Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 05/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

22. Mai: Ein Tag für die biologische Vielfalt

Jahrestage gibt es viele, ob für verlorene Socken oder auch den Sprich-wie-ein-Pirat-Tag. Der Tag der Biologischen Vielfalt am 22. Mai, eingeführt von den Vereinten Nationen, zählt sicher zu den wirklich bedeutsamen. Denn Menschen, Tiere und Pflanzen, alle Ökosysteme auf unserem Planeten, können nicht ohne Artenvielfalt und genetische Vielfalt überdauern.

Bio-Produkte stehen seit jeher in besonderer Weise für Vielfalt. Ökologische Züchter entwickeln und erhalten in geduldiger Arbeit eine bunte Auswahl an Sorten, die an den Biolandbau angepasst sind und die Landwirte unabhängig machen von den einseitig auf Ertrag genormten Züchtungen der Agrarkonzerne. Die Biobauern selbst sorgen mit durchdachten und bewährten Fruchtfolgen und dem Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Dünger weltweit dafür, dass es Inseln der Vielfalt inmitten der vielen öden Agrar-Monokulturen gibt.

Was der Biolandbau für die Vielfalt leistet, belegt auch eine neue Studie: Der Naturschutzbund (NABU) hat im Auftrag des Umweltbundesamtes die Ergebnisse zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen zur Gefährdung von Tierbeständen ausgewertet, um die Ursachen für den Artenrückgang zu ermessen. Das Ergebnis: Pflanzenschutzmittel rauben Vögeln und Säugetieren die Nahrungsgrundlage und tragen so zum Artenschwund bei. Viele Arten, darunter Rebhuhn, Feldlerche und Goldammer, finden weniger Nahrung, weil mit den Schädlingen auch Futtertiere getötet werden. Herbizide vernichten außerdem Wildkräuter, auf denen Insekten leben und die Kleinsäugern und Jungvögeln Schutz bieten. Es sei dringend nötig, in der Agrarlandschaft mindestens zehn Prozent Vorrangflächen ohne Spritzmittel einzurichten, so die Schlussfolgerung des NABU.

Europawahl – entscheidend für TTIP!

Wer noch zögert, zur Europawahl zu gehen, sollte sich einen Ruck geben: Die Wahl ist eine entscheidende Abstimmung auch in Sachen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership)! Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA bedroht bewährte EU-Richtlinien im Umwelt- und Verbraucherschutz. Das neue Europaparlament, das wir am 25. Mai wählen, wird über dieses Abkommen abstimmen. Die TTIP-Verhandlungen laufen offiziell seit Juni 2013. Der Abschluss ist für 2015 geplant; der genaue Zeitplan hängt jedoch vom Fortschritt der Verhandlungen ab.

TTIP könnte die Tür öffnen für ungekennzeichnete Gentechnik in Lebens- und Futtermitteln und für eine industrielle Tierhaltung, in der auch Hormone, umstrittene Futtermittelzusätze und Antibiotika kaum noch begrenzt sind. Das Abkommen, wie es derzeit geplant ist, würde auch die Zulassung giftiger Chemikalien in Alltagsprodukten sowie das umstrittene Gas-Fracking in Europa erleichtern. Überdies würden nach derzeitigem Stand demokratische Prinzipien ausgehebelt, da Konzerne Staaten vor privaten Schiedsgerichten verklagen könnten, wenn sie ihre Gewinnaussichten durch demokratische Beschlüsse verletzt sehen. Auf eine solche Investitionsschutzklausel in einem anderen Abkommen beruft sich heute schon Vattenfall und verklagt derzeit Deutschland auf 3,7 Milliarden Euro Schadensersatz für den Atomausstieg.

Campact hat daher „Denkzettel“ zur Europawahl drucken lassen. „Wählen Sie die Katze im Sack? TTIP abwählen!“ steht auf den 6,5 Millionen Exemplaren, die von 24.000 Aktiven bundesweit vor der Europawahl an die Türen ihrer Nachbarn gehängt werden. Trotz mehrerer Nachdrucke können mittlerweile keine Türhänger mehr bestellt werden. Wer möchte, kann jedoch Handzettel ausdrucken. Außerdem können Sie online weiterhin den Campact-Appell gegen TTIP unterzeichnen!

EU fördert Obst und Gemüse für Schulkinder

Regelmäßig Obst und Gemüse für Schulkinder, und das auch noch kostenfrei – das EU-Schulobst- und -gemüseprogramm macht es seit 2009 möglich. Denn der Obst- und insbesondere der Gemüseverzehr der meisten Kinder liegt deutlich unter der von Experten empfohlenen Menge. Im nächsten Schuljahr können noch mehr Schulen profitieren, denn die EU stellt deutlich mehr Geld zur Verfügung. Grundsätzlich können Schulen ihren Lieferanten aus einer Liste mit zertifizierten Anbietern frei wählen, also auch Bio-Lieferanten.

