Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 03/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Bhutan: Erstes Land mit 100 Prozent Bio

Das kleine Königreich Bhutan im Himalaya will das erste Land der Welt werden, in dem sämtliche Farmer ökologisch wirtschaften. Andere Bewirtschaftungsmethoden werden untersagt und der Verkauf von Pestiziden verboten. Die Regierung erwartet, dass durch die Umstellung der Ertrag aus der Landwirtschaft sogar steigt.

Für die 700.000 Einwohner ist die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftszweig. Da die meisten Höfe auf traditionelle Weise wirtschaften, ist die Umstellung auf Bio einfacher, dennoch rechnet Agrarminister Pema Gyamtsho mit einer Umsetzungsphase von etwa zehn Jahren, in der Region für Region und Produkt für Produkt umgestellt werden sollen. Die Entscheidung hätte sowohl praktische als auch philosophische Gründe, erläuterte er. Weil der Staat hauptsächlich im Gebirge liegt, würden Pestizide die Hänge hinunterfließen und Gewässer schädigen. „Aber wir sind auch Buddhisten und glauben an ein Leben in Harmonie mit der Natur“, so der Minister, der selbst Farmer ist und Agrarwissenschaften in Neuseeland und in der Schweiz studiert hat.

Bhutan gilt als Vorzeigebeispiel in Sachen Nachhaltigkeit und hat besondere Aufmerksamkeit mit der Entscheidung erregt, statt des Bruttoinlandsprodukts einen neuen Maßstab anzuwenden, den nationalen Glücks-Index oder auch „Bruttoinlandsglück“. Dabei werden auch Faktoren wie Gesundheit, Schutz der Umwelt und Verteilung des Reichtums berücksichtigt.

Bio-Saatgut für das Osternest

Auch wenn der Winter sich dieses Jahr in die Länge gezogen hat: Im Märzen der Bauer… es wird Zeit für die erste Aussaat! Bunte Samentütchen machen sich zudem bestens in jedem Osternest und bringen bis in den Herbst hinein Freude. Jetzt im Frühjahr bieten die Bio-Läden eine große Auswahl an samenfesten Sorten aus ökologischer Aufzucht. Konventionelles Saatgut wird oft mit Neonicotinoiden - nikotinartige Insektizide - gebeizt, die als eine Ursache für das Bienensterben gelten.

Auch wer in der Stadt wohnt oder keinen Garten besitzt, muss nicht auf selbst gezogenes Grün verzichten. Küchenkräuter, Bohnen, Pflücksalat und sogar Tomaten gedeihen auch auf dem Balkon gut, wenn ein sonniger und windgeschützter Platz zur Verfügung steht. „Urbanes Gartenglück“ verspricht zum Beispiel die neue Bio-Saatgutmischung von der Bingenheimer Saatgut AG, eine Mischung aus Stangenbohnen, Zwerg-Sonnenblume und Radieschen, die nicht nur schmeckt, sondern auch triste Balkons grün und bunt macht.

„Sorten sind Kulturgut“ heißt es bei der Bingenheimer Saatgut AG. Das Unternehmen verkauft daher ausschließlich samenfestes Öko-Saatgut, darunter viele biologisch-dynamische Gemüse-Neuzüchtungen, aus deren Samen sich anders als bei Hybridsorten immer wieder neue Pflanzen ziehen lassen. Deren „Besitzer“ ist der Verein Kultursaat e.V. (http://www.kultursaat.org), der auch die Züchtungsarbeit der beteiligten Bio-Höfe und Bio-Gärtnereien koordiniert und finanziert.

Wer nicht selbst säen und Jungpflanzen ziehen kann oder möchte, findet zur Saison in vielen Naturkostfachgeschäften auch Bio-Jungpflanzen, in der Regel ab Ende April oder Anfang Mai.

Kartoffel des Jahres: Rosa Tannenzapfen

Vielen Gourmets und Gärtnern ist sie bestens bekannt, doch wegen ihrer ungewöhnlichen Form wurde sie fast vom Markt verdrängt: die Kartoffelsorte „Rosa Tannenzapfen“. Eine unabhängige Jury, in der auch Akteure des Biolandbaus vertreten sind, hat sie nun zur „Kartoffel des Jahres 2013“ erkoren. Sie punktete mit intensivem, feinwürzigem und fruchtigem Geschmack und mit ihrem unverwechselbaren Äußerem.

