Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 03/2022

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

Heilpflanze des Jahres: Die wehrhafte Brennnessel


Junges Brennnesselgrün ist ein gesundes Frühjahrsgemüse. Vorsichtiges Ernten empfiehlt sich, da die Brennessel sich mit Brennhaaren schützt.

Sag niemals „Unkraut“! Die Große Brennnessel ist ein typisches Beispiel dafür, denn sie ist seit Jahrtausenden eine gefragte Arznei- und Nutzpflanze. Die Experten-Jury des Naturheilvereins NHV Theophrastus hat sie nun zur „Heilpflanze des Jahres 2022“ gewählt. „Wenn man sie kocht und mit Pfeffer oder Ingwer mischt und auflegt, hilft dies bei Gelenkschmerzen“, sagte schon Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus. Tatsächlich sind heute viele Heilwirkungen wissenschaftlich belegt. Dazu gehört die gute Wirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen und bei Harnwegsinfekten.

Junges Brennnesselgrün ist ein gesundes Frühjahrsgemüse – reich an Flavonoiden, Vitamin-C, Mineralstoffen wie Kalzium, Silizium und Eisen, Kieselsäure und Eiweiß. März und April sind die beste Zeit für die Ernte, denn die jungen Pflanzen schmecken milder und enthalten vor der Blüte besonders viele gesunde Wirk- und Aromastoffe. Super für Smoothies und Pesto! Weil der Geschmack dem von Spinat ähnelt, mit einer feinsäuerlichen Note, kann man die Nesseln auch genauso verwenden, zum Beispiel als Brennnesselspinat mit Salzkartoffeln und Ei oder in einer Frühlingssuppe mit Kräutern wie Ampfer und Kresse, Kartoffeln und Rahm. Fein gehackt schmecken Brennnesseln mit Ziegenkäse oder Ricotta und Olivenöl zu frischen Nudeln. Mit ihren Brennhaaren schützt sich die Pflanze vor Fressfeinden. Handschuhe sind daher hilfreich beim Ernten. Sollen die Blätter frisch in einen Salat, lassen sich die Brennhaare durch Walken mit dem Nudelholz unschädlich machen.

Bio-Brennnesseltee pur haben unter anderem Herbaria, Lebensbaum und Sonnentor im Sortiment. Kräutergarten Pommerland verpackt extra große Kräuter, die erst kurz vor der Zubereitung mit der Hand zerkrümelt werden. Der feinherbe Kräutertee ist auch beliebt als Fastenbegleiter. Der Tee eignet sich ausgekühlt auch als reinigendes Gesichtswasser oder als Sud mit Rosmarin und Apfelessig als Haarspülung. Brennnessel-Extrakt hat sich dank der durchblutungsfördernden und entzündungshemmenden Eigenschaften bewährt bei der Pflege von Kopfhaut und Haaren. Benecos bietet zum Beispiel ein „Shampoo Zitronenmelisse & Brennnessel“ an.

Und nicht zuletzt ist die Brennnessel unverzichtbar für die Artenvielfalt: Sie ist Raupenfutterpflanze für mehr als 30 Schmetterlinge, darunter Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral. Eine Brennnesselecke im Garten ist also Insektenbuffet und Superfood-Quelle in einem.

UN: Internationaler Durchbruch im Kampf gegen Plastikflut


Die weltweite Verschmutzung der Ozeane mit Plastikmüll kann nur global bekämpft werden.

Die Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) hat konkrete Verhandlungen für ein globales Plastik-Abkommen in die Wege geleitet. Ein entsprechender Resolutionsentwurf wurde Anfang März in Nairobi im Konsens verabschiedet. Bis 2024 soll ein weltweit verbindlicher Vertrag ausgearbeitet werden.

Nach Ansicht des UN-Umweltprogramm (UNEP) einigten sich die Staaten auf eines der wichtigsten Umweltabkommen seit dem Pariser Klimaabkommen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke bezeichnete die Entscheidung in Nairobi als „historisches Ergebnis“. Es sei das erste Mal, dass die internationale Staatengemeinschaft sich darauf verständigt habe, gegen Plastikvermüllung vorzugehen, kommentierte Lemke. Die Erwartungen sind groß.

Die Resolution legt die Elemente fest, die der gemeinsame Vertrag beinhalten soll. Demnach soll der Vertrag rechtsverbindliche Regeln und Maßnahmen, die den gesamten Lebenszyklus von Plastik betreffen, also auch Produktion, Verbrauch und Abfallwirtschaft, festgelegen. Die Staaten sind angehalten nationaler Aktionspläne zu entwerfen, um die Ziele zur Bekämpfung der Verschmutzung zu erreichen. 

Ein weltweites Problem, wie die Plastikverschmutzung der Weltmeere, kann nur international gelöst werden. Deshalb werden globale Kooperationsmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen. Ärmere Staaten sollen finanzielle Hilfen bekommen, um die Regeln umsetzen zu können.

