Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 10/2012

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Die Suche nach dem Alleskönner-Huhn

Um 1800 legte ein Huhn rund 50 Eier im Jahr, 1960 waren es schon 150 und heutige Legehennen kommen auf über 300. Doch der Preis für dieses Wachstum ist hoch: Die neuen Hybridrassen, die auch auf den meisten Biobetrieben noch üblich sind, sind für die Mast ungeeignet. Die männlichen Nachkommen, die naturgemäß keine Eier legen, werden daher getötet.

Um die Situation zu verbessern, suchen mehrere Initiativen aus der Biobranche nach einem geeigneten „Zweinutzungshuhn“: Die weiblichen Tiere müssten genug Eier legen und die männlichen gleichzeitig gute Masteigenschaften haben, so dass beide Produktionsrichtungen wirtschaftlich sind. Im Rahmen des preisgekrönten Projekts "ei care" ziehen zum Beispiel mehrere Bio-Familienbetriebe Hühner der Rasse „Les Bleues“ auf, die man in Frankreich als Bresse-Hühner schätzt. Die Eier und das Fleisch sind dank der Beteiligung des Berliner Großhändlers Terra Naturkost in vielen Berliner und Brandenburger Naturkostfachgeschäften erhältlich.

Auch die Bio-Großhändler Naturkost Nord in Hamburg, Naturkost Elkershausen in Niedersachsen und Naturkost Erfurt in Thüringen haben ein Zweinutzungshuhn-Projekt gestartet. Im Rahmen der „Bruderhahn Initiative“ werden die Eier mit einem Zuschlag von vier Cent verkauft, um die Mehrkosten der Landwirte zu finanzieren, die die männlichen Küken mit aufziehen. Voraussichtlich Anfang 2013 kommen die ersten Eier in die Bioläden. Das Fleisch will der Babynahrungshersteller Holle verarbeiten. Die beteiligten Großhändler wollen ihren Eiereinkauf zu 100 Prozent umstellen.

Zu weiteren Zweinutzungshuhn-Pionieren zählen der Bicklhof in Oberbayern, die Herrmannsdorfer Landwerkstätten mit ihren Sulmtaler-Hühnern und die Erzeugergemeinschaft Fürstenhof mit den „Haehnlein“-Eiern. In diesem Jahr stellt auch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. ein Zweinutzungshuhn in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Der seit über 100 Jahren bekannte "Deutsche Sperber" ist „Gefährdetes Nutztier des Jahres 2012“.

Damit das Alleskönner-Huhn eine Chance hat, ist auch ein Umdenken der Verbraucher nötig. Denn ohne Aufpreis für Hühnerfleisch und Eier sind Zweinutzungshühner auf Dauer für die Bauern wirtschaftlich nicht tragbar.

Petition „Rettet unsere wildlebenden Arten!“

Der Anbau von Energiepflanzen weitet sich rasant aus, nicht zuletzt aufgrund einer Förderpolitik, die die falschen Schwerpunkte setzt. Gleichzeitig explodieren die Weltmarktpreise für Rohwaren und verändern die Landwirtschaft weltweit. Die Intensivnutzung verdrängt extensivere Nutzungsformen wie den Ökolandbau und trägt erheblich zum Artensterben bei. Daher hat der Lämmerhof in Panten eine Petition an den schleswig-holsteinischen Umweltminister Dr. Robert Habeck gerichtet mit der Forderung, die Artenvielfalt zu erhalten und zu sichern. Das Team des Lämmerhofs engagiert sich seit Jahren für den Naturschutz und hat zahlreiche Biotope neu angelegt und in ihrem Zustand verbessert.

Die Online-Petition kann von Unterstützern aus ganz Deutschland noch bis zum 19. Dezember 2012 gezeichnet werden. Auf der Website des Lämmerhofs ist der vollständige Brief an den Umweltminister zu finden.

Darin heißt es unter anderem: „Der Staat hatte 2002 beschlossen, den Verlust an Biodiversität bis 2010 zu stoppen. Das Ziel wurde verfehlt und auf 2020 verschoben. Mit dem jetzigen Intensivierungsschub im Ackerbau ist es aber völlig illusorisch zu glauben, dass dieses Ziel mit den traditionellen Vertragsnaturschutzprogrammen überhaupt noch erreichbar ist.“ Die Petition fordert daher unter anderem eine klare Reglementierung der Landbewirtschaftung in denjenigen Korridoren in Schleswig-Holstein, die besonders effektiv zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen, weil außerhalb die Artenvielfalt ohnehin schon verloren sei. Wesentlich sei, dass in den Schutzkorridoren keine synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel mehr zum Einsatz kämen.

