Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 09/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Erstklässler erhalten wieder eine Bio-Brotbox

Wie seit dem Start der Aktion im Jahr 2002 erhielten auch 2013 wieder Zehntausende Abc-Schützen eine mit Frühstückszutaten in Bio-Qualität und Informationen zu gesunder Ernährung gefüllte gelbe Brotdose – die Bio-Brotbox. So wird bereits Grundschulkindern und ihren Eltern vermittelt, wie wichtig eine vernünftige Ernährung und ein tägliches gesundes Frühstück für die Gesundheit und für erfolgreiches Lernen ist.

Am 12. August fanden die ersten Bio-Brotbox-Aktionen in Berlin und Brandenburg, Hamburg sowie in einigen Orten in Schleswig-Holstein statt. Die anderen Regionen folgen je nach Ende der Sommerferien. Die Liste der Prominenten, die die Bio-Brotbox bundesweit oder in einer Region unterstützen, ist lang. Mit dabei sind zum Beispiel Köchin und Bio-Produzentin Sarah Wiener, die Schauspieler Andreas Hoppe und Marion Kracht, Handball-Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, Box-Weltmeisterin Rola El-Habibi und Jens Eckhoff, der Keyboarder der Gruppe "Wir sind Helden" und die Bundestagsfraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Renate Künast.

Das Netzwerk erreicht dieses Jahr mit knapp 177.000 Bio-Brotboxen rund 25 Prozent der Erstklässler in Deutschland - ganz ohne Steuergelder. Engagierte Bürgerinnen und Bürger koordinieren die Aktionen vor Ort. Zahlreiche Unternehmen und Organisationen zeigen dabei mit Produkt-, Geld- und Dienstleistungsspenden soziales Engagement. Viele Naturkostunternehmen sind dabei, zum Beispiel Allos, Bohlsener Mühle, Lebensbaum, Logona, Ökoland, Sonnentor, Voelkel und auch einige regionale Bio-Großhändler.

Birnen – süß-saftiger Genuss im Spätsommer

Hatten Sie in diesem Jahr schon ein Rendezvous mit der Köstlichen von Charneux oder mit Clapps Liebling? Es wird höchste Zeit! Die Birnen sind reif, und viele Bioläden und Bio-Supermärkte bieten besondere Sorten aus der Region an. Weltweit sind Tausende Birnensorten bekannt, doch im Handel haben nur rund zehn größere Bedeutung, darunter Williams Christ, Abate Fetel, Gute Luise und Conference. Auch die asiatische Nashi-Frucht ist übrigens eine Birne, auch wenn sie apfelförmig daherkommt.

Reife Birnen schmecken köstlich aus der Hand, aber auch in Obstsalat, Kuchen und sogar in herzhaften Gerichten. Viele genießen die Früchte in gemischten Salaten oder in Vorspeisen mit kräftigen Zutaten wie Gorgonzola, Ziegenkäse, Nüssen oder rohem Schinken. In einigen Regionen sind Klassiker beliebt wie das norddeutsche „Birnen, Bohnen und Speck“ oder die „Kölsche Pann“ mit Schweinebauch und Kartoffeln.

Birnen sind reich an Ballaststoffen und enthalten außerdem Vitamin A und C, Vitamine der B-Gruppe und Folsäure sowie die Mineralstoffe Kalium, Kalzium und Magnesium. Die Früchte sind zudem leicht bekömmlich, denn sie haben weniger Säure als Äpfel. Sie eignen sich daher auch gut als Zusatz für Babybrei. Wie beim Apfel sitzen viele wertvolle Inhaltsstoffe direkt unter der Schale, daher sollte man Birnen nur waschen und nicht schälen. Das ist bei Bio auch kein Problem, wie das BNN-Monitoring für Obst und Gemüse im Naturkosthandel belegt: Pestizidverunreinigungen kommen nur sehr selten vor.

Birnen werden leicht unreif geerntet – „hartreif“ heißt es in der Fachsprache - und müssen dann bei Zimmertemperatur zwei bis drei Tage nachreifen. Wer viele Birnen gekauft oder geschenkt bekommen hat, sollte den größten Teil im Kühlschrank lagern, um das Nachreifen zu verzögern. Wenn die Früchte bei leichtem Druck auf das Stielende nachgeben, sind sie reif und schmecken am besten.

Krummes Gemüse – schräge Schätze

Tomaten mit Nasen, zweibeinige Möhren, herzförmige Kartoffeln – all diese Sonderlinge bekommen wir heute kaum noch zu Gesicht, weil sie fast nie in den Handel kommen. Denn was nicht perfekt geformt ist, und das ist rund ein Drittel der gesamten Ernte, landet im Viehfutter, wird unterpflügt oder in Biogasanlagen verwertet. Dabei sind Geschmack und Qualität genauso gut wie bei der perfekt geformten Ware.

