Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 08/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Wissenslücken bei Kindern: Wachsen Tomaten unter der Erde?

Fast ein Drittel der Grundschüler in Großbritannien glaubt, dass Käse aus Pflanzen hergestellt wird und fast ein Fünftel ist der Überzeugung, dass Fischstäbchen aus Hühnerfleisch bestehen. Bei den Elf- bis Vierzehnjährigen meinen zehn Prozent, dass Tomaten unter der Erde wachsen. Das sind einige Ergebnisse aus einerStudieder Ernährungsstiftung „British Nutrition Foundation“, die in diesem Jahr mit mehr als 27.500 Kindern zwischen fünf und 16 Jahren in ganz Großbritannien durchgeführt wurde. Die Umfrage lief im Rahmen der Woche "Gesundes Essen", an der mehr als 3.000 Schulen teilnahmen und die so über 1,2 Millionen Kinder erreichte.

Dass solche Themenwochen und andere Maßnahmen benötigt werden, belegen auch andere Zahlen aus der Studie: Zu viele Kinder frühstücken nicht jeden Tag – je älter sie werden, desto seltener. Am Tag der Umfrage hatten beispielsweise 24 Prozent der 11-14-Jährigen und mehr als ein Drittel der 14-16-Jährigen nicht gefrühstückt.

Erfreulicherweise zeigte die Umfrage aber auch, dass die Kinder und Jugendlichen sich durchaus für Essen und Nahrungsmittel interessieren und gerne häufiger kochen würden. Allerdings gaben neun Prozent der Grundschulkinder und elf Prozent der älteren Schulkinder an, bei ihnen zu Hause würde nie gekocht. In rund der Hälfte der Familien werde "manchmal" gekocht. An diesem Punkt wäre also mehr Engagement der Eltern wünschenswert.

Die bundesweite Aktion „BioBrotbox“ versucht in Deutschland genau das zu erreichen: Kinder und ihre Familien sollen daran erinnert werden, wie wichtig eine vernünftige Ernährung und ein tägliches gesundes Frühstück sind.

Erstklässler erhalten wieder eine Bio-Brotbox

Wie seit dem Start der Aktion im Jahr 2002 erhielten auch 2013 wieder Zehntausende Abc-Schützen eine mit Frühstückszutaten in Bio-Qualität und Informationen zu gesunder Ernährung gefüllte gelbe Brotdose – dieBio-Brotbox. So wird bereits Grundschulkindern und ihren Eltern vermittelt, wie wichtig eine vernünftige Ernährung und ein tägliches gesundes Frühstück für die Gesundheit und für erfolgreiches Lernen ist.

Am 12. August fanden die ersten Bio-Brotbox-Aktionen in Berlin und Brandenburg, Hamburg sowie in einigen Orten in Schleswig-Holstein statt. Die anderen Regionen folgen je nach Ende der Sommerferien. Die Liste der Prominenten, die die Bio-Brotbox bundesweit oder in einer Region unterstützen, ist lang. Mit dabei sind zum Beispiel Köchin und Bio-Produzentin Sarah Wiener, die Schauspieler Andreas Hoppe und Marion Kracht, Handball-Nationalspieler Sven-Sören Christophersen, Box-Weltmeisterin Rola El-Habibi und Jens Eckhoff, der Keyboarder der Gruppe "Wir sind Helden" und die Bundestagsfraktionsvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Renate Künast.

Das Netzwerk erreicht dieses Jahr mit knapp 177.000 Bio-Brotboxen rund 25 Prozent der Erstklässler in Deutschland - ganz ohne Steuergelder. Engagierte Bürgerinnen und Bürger koordinieren die Aktionen vor Ort. Zahlreiche Unternehmen und Organisationen zeigen dabei mit Produkt-, Geld- und Dienstleistungsspenden soziales Engagement. Viele Naturkostunternehmen sind dabei, zum Beispiel Allos, Bohlsener Mühle, Lebensbaum, Logona, Ökoland, Sonnentor, Voelkel und auch einige regionale Bio-Großhändler.

