Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 10/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Welternährungstag – genug Nahrung für alle

Heute, am 16. Oktober, ist Welternährungstag, der World Food Day 2013. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag ausgerufen, um daran zu erinnern, dass weltweit immer noch zu viele Menschen hungern, derzeit geschätzt rund jeder siebte auf der Erde. In diesem Jahr lautet das Motto "Nachhaltige Lebensmittel-Systeme für Lebensmittelsicherheit und Ernährung“. Das soll das Augenmerk darauf richten, dass es durchaus Anbaumethoden gibt, mit denen die Ernährung nachhaltig gesichert werden könnte.

Wie es funktionieren könnte, erläutert die Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in ihrem neuen Jahresbericht. Die Autoren, mehr als 60 Experten aus aller Welt, fordern eine Abkehr von der industriellen Agrarproduktion mit Monokulturen und der starken Abhängigkeit von Kunstdüngern und Pestiziden. Der Bericht empfiehlt stattdessen eine regional geprägte Lebensmittelerzeugung und ein Mosaik nachhaltiger Produktionssysteme, die die Produktivität von Kleinbauern verbessern. Die Lebensmittelproduktion müsse so lokal und regional wie möglich organisiert werden und vor allem auf die Selbstversorgung vor Ort setzen. Denn obwohl weltweit mittlerweile genügend produziert werde, um sogar 12 bis 14 Milliarden Menschen zu ernähren, litten ausgerechnet Kleinbauernfamilien in ländlichen Regionen unter Hunger.

In der Intensivlandwirtshaft habe sich der massive Einsatz umweltschädlicher chemischer Düngemittel in den letzten 40 Jahren um das Achtfache erhöht, während die Getreideproduktion im selben Zeitraum lediglich verdoppelt worden sei, erläutert Mitautor Ulrich Hoffmann von der UNCTAD. Ökologisch bebaute Böden seien dagegen langfristig viel reicher an Nährstoffen und deshalb fruchtbarer. Die Regierungen sollten daher Bauern, die ökologischen und nachhaltigen Landbau betreiben und damit Leistungen im Interesse der Gesellschaft wie Wasser-, Boden- und Artenschutz erbringen, finanziell stärker unterstützen.

Bio-Wein: Goldene Tropfen im Oktober

Immer mehr Spitzenwinzer stellen um auf ökologischen Anbau, um die Qualität ihrer Weine weiter steigern zu können und ihren Wein zu einem einzigartigen Produkt zu machen. Denn der biologisch aktive Boden im Bio-Weinberg ermöglicht individuelle Weine mit vielfältigem Charakter und hoher Qualität. Viele Winzer machen das Allerbeste daraus: Bio-Weine heimsen zahlreiche Preise und Auszeichnungen ein, auch in Konkurrenz zu konventionellen Weinen und auch in renommierten Publikationen wie dem „Gault-Millau“.

Der ökologische Weinbau verzichtet nicht nur auf Pestizide und synthetische, leichtlösliche Dünger. Er ist ein eigenes Anbausystem mit einem weitgehend geschlossenen Produktionskreislauf. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch vielfältige Maßnahmen gesteigert. So dienen Leguminosen wie Klee und Wicken und die Bienenweide Phacelia als Gründünger. Die Winzer schützen ihre Reben vor Schädlingen und Krankheiten, indem sie Nützlinge fördern, pflanzenstärkende Präparate einsetzen und pilzresistente Rebsorten pflanzen, zum Beispiel „Regent“ oder „Johanniter“. Als Akutmittel gegen den durch Pilze verursachten „Falschen Mehltau“ dürfen im Bio-Weinbau Kupferpräparate in niedriger Dosierung angewendet werden. In den letzten Jahren ist es erfreulicherweise gelungen, den Einsatz immer weiter zu reduzieren, nicht zuletzt durch den Einsatz kaliumphosphonat-haltiger Pflanzenstärkungsmittel, die im Boden zu den essenziellen Nährstoffen Kalium und Phosphonat abgebaut werden.

Auch bei der Weinbereitung gibt es große Unterschiede zu konventionellen Kellereien: Verboten sind beispielsweise die physikalische Entschwefelung und auch Sorbinsäure, die konventionellem Wein mitunter zugesetzt wird, um den Säureabbau zu verringern und die Nachgärung von Resthefen zu verhindern. Außerdem gelten für Bio-Wein strengere Schwefeldioxid-Grenzwerte. Diese Unterschiede werden seit der Weinlese 2012 auch auf dem Etikett deutlich, denn seitdem gelten verbindliche EU-Vorschriften für den Ausbau des Weins. Zuvor durfte Bio-Wein offiziell nur als „Wein aus ökologischen Trauben“ bezeichnet werden.

