Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 05/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Zarte Boten des Frühsommers: Holunderblüten

Unverwechselbar der Duft, zart und weiß die Blütendolden: An Feldsäumen und Waldrändern und auch in vielen Gärten blüht jetzt der Schwarze Holunder, ein Bote des Frühsommers. Die Germanen glaubten, dass im „Holler“ die Schutzgöttin Holda wohne und pflanzten den Strauch zur Abwehr von Hexen und bösen Zauberern, Blitz und Feuer an.

Für milde Nachmittage und Abende bieten Naturkostfachgeschäfte spritzige Alternativen. So lässt sich mit fruchtigem Holunderblütensirup, zum Beispiel von Voelkel und von Sonnentor, schnell der Shooting Star unter den Aperitifs zubereiten: „Hugo“. Der prickelnde Mix aus Prosecco, Wasser und Holunderblütensirup, garniert mit Minze und Limette, ist eine perfekte Erfrischung für warme Sommerabende. Auch mit Mineralwasser und gut gekühlt ergibt Holunderblütensirup ein erfrischendes Getränk. Und natürlich passt er auch zu Cocktails, Eis, Desserts, Quark und Joghurt.

Auch im Bio-Kühlregal haben Holunderblüten ihren festen Platz. Andechser verfeinert damit zum Beispiel Demeter-Joghurt und die Molkerei Schrozberg kombiniert Holunderblüten im Joghurt mal mit Apfel, mal mit Kirsche und auch mit Limonen. Von Söbbeke sind frisch die Frühlings-Joghurts „Zitrone-Limette-Holunderblüte“ und „Holunderblüte-Orange“ ins Naturkost-Sortiment gekommen.

Holunderblüten gibt es sogar für das Frühstücksbrot – als Fruchtgelee von Zwergenwiese. Wer mag, brüht dazu einen edlen Weißen Tee mit Holunderblüte von Lebensbaum oder einen Keltischen Haustee von Heuschrecke, der neben Holunderblüten auch weitere wohltuende Kräuter enthält. Ökologisch angebaute Holunderblüten pur für einen blumigen und fein süß-säuerlichen Teeaufguss haben Herbaria und Sonnentor im Sortiment. Solch ein „Fliedertee“ kann sogar Schnupfen und Fieber lindern, passt aber auch gut zu Desserts, Obstkuchen oder Obstsalat.

Neue Wirtschaftsethik: Ökofrost mit Gemeinwohlbilanz

Wirtschaftswachstum um jeden Preis und immer höhere Renditen? Für die meisten Bio- Unternehmen stehen andere Werte im Vordergrund, oft schon seit der Gründung: ein ökologisches und nachhaltiges Wirtschaften, von dem die ganze Gesellschaft profitiert. Die Gemeinwohlökonomie ist ein Modell, das seit 2010 weltweit immer mehr Anhänger findet. Sie beruht auf Grundwerten wie Vertrauensbildung, Wertschätzung, Solidarität und Teilen.

Eines der Unternehmen, das gerade eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt hat, ist Ökofrost, Spezialgroßhändler für Bio-Tiefkühlkost. Die hauseigene Feinschmecker-Marke Biopolar und die Biocool-Produkte sind vielen Naturkostkunden bestens bekannt. „Unsere Werte decken sich weitestgehend mit denen der Gemeinwohlökonomie.“, sagt Geschäftsführer Florian Gerull. „Wir wollen zu einer neuen Wirtschaftsethik und zu einer 100 Prozent ökologischen Lebensmittelwirtschaft beitragen.“ Besonders positive Werte erreichte Ökofrost bei der ökologischen Nachhaltigkeit, der gerechten Einkommensverteilung sowie bei Mitbestimmung und Transparenz.

Bis heute haben weltweit über 900 Unternehmen ihre Gemeinwohlbilanz erfasst. Nach einem Punktesystem wird eingestuft, wie verschiedene Werte im Unternehmen bereits umgesetzt sind. Die Bilanz schließt das gesellschaftliche Umfeld mit ein, die Kunden und Lieferanten, die Natur, Mitbewerber und künftige Generationen. Ökofrost nimmt - wie viele Naturkostunternehmen - zusätzlich am BNN-Nachhaltigkeitsmonitor teil, um Verbesserungsmöglichkeiten und Erreichtes in Sachen Nachhaltigkeit zu erfassen.