Heuschrecke: Weltweit nachhaltig

Kurkuma aus Indien, Vanille aus Madagaskar, Apfelminze aus Hessen – mit den Produkten der Heuschrecke Naturkost GmbH lässt sich eine aromatische Weltreise unternehmen. In diesem Jahr feiert der Bio-Pionier und Spezialist für ökologische Tees und Gewürze seinen 35. Geburtstag. Eine Spezialität sind nicht alltägliche Mischungen nach eigenem Rezept, zum Beispiel die „Krawallbrause“, ein zitroniger Tee für Kinder und Teenager, oder keltische Gewürzmischungen mit Zutaten wie Bärlauch, Schabzigerklee und Gundelrebe.

Wo immer es möglich und sinnvoll ist, kauft Heuschrecke in Deutschland und Europa, bevorzugt von Demeter-, Naturland- und Biolandhöfen. Besonders eng verbunden ist das Unternehmen mit „Terra Magnificia“ in Kroatien, wo das im Balkankrieg zerstörte Netz von Kräutersammlern wieder aufgebaut wird. Das Projekt ist für den Bio-Anbau und die Wildsammlung zertifiziert und liefert neben vielen anderen Kräutern Veilchenblüten, Wasserminze, Malven und Johanniskraut. International setzt Heuschrecke auf die Zusammenarbeit mit Bio-Kleinbauernprojekten, zum Beispiel in Indien, Sri Lanka, Südafrika und Madagaskar.

Der Dialog innerhalb der Wertschöpfungskette und die Arbeits- und Sozialstandards bei den Lieferanten sind ganz entscheidend für ganzheitlich verstandenes nachhaltiges Handeln. Der BNN-Nachhaltigkeitsmonitor, an dem sich auch Heuschrecke beteiligt, misst daher auch die faire und transparente Zusammenarbeit mit Wirtschaftspartnern.

 

Auf der Heuschrecke-Website findet man Hintergründe zu Produkten und Lieferanten und zur Einkaufsphilosophie. Im firmeneigenen Blog gibt es Beiträge aus der Kräuterwelt, aber auch Gedanken zu Kultur und Politik.

Durch cleveren Einkauf das Klima schonen

Unsere Einkaufswege belasten das Klima deutlich mehr als bisher bekannt war, zeigt eine neue Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zwar werden viele Bio-Lebensmittel klimafreundlicher produziert als konventionelle, doch wer schnell mal einen Liter Bio-Milch oder ein Brot aus dem Bioladen mit dem Auto holt, vermasselt damit die gute Bilanz.

Die Wissenschaftler haben den „Consumer Carbon Footprint“ (CCF) untersucht, also den Anteil der Verbraucher in Deutschland an der Klimabilanz der Waren-Prozesskette. Die Auswertung ergab einen mittleren CCF-Wert für die Einkaufswege von 280 Gramm Kohlendioxid pro Kilogramm Einkauf. Dabei schwanken die Einzelwerte zwischen 0 und 8.830 Gramm. Die Wahl des Verkehrsmittels hat den größten Einfluss: 83 Prozent aller Verbraucher nutzen den PKW für ihre Einkäufe. Sie legen dabei im Schnitt 2.600 Kilometer pro Jahr zurück.

Die Forscher räumen ein, dass klimafreundliches Einkaufen im städtischen Umfeld leichter fällt, weil man dank kurzer Wege oft auf das Auto verzichten kann. In Gießen nutzen laut Studie beispielweise nur 46 Prozent der Befragten den PKW für ihren Einkauf.

Da jedoch auch die Einkaufsmenge einen erheblichen Einfluss hat, kann jeder durch gute Planung zum Klimaschutz beitragen, indem möglichst große Mengen auf einmal gekauft und Vorratseinkäufe mit anderen Wegen verknüpft werden. Zurzeit prüfen die Forscher übrigens, ob Kunden von Bioläden bei der Wahl der Verkehrsmittel und –wege ein höheres Umweltbewusstsein zeigen.