Welt-Vegantag am 1. November

Seit 1994 wird der internationale Welt-Vegantag gefeiert, damals zur Feier des 50-jährigen Bestehens der britischen Vegan Society. Auch 2013 sollen verschiedene Veranstaltungen und Aktionen die vegane Lebensweise vielen Menschen „schmackhaft“ machen und auf die Vorteile hinzuweisen. Denn mit Askese hat vegane Ernährung nichts gemein: Schmackhafte und abwechslungsreiche Kost sind auch ohne Fleisch, Fisch, Milch, Eier und Honig möglich.

Naturkostfachgeschäfte und Bio-Supermärkte bieten dafür eine breite Palette, darunter Milch- und Sahnealternativen auf Pflanzenbasis, Sojajoghurt, Sojagranulat für Geschnetzeltes auf vegane Art und natürlich zahlreiche Tofu- und Tempehprodukte, die wertvolles Eiweiß enthalten, zum Beispiel von den Spezialisten Tofu Nagel und Taifun. Einige Hersteller haben sich ganz auf vegane Produkte spezialisiert, zum Beispiel „Bio-Vegan“ mit einer großen Palette an Back- und Kochzutaten.

Die Gründe, warum sich immer mehr Menschen für eine vegane Ernährung entscheiden, sind vielfältig. Tierliebe und Kritik an der Massentierhaltung spielen jedoch eine wichtige Rolle. Veganer sehen Tiere als soziale Lebewesen und individuelle Persönlichkeiten. Daher möchten sie ihnen Leid ersparen, zum Beispiel die Trennung der Kälber von ihren Müttern und natürlich das Töten der Tiere, ohne das keine Haltungsform auskommt. Vegane und vegetarische Ernährung sind aber auch ein Beitrag zum Klimaschutz, denn die Intensivtierhaltung produziert viele Treibhausgase und verbraucht darüber hinaus enorme Mengen an Frischwasser und Land.

Eine gut geplante pflanzliche Ernährung mit genügend Eiweiß, Kalzium und Eisen kann sogar vor Zivilisationskrankheiten schützen. Bei rein veganer Ernährung muss jedoch besonders auf eine ausreichende Vitamin-B12-Versorgung geachtet werden. Dazu bietet der Fachhandel eine mit Vitamin B12 angereicherte Zahncreme der Marke Santé an, alternativ auch Nahrungsergänzungsmittel.

Alle bundesweiten Aktionen finden Sie online unter www.vegan-tag.de.

Slow Food Story” – ein Film für Genießer

Vor fast 25 Jahren nahm in Italien die Gegenbewegung zur Fast-Food-Kultur ihren Anfang: Carlo Petrini gründete „Slow Food“ – heute eine internationale Bewegung für gutes Essen und einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. Der Regisseur Stefano Sardo hat die Genuss-Pioniere mit der Kamera begleitet und erzählt ihre Geschichte. Am 10. Oktober 2013 kommt sein Dokumentarfilm "Slow Food Story" in Deutschland in die Kinos.

Slow Food ist heute in über 150 Ländern aktiv. Der Film macht deutlich, dass es nicht nur ums Genießen, sondern auch um eine handwerkliche und umweltfreundliche Lebensmittelproduktion, den Erhalt kultureller und biologischer Vielfalt und um Entschleunigung geht. In vielen Regionen bringen Aktionsgruppen Produzenten, Händler und Verbraucher in Kontakt, betreiben Geschmacksbildung und vermitteln Lebensmittelwissen und Kochkenntnisse.

Der Blick auf die Slowfood-Pioniere ist vielleicht ein wenig zu selbstverliebt geraten, vielleicht, weil Regisseur Stefano Sardo selbst Teil der Bewegung ist und auch ein Wegbegleiter und Freund von Gründervater Petrini. Dennoch macht es Spaß, die Geschichte einer Gruppe von Freunden in der Provinz zu sehen, die sich leidenschaftlich engagiert, geprägt von einer unerschütterlichen, mürrischen Ironie.

Die Welt darf nicht in Plastikmüll versinken

Bioladenkunden gehörten in den achtziger Jahren zu den ersten, die wiederverwendbare Verpackungen bekannt machten: Die Jutetasche war geradezu der Inbegriff der „Müsliszene“. Heute ist klarer denn je: Die unzähligen Plastiktüten und Kunststoffverpackungen weltweit verursachen ernste Umweltprobleme, denn Milliarden von Plastikpartikeln verunreinigen unsere Meere, bedrohen die Tierwelt – und am Ende auch den Menschen. Plastik braucht Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, um sich zu zersetzen, und gibt dabei Giftstoffe an die Umgebung ab. Japanische Forscher konnten zum Beispiel zeigen, dass Chemikalien wie Bisphenol A, Phtalate oder Styrolverbindungen freigesetzt werden, die sich in der Nahrungskette anreichern und das Erbgut und den Hormonhaushalt beeinflussen können.