Drei Kurzfilme zum BNN-Nachhaltigkeitsmonitor zeigen am Beispiel der Unternehmen Ökoring, Ökofrost, Rinklin, Voelkel, Taifun, Kornkraft, Bohlsener Mühle, Herbaria und Byodo, welche Nachhaltigkeitsleistungen die Naturkostbranche erbringt. Online auf der Website des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren und auch auf YouTube mit dem Suchwort „BNN-Nachhaltigkeitsmonitor“!

Hoffnungsschimmer für Bienen: Drei Pestizide verboten

Gute Nachrichten für Bienen aus Brüssel: Nach langem Hin und Her haben sich die EU-Mitgliedstaaten mehrheitlich für ein zweijähriges Verbot von drei umstrittenen Pestiziden ausgesprochen. Es handelt sich um Neonikotinoide, die auf Insekten wie Nervengifte wirken. Geschädigt werden auch andere Insekten wie Schmetterlinge, Fliegen, Hummeln oder Wildbienen. Hergestellt werden diese Mittel unter anderem von Syngenta und Bayer, die mit mächtiger Lobbyarbeit das Verbot verhindern wollten.

Die Ursachen des weltweiten Bienensterbens sind noch nicht komplett erforscht. Pestizide spielen jedoch auf jeden Fall eine Rolle. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hatte Anfang des Jahres eine Studie veröffentlicht, wonach Neonikotinoide für das Bienensterben zumindest mitverantwortlich sind. Auch der aktuelle Greenpeace-Report „Bye-bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa“ fordert ein komplettes Verbot der nun übergangsweise von der Nutzung ausgeschlossenen Neonikotinoide und weiterer Pestizide. Britische Wissenschaftler konnten kürzlich nachweisen, dass Neonikotinoide die Funktion des Bienenhirns schädigen können, so dass die Tiere nicht zurück zu ihren Stöcken finden, Artgenossen nicht mehr per "Bienentanz" den Weg zu neuen Futterquellen weisen können und die Nachkommen vernachlässigen.

Seit Jahren sterben weltweit ganze Bienenvölker. In den vergangenen Jahren überlebten europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht, in Deutschland waren es teilweise sogar 30 Prozent. Ohne Bienen sinken jedoch die Erträge in der Landwirtschaft und im Gartenbau, denn sie sind die wichtigsten Bestäuber für drei Viertel unserer Nutzpflanzen.

Der Gesundheit zuliebe: Gärtnern ohne Pestizide

Im Ökolandbau sind chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verboten. Dass das viele gute Gründe hat, hat gerade wieder eine Studie des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN) gezeigt. Neben akuten Vergiftungserscheinungen, die der Kontakt mit Pestiziden hervorrufen kann, tragen Beschäftigte in Gärtnereien und in der Landwirtschaft laut der Studie von PAN durch kontinuierlichen Kontakt auch ein erhöhtes Risiko für chronische Erkrankungen und Fruchtbarkeitsstörungen.

Betroffen ist auch der Nachwuchs: Gärtnerinnen haben ein bis zu dreifach erhöhtes Risiko, einen Jungen mit sogenanntem Hodenhochstand zu gebären, ein Risiko für spätere Unfruchtbarkeit und für Hodenkrebs. Auch Fehlbildungen der Harnröhre treten häufiger auf.

Für viele Pestizide konnte die endokrine Wirkung - also eine Wirkung auf das Hormonsystem - in Laborversuchen nachgewiesen werden. Diese Wirkstoffe können Geschlechtsveränderungen wie Verweiblichung, Vermännlichung, die fehlerhafte Ausbildung der Geschlechtsorgane bei Föten und Unfruchtbarkeit bei Mensch und Tier verursachen.

Dennoch sind viele dieser Stoffe in Deutschland und in Europa weiterhin zugelassen. Zwar hatte die Europäische Union 2009 gegen den massiven Widerstand der agrochemischen Industrie ein generelles Verbot für hormonell wirksame Pestizide beschlossen. Bis heute blieb dies jedoch ohne Wirkung, da keine Kriterien zur Identifizierung dieser Pestizide vorgelegt worden sind.

Duftig: Damaszener-Rose ist Heilpflanze des Jahres

Als „Blumenkönigin mit heilender Kraft“ bezeichnet der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise die Damaszener-Rose, die er 2013 zur Heilpflanze des Jahres gewählt hat. Ihre heilende und schönheitsfördernde Wirkung ist seit Jahrtausenden bekannt. In Europa haben Heilkundige wie Plinius der Ältere, Hildegard von Bingen und Paracelsus die gesundheitsfördernde Wirkung beschrieben.

