Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 06/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

All in one rhythm - Bio Brazil!

Der Ball rollt – und viele fiebern zu später Stunde vor den Bildschirmen bei der Fußball-WM 2014 mit. Brasilianischer Snack gefällig? Kulinarisch ist das südamerikanische Land vielfältiger, als die meisten wissen, denn es gibt afrikanische, japanische, arabische, portugiesische und sogar deutsche Einflüsse. Da wird der Streuselkuchen dann schon mal mit Zutaten wie Kokosnuss oder Banane gefüllt. Eine afrobrasilianische Spezialität sind dagegen Acarajé, frittierte Bohnenbällchen, die als Snack am Straßenrand mit scharfer Pfeffersoße, Zwiebeln, Tomaten und Paprika serviert werden.

Alle Zutaten sind im Naturkosthandel erhältlich, aber wer sich so viel Mühe nicht machen will, findet natürlich auch die Klassiker unter den Fußball-Snacks: Kartoffelchips, die gibt es im Bioladen ohne Aromen und Geschmacksverstärker, dafür in großer Vielfalt, zum Beispiel mit Sauerrahm und Zwiebel. Dazu vielleicht eine Caipirinha mit Limette, braunem Zucker und Cachaça? Diesen Zuckerrohrschnaps importiert Caipiu sogar in Bio-Qualität. Kleinbauernkooperativen produzieren das Zuckerrohr, es wird gepresst, vergoren und destilliert und reift mehrere Jahre im Eichenfass. Alkoholfrei schmeckt Caipirinha natürlich auch – einfach Ingwer- oder Kräuterlimonade verwenden. Oder mit brasilianischen Zutaten wie Ananassaft, Kokosnussmilch, Açaï-Beerensaft, Guave, Banane und Vollrohrzucker einen eigenen Cocktail kreieren. Eine traditionelle Alternative ist Mate-Tee, importiert aus Brasilien in bester Bio-Qualität von Heuschrecke. Mate wurde schon vor der Kolonialisierung von den Ureinwohnern Südamerikas getrunken.

Einige Bio-Hersteller haben zur Fußball-WM spezielle Produkte entwickelt. „1:0 für die Jugend“ heißt es bei der Molkerei Söbbeke. Unter diesem Motto werden ein Aktions-Käse mit brasilianischen Gewürzen und zwei Aktions-Joghurts vermarktet. Ein Teil des Erlöses geht an den Aktionskreis Pater Beda, der im armen Norden Brasiliens das Kinderdorf Cidade da Crianca erbaut hat und dort mehr als 180 Kinder betreut. Zudem erhalten jährlich über 1.000 Jugendliche die Möglichkeit, an berufsvorbereitenden Kursen teilzunehmen. Auch Andechser hat eine WM-Joghurt-Serie aufgelegt, fünf Sorten, die für einige Titelanwärter stehen, darunter Sangria, Créme Brûlée und Tiramisu. Barnhouse unterstützt vier junge Radler, darunter zwei Agrar-Studentinnen, die von Alaska nach Brasilien und weiter nach Feuerland fahren und mit Interviews und Videos die Landwirtschaft in einer globalisierten Welt erlebbar machen wollen. Ihr Blog „Campesino! den Bauern eine Stimme geben“ ist bereits online.

„Bio live“ erleben auf den Demonstrationsbetrieben

Sommer auf dem Biohof – jetzt wächst, was im Frühjahr gesetzt oder gesät wurde, und auch an Weinreben und Obstbäumen reifen die Früchte. Eine gute Zeit, um einen der zahlreichen Termine auf den bundesweit mehr als 200 „Demonstrationsbetrieben Ökologischer Landbau“ wahrzunehmen und genauer zu schauen, wie Landwirte, Gärtner und Winzer dort arbeiten. Die Betriebe stehen beispielhaft für die 23.000 Betriebe, die in Deutschland nach ökologischen Richtlinien arbeiten.

Die Staudengärtnerei Gaißmayer im Alpenvorland zum Beispiel ist „Feuer und Flamme für den Phlox“ und veranstaltet am 28. und 29. Juni den „Duft des Sommers“ mit Vorträgen, Musik und Slowfood-Genießermeile. Die Friesische Schafskäserei in Tetenbüll bietet im Juni und Juli unter dem Titel „Vom Milchschaf zum Schafskäse“ mehrere Hofführungen zur ökologischen Milchschafhaltung an, außerdem am 25. Juni eine „Lammtagetour - Blick über den Zaun". Auf dem Naturland-Schlossgut Hohenbeilstein gibt es am 12. Juli und 2. August „Weine im Park“ mit Infos zum Ökoweinbau, Weinprobe und Flammkuchen aus dem hofeigenen Backhaus.

