Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 03/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Schmackhaft und klimafreundlich: Heimische Kartoffeln

Nach und nach sind jetzt die ersten Bio-Importkartoffeln aus Ägypten und Israel im Handel zu entdecken. Aus Überzeugung bietet der Bio-Fachhandel parallel dazu weiter regionale Ware an, so lange noch Kartoffeln der letzten Ernte im Lager sind. Das ist auch ein Gewinn für die Umwelt: Die Klimabilanz ist für heimische Kartoffeln besser, trotz der notwendigen kühlen Lagerung. Das zeigen Berechnung der Agra-Teg GmbH, die auch das System „Stop-Climate-Change“ entwickelt hat. Hauptgrund sind die langen Transportwege. Ein zweites Umweltproblem in trockenen Regionen wie Ägypten und Israel ist die Bewässerung. In der Wüste wird dafür kostbares Grundwasser angezapft, so genanntes fossiles Wasser, das sich kaum erneuert. Im Schnitt werden pro Kilogramm Kartoffeln in Ägypten 430 Liter Wasser benötigt. In Deutschland reicht meist der natürliche Regen; nur in heißen Jahren kommen noch einmal rund zehn Liter hinzu.

Noch vor zwei Jahren hatten die großen Handelsketten mit dem Verkauf von Bio-Importkartoffeln bereits im Februar begonnen. Gleichzeitig nahmen sie heimische Ware aus dem Angebot, da bei Discountern nur ein Palettenplatz für Bio-Kartoffeln zur Verfügung steht. Viele Bio-Kartoffelbauern protestierten, in einigen Regionen verschenkten sie sogar öffentlich Kartoffeln. Diese Aktionen haben offenbar Wirkung gezeigt: Im letzten Jahr und auch in diesem Frühjahr sind auch im konventionellen Handel viel länger heimische Bio-Kartoffeln im Angebot. Und so ist Monika Tietke vom Bio Kartoffel Erzeuger e. V. „im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem Saisonverlauf“. Der Verband vertritt mehr als ein Drittel der verbandsgebundenen Bio-Kartoffelerzeuger in Deutschland.

„Man kann eine Bio-Kartoffel nicht für nen Appel und ein Ei erzeugen“, betont Tietke. „Wenn die Landwirte am Ende der Saison immer wieder auf der Ware sitzen bleiben, dann ist das ein zu großes Risiko.“ Viele würden schließlich keine Kartoffeln mehr anbauen oder sogar ganz aus der Bio-Landwirtschaft aussteigen. Ein Verlust für die Gesellschaft, denn der Anbau von Bio-Kartoffeln ist ein wichtiger Teil der Fruchtfolge im Ökolandbau, die dafür sorgt, dass die Böden fruchtbar bleiben, ganz ohne chemische Dünger. Heimische Bio-Kartoffeln haben aber noch einen großen Pluspunkt, wie viele Verbraucher aus Erfahrung wissen und zahlreiche Sensoriktests belegen: Sie sind einfach schmackhafter. Manche Sorten wie Linda oder Ditta entwickeln sogar erst mit der Lagerung ihr volles Aroma.

Gen-Mais 1507 erfüllt Versprechen der Agro-Industrie nicht

Die Bundesregierung hat sich in Brüssel nicht gegen die Zulassung der Maissorte 1507 gewehrt. Schon im nächsten Jahr könnte die gentechnisch veränderte Sorte somit auf Feldern in der EU wachsen. Angeblich bringen gentechnisch veränderte Pflanzen höhere Erträge und erfordern weniger Pestizide. Immer mehr Studien weisen jedoch darauf hin, dass dies nicht der Fall ist: Insekten und Unkräuter passen sich an und werden widerstandfähiger gegen das Gift, das der Mais produziert. Die Folge: Die Landwirte müssen zusätzlich zum teuren Saatgut in noch mehr Pestizide investieren.

