Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 02/2022

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

Welttag der sozialen Gerechtigkeit – bio & fair


Langjährige Partnerschaften mit Bio-Bauern weltweit und faire Preise sorgen für Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Keine Armut, kein Hunger, eine gute Ausbildung für alle – das sind drei der insgesamt 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, die bis 2030 erreicht werden sollen. Um auf die Bedeutung der sozialen Gerechtigkeit als Basis für ein dauerhaft friedliches Zusammenleben aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den 20. Februar zum Welttag der sozialen Gerechtigkeit erklärt.

Sehr viele Bio-Unternehmen engagieren sich seit ihrer Gründung für eine faire Teilhabe ihrer Handelspartner*innen weltweit. Langjährige Partnerschaften sorgen für Zusammenarbeit auf Augenhöhe, faire und langfristig vereinbarte Preise für Produkte wie Gewürze, Tee, Kaffee, Bananen, Zitrusfrüchte und Kakao ermöglichen ein gutes Leben. Wo möglich, werden Teile der Wertschöpfung in die Ursprungsländer verlagert. Einige Bio-Unternehmen nutzen das Fairtrade-Siegel oder haben eigene Fairtrade-Handelsstrukturen aufgebaut.

Ein neuer, anspruchsvoller Standard ist „We Care“. Bei diesem Nachhaltigkeits-Siegel geht es nicht um einzelne Produkte, sondern um das ganze Unternehmen und seine Lieferketten. Verantwortlich für die Zertifizierung ist das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Koordinator Axel Wirz ist überzeugt: „Bei Firmen, die unsere Anforderungen erfüllen, können Verbraucherinnen und Verbraucher darauf vertrauen, dass diese sich ganzheitlich um mehr Nachhaltigkeit bemühen.“ Bereits dabei sind unter anderem Lebensbaum, die Bohlsener Mühle und Barnhouse. Ein Beispiel für „We Care“ aus der Praxis: In Äthiopien unterstützt Lebensbaum gemeinsam mit dem NABU Kleinbauern, ihren Kaffee bio-zertifizieren zu lassen. Dadurch können sie höhere Preise erzielen. Außerdem werden im Projekt Getränke aus Kaffeeblättern und Briketts aus Kaffeeschalen entwickelt, um zu einer naturnahen Entwicklung im Kafa-Biosphärenreservat und einer grünen Wirtschaft in Äthiopien beizutragen.

Bunte Bohnen-Vielfalt für Chili, Curry, Burger & Co.


Besonders wertvoll als Eiweißlieferanten sind Bohnen kombiniert mit Vollkorngetreide

Azuki, Pinto, Borlotti, Cannellini… Nein, hier geht es nicht um Opernarien oder Urlaubsziele, sondern um kleine Bohnen. Aber die Namen weisen schon darauf hin, dass diese Hülsenfrüchte auf der ganzen Welt beliebt sind - in Italien zum Beispiel als Minestrone oder „Pasta e fagioli“, in Indien als Mung Dal oder, in Griechenland als Gigantes Plaki oder in Mexiko als Frijoles refritos. Kein Wunder, Bohnen sind randvoll mit hochwertigem Eiweiß, Mineralstoffen und Ballaststoffen. Sie eignen sich daher auch bestens zum „Veganisieren“ von Fleischgerichten. Ein beliebtes Streetfood-Rezept ist zum Beispiel der „Black Bean Burger“ mit einem Patty aus Schwarzen Bohnen, Leinsamen, Zwiebeln, Tomatenmark, Haferflocken und gehackten Walnüssen. Ganz wichtig übrigens für den Biolandbau, der auf synthetische Mineraldünger verzichtet: Als Hülsenfrüchte tragen Bohnen zur Bodenfruchtbarkeit bei, indem sie mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff anreichern.

Wenn es schnell gehen muss, sind vorgekochte Kidneybohnen oder weiße Bohnen aus dem Glas oder aus der Dose praktisch. Besonders groß ist die Vielfalt aber bei getrockneten Bio-Bohnen! Sie sind zudem wesentlich günstiger, aromatischer und haben mehr Biss. Und deutlich weniger Müll entsteht auch, vor allem beim unverpackten Einkauf. Klar, man muss Bohnen einige Stunden einweichen, am besten über Nacht, aber wirklich Arbeit macht das nicht. Ruhig gleich mehr kochen und eine Portion einfrieren oder zwei, drei Tage später für ein anderes Rezept nutzen! Das Einweichen macht Bohnen auch besser verträglich, weil unverdauliche Stoffe ins Wasser übergehen. Wer empfindlich ist, kippt das Einweichwasser weg und nimmt zum Kochen frisches.

