Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 11/2021

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

Bunte Bete, bunter Herbst!


Tipp: Rote und Bunte Bete am besten mit Schale im Ofen garen und später pellen – bewahrt besser gesunde Inhaltsstoffe und überzeugt im Geschmack.

Die Rote Bete hat bunte Geschwister: Ringelbete, gelbe Bete und die weiße Sorte Avalanche bringen Farbe auf den Teller und sind besonders geeignet für ein buntes Carpaccio. Hauchdünn geschnitten mit einem Honig-Senf-Dressing, dazu ein paar gehackte Walnüsse, Fetakäse, Lauchzwiebelringe oder einfach nur Olivenöl, Zitronensaft, frische Kräuter und gehobelten Parmesan – ein Fest für alle Sinne. Tipp: Vitamin-C-reiche Zutaten wie Äpfel, Orangenspalten oder Zitronensaft sorgen dafür, dass das Eisen aus den bunten Rüben besser aufgenommen wird.

Backen Sie sich den Herbst bunt! Eine Tarte mit Bunten Beten, roter Zwiebel und einer Füllung aus Joghurt, Crème fraîche, Honig und Senf, gewürzt mit Zimt und Kurkuma, dazu etwas milder Ziegenfrischkäse und Pinienkerne – das macht richtig was her und ist vielleicht schon ein Tipp fürs Weihnachtsmenü. Bunte Bete macht sich auch gut als Ofengemüse, einfach pur mit Olivenöl und Thymian oder im Mix mit Süßkartoffeln, Möhren und mediterranen Kräutern. Dazu passen ein Kräuterquark oder ein gut gewürzter Dill-Gurke-Joghurt.

Bunte Bete sind ein heimisches Superfood, kleine Knollen voller Mineralstoffe und Spurenelemente. Dabei schmecken die helleren Sorten etwas milder als die Rote Bete, enthalten jedoch ebenfalls B-Vitamine, Eisen und andere Mineralstoffe sowie Folsäure. Die roten und gelben Farbstoffe haben eine antioxidative Wirkung. Alle Sorten gehen zurück auf die Wilde Rübe, Beta vulgaris. Von ihr stammen auch die Zuckerrübe und der Mangold ab. Wie so oft, haben experimentierfreudige Biobetriebe diese Gemüse zurück auf die Speisekarten geholt.

Mit Bio Zusatzstoffe ganz einfach vermeiden


Weniger ist mehr: Viele Bio-Produkte enthalten gar keine Zusatzstoffe oder nur traditionelle Hilfsmittel wie Milchsäure als Konservierungsstoff oder Agar-Agar als pflanzliches Geliermittel.

55 Prozent der Bevölkerung versuchen, Zusatzstoffe beim Kauf von Lebensmitteln zu vermeiden. Das ergab eine repräsentative Befragung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Außerdem achtet ein großer Teil der Befragten (81 Prozent) beim Einkauf auf natürliche Inhaltsstoffe. Dieser Punkt ist ihnen deutlich wichtiger als Aspekte wie Konsistenz, Aussehen und Geschmack. Diejenigen, die Zusatzstoffe ablehnen, schätzen das gesundheitliche Risiko höher ein als den Nutzen. Dies gilt insbesondere für Süßungsmittel, Farbstoffe und Geschmacksverstärker. Viele Menschen befürchten Unverträglichkeiten, die Förderung von Krebs oder Übergewicht. Nach einzelnen Zusatzstoffen befragt, herrscht die größte Sorge bei dem Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat (E 631) sowie bei dem Süßungsmittel Aspartam (E951).

Bio bietet auch bei Zusatzstoffen das Rundum-Sorglos-Paket: Gerade die besonders unbeliebten Zusatzstoffe sind gar nicht erst erlaubt, zum Beispiel synthetische Geschmacksverstärker sowie Farb- und Süßstoffe. Von über 300 Zusatzstoffen sind nur etwa 50 für Bio zugelassen. Und da Gentechnik grundsätzlich verboten ist, dürfen auch die wenigen erlaubten Zusatzstoffe nicht mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen hergestellt sein. Das ist bei Zusatzstoffen für konventionelle Lebensmittel sehr häufig der Fall.