Für die Berlinerinnen Lea Brumsack und Tanja Krakowski sind die schrägen Gemüse-Exemplare Kunstwerke, die die Eigenwilligkeit der Natur verdeutlichen. Die beiden haben daher das Catering-Unternehmen „Culinary Misfits“ gegründet, das die „Ausschussware“ verarbeitet – ausschließlich bio und vegetarisch. Nun kooperieren sie mit der Bio-Supermarktkette Bio Company, die die Kreationen als „MiSfiTs - SchräGe ScHäTze“ in den Bistros von zehn Berliner Filialen anbietet. Im Angebot sind zum Beispiel „Krumme Pastinaken-Suppe mit Apfelchutney“ oder „Verhagelte Zucchini-Gurken-Suppe mit Minzjoghurt“. Die Obst- und Gemüsesonderlinge stammen aus der Region, von den Feldern einiger Betriebe des Märkischen Wirtschaftsverbundes. Deren Initiative „fair & regional“ engagiert sich für die Herstellung, Verarbeitung und den Handel ökologisch produzierter Lebensmittel.

Steuern auf Pestizide in Dänemark

Seit dem 1. Juli 2013 ist in Dänemark ein neues System zur Pestizid-Besteuerung in Kraft. Ziel ist es, die negativen Auswirkungen der Pestizidanwendung auf Mensch und Umwelt zu reduzieren. Gleichzeitig sollen Pflanzenschutzmaßnahmen gefördert werden, die weniger schädlich wirken.

Schon vor 15 Jahren war in Dänemark eine Pestizid-Steuer eingeführt worden. Der damalige Steuersatz wurde auf den Verkaufspreis aufgeschlagen und lag zum Beispiel für Insektizide bei 35 Prozent. In den ersten drei Jahren wurden tatsächlich weniger Pestizide verbraucht, doch dann ebbte die Wirkung ab. Die neue Pestizidsteuer bringt nun für Pestizide, die besonders problematisch für Mensch oder Umwelt sind, einen besonders hohen Steuersatz. Dieser wird für jedes Produkt mit Hilfe eines neuen "Pestizid-Belastungsindikator" ermittelt. Die Einnahmen aus der Steuer werden in Agrarprojekte investiert und dienen dazu, den Nationalen Pestizid-Aktionsplan in Dänemark umzusetzen.

In Deutschland haben bisherige Regierungen ausschließlich auf freiwillige Vereinbarungen mit der Agrarwirtschaft zur Pestizidverminderung gesetzt. Effektiv war das nicht, denn der Inlandsabsatz an Pestizidwirkstoffen stieg zwischen 2002 und 2012 um gut 33 Prozent, bei kaum veränderter landwirtschaftlich genutzter Fläche.

Nahrungsergänzungsmittel – nicht immer hilfreich

Wer Nahrungsergänzungsmittel zu sich nimmt, sollte vorher prüfen lassen, ob wirklich eine Unterversorgung vorliegt. Denn eine aktuelle Auswertung der Nationalen Verzehrsstudie II hat gezeigt, dass ausgerechnet Menschen, die mit Nährstoffen gut versorgt sind, besonders häufig zu zusätzlichen Vitaminen und Mineralstoffen greifen. Dadurch kann die tolerierbare Tageshöchstmenge, teilweise sogar erheblich, überschritten werden.

Fast ein Viertel der Bevölkerung greift zu so genannten Supplementen, zu denen Nahrungsergänzungsmittel, aber auch Medikamente mit Vitamin- oder Mineralstoffzusatz zählen. Bei Frauen sind es sogar 30 Prozent. Gesunde Menschen benötigen in der Regel jedoch gar keine zusätzlichen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Eine ausgewogene Ernährung versorgt uns ausreichend mit diesen Vitalstoffen. Ob Tomate oder Apfel, Möhre oder Kohlrabi, Lachs oder Frischmilch, Rapsöl oder Haselnuss – jedes einzelne Lebensmittel enthält deutlich mehr als zwei oder drei wichtige Inhaltsstoffe, die zudem in der jeweiligen Zusammensetzung so nur in der Natur vorkommen. Jedes Naturkostfachgeschäft, jeder Bio-Supermarkt bietet eine breite Auswahl für jeden Geschmack. Letztendlich kommt es immer auf die richtige Mischung an. Wer sich dauerhaft einseitig und unausgewogen ernährt, kann das nicht durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgleichen, warnen die Experten vom Bundesinstitut für Risikoforschung.

