Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 04/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Frühlingsfrisch – ganz in Grün

Die Frühlingssonne lässt überall junges Grün sprießen – Zeit, um unsere Vitamin- und Mineralstoffspeicher damit aufzufüllen! Das erste Gemüse, das wir in unseren Breiten frisch vom Feld erhalten, ist Spinat. Die zarten Blätter sind besonders lecker als Salat, zum Beispiel mit Ziegenkäse, Pinienkernen und einem guten Olivenöl oder mit Champignons, Möhren, roter Zwiebel und Feta. Junge Spinatblätter machen sich auch gut auf gerösteten Baguette-Scheiben mit etwas Olivenöl und Balsamico, rotem Pesto und gehobeltem Parmesan. Spinat enthält viel Vitamin C und zahlreiche Mineralstoffe, kann aber auch Nitrat anreichern.

Ebenfalls frühlingsfrisch kommen jetzt junger Löwenzahn und Sauerampfer daher, sind allerdings seltener im Handel zu finden. Viele Bio-Fachgeschäfte bieten aber die ebenfalls Vitamin-C-reiche und scharf-würzige Brunnenkresse an, die jedem Salat einen besonderen Kick gibt, auch Kartoffel- oder Spargelsalaten. Zum Frühling ganz in Grün gehören auch Feldsalat und Postelein. Beide sind nicht nur im Winter gute Vitaminlieferanten, sondern sprießen im Frühjahr sogar frisch im Freiland. Postelein hat feste Blätter mit langen Stielen und liefert wie Spinat viel Vitamin C und Mineralien. Man kann ihn zum Beispiel mit anderen Salatblättern, Tomaten oder Kräutern kombinieren, aber auch auf Brot mit Kräuterquark essen. Postelein, auch Winterportulak genannt, stammt ursprünglich aus Nordamerika und soll so manchen Goldgräber in langen Wintern vor Skorbut bewahrt haben.

Auch Rucola –mit deutschem Namen Rauke - kommt nun zunehmend aus dem heimischen Freilandbeet, zumindest in klimatisch milden Lagen. Das würzige Grün schmeckt im Salat, zum Beispiel mit Radieschen und Hüttenkäse, klassisch mit Tomaten und Mozzarella oder jetzt im Frühling auch mal mit Erdbeeren, Mozzarella, Ahornsirup und Balsamico. Als echtes Mittelmeergewächs verträgt sich Rucola zudem bestens mit Pasta, Pizza und Risotto – am besten frisch nach Ende der Garzeit hinzugefügt.

Ins Osternest nur Bio-Eier!

Hühner lieben helle und geräumige Ställe, sie picken, scharren und baden gern im Sand, und sie möchten bei freundlichem Wetter ins Freie. All das bekommen Bio-Hühner. Hennenhalter, die einem Bio-Anbauverband angehören, tun sogar noch mehr: Sie bieten ihren Hennen zum Beispiel trockene „Wintergärten“ für kalte und regnerische Tage, wenn kein Huhn freiwillig nach draußen geht. Das ist eine optimale Kombination, da die Hennen jeden Tag „nach draußen“ können, aber bei schlechtem Wetter vor der Witterung geschützt sind. Damit immer frisches Gras und Kräuter bereit stehen, halten einige Betriebe ihre Tiere auch in Hühnermobilen, die regelmäßig auf andere Wiesen gefahren werden.

Mindestens vier Quadratmeter Auslauf ist für jede Bio-Legehenne vorgeschrieben. Wichtig ist, dass Sträucher und Bäume für Sichtschutz sorgen, denn die eher schreckhaften Hühner haben es gern geschützt. Im Stall dürfen es maximal sechs Tiere pro Quadratmeter sein – in der konventionellen Haltung sind neun erlaubt. Käfighaltung ist auf Biobetrieben selbstverständlich verboten, ebenso das systematische Kürzen der Schnäbel. Gefüttert werden die Hennen nach den Richtlinien der Öko-Verordnung, dabei ist auch ein Mindestanteil für Futter vom eigenen Hof bzw. aus Kooperationen mit anderen Erzeugern in der Region vorgegeben. Bei den Bio-Anbauverbänden sind die Bestimmungen hier teilweise strenger, so müssen zum Beispiel die Hennenhalter von Bioland-Betrieben die Hälfte des Futters selbst erzeugen. Eine vorbeugende Behandlung mit Tierarzneimitteln ist nicht zugelassen. Die Halter gewährleisten durch gute Hygiene und regelmäßiges Beobachten der Herde, dass Probleme frühzeitig erkannt werden.