Vegan ist viel mehr als ein Trend


Wer sich überwiegend pflanzlich ernährt, tut Gutes für seine Gesundheit und die Umwelt.

Vor einigen Jahren galt vegane Ernährung noch als exotisch oder gar „schwierig“. Heute ist klar: Wer sich vegan oder überwiegend pflanzlich ernährt, tut damit Gutes für die eigene Gesundheit. Denn viel Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, hochwertige Öle und Hülsenfrüchte sorgen für reichlich Proteine, Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe und damit für eine ausgewogene Ernährung. Und auch für das Tierwohl und für den Klimaschutz ist eine (überwiegend) pflanzliche Ernährung erste Wahl.

Bio-Hersteller bringen immer wieder neue Produkte auf den Markt, um veganen Genuss abwechslungsreicher und einfacher zu machen. So gibt es sogar im großen Sortiment der veganen Aufstriche immer wieder Neues. Sandwichcremes heißen zum Beispiel die neuen Kreationen bei Sanchon, unter anderem in der Geschmacksrichtung „Honig-Senf“. Zwergenwiese hat für alle, die ihre Lieblingswurst vermissen, drei vegane Alternativen zu Leberwurst, Mettwurst und Cabanossi entwickelt und ins Glas gefüllt. Bei Topas heißen die „Wheaty Space Bars“ aus Seitan jetzt „Snackers“, und die neuen Sorten Sucuk und Merguez sorgen für würzigen Genuss. Die Guacamole mit Erbsen (statt Avocado) von bioverde ist nicht nur vegan, sondern auch besonders umweltfreundlich. Suur setzt auf das traditionelle Fermentieren, produziert zum Beispiel die koreanische Spezialität Kimchi, bringt aber auch andere Gemüse wie Paprika, Karotte und Zwiebel mit Chili, Knoblauch und Ingwer fermentiert ins Glas. Fairfood aus Freiburg füllt jetzt Pasta-Topping auf Nussbasis und Nuss-Bolognese ins Mehrwegglas. Neu bei Fairfood ist auch das fermentierte Vollkornhaferpulver im Glas, mit dem sich unterwegs Hafermilch frisch anrühren lässt. Die Bio-Molkerei Söbbeke hat eine pflanzliche Joghurt-Alternative auf Kokosmilch-Basis eingeführt, und Voelkel füllt seit einiger Zeit Haferdrink in Mehrwegglasflaschen.

Humusaufbau ist Klimaschutz!


Böden speichern viermal mehr Kohlenstoff als die obere Vegetation und zweimal mehr als die Atmosphäre. Humus, die organische Bodensubstanz, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Mehr Humus im Boden – mehr Klimaschutz. Denn humusreicher Boden ist eine riesige CO2-Senke. Gleichzeitig ist der Humusanteil entscheidend für die Bodenfruchtbarkeit. Im bundesweiten Modell-und Demonstrationsvorhaben „Humus+“ soll nun sechs Jahre lang praxisnah erforscht werden, wie sich Humus am wirkungsvollsten vermehren lässt. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir übergab den Förderbescheid in Höhe von fast 23 Millionen Euro im Februar an den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und den Deutschen Bauernverband.

Projektpartner sind das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, kurz Thünen-Institut, und 150 konventionelle und ökologische Betriebe in ganz Deutschland. In zehn Modellregionen erproben sie innovative und langfristig wirkende Maßnahmen wie Dauerbegrünung, schonendere Bodenbearbeitung, Fruchtfolgen mit humusmehrenden Kulturen wie Leguminosen und die Kombination von Bäumen und Ackerbau in Agroforstsystemen. Das Thünen-Institut forscht zwar seit vielen Jahren zu Humusbildung und zu Prozessen im Boden und hat ein gutes Bild über den Bodenkohlenstoffgehalt in Deutschlands Böden. Es fehlen aber Daten und Erkenntnisse aus der Praxis, welche Maßnahmen auf welchen Standorten Humusaufbau fördern.

Gerade im Bio-Pflanzenbau ist ein lebendiger Boden die wichtigste Grundlage, weil keine chemisch-synthetischen Dünger ausgebracht werden. Humusreiche Böden sind fruchtbarer und stressresistenter, denn sie können bei starkem Regen mehr Wasser aufnehmen und auch gut für Trockenzeiten speichern. Damit schützt Humus vor Erosion, Trockenheit und Nährstoffverlusten.

Am Anfang der der Humusbildung steht immer die Photosynthese der Pflanzen. Durch die Aufnahme von CO2 aus der Luft wird Kohlenstoff gebunden und über die Wurzeln sowie beim Absterben von Pflanzen in den Boden abgegeben. Durch mikrobiellen Abbau entsteht Humus. Eine flächendeckende Erhöhung des Humusgehalts kann also einen Teil des atmosphärischen Kohlenstoffdioxids langfristig binden.