Nahrungsergänzungsmittel können dennoch für bestimmte Gruppen sinnvoll sein, zum Beispiel für schwangere und stillende Frauen und für Menschen mit chronischen Krankheiten, bei denen Medikamente die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen. Bei bestimmten Krankheiten ist der Bedarf an einzelnen Nährstoffen außerdem so erhöht, dass er sich nur schwer aus Lebensmitteln decken lässt. Auf jeden Fall sollte niemand ohne ärztlichen Rat unbekannte Nahrungsergänzungsmittel kaufen. Vor allem in Produkten, die im Internet angeboten und oft aus Ländern außerhalb der EU stammen, werden immer wieder nicht zugelassene Inhaltsstoffe gefunden.

Ökobarometer: Wie Bio sind die Deutschen?

Wie in jedem Jahr hat das Bundeslandwirtschaftsministerium auch 2013 ein „Ökobarometer“ vorgestellt. Danach ist die Zahl der jungen Menschen gewachsen, die Bio-Produkte kaufen: In der Gruppe der unter 30-jährigen stieg der Anteil derer, die „häufig“ Bioprodukte kaufen, im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozentpunkte und liegt nun bei 23 Prozent. Bei den Älteren ging der Anteil der Bio-Fans dagegen zurück. Betrachtet man die Antworten aller Befragten, so kaufen 20 Prozent „häufig“ Biolebensmittel, 52 Prozent „gelegentlich“. Weitere zwei Prozent kaufen ausschließlich Bio.

Besonders häufig zu Bio greifen Verbraucher laut Ökobarometer bei Obst und Gemüse, gefolgt von Eiern, Kartoffeln, Milchprodukten und Brotwaren. Als wichtigsten Grund für den Biokauf gaben die Befragten die regionale Herkunft an. Auf dem zweiten und dritten Platz folgten artgerechte Tierhaltung und eine möglichst geringen Schadstoffbelastung. Die Kombination „Bio“ und „aus der Region“ wurde von insgesamt 77 Prozent der Befragten bevorzugt. Bei den Aspekten, die beim Kauf von Bioprodukten wichtig sind, konnte außerdem „die persönliche Bekanntheit des Erzeugers“ deutlich zulegen.

Verbraucherministerin Ilse Aigner verkündete anlässlich der Veröffentlichung, dass der Bund die Biobranche auf ihrem Wachstumskurs unterstütze. Das haben viele Branchenkenner kritisiert. So wies Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), darauf hin, dass Mittel für den Fördertopf für die Ausweitung des Ökolandbaus zusammengestrichen worden seien. Bioland kritisierte, dass Aigner es in den Verhandlungen zur EU-Agrarreform zugelassen habe, dass die Länderprogramme, mit denen ökologisch produzierende Landwirte im Rahmen der Programme für den ländlichen Raum gefördert werden, um über 20 Prozent gekürzt werden.

Das "Ökobarometer" ist eine repräsentative Studie, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut TNS Emnid. Die Ergebnisse des Ökobarometers sind im Internet abrufbar.

Kochbuch zur Bioladen-Vielfalt

Linsen, Leinöl, Miso, Tempeh, Kardamom oder Mairübchen: Im Bioladen lässt sich viel entdecken. Aber was bereitet man aus diesen besonderen Lebensmitteln und Gewürzen zu – und wie? Das neue „Bioladen-Kochbuch“ gibt Antworten, denn die beiden Autoren haben selbst Bioläden erkundet, Produkte entdeckt und Gerichte erprobt, auch „live“ mit Freunden.

Das Buch versammelt über 130 Rezepte, von gut bürgerlich über mediterran bis orientalisch, aufgeteilt in neun Produktgruppen: Hülsenfrüchte, Getreide & Reis, Tofu, Tempeh & Seitan, Kartoffeln, Asia-Spezialitäten, Gemüse, Fleisch, Convenience, Obst & Nüsse. Der Schwerpunkt liegt auf saisonalen Produkten und haltbaren Zutaten. Für Einsteiger gibt es Tipps für den Einkauf und für eine "Grundausstattung", dazu Hintergrundinfos zu weniger bekannten Lebensmitteln wie Canihua, Emmer oder Gerstengraupen und Portraits von neun Bio-Betrieben, darunter Landwirte und Verarbeiter.

Die Autoren Eva Reichert und Thomas Sadler beschäftigen sich seit Mitte der neunziger Jahre beruflich und privat mit Bio-Lebensmitteln und regen mit originellen Rezepten und schönen Fotos in diesem Buch dazu an, eingefahrene Kochwege auch mal zu verlassen und Lebensmittel aus dem Bioladen genussvoll und kreativ auf den Teller zu bringen. Wie wäre es mit Rondini-Kürbissen mit Gremolata, Tempeh-Spießen mit Erdnuss-Kokos-Sauce oder einem kernigen Quinoa-Bananen-Soufflé?

Eva Reichert und Thomas Sadler: Bioladen-Kochbuch. Trias Verlag 2013. 192 Seiten, ISBN-13: 9783830464440, 19,90 Euro.