Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 06/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Geplante Freihandelszone bedroht den EU-Verbraucherschutz

Von Los Angeles im Westen bis Warschau im Osten – mit TTIP, der „Transatlantic Trade and Investment Partnership“, könnten die USA und die EU schon bald die größte Freihandelszone der Welt auf den Weg bringen. Das soll die Wirtschaft ankurbeln – aber es birgt auch große Risiken, denn das geplante Abkommen geht über die Abschaffung von Zollschranken weit hinaus. Angestrebt wird auch der Abbau von „Handelshemmnissen“ wie zum Beispiel Hygiene- und Güterstandards.

TTIP ist also kein klassisches Freihandelsabkommen, sondern eine großangelegte Deregulierungsinitiative, mit der europäische Umwelt-, Sozial- und Verbraucherschutzstandards massiv unter Druck geraten würden. Vorgesehen ist die gegenseitige Anerkennung von Standards, was insbesondere bei Lebensmitteln weitreichende Konsequenzen hätte. In den USA sind zum Beispiel gentechnisch veränderte Zutaten in Lebensmitteln weit verbreitet und nicht einmal kennzeichnungspflichtig. Gentechnisch veränderter Lachs steht vor der Zulassung. Sogar Wachstumshormone in der Tierhaltung und die Chlorbehandlung von Geflügelfleisch sind erlaubt und üblich.

TTIP würde zwar Exporte erleichtern, aber das Vorsorge- und das Verursacherprinzip aushebeln. Es fehlen Antworten auf die entscheidenden Fragen: Wie können wir in den ökologischen Grenzen des Planeten wirtschaften und dabei gute, fair bezahlte Arbeit sichern? Wie können wir Ernährungssouveränität für alle erreichen? Daher planen zahlreiche Nichtregierungsorganisationen Aktionen gegen das TTIP in seiner geplanten Form. Start ist am 17. Juni mit einer Pressekonferenz. Am 18.Juni findet anlässlich des Obama-Besuchs in Berlin ein Aktionstag statt. Zu den Erstunterzeichnern zählen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der BUND, das Gen-ethische Netzwerk e.V., der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) und die Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

Immer mehr gentechnikfreie Regionen

Die Erzeugung von Lebensmitteln ohne den bewussten Einsatz von Gentechnik oder die Verunreinigung mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) kann mittel- und langfristig am besten garantiert werden, wenn möglichst viele Regionen sich verpflichten, auf zusammenhängenden, möglichst großen Flächen „gentechnikfrei“ (ohne den Einsatz von gentechnisch verändertem Saat- und Pflanzgut) zu wirtschaften. Erfreulicherweise ist in Deutschland die Zahl der gentechnikfreien Regionen und Kommunen weiter gewachsen und liegt nun bei 211. Mehr als 30.000 Landwirtinnen und Landwirte, darunter viele, die ökologisch wirtschaften, haben sich freiwillig verpflichtet, auf den Anbau von gentechnisch veränderten Kulturen zu verzichten.

Damit werden zurzeit mehr als 1,1 Millionen Hektar in einer gentechnikfreien Region bewirtschaftet. Ein Schwerpunkt liegt in Süddeutschland, während Nordwestdeutschland deutlich weniger aktiv ist in Sachen Gentechnikfreiheit. Auch viele Kommunen und Städte haben auf ihren eigenen Flächen die Verwendung von gentechnisch verändertem Saat- und Pflanzgut untersagt. Auf der Website des Projekts „Gentechnikfreie Regionen“ zeigen Karten, wo sich die einzelnen Regionen und Betriebe befinden. Außerdem gibt es Informationen zu den beteiligten Höfen, Kommunen, gastronomischen Einrichtungen und Kirchgemeinden sowie zu Aktionsbündnissen.

Wie gentechnisch veränderte Lebensmittel unsere Gesundheit beeinflussen, ist bis heute nicht geklärt. Verbraucher können jedoch oft nicht erkennen, ob ein Lebensmittel unter Verwendung gentechnisch veränderter Organismen entstanden ist. Fleisch, Eier und Molkereiprodukte sind von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen, auch wenn die Tiere mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert worden sind. Zur garantiert gentechnikfreien Zone wird die eigene Küche mit dem Einkauf im Naturkostfachgeschäft oder im Bio-Supermarkt, denn Gentechnik ist in der Biolandwirtschaft und in der Bio-Lebensmittelwirtschaft verboten.