Kinofilm zeigt Überlebenskampf der Bienen

Bienen liefern nicht nur Honig: Ohne ihre Bestäubung würden Obstbäume, Raps, Melonen, Bohnen und Co. keine Früchte tragen. Rund 80 Prozent unserer Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Honigbiene angewiesen. Doch seit Jahren sterben weltweit Bienenvölker. Pestizide, Milben, Antibiotika, Inzucht und Stress zählen zu den Ursachen. Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof ist auf der Suche nach Antworten um die ganze Welt gereist und hat großartige Aufnahmen für seine Dokumentation MORE THAN HONEY mitgebracht.

Eindrucksvolle Makroaufnahmen zeigen Bienen im Flug, begleitet von einem Minihelikopter, und mit Hilfe von Endoskop-Objektiven ermöglicht einen faszinierenden Blick in das Innere der Bienenstöcke. Verstörend sind dagegen die Aufnahmen bei einem amerikanischen Großimker, der seine 15.000 Bienenvölker von einer pestizidbehandelten Monokultur zur nächsten über Tausende von Kilometern fährt. In China besuchte der Filmemacher Landstriche, in denen es wegen des massenhaften Pestizideinsatzes überhaupt keine Bienen mehr gibt. Hier bestäuben Menschen die Apfelbäume von Hand.

Imhoofs Bestandsaufnahme führt zu einer bedrückenden Diagnose: Wenn Naturprodukte massenhaft verfügbar sein sollen, kommt das natürliche Gleichgewicht ins Wanken. Bienen wurden wie Hühner, Kühe und Schweine vom Menschen domestiziert, um sie möglichst effektiv industriell auszubeuten. MORE THAN HONEY zeigt aber auch Hoffnungsschimmer: Forschungsprojekte in Australien und die Zucht widerstandsfähigerer Bienen, zum Beispiel mit Hilfe einer aggressiven, aber robusten Kreuzung aus europäischen und afrikanischen Tieren.

Der Film „More than Honey“ lief bereits erfolgreich auf Festivals. Kinostart in Deutschland ist am 8. November. Prädikat "Besonders wertvoll".

Sanddorn – die Zitrone des Nordens

Die Zeit der Schniefnasen ist da – höchste Zeit, das Abwehrsystem auf Hochtouren zu bringen! Dafür bietet die Natur viel Auswahl, doch ganz besonders Vitamin-C-reich ist der Sanddorn, auch „Zitrone des Nordens“genannt, der auch in zahlreichen Regionen Deutschlands wächst. Die kleinen, orangefarbenen Beeren enthalten wesentlich mehr Vitamin C als Zitronen. Schon drei Löffel Sanddornsaft decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen.
Pur schmecken die Beeren herb und kräftig sauer. Umso besser lassen sie sich zu Produkten mit besonderem Aroma verarbeiten. Im Bio-Fachgeschäft ist die Auswahl groß: Andechser und Söbbeke haben Fruchtjoghurts mit Sanddorn im Programm, Zwergenwiese, Allos und Sonnentor fruchtige Aufstriche mit hohem Sanddorn-Anteil. Voelkel bietet einen „Herbst-Wintertrunk „Sanddornkräfte“ und Beutelsbacher einen Sanddorn-ACE-Saft. Sanddorn-Muttersaft ist von beiden Saftspezialisten erhältlich, ebenso von Rabenhorst.

Leckere Teemischungen mit viel Sanddorn gibt es von Lebensbaum, Heuschrecke, Sonnentor und Ökotopia. Bei Bauckhof verleihen die kleinen Beeren dem Bio-Apfel-Sanddornmus die besondere Note. Und mit der Fruchtsauce Sanddorn von Allos kann man Desserts, Joghurt, Müsli und Eis verfeinern oder auch Milchshakes und Cocktails einen besonderen Pfiff geben.

Das Öl aus den Samen und dem ölhaltigen Fruchtfleisch ist ebenfalls sehr wertvoll. Logona setzt Sanddorn daher in seiner Serie „Age Protection“ ein. Die Inhaltsstoffe der Beere tragen zur intensiven Pflege bei, schützen vor vorzeitiger Hautalterung und können sogar Entzündungen hemmen.