Ein Paradies für Gartenfreunde ist die Kräuter- und Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler in Rheinhessen. Auf dem Bioland-Betrieb heißt es am 5. Juli „Vom Garten in die Küche“ und es gibt einen Pflanzenmarkt. Auf dem Demeter-Gärtnerhof Röllingsen bei Soest kann man am 28. Juni bei einem „Hofrundgang mit Kaffee und Kuchen“ erleben, wie die Betriebsgemeinschaft in einem geschlossenen Betriebskreislauf über 45 Gemüsekulturen anbaut. Die Ausbildung junger Menschen und die Pflege des Saatguts in Zusammenarbeit mit der Bingenheimer Saatgut AG sind wichtige Aufgabenfelder. Ab 12. Juli und dann jeden Samstag bis zum 23. August veranstaltet das Ökodorf Brodowin in Brandenburg eine Führung durch die Meierei mit Stallbesichtigung, Vermarktung und Verkostung.

Noch viel mehr Termine bundesweit finden Sie auf der Website der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau!

Immer mehr Pestizide auf deutschen Feldern

Im dritten Jahr in Folge ist in Deutschland der Nettoumsatz mit Pestiziden gestiegen, um 7,5 Prozent auf über 1,5 Milliarden Euro. Dieser Zuwachs ist nicht nur finanziell, sondern bedeutet, dass tatsächlich jeder Hektar Ackerboden noch intensiver mit chemischen Pflanzenschutzmitteln belastet wurde. Das Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN Germany hat berechnet, dass die produzierte Wirkstoffmenge in zehn Jahren um ein Drittel gestiegen ist, während die landwirtschaftlich genutzte Fläche annähernd gleich groß blieb.

Dabei kommen laut PAN noch immer Pestizide zum Einsatz, die nachweislich krebserregend sind, Kinder im Mutterleib schädigen oder das Hormonsystem von Menschen und Tieren stören können.

Während die Agro-Industrie gute Gewinne macht, trägt die Gesellschaft einen Großteil der Kosten, die sie verursacht, zum Beispiel um belastetes Wasser wieder zu reinigen oder um Erkrankungen, die durch die Anwendung der Pestizide entstanden sind, zu behandeln. Ökologisch wirtschaftende Betriebe setzen bewusst keine chemisch synthetischen Pflanzenschutzmittel ein. Sie sind zudem besonders achtsam, dass ihre Produkte nicht durch Pestizidabdrift von angrenzenden konventionellen Ackerflächen verunreinigt werden, und sie investieren viel Geld in Rückstandskontrollen.

 

Den Industrieverband Agrar plagen jedoch ganz andere Sorgen: Die Lobbyisten warnten auf ihrer Jahrespressekonferenz im Mai vor den "Folgen für die Produktivität und die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft" und titulierten die Europäische Union als "Innovationsbremse", weil in der EU endlich Ausschlusskriterien für besonders gefährliche Wirkstoffe eingeführt worden sind.

Wir haben es satt: Sommeraktionen gegen Agrarindustrie

Die Agrarwende kommt in Deutschland nicht voran. Daher plant das Bündnis „Wir haben es satt!“ auch für diesen Sommer Aktionen für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft. Für den letzten Juni-Sonntag, den 29. Juni 2014, sind eine Kundgebung und ein „Agrarpolitischer Sonntagsspaziergang“ mit Protest-Picknick in Haßleben in der Uckermark geplant. Dort soll am Standort einer 1991 geschlossenen Mastanlage eine riesige neue für mehr als 37.000 Schweine entstehen.

Die Landesregierung Brandenburg hat die Anlage zwar vor einem Jahr genehmigt, doch mehrere Verbände haben Widerspruch eingelegt. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die riesige Mastanlage ist ein Symbol für eine verfehlte Landwirtschaftspolitik. Die Agrar- und Lebensmittelindustrie ist heute geprägt von Exportdumping mit überschüssiger Fleischproduktion einerseits und dem Import gentechnisch veränderter Futtermittel, qualvoller Tierhaltung und Umweltbelastungen andererseits.