Das Problem ist inzwischen auch vor unserer eigenen Haustür erkennbar: Ein Forscherteam hat an 30 Stationen Proben aus norddeutschen Flüssen gezogen und nicht nur zerriebene Partikel von Plastiktüten und Müll gefunden, sondern auch Mikro- und Nanopartikel aus Haushalten, zum Beispiel aus Peelings, Zahnpasta und Fleecekleidung, die mit dem Abwasser in die Flüsse gespült werden. Fische, die diese Partikel fressen, können verhungern, weil ein falsches Sättigungsgefühl entsteht oder die Teilchen den Verdauungsapparat verstopfen. Sogar im Fleisch der Tiere wurden Spuren von Plastik gefunden, so dass am Ende der Nahrungskette auch Menschen betroffen sind.

Passend zum Thema erscheint am 7. November der Film „Weggeworfen“ von und mit Hollywoodstar und Oscar-Preisträger Jeremy Irons als DVD und Blu-ray auf dem deutschen Markt. Die vielfach ausgezeichnete Umwelt-Dokumentation macht mit einprägsamen, teils schockierenden Bildern das weltumspannende Müllproblem sichtbar.

Was jeder tun kann:

  • Plastikflaschen und Einwegverpackungen vermeiden, Mehrweg kaufen – der Biohandel bietet ein breites Angebot
  • Stoffbeutel (oder auch die Jutetasche) statt Plastiktüten
  • Thermo- statt Wegwerfbecher
  • plastikverpacktes Obst und Gemüse vermeiden – im Bioladen kann man frische Produkte in gewünschter Menge lose kaufen
  • Kleidung aus Naturfasern tragen
  • auf Wegwerfprodukte verzichten und langlebige Produkte bevorzugen
  • Maßnahmen wie eine Steuer auf Plastiktüten und Vorschriften für umweltverträglicheres Produkt- und Verpackungsdesign sind wichtige Aufgaben der Politik. Giftige Plastikzusätze, die sich in der Nahrungskette anreichern, müssen verboten werden. 

    Gemüse des Jahres: Zwiebelgewächse

    Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt wählt alle zwei Jahre das Gemüse des Jahres. Für 2013/2014 hat gleich eine ganze Gattung das Rennen gemacht: die Alliumgewächse. Dazu gehören allerlei wichtige Zutaten in der Küche, allen voran der Knoblauch und die Küchenzwiebel, aber auch Porree, Schalotten, Frühlingszwiebeln, Schnittlauch und Bärlauch.

    Gemeinsam sind allen der charakteristische Geruch und das besondere Aroma. Verantwortlich dafür sind schwefelhaltige Verbindungen. Sie wirken durchblutungsfördernd und deutlich antibakteriell. Vor allem aber machen sie die Küchenzwiebel und ihre Familienmitglieder zu wahren Multitalenten in der Küche. Ob zu Fleisch oder Gemüse – Zwiebeln bringen Würze. Man kann sie roh im Salat verwenden oder angebräunt als aromatische Grundlage für Suppen, Saucen, Ragouts und Currys. Kein Wunder, dass die Zwiebel in Deutschland nach der Tomate das am meisten verkaufte Gemüse ist.

    Zwiebeln im Herbst, das ruft natürlich nach Zwiebelkuchen, denn jetzt gibt es passend frischen Federweißer. Grundlage ist klassisch ein Hefeteig. Schneller geht es mit einer Pizzateig-Mischung aus dem Naturkostfachgeschäft, zum Beispiel von Bauck. Den Teig auf einem Blech verteilen, mit Schmand bestreichen, salzen, pfeffern und mit rohen oder gedünsteten Zwiebelringen und Mozzarella-Scheiben belegen. Nach Geschmack etwas Kümmel darüber, ganz oder gemahlen – das hilft auch, wenn man empfindlich auf Zwiebeln reagiert, und ab in den Ofen, bis der Teig knusprig und der Mozzarella geschmolzen ist. Für die noch schnellere Variante: Es gibt fertigen Bio-Hefeteig auch im Kühlregal oder tiefgefroren, zum Beispiel von Moin.

    Noch ein Tipp zum Schluss, denn Zwiebelschneiden kann bekanntermaßen arg zu Tränen rühren: Große Gemüsezwiebeln sind nicht ganz so scharf und reizen daher die Augen weniger. Hilfreich sind ein wirklich scharfes Messer und das konsequente Atmen durch den Mund statt durch die Nase.