Hauptziel des Programms ist es, Kindern Obst und Gemüse schmackhaft zu machen. Die teilnehmenden Schulen verpflichten sich, Unterrichtseinheiten oder Projekttage zum Thema durchzuführen, zum Beispiel Besuche auf Obsthöfen, das Anlegen eines Schulgartens oder von Kräutergärten auf der Fensterbank. Der bürokratische Aufwand für die Schulen ist gering, allerdings müssen sie organisieren, wer das ein bis fünf Mal pro Woche gelieferte Obst und Gemüse wäscht und zubereitet. Bewährt hat sich dafür in vielen Bundesländern ein „Obstdienst“ in den Klassen.

Rund eine Million Kinder haben im Schuljahr 2012/2013 in Deutschland vom EU-Schulfruchtprogramm profitiert, vor allem an Grundschulen. Mit dabei sind bisher Baden-Württemberg, Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Zahl der Schulen und Schüler dürfte im Schuljahr 2014/2015 dank der Ausweitung des EU-Programms deutlich steigen. Neu dabei ist neben Bremen auch Niedersachsen, wo das Landwirtschaftsministerium besonderen Wert darauf legt, dass das Obst und Gemüse saisonal und regional und nach Möglichkeit auch in ökologischer Qualität geliefert wird.

Tatsächlich wirkt das Schulobst-Programm, wie Evaluierungen zeigen: So ist in NRW der Obst- und Gemüseverzehr von Schülerinnen und Schülern, die an diesem EU-Programm teilnehmen, deutlich gestiegen. Der Bio-Anteil wird noch nicht in allen Bundesländern erfasst, liegt aber zum Beispiel in Bayern bei etwa 35 Prozent, in Rheinland-Pfalz bei mindestens 30 Prozent.

Ideal zu Spargel und gar nicht so schwer: Sauce Hollandaise

Zur Spargelzeit hat jeder seine Vorlieben – die einen lieben zu den weißen Stangen einfach Kartoffeln und Butter, andere schwören auf Schinken oder Kotelett. Viel geliebt, auch zu anderen Gemüsesorten oder Fisch, aber von manchen ob der nicht ganz einfachen Zubereitung gefürchtet ist die Sauce Hollandaise. Tatsächlich kann diese klassische Sauce bei der Zubereitung leicht gerinnen, wenn man zu „heißblütig“ an die Sache herangeht. Das A und O sind kräftiges Schlagen, um ganz ohne Emulgatoren eine Emulsion zu erzeugen, und vor allem nicht zu hohe Temperaturen.

Also mutig ans Werk: Während der Spargel gart, 200 Gramm Butter in einem kleinen Topf vorsichtig zerlassen. Ist die Butter flüssig, schöpft man mit einem Löffel den Schaum ab und lässt sie etwas abkühlen. In der Zwischenzeit trennt man drei ganz frische Eier und verrührt die Eigelbe mit einem Schneebesen kräftig mit drei Esslöffeln Weißwein oder Wasser. Als Behälter wählt man am besten einen Metallbecher oder -topf, denn das Gefäß kommt nun samt Inhalt in ein 60 bis 70 Grad heißes, auf keinen Fall kochendes Wasserbad. Die Mischung mit dem Schneebesen weiter schlagen, bis sie eine cremig-dickliche Konsistenz hat. Die Eigelbmischung dann aus dem Wasserbad holen und die Butter am besten zunächst tropfenweise, dann im dünnen Strahl mit dem Schneebesen kräftig unterschlagen, bis eine cremige Sauce entstanden ist. Erst jetzt nach Geschmack mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Fertig! Möglichst bald servieren und nicht wieder aufwärmen, sonst gerinnt die köstliche Sauce zu guter Letzt doch noch.

Wer sich nicht traut oder wenig Zeit hat, findet im Bio-Fachhandel auch „Sauce Hollandaise“ in Pulverform, zum Beispiel von Erntesegen. Man erhitzt sie in Wasser und verfeinert nach Geschmack mit Butter. Die Hollandaise von Biovegan ist sogar vegan, da sie kein Eipulver enthält.

Da blüht Ihnen Eiweiß: Lupinen!