Besonders wertvoll als Eiweißlieferanten sind Bohnen kombiniert mit Vollkorngetreide, zum Beispiel Chili sin Carne mit Mais und Kidneybohnen, Hummus auf Vollkornbrot oder ein Bohnencurry mit Reis. Schnell, cremig und würzig ist zum Beispiel ein Curry mit grünen Mungobohnen, Broccoli, Ingwer, Knoblauch, Senfsaat, Fenchel, Kreuzkümmel und Kokosmilch. Und wenn sich die Sonne endlich hervorwagt: Bulgursalat mit schwarzen Bohnen, Tomaten und Frühlingszwiebeln als Vorgeschmack auf den Sommer!

Pestizidatlas 2022: Weltweit so viele Ackergifte wie nie


Grafik: Pestizidatlas 2022 Eimermacher/Puchalla, CC-BY-4.0 Der Pestizidatlas bietet auf über 50 Seiten und in über 80 Grafiken Daten und Fakten.

Die Menge der weltweit eingesetzten Pestizide ist seit 1990 um 80 Prozent gestiegen, in Südamerika sogar um fast 150 Prozent. Diese erschreckenden Zahlen stehen im „Pestizidatlas 2022“. Insbesondere der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen wie Soja als Futtermittel führt dazu, dass der Einsatz an Herbiziden stark steigt. Damit wurde auch das zentrale Versprechen der Agro-Gentechnik, Ackergifte mit Hilfe von Gentechnik deutlich zu reduzieren, ins Gegenteil verkehrt. Aber auch in Europa wird ungebremst gesprüht: Äpfel zum Beispiel etwa 30 Mal pro Saison, Weinreben bis zu 17 Mal und Kartoffeln bis zu 11 Mal. Bei diesen Lebensmitteln, aber zum Beispiel auch bei Erdbeeren, Paprika, Tomaten und Salat, werden daher besonders oft Rückstände nachgewiesen, oft ein ganzer Cocktail.

 

Mehr Pestizide, das bedeutet auch mehr Pestizidvergiftungen – insbesondere im Globalen Süden, wo Arbeiter*innen oftmals nicht ausreichend geschützt sind. Weltweit ist laut Pestizidatlas von jährlich 385 Millionen Vergiftungsunfällen auszugehen, vor allem in Afrika, Südostasien und Südamerika. Etwa 11.000 Menschen sterben daran. Der Einsatz von Pestiziden belastet Mensch, Natur und Umwelt aber auch weit entfernt von den Äckern. So lassen sich an Luftmessstellen Pestizide nachweisen, die bis zu 1.000 Kilometer weit entfernt ausgebracht wurden. Zudem schädigen Pestizide Insekten und Pflanzen und verunreinigen das Wasser.

Die Pestizidatlas-Herausgeber, die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) fordern von der Bundesregierung, den Einsatz von Pestiziden konsequent zu reduzieren. Vor allem besonders toxische Pestizide müssten verboten werden. Entscheidend sei, dass die landwirtschaftlichen Betriebe dabei unterstützt werden, trotzdem wirtschaftlich tragfähig zu arbeiten. Die Bundesregierung hat von der jungen Bevölkerung dafür einen klaren Handlungsauftrag, wie eine repräsentative Umfrage bei der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen für den Pestizidatlas zeigt: Mehr als 70 Prozent fordern eine deutliche Pestizidreduktion in Deutschland. Fast genauso viele wollen den Export von in Europa nicht zugelassenen Pestiziden in andere Länder verbieten.

Der Pestizidatlas kann für Unterrichtszwecke klassensatzweise bei der Heinrich-Böll-Stiftung bestellt werden.

