicht. Denn die Widerstandsfähigkeit der Weinrebe gegenüber Schädlingen und Krankheiten ist unmittelbar abhängig von einer guten Versorgung mit Nähr- und Wirkstoffen.

Ob Sandsteinlehm und Löss wie an der Ahr, Schiefer am Mittelrhein oder Buntsandstein in der Pfalz: Die Mineralien im Boden, entstanden durch die Verwitterung des Gesteins, liefern wichtige Pflanzennährstoffe wie Kalium, Magnesium und Calcium. Der Boden hat auch großen Einfluss auf das Mikroklima, das für Rebenwachstum und Traubenreife so bedeutend ist.

 

In steilen Lagen wurden früher Trockenmauern angelegt, damit die Böden Halt finden und vor Abtragung geschützt sind. Weinberge waren auch wegen dieser Strukturen noch vor 25 Jahren „Hotspots“ der Artenvielfalt, doch im Zuge der Flurbereinigung wurden so gut wie alle historischen Terrassenanlagen, Steinmauern und Böschungen zerstört und damit der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten.

Der Bio-Weinbauverband Ecovin, der Global Nature Fund und die Bodensee-Stiftung entwickeln im Rahmen eines mit Bundesmitteln geförderten Projekts „Biodiversity-Checks“ speziell für den Weinbau und Empfehlungen für die Praxis. Ecovin will daraus Richtlinien zur Förderung der Artenvielfalt ableiten. Mit Trockenmauern, Steinriegeln, Obst- und Mandelbäumen, weinbergtypischen Kräutern und Blumen kehrt ein wenig vom mediterranen Charme der Weinberge zurück – und auch Flora, Fauna und der Boden profitieren.

Behörden: Gentechnik beschleunigt Artensterben

Gleich drei Bundesbehörden bestätigen: Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen hat in Nord- und Südamerika zu einem Rückgang der Artenvielfalt geführt. Als Gründe nennen das deutsche Bundesamt für Naturschutz, das österreichische Umweltbundesamt und das schweizerische Bundesamt für Umwelt die noch intensivere Landwirtschaft und den verstärkten Einsatz von Herbiziden. So seien nach Statistiken des US-Agrarministeriums schon 2004 mehr Unkrautvernichtungsmittel bei herbizidresistenten als bei konventionellen Pflanzen angewandt worden.

Denn gegen die Herbizide sind nicht nur gentechnisch veränderter Mais oder Soja durch den künstlichen Eingriff ins Erbgut resistent, sondern nach einiger Zeit gelingt das auch vielen Unkräutern ganz von allein. Um sie zu bekämpfen, spritzen die Landwirte noch mehr Totalherbizide, oft aus der Luft, und schädigen damit auch die Acker-Begleitflora, Insekten, Bodenorganismen und viele Tiere, die sich von den vernichteten Arten ernähren. Die Autoren der Studie führen beispielsweise den Rückgang des geschützten Monarchfalters in den USA darauf zurück, dass die Herbizide die Nahrungspflanzen der Larven zerstören.

Die drei Umweltbehörden haben zahlreiche Studien unter anderem aus Argentinien, Brasilien und den USA ausgewertet. In diesen Ländern werden gentechnisch veränderte Pflanzen seit fast 20 Jahren angebaut. Im Mittelpunkt standen Sorten, die durch gentechnische Eingriffe resistent gegen verschiedene Totalherbizide sind – dazu zählen mit Abstand die meisten angebauten Gentech-Pflanzen. Wie zahlreiche Publikationen zuvor, kommen auch die Umweltbehörden zu dem Schluss, dass zudem die Erntemenge kaum oder gar nicht gestiegen ist. Sie warnen, dass eine Zulassung herbizidresistenter Pflanzen auch in der EU den Einsatz von Pestiziden anheizen würde.

Buchweizen – ein internationales Korn

Buchweizen ist wahrhaft „multikulti“: Er ist unverzichtbar für russische Blini, amerikanische buckwheat cakes, japanische Soba-Nudeln, italienisch-schweizerische Pizzoccheri und natürlich französische Galettes. In Westniedersachsen wird bis heute ‚Bookweeten Janhinnerk‘ zubereitet, Pfannkuchen aus Buchweizenteig.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Buchweizen in Mitteleuropa noch häufig angebaut. Er war bis zum Siegeszug der Kartoffel sogar ein wichtiges Grundnahrungsmittel mit besonders hochwertigem Eiweiß und vielen Mineralien. Heute sind die größten Produzenten China und Russland. Der Ökolandbau hat viel dazu beigetragen, dass die alte Kulturpflanze auch in Deutschland wieder Freunde gefunden hat. So bürgerte die Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa, berühmt für ihre Linsen, auch den Buchweizen wieder auf der Schwäbischen Alb ein. Der eher karge Boden genügt der Pflanze, die auf steinigen und sandigen Böden gut gedeiht, zum Beispiel in der Lüneburger Heide und der Eifel. Damit ist Buchweizen für den Ökolandbau besonders geeignet, denn er braucht keinen oder wenig Dünger, zudem verdrängt er durch zügiges Wachstum das Unkraut im Alleingang.

Die Form der kleinen dreikantigen Körner erinnert an Bucheckern, daher der deutsche Name. Mit Bucheckern hat Buchweizen allerdings genauso wenig zu tun wie mit Weizen. Die Pflanze zählt zu den Knöterichgewächsen, ist also kein Getreide. Zum Glück für Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit oder Zöliakie, denn Gluten ist nicht enthalten. Buchweizen gibt es im Naturkosthandel im ganzen Korn oder als Mehl, zum Beispiel von Spielberger und Bauckhof. Die Bohlsener Mühle bietet auch Flocken und Grütze, Allos hat Buchweizen-Flakes im Programm und Byodo Reis- und Buchweizen-Knusperbrot. Soba-Nudeln erhält man von TerraSana und Arche.