Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 02/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Grünkohl , das verkannte Vitalpaket

Ein Winter ohne Grünkohl? Zumindest in Norddeutschland ist das kaum vorstellbar. Doch auch im Süden hätte der Blattkohl mehr Fans verdient, denn der herb-würzige Grünkohl enthält knapp doppelt so viel Vitamin C wie Zitronen. Die Blätter sind so reich an wertvollen Vitalstoffen, dass Grünkohl all die vielen gesunden grünen Blattgemüsesorten aussticht. Mineralstoffe wie Calcium und Eisen, sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien sowie die Vitamine E, K und B2 gehören zum Paket. Grünkohl punktet außerdem mit beachtlichen Mengen an Folsäure und Beta-Carotin.

Das Gemüse sollte allerdings nicht wie früher „totgekocht“ werden, damit möglichst viele gesunde Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Kurz blanchiert oder sogar roh schmeckt Grünkohl auch in Salaten, zum Beispiel mit Räuchertofu oder Speck oder mit Kräutern und Trockenobst. Eine jüngere Erfindung ist die Verwendung in grünen Smoothies. Wer Grünkohl ungeputzt kauft, muss mit 50 Prozent Abfall rechnen. Die krausen Blätter müssen gründlich gewaschen werden, um Sand und Erde zu entfernen.

Grünkohl wird ab September, in vielen Regionen erst nach dem ersten Frost geerntet. In Norddeutschland gibt es zahllose Traditionen rund um den Grünkohl, Kohlfahrten und Kohlwanderungen, wobei das Gemüse meist deftig mit Speck, Kasseler oder „Pinkel“ (einer Grützwurst) kombiniert wird. Im Internet lassen sich mittlerweile aber auch „moderne“ Varianten entdecken, zum Beispiel Pastagerichte oder asiatisch inspirierte Rezepte mit Sojasauce und Reis.

Vorbildliches Bio-Weingut erhält Förderpreis

Das Bio-Weingut Wilhelm Zähringer am Oberrhein hat den ersten Platz beim Wettbewerb „Förderpreis Ökologischer Landbau 2013“ belegt. Der Betrieb arbeitet nach den Richtlinien von Ecovin und Demeter und ist ein Pionier des Bio-Weinbaus. So hat Zähringer in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern praxisnahe Begrünungs- und Düngesysteme für den ökologischen Weinbau entwickelt und erprobt, wie der Kupfereinsatz verringert werden kann. Als vor 15 Jahren die ersten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten gesetzlich freigegeben wurden, startete das Weingut sofort mit dem Anbau, unter anderem mit den Sorten Regent, Johanniter und Helios.

Grundlage für beste Traubenqualitäten und prämierte Spitzenweine sind die sorgfältige Bodenpflege mit Begrünung zwischen den Rebzeilen, Kompostdüngung sowie die Förderung der natürlichen Gegenspieler von Schädlingen.

Das Weingut Zähringer hat außerdem als erstes deutsches Weingut eine umfassende CO2-Bilanzierung vorgenommen und durch gezielte Investitionen die Emissionen gesenkt. So brachten eine neue Kippstation und neue Fördertechnik für Trauben und Maische gleichzeitig Qualitätsverbesserungen und eine Energieeinsparung von 90 Prozent bei der Verarbeitung.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner verlieh den Förderpreis auf der Grünen Woche in Berlin. Platz 2 und 3 belegten der Bioland-Pappelhof in Hessen sowie die Demeter-zertifizierte Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle in Baden-Württemberg.

Mehr Infos: www.foerderpreisoekologischerlandbau.de

„Ernährungswende“ - Milliarden ernähren

Wie können gesunde Lebensmittel für alle produziert und dabei Umwelt und Ressourcen geschont werden? Der Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat anlässlich der Grünen Woche in Berlin klargestellt, dass eine nachhaltige Versorgung der Weltbevölkerung nur durch ein radikales Umsteuern gesichert werden könne.

Für die geforderte „Ernährungswende" sei es unumgänglich, zunächst wettbewerbsverzerrende Subventionen vollständig abzuschaffen und nur noch Leistungen, die für die Gesellschaft und die Umwelt erbracht werden, zu honorieren. Staatliche Investitionszuschüsse für Stallbauten dürften nur noch für artgerechte Tierhaltungssysteme gewährt werden. Der Bio-Dachverband fordert außerdem eine Abgabe auf synthetischen Stickstoff, denn für die Herstellung eines Kilogramms Stickstoffdünger sei ein Liter Öl nötig. Stattdessen sollten verstärkt Hülsenfrüchte angebaut werden, die Stickstoff mit Hilfe des Sonnenlichts aus der Luft binden können.

Damit jedes Wirtschaften seinem eigentlichen Zweck gerecht wird, menschliche Bedürfnisse effizient und nachhaltig zu befriedigen, ist für den BÖLW eine ökologisch und sozial optimierte Marktwirtschaft notwendig. Die Wirtschaftsleistung müsse mittelfristig mit dem Nationalen Wohlfahrts-Indikator (NWI) gemessen werden, zunächst zehn Jahre parallel zum üblichen Bruttoinlandsprodukt. Dabei werden auch Negativposten wie Artenverlust und Ressourcen-Übernutzung volkswirtschaftlich bilanziert.

Das vollständige Thesenpapier finden Sie auf der Internetseite des BÖLW (PDF)

Voelkel – ausgezeichnet nachhaltig

Der Fruchtsaftspezialist Voelkel wirtschaftet nun auch offiziell anerkannt besonders nachhaltig: Das Familienunternehmen wurde beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie „TOP 3 Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategien für kleine und mittelständische Unternehmen“ ausgezeichnet.

