Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 12/2012

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Bio-Fachhandel bietet größte Sicherheit beim Eierkauf

Das Video der Tierschutzorganisation PETA, das nicht nur Missstände auf einem konventionellen Geflügelhof, sondern auch in zwei Bio-Geflügelbetrieben zeigte, hat viele Menschen verunsichert. Klar ist jedoch: Es handelte sich um Ausnahmen. Der Anbauverband Naturland hat die Zusammenarbeit mit dem Geflügelhof, der für Edeka produziert hatte, fristlos gekündigt.

Nach wie vor stehen der Biolandbau und die überwältigende Mehrheit seiner Betriebe für die bestmögliche Tierhaltung. Kunden in Bioläden und Bio-Supermärkten waren zudem nicht betroffen, denn die kritisierten Betriebe hatten den Fachhandel nicht beliefert.

Der Kauf von Bio-Eiern im Fachhandel bietet die größte Sicherheit, dass Legehennen artgerecht und gemäß den Richtlinien des ökologischen Landbaus gehalten werden. Denn als Lieferanten werden selbständige bäuerliche Betriebe in der Region bevorzugt, bei denen eine überschaubare und begrenzte Herdengröße eine gute Betreuung der Tiere ermöglicht. Auf solchen Höfen versteht sich der Betriebsleiter als Tierhalter mit besonderer Verantwortung und nicht als Manager, der „Produktionseinheiten“ möglichst wirtschaftlich nutzt.

Die regionalen Bio-Großhändler und die meisten Naturkost-Einzelhändler kennen zudem ihre Eier-Lieferanten durch regelmäßige Besuche sehr genau. Diese Arbeitsweise ergänzt die vorgeschriebenen Öko-Kontrollen und garantiert, dass nur verantwortungsbewusste Betriebe als Handelspartner Bestand haben. Viele Bio-Fachgeschäfte bieten auch ihren Kunden die Möglichkeit, Produzenten persönlich kennenzulernen, zum Beispiel bei Betriebsbesichtigungen oder Hoffesten. Fragen Sie nach!

Woher die guten Bio-Waren stammen

Auch wenn Kunden es oft gar nicht wahrnehmen: Hinter jedem Bioladen und jedem Bio-Supermarkt steht mindestens ein Bio-Großhändler. Er liefert täglich oder mehrmals die Woche, was nicht direkt von Bio-Betrieben in der Region stammt, zum Beispiel Milchprodukte, Naturkosmetik, Tofuprodukte und Getränke.

Im Südwesten der Republik ist Rinklin Naturkost einer dieser Großhandelsbetriebe. Und damit sichtbar wird, welche Arbeit da weitgehend im Verborgenen betrieben wird und woher die guten Bio-Waren stammen, hat das Unternehmen einen Film produzieren lassen. „Bio kann mehr! Rinklin-Partner im Porträt“ zeigt, wer hinter den regional berühmten Eichstetter Bio-Möhren steckt und stellt klar: Nicht Huhn, nicht Ei standen am Anfang, sondern eine engagierte Hühnerhalterin! Auch ein Bio-Weingut und eine Bio-Mühle werden portraitiert.

Eine Selbstverständlichkeit für Rinklin Naturkost ist die Teilnahme am BNN-Nachhaltigkeitsmonitor, mit dessen Hilfe sich messen lässt, wo ein Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit steht. Einzelheiten zeigt der ebenfalls kürzlich fertig gestellte Kurzfilm „Der BNN-Nachhaltigkeitsmonitor: Nachhaltigkeit ist mehr als Umweltschutz“.

Bio bindet mehr Kohlenstoff im Boden

Der Biolandbau bindet deutlich mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden als die konventionelle Landwirtschaft und trägt so dazu bei, den Klimawandel abzubremsen. Im Schnitt um 3,5 Tonnen pro Hektar höher sind die Kohlenstoffvorräte in Bio-Böden. Das ist das Ergebnis einer Studie, für die unter der Leitung des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) erstmals Daten von 74 Vergleichsstudien aus der ganzen Welt ausgewertet worden sind.

Die Forscher konnten anhand der Daten berechnen, dass biologisch bewirtschaftete Böden bis zu 450 Kilogramm mehr atmosphärischen Kohlenstoff pro Hektar und Jahr in Form von Humus speichern können. Ein wichtiger Grund dafür ist die Mischwirtschaft mit Ackerbau und Tierhaltung, denn dabei gelangt organische Substanz in Form von Mist und Gülle zurück in den Boden und baut kontinuierlich den Humusgehalt im Boden auf. Auch der Anbau von Futterleguminosen wie Luzerne und Rotklee wirkt sich positiv aus. In konventionellen Böden wird dagegen deutlich weniger Humus aufgebaut. Je nach Düngung kommt es sogar zu einem Humusabbau und damit zur Freisetzung von klimaschädlichem Kohlendioxid.

Das Binden von Kohlenstoff im Boden mindert nicht nur den Klimawandel, sondern verbessert auch die Bodenqualität. Durch eine bessere Wasseraufnahmefähigkeit und die bessere Bodenstruktur, die vor Erosion schützt, sind Bio-Böden auch besser an die erwarteten Auswirkungen des Klimawandels wie längere Trockenperioden oder heftige Niederschläge angepasst.

Mit Bio-Sekt prickelnd ins neue Jahr

Um Mitternacht feine Perlen im Glas – für viele Menschen gehört das Anstoßen mit Sekt oder Champagner zu Silvester einfach dazu. Wer Bio-Schaumwein wählt, tut dabei nicht nur sich, sondern auch der Natur etwas Gutes: Ausschließlich Bio-Trauben werden dafür verarbeitet, und der ökologische Weinbau hat neben einer hochwertigen Ernte auch den Erhalt des natürlichen Gleichgewichts und die biologische Vielfalt im Blick.

