Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 01/2013

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Topinambur, die „essbare Sonnenblume“

Topinambur ist heute selbst vielen Hobbyköchen und Genießern unbekannt. Dabei machte die Knollenfrucht im 17. Jahrhundert sogar Karriere als Delikatesse an französischen Fürstenhöfen. In Mitteleuropa gehörte sie zu den Grundnahrungsmitteln, bis sie von der besser lagerfähigen Kartoffel verdrängt wurde.

Heute kann man Topinambur bisweilen wieder entdecken, allerdings vor allem in Bioläden, Gemüse-Fachgeschäften und auf Wochenmärkten. Ihr bescheidenes Comeback verdanken die Knollen ihren besonderen inneren Werten: ein ungewöhnlich hoher Kaliumgehalt, viel Phosphor und Kieselsäure sowie viele wichtige Vitamine. Der Clou ist jedoch der hohe Gehalt an Inulin - nicht zu verwechseln mit dem Hormon Insulin. Inulin ist ein langkettiger Mehrfachzucker, der nur langsam verstoffwechselt wird und den Zuckerstoffwechsel stabilisiert. Das macht das Gemüse auch für Diabetiker bestens verträglich. Zudem wirkt Inulin appetitzügelnd und beeinflusst die Darmtätigkeit positiv.

Topinambur stammt ursprünglich aus Mittelamerika. Die Pflanze kann zwei bis drei Meter groß werden, ist eng verwandt mit der Sonnenblume und blüht genauso leuchtend gelb. Es ist eines der wenigen Gemüse, die im Winter bei uns frisch geerntet werden können, denn im Gegensatz zu Kartoffeln sind die Knollen frostfest.

Der oft ungleichmäßig geformte Topinambur ähnelt Ingwerknollen. Die Schale ist hellbraun bis violett, das Fruchtfleisch weiß oder cremefarben. Das Schälen ist etwas mühsam, aber man kann die Knollen gut gebürstet und gewaschen auch mit der dünnen Schale verwenden. Das rohe Fruchtfleisch schmeckt ein wenig wie Artischocken und passt geraspelt und in dünnen Scheiben in viele Salate. Da Topinambur an der Luft schnell braun wird, sollten Zitronenwasser oder das Salatdressing immer bereit stehen. Gekocht entwickelt das Gemüse einen leicht süßen und nussigen Geschmack. Man kann Suppe, Curry, Gratin, Püree oder sogar „Bratkartoffeln“ daraus zubereiten.

BanaFair hilft Biobauern – und braucht Hilfe

Im letzten Sommer mussten in der EU viele Produzenten von Topfkräutern, Tomaten und Salat ihre Ernte vernichten. Grund dafür war, dass in einem auch für den Ökolandbau zugelassenen Pflanzenstärkungsmittel nicht deklarierte Rückstände der Ammoniumverbindung DDAC gefunden worden waren. DDAC wirkt biozid, und ist deshalb Bestandteil u.a. von Desinfektions- und Reinigungsmitteln, wird aber auch Weichspülern oder Plastikhandschuhen zugesetzt. Für die Anwendung auf Nahrungspflanzen ist DDAC in Europa nicht zugelassen, und darf auch im ökologischen Landbau selbstverständlich nicht eingesetzt werden. Deshalb mussten alle Produkte vernichtet werden, auch wenn laut Bundesamt für Risikobewertung keine Gesundheitsgefahr bestand.

Weniger bekannt ist, dass auch Bananenbauern in Mittelamerika betroffen waren. Viele hatten das Stärkungsmittel nach der Ernte genutzt, um die Schnittstellen der Bananen während der Schiffsreise nach Europa vor Schimmel zu schützen. Die Fairhandels-Organisation BanaFair entschloss sich, ihren Kleinbauern in Ecuador die Ernte zu bezahlen, obwohl Tausende von Kisten mit Bio-Bananen vernichtet werden mussten. Schließlich hatten die Landwirte im Genossenschaftsverband Urocal keinen Fehler gemacht, sondern im guten Glauben an Anbaurichtlinien und die Qualität des zugelassenen Pflanzenmittels gearbeitet. Die Bauernfamilien hätten einen Zahlungsausfall nicht verkraften können. Sie produzieren Bio-Bananen in Mischkultur und Agroforstsystemen, zertifiziert nach Naturland-Richtlinien. BanaFair vermarktet die Früchte vor allem über Weltläden und den Naturkostfachhandel.

