Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 09/2012

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Und Bio ist doch besser!

Im August wurde eine Untersuchung der US-amerikanischen Universität Stanford veröffentlicht und in den Medien lebhaft diskutiert, die nach Auswertung von über 300 Studien zu dem Schluss kam, dass bisher nur an wenigen Punkten wissenschaftlich bewiesen sei, dass Bioprodukte besser für die Gesundheit sind.

Dabei wiesen die Wissenschaftler selbst auf einen ganz entscheidenden Gesundheitsvorteil hin: Bio-Lebensmittel sind im Vergleich zu konventionellen Lebensmittel deutlich geringer mit Pestiziden und Arzneimittelrückständen belastet. Das zeigen auch jeden Monat die Ergebnisse im BNN-Monitoring für Obst und Gemüse im Naturkosthandel und die Analysen der staatlichen Gesundheitsämter.

„Problematisch ist, dass die Autoren der Studie die Bedeutung dieses Befunds in unverantwortlicher Weise herunterspielen“, so Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Dies gelte umso mehr, als die Wissenschaft noch viel zu wenig über die Wirkung von Mehrfachbelastungen weiß. Solche „Pestizidcocktails“ sind bei konventionellen Produkten ausgesprochen häufig. Studien zeigen, dass sich die Wirkung dieser gleichzeitig vorhandenen Chemikalien verstärken kann.

Bei Bio verzichten die Landwirte aber nicht nur auf Pestizide. Auch der signifikant höhere Anteil gesundheitsfördernder sekundärer Pflanzeninhaltsstoffe ist bei bestimmten Produkten längst bewiesen. Und ganz entscheidende Vorteile der ökologischen Landwirtschaft hat die Studie aus Stanford erst gar nicht erfasst: die Schonung natürlicher Ressourcen wie Boden, Gewässer, Klima und Biodiversität, eine vielfältige Kulturlandschaft, die artgerechte Tierhaltung und der Verzicht auf Gentechnik.

Gentechnik täglich heimlich auf dem Teller

Wer konventionelles Fleisch isst oder konventionelle Milch trinkt, muss davon ausgehen, dass die Tiere mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert worden sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Umweltschutzorganisation WWF. Danach sind über 80 Prozent aller Sojabohnen, die nach Deutschland importiert werden, gentechnisch verändert, obwohl der Anbau in der EU verboten ist.

Verbraucher haben bisher keine Chance, Fleisch, Eier, Milch oder Käse zu erkennen, die von Tieren stammen, die gentechnisch verändertes Futter erhalten haben. Denn eine Kennzeichnungspflicht für tierische Produkte fehlt noch immer. Nur wenn auf der Verpackung das Siegel „Ohne Gentechnik“ steht oder das Produkt aus ökologischer Landwirtschaft stammt, ist garantiert keine Gentechnik drin.

Da die großen Futtermittelhändler wissen, dass die Akzeptanz für gentechnisch veränderte Lebensmittel in Deutschland äußerst gering ist, verschweigen fast alle, wie viel Prozent Gensoja sie im Sortiment haben. Laut WWF wäre auf dem Weltmarkt die für Deutschland benötigte Menge gentechnikfreie Soja vorhanden, zudem bei steigender Nachfrage der Anbau sofort ausgeweitet würde. Eine Alternative sei es, verstärkt wieder heimische Futtermittel wie Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen einzusetzen und Kühe länger auf Grünland weiden zu lassen.

Herkunftsländer der gentechnisch veränderten Soja sind vor allem die USA, Brasilien und Argentinien. Die Pflanze wird zum großen Teil in agrarindustriellen Monokulturen unter massivem Einsatz von Pestiziden angebaut. Schwere Umweltprobleme, Vergiftungen bei Landarbeitern und der Verlust von Regenwäldern sind einige der gravierenden Folgen.