Am 5. Juli heißt es dann auch in Sachsen: „Wir haben Agrarindustrie satt! Für gutes Essen und eine zukunftsfähige Landwirtschaft“. Die Demonstration startet am Bahnhof Neustadt in Dresden. Für den 30. August ruft das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg unter gleichem Motto zur Demonstration in Potsdam auf. Vor den Landtagswahlen in Brandenburg soll ein Zeichen gesetzt werden für eine Agrarwende, Saatgutvielfalt, die Förderung regionaler Lebens- und Futtermittelerzeugung und eine strukturreiche Landwirtschaft. Nach der erfolgreichen Schlachthofumzingelung im niedersächsischen Wietze im vergangenen Sommer mit 7.000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet hoffen die Veranstalter auch 2014 auf tatkräftige Unterstützung. Detaillierte Informationen finden Sie online unter www.wir-haben-es-satt.de.

Landgurken – Sommersnack aus dem Freiland

Bei Gurken muss es nicht immer die klassische Salatgurke sein! Im Sommer bietet der Bio-Fachhandel auch die kompakteren Landgurken an. Sie haben ein intensiveres Aroma und eine festere, oft nicht ganz so glatte Schale, manchmal auch mehr Kerne, die jedoch sehr weich sind. Genau wie mit Salatgurken kann man mit Landgurken einen klassischen Gurkensalat zubereiten oder mit Blattsalat, Tomate, Radieschen und Schafskäse eine erfrischende Sommermahlzeit. Gut machen sich Landgurken auch in Tsatsiki, Couscous-Salat, pur mit Dips oder in einer kalten Gurkensuppe.

Im Hochsommer stammt ein Teil der Landgurken aus deutschem Freilandanbau. Grundsätzlich sind aber alle Gurkensorten kälteempfindlich und werden daher in Mitteleuropa meist unter Glas gezogen. So auch die „Minigurke“, eine stark verkleinerte Version der Salatgurke, die man direkt aus der Hand knabbern kann. An warmen Tagen sind alle Gurkensorten ein idealer und erfrischender Snack, denn sie enthalten 96 bis 98 Prozent Wasser, kaum Kalorien und als Zugabe einige wichtige Mineralstoffe in und direkt unter der Schale. Also Bio-Gurken nur waschen, nicht schälen! Auch die etwas robustere Schale der Landgurken ist essbar.

Landgurken kann man auch als Salz- oder Gewürzgurken einlegen oder als Schmorgurken in Gerichten wie Ratatouille und Schmorgerichten verwenden, beispielsweise mit Senfsahne. Die Demeter-Gärtnerei Sannmann bei Hamburg baut zum Beispiel die samenfeste Gurke „Delikatess“ an - ein Gurke mit kräftigem Aroma und festerem Fruchtfleisch, das nicht so schnell zerfällt.

Frisch geduscht – natürlich mit Naturkosmetik

Was herkömmliche Duschgele so enthalten, kann einem die frische Dusche am Ende eines heißen Sommertages schon vermiesen: hormonell wirksame Substanzen, synthetische Duft- und Konservierungsstoffe, Silikone, Paraffine und andere Zutaten auf Erdölbasis. Auch so manches „natürlich“ wirkende Produkt im Drogeriemarkt ist bei genauerem Hinsehen nur grüner Schein. Zum Beispiel ist der großzügig beworbene Anteil natürlicher Inhaltsstoffe oft verschwindend klein.

Zum Glück geht es auch mit weniger Chemie und ehrlicher: mit Duschgel aus der Naturkosmetik-Abteilung. Die oben genannten Stoffe dürfen nicht verwendet werden, und auch Polyethylenglykole, sogenannte PEG, kommen nicht in die Flasche. Diese Tenside mit PEG greifen die natürliche Hautbarriere an, so dass schädliche Stoffe leichter eindringen können. In zertifizierten Naturkosmetik-Duschgelen stecken daher milde pflanzliche Tenside auf Zucker- oder Kokosbasis. Statt auf synthetische Farb- und Duftstoffe setzen Naturkosmetikhersteller auf ätherische Öle und Kräuterextrakte. Viele der hochwertigen pflanzlichen Inhaltsstoffe stammen aus ökologischem Anbau.

Fachgeschäfte, die den Sortimentsrichtlinien des Bundesverband Naturkost Naturwaren entsprechen, tragen das „N“ als Label und führen ausschließlich Naturkosmetika, die nach hohen Standards zertifiziert sind, darunter BDIH, Demeter, Ecocert und NaTrue. Das Sortiment dieser Geschäfte wird regelmäßig kontrolliert. Da auch Naturstoffe Allergien auslösen können, bieten einige Naturkosmetik-Hersteller spezielle Serien an für Menschen mit sensibler Haut, zum Beispiel „Logona Pur“ oder „Freistil parfumfrei“ von I&M. Auch die flüssige Bio-Pflanzenseife wie „Liquid sensitive“ von Sodasan eignet sich gut als Duschgel.