 

Die Einsaat von verschiedenen Pflanzen sorgt für mehr Stickstoff im Boden, gleichzeitig werden Bienen angelockt. Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, genmanipulierte Hefen und leicht lösliche synthetische Stickstoffdünger, die das Grundwasser belasten, sind tabu. Biowinzer schützen ihre Reben vor Schädlingen und Krankheiten, indem sie Nützlinge fördern, pflanzenstärkende Präparate einsetzen und Rebsorten auswählen, die widerstandsfähig gegen Pilze sind.

Auf insgesamt 88.000 Hektar wird in Europa ökologischer Weinbau betrieben. Die größten Flächen liegen in Italien, mit größerem Abstand gefolgt von Frankreich, Spanien, Griechenland und Deutschland. Die traditionelle Flaschengärmethode ist dabei nicht nur in der Champagne üblich, sondern oft auch in anderen Regionen. Allerdings dürfen solche Schaumweine nicht als Champagner bezeichnet werden und kommen als Crémant, Sekt oder Cava in den Handel. Preiswertere Sekte werden in Tanks vergoren und dürfen nicht mit „traditionelle Flaschengärung“ oder „Méthode classique“ ausgezeichnet sein. Gute und zuverlässige Qualitäten sind dennoch möglich.

Na dann, prosit Neujahr! Mit jeder Flasche Bio-Sekt sorgen Sie dafür, dass zwei Quadratmeter Boden ökologisch gepflegt werden.

Demo in Berlin: Wir haben es satt!

Wer mitbestimmen will, was auf unsere Teller kommt und wie unser Essen produziert wird, sollte am 19. Januar 2013 in Berlin Flagge zeigen bei der dritten bundesweiten Demonstration "Wir haben Agrarindustrie satt!". Schon 2011 und 2012 waren Zehntausende vor das Bundeskanzleramt gezogen, um anlässlich des Internationalen Agrarministergipfels während der Grünen Woche für eine Neuausrichtung der Agrarpolitik zu demonstrieren.

Die Agrarpolitik der letzten Jahrzehnte hat dafür gesorgt, dass unsere Landschaft „vermaist“ und immer mehr bäuerliche Betriebe aufgeben müssen. Stattdessen entstehen mehr und mehr „Tierfabriken“, in denen Tiere leiden. Nach wie vor werden auf den Feldern enorme Mengen an Pestiziden eingesetzt, mit der Folge, dass die Artenvielfalt rapide abnimmt und Rückstände die Böden und das Grundwasser belasten. Zunehmend sind Antibiotika-Resistenzen zu beobachten, als deren Ursache auch die häufig nötigen Antibiotika-Einsätze in den Massenställen diskutiert werden.

2013 ist ein entscheidendes Jahr, denn die geplante Reform der EU-Agrarpolitik und die Bundestagswahl stellen Weichen für die Zukunft der Landwirtschaft und unserer Lebensmittel.

Informationsmaterial mit Postern, Flyern und Aufklebern zur Demo in zwei verschiedenen Paketgrößen können auf der Website „Wir haben es satt!“ bestellt werden. Dort gibt es auch Informationen zur Anreise, eine Mitfahrerbörse und einen „Busleitfaden“ für alle, die eine Gruppenfahrt organisieren wollen.

Informationen zu "Wir haben es satt" gibt es auch auf Facebook sowie bei Twitter.

Bio-Linsen von der Alb

„Linsen und Spätzle“ ist ein typisch schwäbisches Gericht, doch die richtigen Linsen dazu wären fast ausgestorben. Um 1960 hatte der letzte Bauer auf der Schwäbischen Alb den Anbau aufgegeben. Zu niedrig waren die Erträge der schmackhaften heimischen Sorten, zu groß der Arbeitsaufwand, um mit den viel preiswerteren Importlinsen konkurrieren zu können

Dass die Alblinse, die in Schwaben „Leisa“ heißt, dennoch wieder eine Zukunft hat, ist einigen hartnäckigen Bio-Landwirten zu verdanken. Als sie den Anbau wagen wollten, war allerdings auch das Saatgut längst verschollen. Ersatzweise kam auf dem Bioland-Hof Mammel ab 1985 zunächst eine französische Linsensorte zum Einsatz. 2006 schließlich spürte Linsenpionier Woldemar Mammel mit Unterstützung von Experten doch noch Samen von zwei Sorten von „Späths Alblinse“ auf - in einer der größten Gendatenbanken der Welt in St. Petersburg.

Die Zahl der Linsenbauern in der Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ steigt seitdem stetig. Auch Slow Food ist begeistert von der Alblinse und nahm sie in die „Arche des Geschmacks“ auf, ein Projekt, das regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen retten soll. Zusätzlich wurden in diesem Jahr die schwäbischen Linsensorten der Öko-Erzeugergemeinschaft "Alb-Leisa" von der Slow Food Stiftung für Biodiversität als besonders erhaltenswerte Kulturpflanzensorten eingestuft und werden nun im Rahmen eines „Presidio-Projekts“ besonders unterstützt.

Weil sämtliche Alblinsen heute auf Bio-Betrieben angebaut werden, präsentieren sich die Linsenäcker vielfältig: Zwischen den Linsen und ihrem Stützgetreide, meist Hafer oder Braugerste, tummeln sich Insekten, Kleinstlebewesen und Ackerwildkräuter. Aber auch der Mensch profitiert: Linsen sind wie alle Hülsenfrüchte sehr gute Eiweißlieferanten, vor allem in Kombination mit Getreide. Alblinsen schmecken zudem besonders aromatisch und nussig – Zeit für „Leisa mit Schbätzla“!