Bei der Bohlsener Mühle klapp(er)t es nachhaltig

Jeden Tag laufen bei der Bohlsener Mühle Tausende Cracker und Kekse vom Band, Müslis und Crunchies werden gemischt und Brot und Kuchen frisch gebacken. Und das alles besonders nachhaltig, denn das ist entscheidender Teil der Unternehmensphilosophie. Die Bohlsener Mühle beteiligt sich daher auch am BNN-Nachhaltigkeitsmonitoring, zu deren Mitinitiatoren sie zählt.

Bei allen Erweiterungen und Innovationen im Laufe der Jahre hat das Unternehmen immer auf Energieeffizienz geachtet, 100 Prozent zertifizierter Ökostrom sind Ehrensache, und sogar die alte Wassermühle produziert noch immer einen Teil der Energie für Getreidevermahlung und -verarbeitung. Gerade ist eine Anlage fertig geworden, die aus Dinkelspelzen Pellets presst, voraussichtlich etwa 1.500 Tonnen pro Jahr. Mit diesen Pellets sollen künftig nicht nur die Backöfen, sondern das ganze Dorf beheizt werden. Mittelfristig will die Bohlsener Mühle CO2-neutraler Betrieb werden.

Da die Rohstoffe soweit wie möglich aus der Region stammen, sichert die Bohlsener Mühle die Existenz zahlreicher landwirtschaftlicher Betriebe und Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Die Verarbeitung von traditionsreichen Getreidesorten wie Dinkel, Einkorn und Emmer sorgt für den Erhalt der Vielfalt bei Kulturpflanzen. Die Bohlsener Mühle unterstützt auch die ökologische Getreidezüchtung Darzau im Wendland, wo unter anderem neue Sorten wie Brotgerste, Einkorn und Lichtkornroggen entwickelt werden.

Im Kurzfilm „BNN-Nachhaltigkeitsmonitor: Bio-Unternehmen messen und verbessern ihr Nachhaltigkeit“ zeigt auch die Bohlsener Mühle beispielhaft, wie nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis funktionieren kann.

Hormonell wirksame Pestizidrückstände gefährden Verbraucher

Eine neue Untersuchung von des Pestizid Aktions-Netzwerks (PAN) und der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000 belegt erneut, dass konventionelles Obst und Gemüse in Europa hormonell wirksame Pestizidrückstände in gefährlichen Mengen enthält. Bei Blattsalat waren es zum Beispiel bis zu 1.300 Mikrogramm pro Kilogramm. Eine Anti-Baby-Pille beinhaltet im Vergleich dazu maximal 200 Mikrogramm synthetischer Östrogen- und Gestagen-Hormone. Die Analyse basiert auf den Überwachungsdaten der europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA).

"Dies sind Besorgnis erregende Zahlen, da bereits geringste Mengen ein Gesundheitsrisiko darstellen können, besonders während empfindlicher Entwicklungsphasen von Kindern“, kommentiert Susanne Smolka von PAN Germany. Aus Vorsorgegründen dürften daher in der EU hormonell aktive Wirkstoffe nicht mehr zugelassen werden.

Hormonell wirksame Chemikalien greifen schon in extrem kleinen Mengen in den Hormonhaushalt von Mensch und Tier ein und können so zum Beispiel Wachstum, Fortpflanzung und Verdauung stören. Immer mehr wissenschaftlicher Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Belastung mit hormonell wirksamen Chemikalien und der steigenden Zahl von Fruchtbarkeitsstörungen, hormonell bedingten Krebserkrankungen wie Brust- und Prostatakrebs und weiteren chronischen Erkrankungen.

Am höchsten belastet mit hormonell wirkenden Pestiziden sind in der EU Kopfsalat, Tomaten, Gurken, Äpfel und Lauch aus konventionellem Anbau. Verbraucher nehmen laut der PAN-Studie potenziell bis zu 30 verschiedene hormonaktive Pestizide auf, schlimmstenfalls sogar ein Gemisch von über 20 dieser Stoffe in einem Lebensmittel. Bio-Produkte sind eine sichere und gesunde Alternative, denn die gefährlichen Pestizide werden im Ökolandbau niemals eingesetzt.