Stickstoffdünger lässt Böden versauern

Noch nie wurde weltweit so viel Dünger eingesetzt wie heute. Eine gemeinsame Studie der Heinrich-Böll-Stiftung und der Naturschutzorganisation WWF warnt jetzt vor falscher Nutzung von Mineraldüngern in den Tropen und Subtropen. Dies könne fatale Auswirkungen auf die Qualität der Böden haben und mittel- und langfristig die Ernährungssicherheit ganzer Regionen gefährden.

Der vermehrte Einsatz gerade von Stickstoffdüngern führt laut der Studie zu Bodenversauerung, die das Pflanzenwachstum hemmt. Gleichzeitig werde verstärkt Humus abgebaut, der für die Verfügbarkeit von Nährstoffen und Wasser entscheidend ist und die Böden langfristig ertragreich hält. Ein nachhaltiges Bodenmanagement sei die bessere Lösung, so die Autoren der Studie „Am Boden zerstört“. Zentral seien Techniken, die die Erhaltung und den Aufbau von Bodenhumus gewährleisten wie etwa Kompostierungsverfahren, tierische Dünger, Agroforstwirtschaft und Gründüngung. Solche Techniken, die den Humusgehalt des Bodens fördern statt ihn zu zerstören, sind in der ökologischen Landwirtschaft erprobt und weit verbreitet.

Der Einsatz synthetischer Düngermitteln kann Kleinbauern sogar in die Schuldenfalle führen, denn sie zahlen schon heute für eine Einheit Dünger doppelt so viele Einheiten Nahrung wie vor zehn Jahren, obwohl die einseitige Düngung kaum zu Ertragssteigerungen führt und die Bodenfruchtbarkeit zerstört. Mit dem Kauf ökologischer Produkte leistet somit jeder auch einen Beitrag, gesunde Böden, die wichtigste Grundlage gesunder Nahrung, zu erhalten.

90 Jahre Eis am Stiel – am besten Bio!

Eis genießen Menschen schon seit Jahrhunderten: Im antiken China wurde Gletscherschnee mit Früchten, Honig oder Rosenwasser verfeinert und die römischen Kaiser ließen Schnellläufer in die Apenninen sprinten, um Schnee und Eis für kalte Delikatessen zu bekommen. Doch spätestens mit der Erfindung von Eis am Stiel wurde die teure und seltene Köstlichkeit zur beliebten Schleckerei für alle. Vor 90 Jahren ließ sich der Amerikaner Harry B. Burt an einem Holzstab gefrorene Vanillecreme mit Schokoladenüberzug als "Rahmeislutscher" patentieren. Im selben Jahr entwickelte Frank Epperson, ebenfalls Amerikaner, ein Wasser-Eis am Holzstab.

Heute werden allein in Deutschland jährlich eine Milliarde Eis am Stiel geschleckt – und damit oft jede Menge Farbstoffe, Emulgatoren und künstliche Aromen, denn die machen die Produktion einfach, schnell und billig. Zum Glück bieten auch viele Bio-Fachgeschäfte Eisiges am Stiel. „Schoko-Riese“, „Mini Gelati“ und „Fruit Wave“ ähneln aber nur auf den ersten Blick ihren Geschwistern im Supermarkt, denn in der Bio-Herstellung sind nur ganz wenige Zusatzstoffe erlaubt, zum Beispiel Johannisbrotkernmehl als Verdickungsmittel. Für den intensiven Geschmack sorgen traditionell natürliche Rohstoffe: Milch und Sahne und je nach Sorte Vanille, Schokolade, Pistazien, Mandeln und Früchte wie Maracuja, Himbeeren oder Banane.

Rachelli produziert seine Mini Gelati sogar konsequent mit Demeter-Rohstoffen, und das „Glück am Stiel“ von „Mammas & Pappas“ besteht zu 100 Prozent aus Frucht, ganz ohne Süßungsmittel. Auch vegane, lactose- oder glutenfreie Sorten sind im Bio-Angebot – und wer sein Eis lieber aus der Waffel oder dem Becher schleckt, wird ebenfalls fündig.