Das belegen auch aktuelle Recherchen der ARD für das Magazin „Report“ in Brasilien: Bauern, die dort Mais 1507 anbauen, mussten nach ersten Erfolgen bereits im dritten Anbaujahr mehr Pestizide einsetzen und Umsatzeinbrüche verzeichnen. Denn viele Maispflanzen wurden von den Raupen des Maiszünslers geschädigt, gegen die der gentechnisch veränderte Mais eigentlich ein Gift bildet. Die Schädlinge schien das nicht mehr zu beeindrucken - viele waren resistent geworden. Eine Studie für die Europafraktion der Grünen kam zu dem Schluss, dass auch in den USA der Einsatz von Pestiziden durch den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen deutlich gestiegen ist statt zu sinken. Zahlen der amerikanischen Umweltbehörde EPA weisen ebenfalls darauf hin.

Für die EU hat die europäische Lebensmittelbehörde EFSA die Sicherheit von Mais 1507 positiv bewertet und damit den Weg für die Zulassung geebnet. Greenpeace nennt jedoch gravierende Mängel des Gutachtens: So fehlten in den Unterlagen der Antragsteller grundlegende Daten, die für eine ausreichende Risikobewertung notwendig seien. Befunden, die darauf hinweisen, dass der Mais nicht als sicher beurteilt werden kann, sei nicht nachgegangen worden. Zum Beispiel bildet 1507-Mais extrem viel Bt-Toxin im Pollen, sehr viel mehr als zum Beispiel der gentechnisch veränderte Mais MON 810, der in Spanien angebaut wird. Das Toxin wirkt besonders stark auf Schmetterlinge und ist nicht nur für die Raupen des Maiszünslers giftig, sondern kann z.B. auch geschützte Arten bedrohen. Durch den Pollen kann die Eigenschaft auch auf herkömmliche Mais-Pflanzen übertragen werden.

Wirtschaftlich betrachtet hat Mais 1507 übrigens noch einen Haken: Das Herbizid Glufosinat, gegen das er durch eine zweite Gen-Manipulation tolerant ist, ist seit 2013 in der EU für den Maisanbau gar nicht mehr zugelassen.

Machen Sie mit! Unterschriften gegen Gen-Mais 1507

88 Prozent der Bundesbürger wollen laut einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung nicht, dass hierzulande gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut werden. Dennoch hat die Bundesregierung im Februar durch ihre Enthaltung in Brüssel dafür gesorgt, dass der gentechnisch veränderte Mais 1507 des US-Konzerns Pioneer in der EU zugelassen werden kann. Damit hat die Große Koalition nicht nur den Bürgerwillen ignoriert, sondern auch ihren eigenen Koalitionsvertrag, in dem es heißt: „Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an.“ Und weiter: "Wo Verbraucher sich nicht selbst schützen können oder überfordert sind, muss der Staat Schutz und Vorsorge bieten."

Die beiden Dachverbände Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) und Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) haben eine Unterschriftenkampagne gegen den Gen-Mais 1507 gestartet. Auch die Zeitschrift „Schrot & Korn“ unterstützt die Aktion. Die Abgeordneten im Deutschen Bundestag sollen mit möglichst vielen Unterschriften aufgefordert werden, den Anbau in Deutschland zu verhindern. Schon in den ersten Tagen gingen knapp 2.000 Unterschriften ein. Machen Sie mit, damit es viele Tausende werden! Unter www.gentech-stop.de finden Sie die Unterschriftenliste, die auch in vielen Naturkostfachgeschäften ausliegt, sowie die Möglichkeit, online gegen den Gen-Mais zu votieren. Zahlreiche Unternehmen der Biobranche unterstützen die Aktion, darunter Andechser, Biovegan, Byodo, die Herrmannsdorfer Landwerkstätten und Sonnentor.

Gentechnik ist eine Risikotechnologie, die Gefahren für Umwelt und Gesundheit birgt und deren Langzeitfolgen heute niemand abschätzen kann. Der Gentech-Mais 1507 setzt ein Insektengift frei, das nicht nur die Raupen des Maiszünslers töten kann. Das Bundesamt für Naturschutz warnt, dass die Sorte sogar rund 350 Mal mehr Insektengift produziert als der in der EU bereits zugelassene Mais MON 810, der in Spanien angebaut wird. Der Pollen kann die Eigenschaften auch auf herkömmliche Pflanzen übertragen. Damit ist der 1507-Mais eine besondere Bedrohung für die ökologische Landwirtschaft und für die gentechnikfreie Lebensmittelerzeugung.