Der Wandel ist machbar, Herr und Frau Nachbar!

Zum “World Food Day”, dem Welternährungstag am 16. Oktober, kommt der Dokumentarfilm “Voices of Transition” endlich auch in deutsche Kinos. Menschen aus aller Welt zeigen Lösungen für die globale Ernährungskrise und machen Mut, sich mit Fantasie und Begeisterung den Herausforderungen von Klimawandel, Ressourcenverknappung und Hungersnöten zu stellen.

Wichtige Protagonisten des agrarökologischen Wandels aus aller Welt kommen zu Wort, darunter Landwirte, Wissenschaftler, Permakultur-Designer und Pioniere der Transition-Town-Bewegung. Aktionen, Debatten und Podiumsdiskussionen sollen den Filmstart in mehreren Städten begleiten.

Neue Wege, das ist die Hauptbotschaft der „Voices of Transition“, den „Stimmen des Wandels, eröffnen Chancen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinden, hin zu einer Gesellschaft, in der Tauschen, Teilen und gegenseitige Unterstützung die Lebensqualität aller verbessert. Gemeinschaftsgärten und Urban Farming sind nur zwei Stichworte.

„Voices of Transition“ ist ein unabhängiges Projekt mit dem Ziel, den sozialökologischen Bewegungen in aller Welt einen inspirierenden Film zur Hand zu geben. Unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden investiert. Nun soll das Projekt personell verstärkt werden, damit der Film professionell vertrieben werden kann und weltweit sein Publikum findet. Möglichkeiten zur Unterstützung sind online zu finden.

Zur Einstimmung kann man auf der Website den fünfminutigen Trailer sehen, auch mit deutschen Untertiteln. Wer den Film in seine Stadt holen möchte, kann auf der Website eine Nachricht hinterlassen.

Eine scharfe Sache: Weißer Rettich

Noch bis in den Oktober hinein wird er geerntet: der Weiße Rettich, der mildeste unter den Rettichen. Bekannt ist er in Deutschland vor allem in Bayern, wo er als Radi zu jeder Brotzeit gehört. Aber auch nördlich des „Weißwurst-Äquators“ gewinnt die Wurzel immer mehr Freunde. Viele Biolandwirte haben Rettiche in ihr Anbauprogramm aufgenommen.

Für den typisch scharfen Geschmack verantwortlich sind Senföle, die dank ihrer antimikrobiellen Wirkung schädliche Bakterien hemmen und so auf natürliche Weise das Immunsystem unterstützen. Außerdem regt Rettich die Galle an und sorgt so für eine gute Fettverdauung, und seine schleimlösende Wirkung unterstützt die Heilung von Atemwegserkrankungen. Rettiche enthalten viel Vitamin C und beachtliche Mengen an Kalium, Kalzium und Phosphor.

Auf den Tisch kommt Rettich in Europa vor allem roh, geraspelt im Salat oder in feinen Scheiben, aber auch gedünstet. Salz mildert zwar die Schärfe, doch ohne Salz bleiben die wertvollen ätherischen Öle besser erhalten. Passende Zutaten für einen Rohkostsalat sind guter Essig und ein hochwertiges Pflanzenöl, Pfeffer und Schnittlauch oder auch Zitronensaft und süße Sahne, Äpfel und geröstete Walnüsse.

Viele Biohöfe engagieren sich für die Entwicklung von Saatgut für den ökologischen Anbau, so auch in Sachen Rettich. Die Demeter-Gärtnerei Obergrashof beispielsweise züchtet neben Möhren, Kohlrabi und Blumenkohl auch Weißen Rettich, denn bisher gibt es für den Freilandanbau noch keine für den Handel taugliche samenfeste Alternative.

Übrigens: Wenn die Saison für den Weißen Rettich zu Ende geht, kommen die Winterrettiche auf den Markt. Im Gegensatz zum Weißen Rettich haben diese Sorten eine dunkle Schale und müssen geschält werden.

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