Sonniger Vitaminkick: Bio-Orangensaft


In Regionen wie Kalabrien und Sizilien sorgt der Bio-Anbau für Artenvielfalt und Erhalt regionaler Strukturen

Saftig, aromatisch, frisch: Zitrusfrüchte bringen uns im Winter die Sonne aus dem Süden und reichlich Vitamin-C. Bereits mit einer Orange oder einem Glas Orangensaft lässt sich der tägliche Bedarf decken. Richtig gesund wird das aber nur mit Bio: Da kleben keine bedenklichen Oberflächenkonservierungsmittel auf der Schale, und in der Plantage werden keine synthetischen Pestizide versprüht. Bio sorgt somit auch für mehr Sicherheit für die Menschen, die in den Orangenplantagen arbeiten. Denn der tägliche Umgang mit Pestiziden ist gefährlich – zudem in Brasilien und anderen Ländern hochgiftige Produkte eingesetzt werden, die in der EU längst verboten sind. Bayer-Monsanto verkauft sie in Lateinamerika, Afrika und Asien trotzdem weiter. Menschenrechtsorganisationen müssen zudem immer wieder feststellen, dass Schutzkleidung fehlt und die Arbeitsbedingungen extrem schlecht sind.

Zitrusfrüchte im Bio-Fachgeschäft stammen oft von langjährigen Partnerbetrieben in Italien oder Spanien, darunter viele Familienbetriebe oder Kooperativen. In Regionen wie Kalabrien und Sizilien sorgt der Bio-Anbau für Artenvielfalt, den Erhalt regionaler Strukturen und neue Arbeitsplätze. Die Orangen für den Demeter-Direktsaft von Beutelsbacher stammen zum Beispiel aus Bio-Projekten in mehreren Mittelmeerländern. Voelkel verarbeitet seit vielen Jahren ökologische Orangen von Magrabi Agriculture in Ägypten mit dem Siegel „FairTSA“ der unabhängigen Fair Trade Sustainability Allicance, außerdem Früchte von einem griechischen Familienbetrieb. Übrigens ist es laut EU-Bio-Verordnung zwar erlaubt, Bio-Saft aus Konzentraten herzustellen. Die Bio-Anbauverbände setzen trotzdem ausschließlich auf den hochwertigeren Direktsaft, auch bei Orangen. Direktsäfte schneiden in Sensorikprüfungen regelmäßig deutlich besser ab als Säfte aus Konzentrat. Ebenfalls gut für Geschmack und Umwelt: Bio-Orangensaft aus der Mehrweg-Glasflasche!

Die Zukunft is(s)t nachhaltig und pflanzenbasiert


Unangefochten auf Platz 1: eine klimafreundliche und nachhaltige Ernährung

Klimafreundlich, nachhaltig, pflanzenbasiert – das sind die wichtigsten Trends in der Ernährung in diesem Jahrzehnt. Das ergab die Befragung von mehr als 100 Expert*innen für den Trendreport Ernährung 2022. Dabei ging es dem Bundeszentrum für Ernährung und dem Wissensnetzwerk „Nutrition Hub“ nicht um kurzlebige Food-Trends, sondern um die großen Linien. Dass Regionalität und Nachhaltigkeit beim Essen immer wichtiger werden, hatte sich ja bereits in den vergangenen Jahren abgezeichnet. Nun also unangefochten auf Platz 1: eine klimafreundliche und nachhaltige Ernährung. 71 Prozent der Ernährungsprofis sehen das als wichtigste Entwicklung, die zudem unumkehrbar sei. Die Zahl der Forschungsprojekte boomt, und auch in der Gemeinschaftsverpflegung hat das Umdenken begonnen, zum Teil bedingt durch politische Vorgaben.

Platz 2 geht an die vegane und pflanzenbasierte Ernährung. 49 Prozent der für den Trendreport befragten Fachleute beobachten, dass die Nachfrage stark zunimmt. Vor allem Mütter und Väter aus den Generationen Y und Z setzen auf pflanzenbasierte Ernährung. Gefragt sind dann auch verlässliche Informationen, damit die Kinder mit essenziellen Nährstoffen versorgt sind. Aber auch in der Gemeinschaftsverpflegung nimmt die pflanzliche Ernährung Fahrt auf. Immer mehr Milch- und Fleischalternativen werden in die Speisepläne aufgenommen, und gerade in Mensen sind vegane Gerichte immer mehr gefragt.

Ebenfalls in den Top Ten: Gesundes Essen „To Go“, digitale Ernährungsberatung, betriebliche Gesundheitsförderung und Ernährungsbildung in Kita und Schule. Der Trendreport weist aber auch auf eine Entwicklung hin, die die Expert*innen umkehren möchten: Ernährungsmythen und falsche Informationen im Netz, die immer mehr Menschen verunsichern. Die Ernährungsprofis beobachten allerdings, dass auch in den sozialen Medien seriöse Quellen verstärkt nachgefragt werden. Dabei wird plumpes Influencer-Marketing meist auch als solches erkannt.