Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 02/2014

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Eine würzige Wurzel im Winter

Frisches wächst nun kaum noch auf den Feldern unserer Biohöfe, aber zum Glück gibt es noch viel Gutes, was traditionsgemäß im Herbst „eingekellert“ worden ist. Zu diesen Schätzen im Lager zählt die Petersilienwurzel, auch Wurzelpetersilie genannt. Sie ist übrigens nicht die Wurzel des viel bekannteren Gewürzkrauts Petersilie, aber immerhin die einer sehr nah verwandten Pflanze. Daher ähneln die Blätter auch der glatten Schnitt-Petersilie. Die weißen oder hellgelben Wurzeln mit dem umlaufenden braunen „Ringelmuster“ wiederum werden oft mit Pastinaken verwechselt, die allerdings oft größer und dicker sind.

Wurzelpetersilie hat einen würzigen und leicht süßlichen Geschmack. Einige schmecken Anklänge an die Pastinake heraus, andere zumindest bei den rohen Rüben ein wenig Knollensellerie. Genau wie diese Gemüsesorten machen sich Petersilienwurzeln bestens in Suppen und Gemüseeintöpfen. Man kann sie aber auch zu feinen Cremesuppen verarbeiten oder mit Kartoffeln als Püree zubereiten, das zum Beispiel wunderbar zu gebratenen Champignons oder Fisch oder Fleisch aus der Pfanne passt. Geraffelt im Wintersalat bringen Petersilienwurzeln nicht nur wertvolle ätherische Öle, B-Vitamine und Mineralien mit, sondern sogar eine kleine Portion Vitamin C.

Als Wintergemüse geeignet ist die Petersilienwurzel, weil die Rüben bei niedrigen Temperaturen lange gelagert werden können - in feuchtem Sand bis zu sechs Monate. Vor allem Bioläden sorgten für das Comeback der lange fast vergessenen Rübe und anderer Gemüsesorten wie Pastinake, Mairübe und Steckrübe, denn viele Ladeninhaber und Kunden legen Wert auf Gemüse der Saison. Ursprünglich stammt die Petersilienwurzel aus dem Mittelmeerraum und wurde schon von den Römern gern in der Küche verwendet.

Bio-Baumwolle konkurrenzfähig mit Gentech-Anbau

Obwohl die Ernte geringer ausfällt, kann der Anbau von Bio-Baumwolle genauso rentabel sein wie der von gentechnisch veränderter Baumwolle. Das zeigt ein Langzeitversuch des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Indien. Grund dafür sind die um 38 Prozent niedrigeren Produktionskosten, denn die Ausgaben für chemische Dünger und Pestizide sowie das besonders teure gentechnisch veränderte Saatgut entfallen. Zudem werden Kleinbauern nicht so schnell von Krediten abhängig und die Schuldengefahr sinkt.

Die Agrarforscher verglichen zwei ökologische Anbausysteme mit zwei konventionellen, davon eines mit gentechnisch veränderter Baumwolle. Insgesamt ernteten sie auf den Biofeldern 14 Prozent weniger Baumwolle als auf den konventionellen. Nach dem ersten Fruchtwechsel verschlechterten sich die Erträge der konventionellen und gentechnisch veränderten Baumwolle allerdings. Dafür waren laut FiBL vor allem schwere Regenfälle verantwortlich. Der Bio-Baumwolle machten die ungünstigen Wetterbedingungen weniger aus. Sie lieferte weiterhin stabile Ernten.

Der Langzeitversuch ist auf insgesamt 20 Jahre angelegt, um genauere Einblicke in die Langzeit-Produktivität und -Rentabilität der verschiedenen Systeme zu erhalten und um zu klären, ob der Biolandbau dank steigender Bodenfruchtbarkeit produktiver werden wird. Solche Effekte wurden bisher vor allem in den gemäßigten Klimazonen in Europa und den USA gemessen. Auch die Effekte auf den Boden und die Umwelt sowie die Qualität der Produkte sollen genauer untersucht werden. Interessant sind Erkenntnisse aber auch vor dem Hintergrund, dass gentechnisch veränderte Baumwolle im Laufe der Jahre oft geringere Erträge abwirft, wie Zahlen aus Indien zeigen. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Schad-Insekten Resistenzen gegen das Gift der Gentechnik-Baumwolle entwickeln.