2013: Das Jahr des Wunderkorns Quinoa

Die Vereinten Nationen haben 2013 zum Internationalen Jahr der Quinoa (sprich: Kienwa) erklärt. Das „Gold der Inka“ wird nicht zuletzt dank der Bioläden, die Quinoa hierzulande erst bekannt gemacht haben, immer beliebter. Mit gutem Grund, denn es ist fast so etwas wie eine Wunderpflanze. Quinoa enthält praktisch alle essentiellen Aminosäuren in perfekter Zusammensetzung sowie zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium und Eisen. Etwa 50 Prozent der Fettsäuren sind ungesättigt. In punkto biologischer Wertigkeit wird Quinoa sogar höher eingestuft als Sojabohnen und Getreide. Gerade für Menschen, die kein Gluten vertragen, ist Quinoa ein vollwertiger Getreideersatz.

Die Quinoa stammt aus Südamerika, wo sie Tausende von Jahren zusammen mit Amarant ein Hauptnahrungsmittel war. Beide Pflanzen wachsen auch in den Hochebenen der Anden, wo Mais nicht mehr angebaut werden kann. Während der spanischen Eroberungszüge und Kriege gegen die Inkas und Azteken im 16. Jahrhundert wurde der Anbau von Quinoa und Amarant verboten, damit sollten die Völker geschwächt werden. Heute gilt die Quinoa als eine Antwort der indigenen Kulturen auf Ernährungskrisen, die durch den Klimawandel verursacht worden sind. Denn die große Sortenvielfalt ermöglicht den Anbau in Regionen mit unterschiedlichen Temperaturen und in verschiedenen Höhenlagen.

Der Naturkosthandel führt Quinoa pur oder als Zutat in Müslimischungen und Riegeln, zu Flocken verarbeitet und gepufft. Die kleinen, hirseähnlichen Körner sind schon in 15 Minuten gar und ergeben eine fein schmeckende, knackige Beilage. Auch als Zutat für Suppen, Aufläufe, Salate, Bratlinge und pikantes Gebäck ist Quinoa geeignet. Möchte man Quinoa selbst verarbeiten, ist gründliches Waschen der erste Schritt. Damit lassen sich die natürlichen Bitterstoffe, die sogenannte Saponine, reduzieren.

Energie in Bürgerhand – Energiewende „von unten“

Was hat Naturkost mit erneuerbaren Energien zu tun? Eine ganze Menge: Beide Bewegungen sind geprägt von großem Veränderungswillen, dem Wunsch nach einem gesunden und nachhaltigen Lebensstil und der Überzeugung, dass die Natur der beste Lieferant für Energie ist – ob sie nun in Kilojoule oder Kilowatt gemessen wird. Darüber hinaus sind beide Bewegungen seit mehr als 30 Jahren aktiv. Auf dem Energiesektor sind inzwischen viele Verbraucher zu Machern geworden. Diese „Energiebürger“ haben oft als Pioniere experimentiert und betreiben heute professionell eigene Anlagen, haben Energiegenossenschaften und -unternehmen gegründet und treiben dadurch die Energiewende voran.

Allerdings unterschätzt die Bundesregierung den Wert von Energie in Bürgerhand und redet die Erfolge oft sogar klein. Das will die Kampagne „Die Wende – Energie in Bürgerhand“ ändern. Sie unterstützt Energiebürger mit Werbe- und Informationsmaterialien für Veranstaltungen und Pressetermine, bündelt die Botschaften aus der Bevölkerung und transportiert sie nach Berlin. Unter www.die-buergerenergiewende.de können aktive und künftige Energiebürger sich informieren, ihre Projekte vorstellen, die Energiewende-Charta unterzeichnen und das kostenlose Aktionsmaterial bestellen. Ziel ist es, vor der Bundestagswahl die Erfolge und die Bedeutung einer „Bürgerenergiewende“ deutlich zu machen – für eine saubere Umwelt, eine gerechte Energieversorgung und dezentrale Erzeugungsstrukturen.