Die Augen der „Tannenzapfen“ sind schuppig, daher der Name. Die Schale der fingerförmigen Frucht ist jedoch glatt und, wie der Name nahelegt, leicht rosa. Das Fruchtfleisch ist gelb und festkochend. Wegen der oft verwachsenen Knollen ist das Schälen etwas schwierig, die Verwendung als Pellkartoffel daher einfacher. Man kann die Sorte aber auch gut mit Schale verwenden, zum Beispiel im Kartoffelsalat. Erstmals erwähnt wurde der Rosa Tannenzapfen übrigens in England schon vor 1850 und ist damit eine der ältesten noch zugelassenen Sorten.

Die Auszeichnung „Kartoffel des Jahres“ wird seit 2006 vergeben und hat ihren Ursprung in der Diskussion um das damals drohende Verbot der beliebten Sorte „Linda“. Jury-Mitglied Karsten Ellenberg, Biolandwirt im Landkreis Uelzen, hat jahrelang für den Erhalt von „Linda" gekämpft.

Nicht alle Bioläden und Bio-Supermärkte haben den Rosa Tannenzapfen im Sortiment, können die Sorte aber auf Nachfrage vielleicht bestellen. Die Sorte ist übrigens wie viele andere auch sehr gut lagerfähig bis ins späte Frühjahr hinein. Kein Grund also für weit gereiste Frühkartoffeln!

Frisch von der Messe: Bio-Neuheiten im Fachgeschäft

Viele neue Produkte sind derzeit in den Bioläden und Bio-Supermärkten zu entdecken, denn im Februar wurden, wie in jedem Jahr, auf der internationalen BioFach in Nürnberg Neuheiten präsentiert. Die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel und Naturkosmetik stand in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsame Werte. Handeln für die Zukunft“. Im Programm gab es daher zahlreiche Veranstaltungen zu Themen wie Gemeinwohl-Ökonomie, Ernährungswende und ökologische Pflanzenzüchtung.

 

Michael Radau von der SuperBioMarkt AG sind einige starke Trends ins Auge gefallen, vor allem vegane und vegetarische Speisen sowie Raw Food, also Rohkostprodukte. Bekannte Anbieter sind Taifun und Biovegan, aber auch die Tofumanufaktur Nagel, Bauckhof, Erntesegen, Landkrone, Zwergenwiese und Barnhouse. Der Seidentofu von Taifun erhielt sogar den Demeter-Ehrenpreis. Mit seiner cremig-zarten Konsistenz ist das traditionelle japanische Produkt eine gute Alternative für Milchprodukte. Weitere neue Taifun-Produkte sind der Tofu „Curry-Mango“ und das Bratfilet „Oregano“.

Auch bei den Bio-Milchgetränken gab es viele Neuheiten, zum Beispiel Schoko- und Bananenmilch im Becher von Söbbeke. Andechser präsentierte die neuen Joghurts „Heidi“ und „Hugo“ der Serie „Blütenzauber“ mit Blüten von Sonnenblume, Ringelblume und Holunder. Als beste Neuheit bei den haltbaren Produkten wurde das „Bruschesto“ aus der Serie „Streich‘s drauf“ von Zwergenwiese ausgezeichnet. Das Unternehmen zeigte auf der Messe auch eine neue Schmelz-Sorte mit gerösteten Buchweizen fürs Brot. Neu bei Voelkel sind eine Rhabarber-Schorle und - passend zum Trend zu Regionalprodukten - ein Multisaft ohne exotische Zutaten. Im „Heimischen Multi“ stecken ausschließlich Zutaten aus deutscher Landwirtschaft wie Birnen, Mirabellen, Möhren und Sanddorn.

Liebhaber von exotischen Genüssen können sich ebenfalls auf Neues im Bio-Regal freuen, zum Beispiel auf die fruchtig-feinscharfe „Thai Mango Sauce“ von Sanchon und interessante neue Currymischungen von Lebensbaum und Heuschrecke.

Was Biolandbau für den Klimaschutz bringt

Der Ökolandbau kann mehr für den Klimaschutz leisten als die konventionelle Landwirtschaft, wenn der Betrieb gut geführt wird. Das zeigen Ergebnisse aus dem Projekt „Klimawirkungen und Nachhaltigkeit ökologischer und konventioneller Betriebssysteme“ (www.pilotbetriebe.de) der Technischen Universität München und des Bundesforschungsinstituts für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (Thünen-Institut).