Heute ist vor allem das ätherische Öl der Rose gefragt, zum Beispiel bei trockener und entzündeter Haut. Das erklärt, warum so viele beliebte Naturkosmetik-Produkte Rosenöl enthalten: Das Öl beruhigt die Haut und macht sie geschmeidig, fördert die Regeneration des Gewebes und wirkt gegen Hautalterung. Der besonders edle Duft hat zudem eine harmonisierende Wirkung auf Körper und Seele.

Die ausgeprägten „Anti Aging“-Eigenschaften haben viel Naturkosmetikhersteller und ihre Kunden überzeugt: Die Logona- Pflegeserie „Bio-Rose“ mit Damaszener-Rosenwasser und Aloe pflegt zum Beispiel trockene und sensible Haut, mildert Rötungen, Spannungsgefühl und Fältchenbildung. Auch das Rosenöl von Sonnentor macht spröde Haut weich und elastisch und eignet sich zudem bestens als Massageöl. Für die Aromatherapie, Duftlampen, Sauna und Bäder bietet Sonnentor „Rose damascena in Jojobaöl“ mit einem Duft, der das seelische Gleichgewicht stützt und wohltuend auf Körper und Seele wirkt. Von Sodasan kommt die Pflegeseife „Cream Wildrose, hergestellt mit hochwertigen Bio-Pflanzenölen, und Sonett bietet eine flüssige „Handseife Rose“ mit ätherischen Ölen aus 100 Prozent biologischem Anbau.

Bio-Anbauprojekte, zum Beispiel im Iran und in Afghanistan, eröffnen den Menschen neue und sichere Einkommensmöglichkeiten, denn zuvor mussten sie sich oft auf illegalen Opiummohn verlassen. In Europa wird die Damaszener-Rose vor allem in Bulgarien angebaut, aber auch in der Türkei und sogar in Österreich. Für einen Liter Rosenöl werden vier bis fünf Tonnen Blüten benötigt, daher zählt Rosenöl zu den teuersten ätherischen Ölen.

Mit Mehl und per Mail die Bio-Züchtung unterstützen

Der Biolandbau braucht eigene Getreidesorten, die an die besonderen Anbaubedingungen gut angepasst und gleichzeitig verträglich und wohlschmeckend sind. Um die Züchtung voranzubringen und die Abhängigkeit von großen Saatgut-Konzernen zu reduzieren, unterstützen die Spielberger Mühle und die süddeutschen Naturkost-Großhandelsunternehmen Bodan und Handelskontor Willmann/pax an jetzt die „Saatgut-Initiative“ mit einer besonderen Aktion:

Im nächsten halben Jahr gehen von jedem verkauftem Beutel Spielberger Weizenmehl und Weizenvollkornmehl fünfzehn Cent an diese Züchter-Initiative. 5 Cent übernimmt Spielberger, 5 Cent finanzieren die beiden Großhändler und weitere 5 Cent zahlen die Kunden über einen 5 Cent höheren Verkaufspreis. Mit dem Kauf des Saatgut-Weizenmehls können Verbraucher so aktiv werden gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und gegen die Abhängigkeit von großen Saatgut-Konzernen. Im Rahmen der „Saatgut-Initiative“ werden am Keyserlingk-Institut in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Demeter-Bauern neue Weizen- und Roggensorten entwickelt.

Auf die ökologische Züchtung kommen derzeit neue Hürden zu: Anfang Mai hat die EU-Kommission den offiziellen Entwurf zur Neuregelung des Saatgutrechts vorgelegt. Dieser war zwar wegen zahlreicher Proteste nachgebessert worden, zufrieden sind Bio-Verbände und Saatgut-Initiativen dennoch nicht. Das geplante Saatgut-Verkehrsgesetz würde nach Ansicht von Bioland die ökologische Züchtung behindern, weil die Zulassungskriterien einseitig auf Hochleistungs-Hybridsorten ausgerichtet seien. Ausnahmen für ein vereinfachtes Verfahren sollen danach nur für alte Sorten, nicht aber für Öko-Neuzüchtungen gelten. Der Online-Appell von Campact und Save our Seeds für mehr Saatgutvielfalt kann weiterhin unterzeichnet werden. Außerdem kann sich jeder an einer Online-Petition zum Thema beteiligen.