Fragen Sie doch mal in Ihrem Fachgeschäft, woher die angebotenen Bio-Eier stammen. Viele Läden erhalten ihre Eier direkt von einem Erzeuger aus der Region oder ihren regionalen Großhändler. Vielleicht gibt es sogar die Möglichkeit, den Lieferanten zu besuchen, und sei es virtuell im Internet. Infos zu den Eier-Erzeugern der Bio-Großhändler im Bundesverband Naturkost Naturwaren finden Sie auf der Website des Verbandes.

Ab ins Beet: Samenfeste Bio-Sorten mit Charakter

Lanzenrittersporn, Goldmohn, Bechermalve, Kletterlöwenmäulchen, Edelwicke und Jungfer im Grünen – schon die Namen sind wunderschön, erst recht die Blütenpracht im Blumenbeet oder im Balkonkasten. Und das Beste: Alle diese Sorten gibt es im Bio-Fachgeschäft, natürlich samenfest und ökologisch produziert! Die Bingenheimer Saatgut AG lässt das Saatgut für den Naturkosthandel in Tüten abfüllen, auch praktische Mischungen wie „Bienenweide“, „Sommerpracht“ und „Essbare Blüten“. Im Baumarkt und im Gartenhandel findet man dagegen fast nur noch Hybridsorten, meist entwickelt von großen Konzernen, für die Eigenschaften wie „regional angepasst“ oder „geeignet an den ökologischen Landbau“ keine Bedeutung haben. Fast 75 Prozent des Saatgutmarkts weltweit werden heute von den zehn größten Saatgutunternehmen bestimmt. Sie setzen auf Höchsterträge und Einheitlichkeit, und ihre Sorten lassen sich nur mit Hilfe von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden erfolgreich anbauen.

Die Bingenheimer Saatgut AG vertreibt ausschließlich samenfestes Öko-Saatgut, darunter viele biologisch-dynamische Gemüse-Neuzüchtungen. „Besitzer“ der Sorten ist der Verein Kultursaat e.V., der die Züchtungsarbeit der beteiligten Bio-Höfe und Bio-Gärtnereien koordiniert und finanziert. Sehr erfolgreich ist seit vielen Jahren die „Aktion Bantam!“. Es begann 2006 mit samenfestem Saatgut für den Traditions-Zuckermais „Golden Bantam“, der mittlerweile an über 60.000 Standorten in Deutschland wächst.

 

Viele Gärtnerinnen und Landwirte protestieren damit gegen Gentechnik-Mais und setzen Zeichen für die Sortenvielfalt. Im Laufe der Jahre sind diese Zeichen sogar immer bunter geworden, denn für die „Aktion Bantam“ bietet die Bingenheimer Saatgut AG unter anderem auch Samen für den Leinsamen „Blaues Wunder“, für Gelbe Zucchini, Sonnenblumen und besonders widerstandfähige Freilandtomaten. Neu in diesem Jahr: die blaue Protest-Lupine, eine Leguminose, die als Stickstoffsammler den Boden auf natürliche Weise verbessert und mit ihren blauen Schmetterlingsblüten den Garten bereichert.

Anders als bei Hybridsorten lassen sich aus samenfesten Sorten immer wieder neue Pflanzen ziehen, wie von der Natur vorgesehen. Gärtner und Landwirte haben seit Menschengedenken einen Teil ihrer Ernte als Saatgut für das nächste Jahr zurückbehalten, vorrangig von Pflanzen, die besonders gute Eigenschaften zeigten. Wer jetzt in seinem Garten oder auf dem Balkon samenfeste Blumen- oder Gemüsesaat legt, steht also in einer jahrtausendealten Tradition, die eine unglaubliche Vielfalt an Sorten hat entstehen lassen.

Bald ist heimische Bio-Erdbeeren-Erntezeit

Auf den Bio-Erdbeerfeldern laufen die Vorbereitungen für die Erntesaison auf Hochtouren. Wohl kaum jemand, der sich nicht auf die saftig-süßen roten Früchte freut! Bevor es soweit ist, haben die Bio-Anbauer viel Arbeit investiert. Der Boden muss aufgelockert werden und darf nicht zu nass sein, Unkräuter werden während des ganzen Jahres durch Hacken und Jäten entfernt, und damit zur Blütezeit genügend fleißige Bestäuber fliegen, sind Biogärtner auch Landschaftspfleger, die sich um Lebensraum für Bienen und Hummeln kümmern. Auch in der Erntezeit ist bei Bio wieder viel Handarbeit gefragt: Die Reihen werden häufiger abgepflückt und kranke Früchte dabei aussortiert. Jeder, der schon einmal Erdbeeren angebaut hat, weiß, wie viel Mühe es kostet, bis ein Körbchen voll auf dem Tisch steht.