Die Forscher bescheinigten dem Biolandbau eine hohe Energieeffizienz und geringe Kohlendioxid-Emissionen pro Flächeneinheit. Weil jedoch auch die Erträge geringer seien, relativiere sich dieser Vorteil. Dafür „sparen“ Öko-Betriebe häufig wiederum CO2 durch den Verzicht auf den Zukauf von Futter. Als Beispiel untersuchten die Forscher Öko-Milchviehbetriebe, die ihr Weidefutter selbst anbauten und kein Sojaschrot aus Südamerika zu kauften. Diese Strategie zahlt sich aus, denn bei gleicher Milchleistung liegen die CO2-Emissionen auf Bio-Betrieben im Mittel um 200 Gramm je Kilogramm Milch unter den Werten der konventionellen.

Bei konventionellen Betrieben entsteht vor allem durch den Zukauf von Stickstoffdünger und synthetischen Pflanzenschutzmitteln ein erheblicher Energie-Input, da die Herstellung extrem energieaufwendig ist. Bei Ökobetrieben ist dieser Input im Durchschnitt nur halb so groß.

Als großes Plus der ökologischen Wirtschaftsweise bezeichneten die Wissenschaftler den Humusaufbau im Boden, der sich positiv auf die CO2-Bilanz auswirkt und zudem die Bodenfruchtbarkeit erhält. Die Untersuchungen ergaben aber auch, dass Erträge und Treibhausgas-Emissionen sich auf den einzelnen Biohöfen stark unterscheiden. Das zeigt, dass auch das individuelle Können der Betriebsleiter ein wichtiger Faktor für die Treibhausgasbilanz ist. So sind eine vielfältige Fruchtfolge mit Leguminosen und eine weniger intensive Bodenbearbeitung, wie viele Biobetriebe sie bereits praktizieren, vorteilhaft für die Energiebilanz.

Für die Studie wurden 40 ökologische und 40 konventionelle Betriebe untersucht, die pflanzliche Produkte und Milch erzeugen. Die Wissenschaftler erfassten alle relevanten Klimagasflüsse wie Methan, Lachgas und Kohlendioxid für den gesamten Produktionsprozess.

Bio-Erde ohne Torf

Der Frühling lockt uns in den Garten und auf den Balkon, und überall wird säckeweise Blumenerde benötigt. Doch was ist da eigentlich drin? Ein Blick auf die Verpackung bringt es an den Tag: Fast immer besteht Blumenerde zum größten Teil aus Hochmoortorf. Ist die Erde nicht als „Bio“ ausgezeichnet, sind meist auch Substanzen zugesetzt, die im ökologischen Anbau verboten sind, zum Beispiel leicht lösliche Mineraldünger.

Da ein Moor nur um einen Millimeter im Jahr wächst, kann die Natur den Schaden durch den Torfabbau erst in Jahrmillionen „reparieren“. Moore zählen jedoch zu den bedrohtesten Lebensräumen überhaupt und sind zudem kostbare Wasser- und Kohlendioxidspeicher. In Europa sind schon 60 Prozent der ursprünglichen Moore vernichtet, und in Deutschland gelten sogar nur noch ein bis fünf Prozent der Hochmoore als naturnah.

Wer Blumenerde kauft, sollte also auf die Auszeichnung „torffrei“ achten. In „torfreduzierten“ Produkten können statt der üblichen 90 Prozent Torf immer noch 60 bis 80 Prozent enthalten sein. Und auch mit „Bio“ gekennzeichnete Erden sind nicht zwangsweise torffrei, denn auch die Bio-Anbauverbände erlauben Torf in ihren Betriebsmittellisten. Man sollte also immer das Etikett studieren. Übliche Torf-Ersatzstoffe sind Rindenhumus, Holz- und Kokosfasern, Tonmineralien und Kompost. Es kommt auf das richtige „Rezept“ an, dann gedeihen die Pflanzen ebenso gut.

Der BUND hat einen „Einkaufsführer für torffreie Erde“ (pdf) veröffentlicht. Zu den Anbietern, die auch Bio-Erde ohne Torf anbieten, zählen Weila, Ökohum, Frux, Kleeschulte, Florasan, Compo und Hawita. Oft gibt es auch auf Wertstoffhöfen torffreie Komposterde. Hier lohnt es sich nachzufragen, dass der Kompost ausschließlich aus geeigneten und unbedenklichen Ausgangsstoffen wie Bio-, Garten- und Parkabfällen hergestellt wurde, und ggf. Schadstoffanalysen gemacht wurden.