Doch nun braucht der gemeinnützige Verein BanaFair e.V. selbst Unterstützung, denn er sitzt auf einem Schaden von 260.000 Euro. Spenden (gegen Quittung) und Darlehen werden dringend benötigt, um den Liquiditätsengpass zu überstehen. BanaFair betreibt in Deutschland Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, um die Bedingungen zu verbessern, unter denen vor allem Bananen und Ananas produziert und vermarktet werden.

Kontakt: BanaFair e.V., Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 06051 / 8366-0 Konto 4003861 bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft, BLZ 520 604 10

Zu viel Fleisch auf dem Speiseplan

Was wir essen, ist auch eine politische und ethische Entscheidung. Das macht erneut der „Fleischatlas 2013“ deutlich, den die Heinrich-Böll-Stiftung, die Monatszeitung „Le Monde Diplomatique“ und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) veröffentlicht haben. Denn die intensive Fleischproduktion in Europa ist nicht nur qualvoll für Tiere und belastet Umwelt und Klima, sondern erfordert auch umfangreiche Importe an Futtermitteln aus Ländern des Südens. Mittlerweile wird nahezu ein Drittel der weltweiten Agrarfläche für die Futtermittelproduktion genutzt, während immer mehr Kleinbauern ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlieren.

85 Prozent der Menschen in Deutschland essen täglich oder nahezu täglich Fleisch. Im Schnitt konsumiert hierzulande jeder in seinem Leben 1.094 Tiere, darunter vier Rinder, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner. Dabei essen wir vorwiegend Hühner- und Putenbrust, Filets und andere Premiumteile und exportieren die weniger beliebten Stücke zu Dumpingpreisen vor allem nach Afrika. Die dortigen lokalen Produzenten können damit nicht konkurrieren. Vor allem viele Frauen verlieren so ihre Einnahmequelle.

Der BUND kritisiert, dass bei der Fleischerzeugung die Kosten für Umwelt- und Gesundheitsschäden nicht von den Verursachern gezahlt werden müssen und somit auch nicht in den Verkaufspreis eingehen. Fleisch sei daher gerade in Deutschland viel zu billig. Der Fleischatlas zeigt zum Beispiel, dass in einigen Regionen das Wasser stark durch gesundheitsschädliches Nitrat belastet ist. Es gelangt durch die Gülle, die auf Ackerflächen und Wiesen ausgebracht wird, ins Grundwasser.

 

Der BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung fordern eine Kehrtwende in der EU-Agrarpolitik. Exportsubventionen für Überproduktionen müssten abgebaut und die kleinbäuerliche Landwirtschaft gefördert werden. Bei der laufenden EU-Agrarreform müsse die Vergabe der 60 Milliarden Euro Subventionen an strenge Umwelt- und Tierschutzauflagen gebunden werden.

Der „Fleischatlas 2013 – Daten und Fakten über Tiere als Lebensmittel“ enthält neben Fakten und Informationen rund ums Fleisch zahlreiche anschauliche Grafiken.

Bester Bio-Käse aus dem Allgäu

Im Allgäu sind die Kühe braun und die Harfe ist nicht nur ein Musikinstrument, sondern vor allem ein Werkzeug der Käser. Kaum eine Region in Europa ist so von der Milchwirtschaft geprägt und deshalb ist auch die Käsevielfalt besonders groß. Diese Landschaft ist die Heimat der Ökologischen Molkereien Allgäu (ÖMA). Mehr als 180 verschiedene Käsesorten bringt das Unternehmen auf den Markt, darunter 110 Allgäuer Spezialitäten – und sie sind ausschließlich im Naturkost-Fachhandel erhältlich.

Bio ist bei ÖMA nicht nur ein gesetzlich geregelter Standard, sondern gelebte Philosophie. Verarbeitet wird bevorzugt Milch von Kühen, die nur mit Gras und Heu gefüttert wurden, denn das garantiert beste Käsequalität und sorgt zudem für einen hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren. Bei der Bio-Käseproduktion ist höchste Sorgfalt unverzichtbar, denn auf Zusatzstoffe wird komplett verzichtet. Die erfahrenen Käser kennen stattdessen noch alle handwerklichen Kniffe und produzieren nur mit Milch, Lab und Salz alles vom milden Butterkäse über würzigen Allgäuer Bergkäse bis hin zu Ziegenfrischkäse.

Die ÖMA gehört mehreren genossenschaftlich organisierten Molkereien und arbeitet mit zahlreichen Bio-Milchbetrieben und Käsereien zusammen, zum Beispiel mit der Allgäuer Emmentalerkäserei Leupolz oder der Bio-Käserei Zurwies. So bleiben kleine Strukturen in der Region erhalten. Damit die vielfältigen Bemühungen auch sichtbar und messbar werden, nimmt ÖMA am BNN-Nachhaltigkeitsmonitor des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren teil.

