Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 08/2012

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Biobauern in Brasilien vor dem Aus?

Vor zwei Jahren schlugen Hunderte Biobauern aus Capanema in Südbrasilien Alarm. "Chega!" hieß ihre Kampagne gegen hochgiftige Pestizide in der Nachbarschaft, die ihre Bio-Soja verunreinigte und unverkäuflich machte, auf Deutsch: „Es reicht!“. Tatsächlich wurde Endosulfan daraufhin auch in Brasilien endlich verboten, wenn das Verbot auch erst 2013 endgültig in Kraft tritt. Die unverschuldeten Rückstände in der Bio-Soja gingen jedoch schon 2011 deutlich zurück.

Und trotzdem droht den Biobauern in Capanema nun das endgültige Aus. Als Spätfolge der großen Verluste haben die Banken der Abnehmerin der Bio-Soja, der Fairhandels-Firma gebana Brasil, den Geldhahn zugedreht. Als Folge konnte die gebana bereits von der diesjährigen Ernte nur noch eine reduzierte Menge Soja kaufen. Die unsichere Abnahmelage und zusätzlich eine Dürreperiode führten dazu, dass schon Dutzende Bauern den Bio-Anbau aufgegeben haben. Dabei steigt auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach Bio-Soja enorm. Bis September will die gebana AG in der Schweiz nun in einem letzten Kraftakt versuchen, das Schwesterunternehmen in Brasilien zu sanieren.

Allergiker vertragen "alte" Äpfel oft besser

Gesund, knackig, einfach zum Reinbeißen: Der Apfel ist seit vielen Jahren das Lieblingsobst der Deutschen. Für die etwa zwei bis vier Millionen Menschen, die allergisch auf Äpfel reagieren, gibt es jetzt gute Nachrichten: Viele alte Apfelsorten wie Roter Boskoop, Goldparmäne und Roter Eiserapfel sind für Allergiker bekömmlicher. Neu gezüchtete Sorten wie Braeburn, Golden Delicious oder Granny Smith lösen dagegen verstärkt Unverträglichkeitsreaktionen aus.

Ursache dafür sind Polyphenole, die von den Züchtern in neuen Apfelzüchtungen reduziert worden sind, weil sie für einen säuerlichen Geschmack und schnellere Braunfärbung nach dem Anschneiden sorgen. Diese Polyphenole, die in vielen traditioneller Sorten reichlich vorhanden sind, inaktivieren das eigentliche Apfelallergen und verhindern so, dass die allergieauslösenden Eiweißstoffe vom Körper aufgenommen werden.

Die Bachelor-Arbeit eines Lebensmitteltechnologen an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe konnte nun auch an konkreten Beispielen belegen, dass Polyphenolgehalt und Verträglichkeit in direktem Zusammenhang stehen. Für die Untersuchung wurden mehrere von Allergikern als verträglich oder unverträglich eingestufte Sorten mithilfe eines Screenings auf ihren Polyphenolgehalt überprüft. Die alten Apfelsorten stammten von einer BUND-Streuobstwiese in Lemgo, die gängigen Marktsorten wurden zugekauft. Meldungen zur Verträglichkeit von Apfelsorten sammelt die BUND-Ortsgruppe Lemgo seit einigen Jahren in einer frei zugänglichen Internet-Datenbank.

Ein Tipp für Allergiker: Der Allergengehalt von Äpfeln sinkt, wenn man die Früchte schält, in Stücke schneidet und dann einige Zeit an der Luft stehen lässt. Auch als Kompott, Bratapfel, Saft, Gelee oder im Kuchen sind die meisten Apfelsorten für Allergiker gut verträglich.

Handel mit alten Sorten bleibt schwierig

Ein bisschen war es wie bei David und Goliath: Ein französischer Saatgutkonzern, Graines Beaumaux, hatte das bäuerliche Saatgut-Netzwerk Kokopelli auf 50.000 Euro Schadenersatz wegen angeblich „unlauteren Wettbewerbs“ verklagt. Der Konzern störte sich daran, dass Kokopelli Saatgut von mehr als 461 alten Sorten im Angebot führte, die nicht in offiziellen Sortenkatalogen stehen. Laut EU-Recht muss jede Sorte in mindestens einem EU-Staat zugelassen sein, damit man sie handeln darf. Das aufwändige und teure Zulassungsverfahren können sich aber fast nur große Unternehmen leisten.