Fisch mit gutem Gewissen genießen

Fisch ist beliebt und gesund, aber wegen der Ausplünderung der Weltmeere mittlerweile ein knappes Gut. Im zertifizierten Bio-Fachhandel lassen sich jedoch gute Alternativen finden, denn alle Fischprodukte stammen aus ökologischer Aquakultur oder aus nachweislich nachhaltigem Fang. Dafür sorgen die strengen BNN-Sortimentsrichtlinien des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren. Ökoland vertreibt zum Beispiel tiefgekühlte Produkte mit Bio-Pangasiusfilet. Der Fisch stammt aus der weltweit ersten und bisher einzigen Bio-Pangasius-Farm, einem Freigehegeprojekt im oberen Mekong-Delta in Vietnam. Biopolar hat Bio-Lachs und sogar Fischstäbchen mit Bio-Lachs aus ökologischer Aquakultur in Irland im Angebot.

Die weltweit tätige Fischerei-Industrie versucht dagegen, auch noch die letzten Bestände auszubeuten. Erst im Juli scheiterte auf einer Sondersitzung der Internationalen Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis (CCAMLR) in Bremerhaven der Plan, südlich von Neuseeland das weltgrößte Meeresschutzgebiet einzurichten. Russland, China und die Ukraine fürchteten zu strenge Auflagen für die Fischerei. Antarktischer Thunfisch wird zum Beispiel in gehobenen Restaurants serviert. Der Fang ist so lukrativ, dass die Fischart auch als „Weißes Gold“ bezeichnet wird.

Wie wichtig mehr Schutz für die Antarktis und ihre Flora und Fauna wäre, zeigt die mehrfach preisgekrönte Dokumentation „Last Ocean – Paradies am Ende der Welt“, die jetzt auch in Deutschland auf DVD und BLU-RAY erhältlich ist. Der Film stellt die faszinierenden Bewohner und die beeindruckende Natur der Region vor und lässt Wissenschaftler, Behördenmitarbeiter und Politiker zu Wort kommen. Der neuseeländische Regisseur und Kameramann Peter Young hat auch schon für den Discovery Channel, für National Geographic und die BBC produziert. Unterstützt wurde das Filmprojekt unter anderem von der Antarctic Ocean Alliance.

„Last Ocean – Paradies am Ende der Welt“ - Regisseur: Peter Young. DVD und BLU-RAY, Sunfilm Entertainment. Ton: Deutsch und Englisch, Untertitel: Deutsch.

Bundestagswahl: Wer tritt ein für artgerechte Tierhaltung?

Für denBUND-Kandidatencheckhat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland rund 1.500 Direktkandidatinnen und -kandidaten von Union, SPD, FDP, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen zu Themen wie Energiewende, Massentierhaltung und Bürgerbeteiligung befragt. Bisher haben mehr als zwei Drittel der Befragten Antworten gesendet. Immerhin mehr als 70 Prozent davon lehnen die industrielle Tierhaltung ab.

Wer die Antworten der eigenen Kandidaten lesen möchte, findet auf der Website mit Hilfe einer Karte schnell über das Bundesland in seinen Wahlkreis. Auf den ersten Blick zeigen Pfeile, welche Position die jeweiligen Politikerinnen und Politiker zu den Hauptthemen und länderspezifischen Fragen einnehmen. Mit einem weiteren Klick gelangt man zu den ausführlichen Antworten. Haben die künftigen Parlamentarier noch keine Auskunft gegeben, können Bürgerinnen und Bürger diese online einfordern.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat zur Bundestagswahl sechs Parteien zu den drängendsten Problemen der Land- und Ernährungswirtschaft befragt: Nachhaltige Ernährung, artgerechte Tierhaltung, Recht auf Nahrung, Kreislaufwirtschaft, öko-soziale Marktwirtschaft und die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik in der EU. Grundlage für diese Fragen waren die 2013 veröffentlichten BÖLW-Thesen zur Ernährungswende Der Verband hat die Antworten der Parteienonlinezusammengestellt und bewertet. Auf derWebsitesind darüber hinaus die vollständigen Originalantworten einsehbar.