In Gärten und am Wegesrand blühen jetzt blau, weiß und gelb die auffälligen Lupinen. Dass diese Blume auch eine Nahrungspflanze ist, wussten zwar schon die alten Griechen. Doch trotz einiger Bemühungen von Forschern, Verarbeitern und Landwirten sind Lupinenprodukte hierzulande wenig bekannt und bis heute fast ausschließlich im Naturkosthandel erhältlich. Besonders beliebt sind küchenfertige Zubereitungen wie vegane Schnitzel, Burger und Würstchen. Noch relativ neu auf dem Markt sind die veganen „alberts“- Brotaufstriche aus der heimischen Süßlupine von Purvegan, einem Unternehmen, das auch Tofu- und Seitanprodukte herstellt.

Lupinen gehören wie Erbsen, Linsen, Bohnen und Soja zu den proteinreichsten Nahrungspflanzen der Welt, den Hülsenfrüchten, auch Leguminosen genannt. Bis zu 40 Prozent Eiweiß enthalten die Samen, darunter alle essenziellen, also für den Menschen unentbehrlichen Aminosäuren, dazu viele Mineral- und Ballaststoffe. Dank der Arbeit von Züchtern enthalten Kultursorten so gut wie keine bitteren und giftigen Alkaloide wie ihre wilden Schwestern. Die Sorten für die Lebensmittelproduktion werden daher auch Süßlupinen genannt.

Süßlupinenmehl erhöht den Eiweißgehalt von Backwaren und verlängert dank antioxidativ wirkender Inhaltsstoffe die Haltbarkeit. Es verleiht dem Gebäck außerdem eine schöne Gelbfärbung und einen nussigen Geschmack. Das Mehl ist im gut sortierten Naturkosthandel erhältlich und eignet sich auch für Menschen mit Zöliakie, da es frei von Gluten ist. Allerdings sollte man nur 10 bis 15 Prozent der Mehlmenge ersetzen, da Lupinenmehl einen starken Eigengeschmack hat. Mischt man Lupinenmehl mit Maismehl, lässt sich auch leicht Ei-Ersatzpulver herstellen: Ein Teelöffel dieses Pulvers, verrührt mit etwa 40 ml Wasser, ersetzt ein Ei. Etwas Lupinenmehl ist übrigens auch ein guter Eiweißkick für Müslis oder Smoothies!

Zu viel Plastik: Was muss wirklich in die Tüte?

Die EU will die Umwelt und besonders die Meere besser vor gefährlichem Plastikmüll schützen. Daher soll der Verbrauch von Plastiktüten stark eingeschränkt werden, und zwar innerhalb von fünf Jahren um 80 Prozent. Die Mitgliedsstaaten dürfen dazu wahlweise auf Steuern, Abgaben oder Verbote setzen. Das geplante Gesetzt bezieht sich allerdings nur auf dünne Tüten, zudem soll es Ausnahmen für frisches Fleisch, Fisch und Käse geben. Das Europaparlament hat dem Entwurf in erster Lesung bereits zugestimmt.

Noch werden in der EU jährlich etwa 100 Milliarden Plastiktüten verwendet, im Schnitt rund 200 Stück pro Person. Den Iren ist es mit einer Abgabe von 44 Cent pro Tüte gelungen, den Verbrauch auf 18 Stück zu senken. Deutschland liegt mit rund 70 Tüten pro Kopf im Mittelfeld.

In den Bioläden hieß es schon in den achtziger Jahren „Jute statt Plastik“. Viele Kunden bringen auch heute noch Körbe, Baumwollbeutel oder andere Taschen mit zum Einkauf. Der überwiegende Teil der Bioläden verzichtet zusätzlich auf Plastikbeutel für Obst und Gemüse – ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Denn selbst „biologisch abbaubare“ Tüten verursachen große Probleme: Die Deutsche Umwelthilfe hat Studien zur Umweltverträglichkeit von Verpackungsmaterialien ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass weder die biologisch abbaubare noch die Plastiktüte aus nachwachsenden Rohstoffen einen ökologischen Vorteil gegenüber der erdölbasierten Tüte bietet. Zum Beispiel schädigt der Anbau nachwachsender Rohstoffe oft die Umwelt besonders stark. Tüten aus biologisch abbaubaren Kunststoffen sind zwar theoretisch kompostierfähig, werden aber in Müllbehandlungsanlagen in der Regel aussortiert, weil sie zu lange brauchen, um sich zu zersetzen. Papiertüten bieten laut DUH erst dann Vorteile in der Ökobilanz, wenn sie drei bis vier Mal benutzt werden. Auch hier heißt es also Umdenken in Richtung Verzicht oder häufige Wiederverwendung!