2012 hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz den Ökologischen Molkereien Allgäu mit dem Bundesehrenpreis ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung für Unternehmen der Milchbranche. Der Preis geht an die zwölf Unternehmen der deutschen Milchbranche, die die besten Testergebnisse bei den DLG-Qualitätsprüfungen erzielen.

Bio-Ziegen: Da gibt’s nichts zu meckern!

Nach dem Zweiten Weltkrieg war in Deutschland die Zahl der Ziegen stark gesunken, doch heute sind Ziegenmilchprodukte wieder im Kommen, nicht zuletzt dank der vielen gesunden Inhaltsstoffe. Ziegenmilch enthält besonders hochwertige Eiweiß, leichtverdauliche Fette und viele Mineralstoffe. Der Gehalt an der essentiellen Fettsäure Linolsäure ist höher als in Kuhmilch, ebenso der Gehalt an Vitamin D und A. Ziegenmilch kann aufgrund der Eiweißzusammensetzung auch eine Alternative für viele Kuhmilch-Allergiker sein.

Als Delikatesse wird besonders Ziegenkäse wegen seines delikaten Aromas und der feinen Konsistenz geschätzt. Die Produktpalette reicht jedoch weiter über Ziegencamembert und Tomme de Chèvre bis hin zum Pecorino. Ziegenkäsespezialitäten haben zum Beispiel ÖMA und Vallée Verte im Sortiment, und die Bio-Molkerei Söbbeke und Andechser Natur produzieren Ziegenmilch und Ziegenjoghurt. Ziegenfrischkäse ist ein besonderer Genuss als warme Vorspeise mit Feigen oder Honig und Rosmarin oder in Salaten. Viele Hersteller bieten auch aromatisch marinierte Frischkäsespezialitäten an. Und wenn es schnell gehen soll, bietet sich die tiefgekühlte „Nordische Ziege“ von Moin an: Roggen-Dinkelteig mit würzigem Ziegenkäse und Spinat belegt zum Aufbacken.

Gerade viele Biobauern haben die genügsamen und lebhaften Tiere wieder entdeckt. Sie halten ihre Ziegen ausnahmslos in Laufställen, die Liegeflächen mit Stroh und ausreichend Platz bieten. Ab Frühjahr dürfen die Tiere täglich ins Freie zum Laufen, Klettern und Springen. Die genügsamen Ziegen sind zudem perfekte Landschaftspfleger, denn sie halten wertvolle Biotope wie Trockenrasen, Moore oder Heideflächen frei von Strauchbewuchs.

BNN-Monitoring: Schadstoff-Detektive unterwegs

Auch Bio-Produkte können von allgemeinen Umweltbelastungen betroffen sein. Denn sowohl die Industrie als auch die intensive konventionelle Landwirtschaft hinterlassen Schadstoffspuren in Luft, Boden und Wasser. Dennoch enthalten Bio-Produkte etwa 100 Mal weniger Pestizidrückstände als konventionelle Produkte.

Sind jedoch einmal Spuren vorhanden, soll natürlich die Ursache nach Möglichkeit gefunden und abgestellt werden. Dafür sorgt im Naturkost-Fachhandel das BNN-Monitoring für Obst und Gemüse. Alle vier Wochen lassen die beteiligten Bio-Regionalgroßhändler Proben im Labor untersuchen, von der Ananas bis zur Mohrrübe, von der Petersilie bis zur Weintraube.

Wichtigstes Ziel dabei ist es, die Qualitätssicherung in der ökologischen Lebensmittelwirtschaft vom Feld bis ins Regal ständig zu verbessern. Dazu wurde das Konzept des BNN-Orientierungswerts eingeführt, der bei 0,01 Milligramm pro Kilogramm liegt. Das ist die gängige Nachweisgrenze der Labore und auch der Grenzwert für Babynahrung. Ist dieser Wert überschritten, wird recherchiert, ob jemand gegen die gesetzlichen Regelungen für den Biolandbau verstoßen hat.

In aller Regel liegt die Ursache jedoch woanders: In der Nachbarschaft eingesetzte Pflanzenschutzmittel sind abgedriftet, das Wasser für die Bewässerung war belastet oder ein Bio-Produkt wurde in einem Lager, einem Fahrzeug oder auf einem Transportband verunreinigt, weil dort zuvor konventionelle Produkte unterwegs waren. Solche Ursachen können, sind sie erst einmal erkannt, abgestellt werden. So sorgt das BNN-Monitoring für eine ständige Verbesserung der hohen Qualität im Bio-Fachhandel.