Chemie-Alarm: Kosmetik mit dem Handy prüfen

Eine neue Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigt, dass ein Drittel aller Kosmetika mit hormonell wirksamen Chemikalien belastet ist. Jedes fünfte Produkt enthält sogar mehrere Substanzen. Die Stoffe werden mit gesundheitlichen Problemen wie reduzierter Spermienqualität, verfrühter Pubertät und Brust- und Hodenkrebs in Verbindung gebracht. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO die Stoffe als „globale Bedrohung“ bezeichnet, ist der Einsatz in Kosmetik nach wie vor erlaubt.

Bei den Marktführern Beiersdorf (Nivea) und L'Oréal enthält fast jedes zweite Produkt hormonell wirksame Stoffe. Auffallend ist außerdem, dass viele Hersteller aus dem Hochpreissegment stark betroffen sind, zum Beispiel Chanel (66 Prozent der Produkte) und Shiseido (50 Prozent).

Naturkosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Inhaltsstoffen sind dagegen aktuell nicht bekannt. Insbesondere Zertifizierungs-Siegel wie BDIH und Natrue garantieren den Verzicht auf hormonell wirksame Stoffe.

Damit Verbraucher selbst prüfen können, was drin ist, hat der BUND „ToxFox“ entwickelt, eine kostenlose App für mobile Geräte von Apple, mit der man den Barcode einscannt und sofort erfährt, ob hormonell wirksame Chemikalien enthalten sind. Der Service überzeugte sehr schnell viele Verbraucher: Innerhalb von nur 24 Stunden wurden rund 600.000 Körperpflegeprodukte gescannt. Wer möchte, kann direkt eine Protest-Mail an den Hersteller versenden. Wer kein Mobilgerät von Apple hat, kann einWeb-Formularnutzen. Dafür muss allerdings der Zahlencode abgetippt werden.

Bier, ökologisch und alkoholfrei: Prost!

Alkoholfreies Bier wird immer beliebter, denn es erfrischt nicht nur ohne Schwips, sondern sogar mit etwa halb so vielen Kalorien. Dank intensiver Produktentwicklung ist die Qualität mittlerweile bestens und der Geschmack so gut, dass der Absatz jährlich steigt. Wer sich für ökologisch produzierte alkoholfreie Biere entscheidet, genießt noch mehr Vorteile: Bio-Brauereien verwenden Rohstoffe aus ökologischem Anbau, keine gentechnisch veränderten Kulturen und sie verzichten auf die Zugabe von Farbstoffen, die für einige Biersorten in Deutschland erlaubt sind, außerdem auf Stabilisierungsmittel und Schwefelung.

Denn Reinheitsgebot hin oder her: Beim Bierbrauen ist auch in Deutschland mehr erlaubt, als die meisten wissen. Hopfen wird zum Beispiel fast nur noch als Pellets oder Extrakt eingesetzt. Die Neumarkter Lammsbräu und andere Biobrauereien verarbeiten dagegen die ganzen Dolden und setzen zudem auf Aromahopfen und nicht auf den heute weit verbreiteten Bitterhopfen, der weniger feines Aroma und nur wenige biertypische Inhaltsstoffe enthält.

Wegen ihrer isotonischen Eigenschaften sind alkoholfreie Biere bei Ausdauer- und Leistungssportlern beliebt. Sie eignen sich hervorragend zum schnellen Ausgleich von Flüssigkeits- und Nährstoffmangel. Ein halber Liter alkoholfreies Lammsbräu-Weißbier deckt zudem 50 Prozent des Tagesbedarfs an Folsäure und 20 Prozent bei Vitamin B12 und dem Vitamin Niacin.

Alkoholfreies Bier ist übrigens nicht zu 100 Prozent alkoholfrei: Die gesetzliche Grenze liegt bei 0,5 Volumenprozent, staatliche Analysen haben jedoch gezeigt, dass der Gehalt meist niedriger liegt, meist zwischen 0,1 und 0,37 Volumenprozent. So viel Alkohol kann beispielsweise auch in Traubensaft und anderen Säften, in Erfrischungsgetränken, Roter Grütze, Speiseeis und Kefir enthalten sein. Dennoch sind alkoholfreie Biere nicht für Kinder geeignet, weil sie sich früh an Geschmack von Bier gewöhnen könnten. Apfelschorle, gemischt im Verhältnis 1:3, ist für Kinder die bessere Alternative – ebenfalls isotonisch und ebenso lecker.