Auszeichnung für findige Bio-Betriebe

Drei innovative Bio-Betriebe sind auf der Grünen Woche in Berlin mit dem Förderpreis Ökologischer Landbau ausgezeichnet worden. Dabei gab es ermutigendes Lob auch von offizieller Seite: In der Biobranche herrsche ein besonderer Innovationsgeist, der immer wieder Konzepte und Ideen hervorbringe, die von zahlreichen Betrieben übernommen würden –nicht nur im Ökosektor, so Dr. Robert Kloos, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

In der Kategorie „Gesamtbetriebliche Konzeption“ gab es gleich zwei erste Plätze: Die Dörscher & Carstens Bio GbR verfügt in Schleswig-Holstein über eine ungewöhnlich große Fläche von 750 Hektar und hat gemeinsam mit 20 weiteren Biobetrieben im Umfeld eine eigene Verarbeitung und Vermarktung für Bio-Gemüse aufgebaut. Eine der Besonderheiten ist das Energiekonzept: Die Solaranlage wird 2014 ergänzt um eine Biogasanlage, die unter anderem mit Restabfällen aus der Gemüseverarbeitung und dem Aufwuchs aus Blühwiesen betrieben werden soll. Die Abwärme wird für den Anbau von Biogemüse unter Glas genutzt. Der Stautenhof im Städtedreieck Mönchengladbach-Düsseldorf-Krefeld verfügt über eine vergleichsweise geringe Fläche von 45 Hektar, dennoch gelingt es dem Betriebsleiterpaar seit 1997, die Nähe zu den Ballungsräumen für die Direktvermarktung optimal zu nutzen. Vor allem durch die eigene Verarbeitung von Fleischwaren entstanden auf dem Betrieb 55 Arbeitsplätze in Voll- und Teilzeit, darunter sechs Ausbildungsplätze. Auf das Tierwohl wird besonders geachtet. So werden die Sauen in Gruppen gehalten, während die Legehennen und Masthähnchen reichlich Auslauf in mobilen oder versetzbaren Ställen genießen.

Der zweite Preis ging an die Getreidezüchtungsforschung Darzau im niedersächsischen Wendland. Leiter Dr. Karl-Josef Müller engagiert sich seit Jahrzehnten für die ökologische Pflanzenzüchtung. Der Fokus liegt auf Sommergerste, Hafer, Winterweizen und Einkorn, die speziell auf die Anforderungen im Bio-Anbau ausgerichtet sind. Dem Demeter-Betrieb ist es gelungen, mehrere erfolgreiche Sorten zu etablieren, darunter den Lichtkornroggen, eine helle Roggensorte mit mildem Geschmack und guter Verträglichkeit.

Öffentliche Aufträge: Öko & fair kann bevorzugt werden

Bisher kam bei europaweit ausgeschriebenen öffentlichen Aufträgen immer das billigste Angebot zum Zug. Künftig muss jedoch nicht allein der Preis, sondern es kann auch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis entscheidend sein. Denn nach der neuen EU-Richtlinie über die öffentliche Auftragsvergabe, die das Europäische Parlament verabschiedet hat, dürfen öffentliche Einrichtungen nun auch soziale und ökologische Aspekte in ihre Kaufentscheidung einbeziehen. Öffentliche Krankenhäuser könnten beispielsweise ein teureres, aber gesünderes Angebot für die Verpflegung der Patienten aussuchen. Auch Dienstleistungen, die von behinderten Arbeitnehmern erbracht werden, können bevorzugt werden. Außerdem dürfen in öffentlichen Ausschreibungen ökologische und soziale Zertifikate oder auch die Verwendung fair gehandelter Rohstoffe zur Bedingung für den Zuschlag gemacht werden.

Kommunen, Behörden und andere öffentliche Stellen sind also künftig in der Lage, den Schwerpunkt stärker auf Qualität, Umwelt- oder Sozialaspekte zu legen. "Das neue Kriterium wird das Diktat des niedrigsten Preises beenden und die Qualität wieder in den Mittelpunkt stellen", erklärte dazu Marc Tarabella, der verantwortliche Berichterstatter im EU-Parlament. Das öffentliche Auftragswesen macht etwa 18 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts aus und ist damit ein wichtiger Hebel, um auch gesellschaftliche Ziele zu erreichen. Allein in Deutschland betrifft die Richtlinie eine Summe von 400 Milliarden Euro, die von der öffentlichen Hand durch Aufträge oder Beschaffungen ausgeben werden.

Die Vergaberichtlinie tritt im März 2014 in Kraft, die EU-Mitgliedstaaten haben dann zwei Jahre Zeit für die Umsetzung, also für die Verabschiedung eines nationalen Gesetzes entsprechend dem EU-Rahmengesetz. Die Wasserversorgung wurde von den Neuregelungen ausgenommen, sie kann weiter in der Hand von Kommunen bleiben. Damit reagierte die EU-Kommission auf die Proteste der Europäischen Bürgerinitiative "Wasser ist ein Menschenrecht", die sich mit einer Internet-Petition gegen eine Privatisierung von Trinkwasser gewandt hatte.