Berlin torpediert ökologische EU-Agrarpolitik

Pestizide auf ökologischen Vorrangflächen?! Um diese Forderung der Agrarlobby zu verstehen, muss man etwas tiefer einsteigen in das sperrige Gebilde namens GAP. Diese drei Buchstaben stehen für die „Gemeinsame Agrarpolitik“ in der EU. Ein mächtiger Brocken, denn nach wie vor fließen 42 Prozent des EU-Budgets in die Landwirtschaft. Allein die deutschen Bauern werden bis 2020 unvorstellbare 35 Milliarden Euro erhalten. Die Auszahlung dieser öffentlichen Gelder will die EU-Kommission künftig stärker an Leistungen für Gesundheit und Umwelt binden – die GAP soll ökologischer und nachhaltiger werden.

Dazu werden ab 2014 die Direktzahlungen stärker an ökologische Kriterien geknüpft – Stichwort Greening. Eine wichtige Neuerung ist, dass jeder Betrieb fünf Prozent seiner Agrarfläche als ökologische Vorrangfläche ausweisen muss, um einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten. Besonders sinnvoll wären aus Sicht der EU-Kommission Brachflächen, Hecken, Blühstreifen und andere Landschaftselemente, aber auch eine eingeschränkte Nutzung wird möglich sein, zum Beispiel der Anbau von Eiweißpflanzen. Große Teile der Agrarwirtschaft und ihrer Lobbyverbände lehnen den Vorschlag ab und fordern großzügige Ausnahmeregelungen. Und bekommen sie – von der Bundesregierung. Denn der Ende Februar vorgestellte deutsche Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Vorgaben weicht das Greening auf. Nicht nur die Nutzung der Vorrangflächen soll zulässig sein, sondern auch die Düngung mit chemisch-synthetischen Mitteln und der Einsatz von Pestiziden. Intensivlandwirtschaft statt Hecken, Blühstreifen und extensivem Anbau von Linsen und Lein zur Förderung von Artenvielfalt und Bodenbildung – so hatte sich das EU-Agrarkommissar Dacian Cioloş sicher nicht gedacht.

Ob die Pläne der Bundesregierung durchkommen, ist noch offen. Das Umweltbundesamt hält ein Verbot von Pestiziden und Düngemitteln auf ökologischen Vorrangflächen für unabdingbar. Naturschutz-, Bio- und Umweltverbände laufen Sturm, und auch fünf Bundesländer mit grünen Agrarministern lehnen den Entwurf ab. „Deutschland verspielt hier eine einmalige Chance“, warnt Lutz Ribbe, Agrarexperte der Umweltstiftung Euronatur. Denn trotz Milliardensubventionen habe die Landwirtschaft deutlich dazu beigetragen, dass Böden ausgelaugt werden, dass das Grundwasser mit Nitrat belastet ist und die Artenvielfalt dramatisch zurückgegangen ist. Jetzt sind Bundestag und Bundesrat gefragt, das Gesetz nachzubessern. Wenn die Bundesregierung die GAP-Reform weiter aushöhlt, wird aus Greening Greenwashing.

Wie gesund sind Vegetarier?

„Vegetarier sind häufiger krank“ – diese Meldung irritierte kürzlich viele Zeitungsleser. Vegetarier seien danach häufiger depressiv und hätten eine geringere Lebensqualität als Fleischesser. Bislang hatten die meisten Studien darauf hingewiesen, dass Vegetarier im Durchschnitt eher gesünder sind und eine höhere Lebenserwartung haben. Es stellte sich schließlich heraus, dass der Autor der Meldung, der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, eine neue Studie der Medizinischen Universität Graz verzerrend zusammengefasst und Ergebnisse falsch interpretiert hatte. Eine der Autorinnen der Studie, Nathalie Burkert, hat sich inzwischen von Knops Meldung distanziert.