Der Europäische Gerichtshof entschied nun, dass Kokopelli und andere Initiativen in der EU-Saatgut aus alten und amtlich nicht zugelassenen Pflanzensorten dennoch selbst vermehren und weiter verkaufen dürfen. Begründet wurde die Entscheidung mit einer Ausnahmeregelung für alte, nicht zugelassene Gemüsesorten, die das EU-Parlament 2009 zugunsten kleiner bäuerlicher Saatguthersteller verabschiedet hatte. ...

 

... Kokopelli hatte jedoch sogar darauf gesetzt, dass das Urteil endlich den freien Handel mit den Samen alter Sorten zulassen würde. Denn das Plädoyer von Generalanwältin Juliane Kokott hatte hoffen lassen, dass die EU-Richtlinien zum Saatguthandel als ungültig verworfen werden könnten, weil sie die Vielfalt und die Selbstbestimmung der Landwirte bedrohen. Für den Herbst wird nun ein Vorschlag der EU-Kommission zur Reform der EU-Saatgutgesetzgebung erwartet.

Damit seltene und regionale Sorten trotz aller Schwierigkeiten nicht ganz verschwinden, engagieren sich weltweit viele kleine, oft ökologisch arbeitende Betriebe und Initiativen für deren Erhalt, darunter auch der deutsche Kultursaat e.V. und der VERN e.V., mit eigenem Vermehrungsgarten in Brandenburg.

Sonnentor: Beste Kräuter, nachhaltig produziert

Sonnentor wurde 1988 im österreichischen Waldviertel gegründet und zählt zu den Pionieren der Naturkostbranche. Das Unternehmen vermarktet Bio-Kräuter, aber auch ökologischen Tee und Kaffee unter dem Logo der lachenden Sonne. Alle Rohstoffe stammen aus fairen Handelsbeziehungen, und Rohstoffe werden so weit wie möglich direkt am Biobauernhof veredelt, um das Überleben der kleinen Höfe zu ermöglichen und um die Erfahrung und Sorgfalt der Bauern nutzen zu können.

Nachhaltigkeit ist wichtiger Teil der Firmenphilosophie bei Sonnentor. So ist das 2011 fertig gestellte neue Bürogebäude ein Nullenergiehaus. Beim Bau wurden so weit wie möglich natürliche Werkstoffe eingesetzt. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung - mit Hilfe von Erdwärme - sorgt für frische Luft in allen Räumen. Die Toilettenspülungen werden mit Regenwasser betrieben, das in einer 8000-Liter-Zisterne gesammelt wird. Leuchten mit Präsenzmeldern und Tageslichtsensoren steuern das Licht nach tatsächlichem Bedarf. Eine Photovoltaikanlage produziert pro Jahr 30.000 Kilowattstunden Strom, den weiteren Strombedarf deckt Sonnentor komplett mit Ökostrom.

Viele Produkte werden von Hand abgepackt und etikettiert. Das sichert Arbeitsplätze und spart gleichzeitig CO2-Emissionen. Ökologisches Verhalten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird gefördert und Ideen zur Verringerung von Energie und CO2-Emissionen belohnt. 2011 wurde Sonnentor mit dem österreichischen Klimaschutzpreis in der Kategorie Landwirtschaft & Gewerbe ausgezeichnet. Wie viele Unternehmen im Bundesverband Naturkost beteiligt sich Sonnentor auch am BNN-Nachhaltigkeitsmonitor und kann damit regelmäßig Erfolge messen und Verbesserungspotenziale erkennen.

Bio-Tomaten mit mehr gesunden Inhaltsstoffen

Tomaten aus ökologischem Anbau enthalten mehr Antioxidantien als ihre konventionell kultivierten Schwestern, insbesondere mehr Flavonoide und Polyphenole. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Universität Barcelona, deren Ergebnisse in der US-amerikanischen Zeitschrift Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlicht wurden. Frühere Studien der Forschergruppe hatten bereits gezeigt, dass auch Bio-Tomatensaft und Bio-Ketchup mehr Antioxidantien enthalten als Produkte aus konventionellen Tomaten.

Polyphenole zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen, denen eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Der Verzehr kann unter anderem vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einigen Krebsarten schützen. Die Wissenschaftler fanden 34 verschiedene phenolische Verbindungen in den Bio-Tomaten, darüber hinaus weitere Schutzstoffe wie den Radikalfänger Lycopin, andere Carotinoide sowie Vitamin C.

Den Unterschied zwischen biologisch und konventionell angebauten Tomaten erklären die Wissenschaftler mit der unterschiedlichen Düngung: Im Ökolandbau wird auf mineralischen Stickstoffdünger, aber auch auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet. Daher aktivieren die Pflanzen eigene Abwehrmechanismen, indem sie die Menge an Antioxidantien erhöhen.