Die Jury hob besonders hervor, dass alle Rohwaren Bio- oder Demeter-Qualität haben und dass mit Hilfe einer CO2-Bilanz alle Kohlendioxid-Emissionen erfasst und Maßnahmen zu ihrer Verringerung eingeleitet werden. Durch Wärmerückgewinnung und mit Hilfe energieeffizienter Technologien, zum Beispiel neuen Kälteanlagen mit höherem Wirkungsgrad, konnte der Energieverbrauch deutlich gesenkt werden. Ein großer Teil der Dachflächen ist mit Solarmodulen ausgestattet.

Ebenfalls positiv bewertet wurden das Engagement für alte Sorten in Bio-Streuobstwiesen sowie die Förderung von samenfesten Gemüsesorten. Voelkel unterstützt unter anderem ein Demeter-Anbauprojekt für Möhren und Rote Beete aus bio-dynamischer Züchtung. „Möhren mit Charakter“ wie die Sorte Rodelika wurden erstmals in Norddeutschland angebaut und bei Voelkel zu Saft verarbeitet.

Wo möglich wird in Deutschland und der Region eingekauft. Insgesamt stammen etwa 80 Prozent der Rohwaren aus Europa. In der Zusammenarbeit mit internationalen Lieferanten achtet der Naturkosthersteller auf faire Bezahlung. Wo es möglich ist, werden Rohstoffe im Ursprungsland weiterverarbeitet, um die lokale Wirtschaft zu stärken. Auch sozial engagiert sich Voelkel und unterstützt zum Beispiel regionale und internationale Kinder- und Jugendprojekte.

Gentechnik: Immer mehr resistente Unkräuter

In den USA werden seit fast 20 Jahren gentechnisch veränderte Pflanzen in großen Monokulturen angebaut. Die Versprechen der Agro-Industrie klangen für die Farmer allzu verlockend: Weil die Gentech-Pflanzen resistent gegen das mitgelieferte Pestizid sind, in der Regel das Totalherbizid Glyphosat, konnte man Unkräuter nun während der gesamten Wachstumsphase leichter und billiger vernichten.

Kritiker warnten von Anfang an – und neue Studien zeigen jetzt, dass sie recht behalten sollten: Der Einsatz des immer gleichen Wirkstoffs über Jahre hinweg hat eine starke Selektion resistenter Unkräuter gefördert; es treten immer mehr Unkrautarten auf, die sich kaum mit Glyphosat bekämpfen lassen. Eine Studie des Marktforschungsinstituts Stratus ergab, dass sich diese resistenten Unkräuter in den USA im vergangenen Jahr wesentlich schneller ausgebreitet haben als im Jahr davor. Die Fläche, auf der die „Superunkräuter“ wachsen, vergrößerte sich in dieser kurzen Zeitspanne von 16 auf 24 Millionen Hektar. Fast die Hälfte der befragten 3.000 Landwirte sind betroffen, in manchen Bundesstaaten sogar mehr als 90 Prozent. Sie müssen die Spritzmittel nun doch höher dosieren und zusätzliche Pestizide einsetzen.

Der Gentechnik-Experte Christoph Then, der im Auftrag der Grünen im EU-Parlament die Studie "Die Rache von Käfer & Co" angefertigt hat, stellt zudem fest: Auch bei vielen gentechnisch veränderten Pflanzen, die ein Insektengift produzieren, haben sich die Schädlinge angepasst. Die Agrokonzerne reagieren mit einer Art „Wettrüsten auf dem Acker“ gegen die widerspenstige Natur: Die Pflanzen werden jetzt mit bis zu sechs Giften ausgerüstet.

Immer schön auf dem Bio-Boden bleiben

Ein gesunder und lebendiger Boden ist für jeden ökologisch wirtschaftenden Betrieb das wichtigste Kapital. Damit er fruchtbar bleibt, setzen Bio-Landwirte vor allem auf vielfältige Fruchtfolgen. Und auch wenn wir dabei zuerst an Getreide, Kartoffeln und Kohl denken, so ist doch der Anbau von eher unbekannten Pflanzen wie Klee, bestimmten Grassorten, Luzerne und anderen Hülsenfrüchten das A und O. Diese Pflanzen bringen den notwendigen Stickstoff in den Boden, denn sie können mit Hilfe von Knöllchenbakterien in ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden. Zusätzlich unterdrücken sie Unkräuter.

Wenn im konventionellen Landbau immer wieder nur Mais oder nur Weizen angebaut wird, laugt der Boden aus. Um dennoch hohe Erträge zu erzielen, greifen die Landwirte zu chemischen Düngungsmitteln. Sie gefährden damit nicht nur die Gewässer, sondern zerstören damit auf Dauer auch die Fruchtbarkeit der Böden und setzen sie der Erosion aus. Eine Vergleichsstudie hat gezeigt, dass der Bodenabtrag auf Bio-Feldern bis zu sechsmal niedriger ist als auf konventionell bewirtschafteten Flächen.

Der Ökolandbau setzt bei der Düngung nicht nur auf die Grünpflanzen im Fruchtwechsel, sondern auch auf Kompost, Mist und Ernterückstände. Das fördert gleichzeitig Regenwürmer, Insekten und die unersetzlichen winzigen Boden-Organismen, die die Böden lockern, Pflanzenreste und Mist zerkleinern und mit der Erde vermischen und Nährstoffe für die Pflanzen verfügbar machen. Dazu sind bei Bedarf bestimmte mineralische Dünger erlaubt, um Nährstoffvorräte im Boden zu ergänzen, zum Beispiel Gesteinsmehl, Kalk und Spurenelementdünger.