Ernährungswissenschaftler des Verbands für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) kritisieren insbesondere unzulässige Schlussfolgerungen aus der Studie. Aber auch die Studie selbst zeige gravierende methodische Mängel, denn sie beruht auf einer Befragung von über 15.000 Österreichern, unter denen lediglich rund 150 Veganer und Vegetarier waren, die obendrein unzulässig mit den rund 180 Fischessern der Gruppe der „Vegetarier“ zugeordnet wurden. Dies verfälscht das Ergebnis massiv, da mehr als die Hälfte der angeblichen Vegetarier keine sind. Schlichtweg falsch ist laut UGB die Behauptung, die Studie verzeichne bei Vegetariern 150 Prozent mehr Herzinfarkte als bei Fleischessern. „Tatsächlich wurde in der Grazer Studie nicht einmal ein signifikanter Zusammenhang festgestellt“, so Dr. Markus Keller vom UGB.

Noch vor einigen Jahrzehnten hatten Forscher vor allem nach möglichen Nährstoffmängeln bei vegetarischer Kost gesucht. Dabei stellte sich heraus, dass die vegetarische Ernährung bei den meisten Vitaminen und anderen Vitalstoffen sogar besser abschneidet. Erst in den letzten 20 Jahren stand das präventive Potential im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Besonders aussagekräftig sind dabei Langzeitstudien, die viele Faktoren erfassen, zum Beispiel Blutwerte, Körpergewicht und Lebensstilfaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum und körperliche Aktivität sowie Bildung und Einkommen, denn all diese Faktoren beeinflussen die Ergebnisse. Alle bisherigen Studien weisen darauf hin, dass Vegetarier ein geringeres Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen haben, insbesondere für Übergewicht, Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für bestimmte Krebsarten.

Mit Bio-Gemüsesaft gesund durch die Fastenzeit

Fasten ist in vielen Kulturen und Religionen der Welt verbreitet. Bekannt in Mitteleuropa ist vor allem die 40-tägige Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostern. Einige verzichten dabei ganz auf feste Nahrung, andere zum Beispiel auf Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten oder auf Gewohnheiten wie das Fernsehen. Der Name der jährlichen Aktion der evangelischen Kirche benennt, um was es geht: „Sieben Wochen ohne – Verzicht, ein Gewinn“.

Für viele, die eine Weile ganz auf feste Nahrung verzichten, ist der Gewinn besonders groß: Sie empfinden diese Zeit als Bereicherung für Seele und Geist; der Kopf wird frei für die wesentlichen Dinge des Lebens. Die persönliche Fastenzeit kann eine spirituelle Erfahrung sein oder auch der Einstieg in eine Ernährungsumstellung. Wer das zum ersten Mal versucht, für den ist besonders das Saftfasten zu empfehlen, bei dem man neben Wasser, Früchte- und Kräutertee auch Gemüse- und Obstsäfte trinkt. Dadurch erhält der Körper reichlich sekundäre Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, bei durchschnittlich nur 15 bis 40 Kilokalorien pro 100 Milliliter Saft. Die Stoffwechselumstellung ist daher milder. Auf jeden Fall sollten sich Neueinsteiger vorab gut informieren, zum Beispiel online beim Safthersteller Voelkel unter „Fasten – Entschlacken für Körper, Seele und Geist“. Wichtig sind unter anderem Vorbereitungstage und am Ende der Fastenzeit auch Aufbautage.

Einige Saftarten werden auch milchsauer vergoren angeboten, zum Beispiel Sauerkrautsaft. Milchsäurebakterienstämme, die als Starterkulturen zugegeben werden, spalten einen Teil der Zuckerbestandteile in Milchsäure auf. Dadurch ändert sich der Geschmack, und der Gehalt an Vitamin B12 erhöht sich.

Gemüsesäfte aus dem Bio-Fachhandel sind besonders empfehlenswert, denn sie bestehen zu 100 Prozent aus ökologisch erzeugtem Gemüse, manchmal abgerundet mit etwas Salz, Zitronensaft oder Kräutern. Im konventionellen Bereich enthalten manche Säfte zusätzlich Geschmacksverstärker, natürliche Aromen, Zucker und Konservierungsstoffe. Bei Bio gibt es stattdessen Gemüse pur, oft als Direktsaft, und bei vielen Sorten sogar aus samenfesten Sorten. Aktuell bietet Voelkel einen „Fastenkasten“ mit sechs Gemüsesäften an, der in vielen Naturkostfachgeschäften erhältlich ist. Lecker auch für alle, die nicht fasten, aber sich etwas Gutes tun möchten!