Erdbeeren sind allerdings nicht nur beliebt bei uns Menschen, sondern auch bei vielen Schädlingen. Die Pflanzen sind vor allem anfällig für Pilzerkrankungen. Im konventionellen Anbau werden sie intensiv mit synthetischen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Im Bio-Anbau sorgen weite Reihenabstände oder auch der Anbau auf kleinen Dämmen für eine gute Durchlüftung, um Pilzerkrankungen zu vermeiden. Damit die Erdbeeren sauber und trocken bleiben, wird Stroh untergelegt. Auch ausgeklügelte Fruchtfolgen, Standortwahl und die richtige Sorte am richtigen Platz haben entscheidenden Einfluss auf die Pflanzengesundheit. Besonders in weniger milden Regionen schützen Folienhäuser oder -tunnel die Pflanzen vor Spätfrösten und vor Regen, der die Graufäule begünstigt.

Erdbeeren sind nicht nur süß und lecker, sondern auch gesund. Sie enthalten zum Beispiel mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte, dazu unter anderem höhere Mengen an Mangan und Folsäure. Und in Bio kommen sie mit einem Zusatz-Plus: Das Öko-Monitoring in Baden-Württemberg bestätigt seit vielen Jahren, dass Bio-Erdbeeren so gut wie unbelastet sind, während fast allen konventionellen Proben regelmäßig Pestizid-Rückstände enthalten, vor allem Erdbeeren, die außerhalb der Saison als Import-Ware zu uns kommen. Den vollen Geschmack haben übrigens nur ausgereifte Früchte, denn Erdbeeren reifen nicht nach. Am besten also frisch gepflückt genießen! Und vor dem Waschen die Stiele und Blätter nicht entfernen, so bleibt das Aroma besser erhalten.

Versteckt: Gen-Pollen im Honig

Wenn Bienen gentechnisch veränderte Pflanzen anfliegen, können Spuren davon mit dem Pollen auch in den Honig gelangen. 2011 urteilte der Europäische Gerichtshof: Gentechnisch veränderter Pollen ist als Zutat zu betrachten. Honig, der auch nur geringe Spuren davon enthält, dürfe somit nicht ohne besondere Sicherheitsprüfung und Zulassung verkauft werden, denn er sei als „aus genetisch veränderten Organismen hergestelltes Lebensmittel“ einzustufen.

Die EU-Kommission vertritt dagegen die Auffassung, dass „zufällig“ mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verunreinigter Honig keiner Zulassung bedarf. Begründet wird dies damit, dass Pollen keine "Zutat", sondern "natürlicher Bestandteil" des Honigs seien. Der Trick dabei: Da der Pollenanteil im Honig in der Regel nur bei 0,5% liegt, die Kennzeichnungsschwelle für GVO jedoch bei 0,9%, müsste GVO-belasteter Honig nicht mehr gekennzeichnet werden. Mitte März hat nun der Umweltausschuss im Europaparlament tatsächlich im Sinne der EU-Kommission abgestimmt, wenn auch mit knapper Mehrheit. Stimmt auch noch das EU-Parlament zu, was als Formsache gilt, werden Verbraucher künftig nicht darüber informiert, ob in einem Glas Honig GVO steckt. Gerade in den USA, in Südamerika und in Kanada werden gentechnisch veränderte Pflanzen in großem Stil angebaut. Das Risiko, dass Honig aus diesen Ländern auch GVO enthält, ist groß.

Für die große Mehrheit der Verbraucher, die gentechnikfreie Lebensmittel möchten, ist Bio-Honig die beste Alternative: Viele Bio-Imker arbeiten in gentechnikfreien Regionen, bevorzugen ökologisch bewirtschaftete und naturbelassene Flächen und meiden Standorte, in denen Intensiv-Landwirtschaft betrieben wird. Viele Bio-Imker engagieren sich außerdem politisch gegen die Agro-Gentechnik, denn auch sie können den Flug ihrer Bienen nicht steuern und geben deshalb einer Landwirtschaft ganz ohne Gentechnik den Vorzug. Bio-Honig bietet daneben weitere Vorteile: Bio-Imker verzichten auf chemisch-synthetische Medikamente und verwenden Bienenstöcke ohne synthetische Farben, Fungizide und Pestizide. Synthetisches Wachs oder der Einsatz von Kunststoff für den Wabenbau ist nicht erlaubt und gegen die gefährliche Varroa-Milbe kommen keine Insektizide zum Einsatz.