„Grüne Filme“ – das sind die Besten

Nicht nur Goldene Bären werden verliehen auf dem Internationalen Filmfestival Berlinale, sondern seit sieben Jahren auch ‚Green Me Awards‘ im Rahmen des Festivals „Green Me“. Im Mittelpunkt des diesjährigen Siegerfilms „Population Boom“ des Österreichers Werner Boote steht die Frage, ob das Schreckensgespenst „Bevölkerungsexplosion“ überhaupt existiert. Von seiner Reise rund um die Welt, von den leersten Plätzen in der Serengeti bis hin zu der am dichtesten besiedelten Stadt der Welt in Bangladesch, bringt der Filmemacher überraschende Erkenntnisse mit. Boote hatte schon 2009 mit „Plastic Planet“ großen Erfolg.

Bei den Spielfilmen wurde „Beasts of the Southern Wild“ ausgezeichnet. Das bildgewaltige Werk dreht sich um die sechsjährige Hushpuppy, die in den Sümpfen von Louisiana lebt. Als ein schwerer Sturm ihre Heimat verwüstet, sieht das phantasievolle Mädchen Monster nahen, die eingefroren waren und durch die schmelzenden Polkappen freigegeben werden. Sie stellt sich ihnen mutig entgegen. Als bester Kinderfilm des Green-Me-Festivals 2014 wurde „Der Lorax“ ausgezeichnet. Es ist ein humorvoller Film, dem es gelingt, die Themen Umweltschutz und Folgen des Raubbaus an der Natur kindgerecht umzusetzen. Ein Sonderpreis ging an „Deutschlands wilde Wölfe, wie sie wirklich sind“. Die Dokumentation räumt mit vielen Vorurteilen auf. Auch die Überzeugung, dass es in Wolfs-Gegenden bald kein Wild mehr gibt, widerlegt der Film eindrucksvoll.

Das Festival „Green Me“ findet im Vorfeld der Berlinale statt. In der Jury saßen in diesem Jahr unter anderem NABU-Geschäftsführer Leif Miller, die Schauspieler Andreas Hoppe und Peter Lohmeyer, Filmregisseur Markus Imhoof („More than Honey“) sowie Bernward Geier, dem ehemaligen Direktor des Weltdachverband des biologischen Landbaus (IFOAM).

Vitamin C im Winter? Sauerkraut!

Sauerkraut gilt im Ausland oft als ein Nationalgericht der Deutschen, dabei verzehren zum Beispiel Polen, Tschechien und Russland deutlich mehr davon. Da sollten wir aufholen, denn Sauerkraut ist nicht nur reich an Mineralstoffen und Milchsäurebakterien, sondern auch ein hervorragender Vitamin-C-Lieferant. Vor allem im Winter, wenn nur wenig Frisches zur Verfügung steht, ist das milchsaure Kraut eine gute Alternative, dazu mit kleinem ökologischem Fußabdruck. Besonders viel Vitamin C ist natürlich in frischem Sauerkraut enthalten, das zum Haltbarmachen nicht zusätzlich pasteurisiert wurde. Im Bio-Fachhandel findet man es im Kühlregal, meist im 500-Gramm-Eimerchen.

Ohne dass das Vitamin C überhaupt entdeckt war, kam Sauerkraut ab dem 18. Jahrhundert in der Seefahrt zu Ruhm. Ein englischer Marinearzt hatte in vielen Versuchsreihen herausgefunden, dass bestimmte Lebensmittel – vor allem Zitronen und Sauerkraut – die berüchtigte Krankheit Skorbut verhindern. Mit Hilfe von Sauerkraut gelang es damals dem berühmten Kapitän James Cook als ersten, seine Besatzung fast frei von dieser Krankheit zu halten, während bis dahin bis zu drei Viertel der Besatzung auf großer Fahrt starben.

Für Sauerkraut wird frischer Weißkohl oder Spitzkohl in feine Streifen gehobelt und dann gestampft. Der Pflanzensaft wird kräftig gesalzen und beginnt mit Hilfe von Milchsäurebakterien zu gären. Wichtig für diesen Prozess ist, dass dabei keine Luft an das Kraut kommt. Durch die Milchsäurebildung werden unerwünschte Keime fast vollständig gehemmt. Die Milchsäurebakterien wirken zudem gesundheitsfördernd, denn sie stabilisieren die Darmflora, schützen nützliche Darmbakterien und bekämpfen schädliche. Menschen mit empfindlichem Darm sollten jedoch zunächst kleinere Menge probieren, da Sauerkraut die Verdauung ankurbelt. Gewürze wie Fenchel oder Kümmel wirken dämpfend.