Sehr viele Bio-Produkte enthalten gar keine Zusatzstoffe oder nur traditionelle Hilfsmittel wie Milchsäure als Konservierungsstoff, Agar-Agar als pflanzliches Geliermittel oder Johannisbrotkernmehl als Verdickungsmittel, zum Beispiel in Saucen. Die Bio-Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland lassen sogar weniger Zusatzstoffe zu. Zum Beispiel ist das laut EU-Öko-Verordnung erlaubte Carrageen tabu.

Linsen aus Deutschland


Heimische Kombi: Linsen und Hafer. Der Hafer dient als Rankhilfe und die Linsen sorgen für Stickstoff im Boden. Foto:(c)Spielberger Mühle

Haben Sie schon einmal Linsen auf einem Feld gesehen? Die Chance ist gering, denn der Linsenanbau ist in Deutschland seit mehr als 100 Jahren auf dem Rückzug, und nach 1945 hat kaum ein Hof sie mehr angebaut. Zu niedrig waren die Erträge, zu groß der Arbeitsaufwand, um mit Importlinsen konkurrieren zu können. Das regionale Saatgut war längst verschollen, als Glück und die Hartnäckigkeit einiger Bio-Landwirte vor 15 Jahren dabei halfen, zwei Sorten von „Späths Alblinse“ wieder aufzuspüren - in einer der größten Saatgutbanken der Welt in St. Petersburg. Die Zahl der Linsenbauern in der Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ ist seitdem ständig gestiegen und die Linsen haben eine treue Fangemeinde.

 

Nun sollen die Linsen weitere Regionen erobern. Dafür setzen sich mehrere Forschungsinstitute im Projekt „LinSel“ unter Leitung des Zentrums Ökologischer Landbau an der Universität Hohenheim ein. Gesucht wird nach Sorten, die an mitteleuropäische Verhältnisse angepasst sind und stabile Erträge liefern. Passende Kandidatinnen sollen dann gezielt weiterentwickelt werden. Für eine Renaissance der kleinen Hülsenfrüchte gibt es viele gute Gründe: Linsen sind Proteinbomben, das macht sie zu einer gesunden und klimafreundlichen Alternative zu Fleisch. Außerdem können sie wie alle Hülsenfrüchte Stickstoff aus der Luft im Boden anreichern. Davon profitieren Dinkel oder Kartoffeln im nächsten Jahr. Und Linsen vertragen einiges an Trockenheit – ein Vorteil in Zeiten des Klimawandels.

In Kombination mit Getreide oder Milchprodukten bieten Linsen das komplette Protein-Spektrum. Traditionelle Rezepte wie Spätzle mit Linsen oder indisches Dhal mit Reis sind daher eine gute Sache – zudem auch B-Vitamine, Folsäure und Eisen im Paket stecken. Linsen-Bolognese und Chili sin Carne mit Linsen sind auf dem Weg, die neuen Klassiker der Familienküche zu werden. Lecker sind die kleinen Hülsenfrüchte auch als Füllung für Wirsingrouladen oder Tacos und in Bratlingen oder Aufstrichen. Nirgendwo gibt es eine größere Linsen-Auswahl als im Biohandel, und Spielberger und Rapunzel haben auch bereits Sorten aus Deutschland im Sortiment. Spielberger empfiehlt zum Beispiel einen Gemüseeintopf mit Roter Bete, Pastinaken, Pilzen, Reis und Linsen.

EU-Online-Konsultation: Gentechnik auch in Zukunft strikt regulieren!

Die EU-Kommission will das strenge europäische Gentechnikrecht aufweichen. In einer Studie der Kommission kündigte sie an, das EU-Gentechnikrecht zugunsten bestimmter gentechnischer Eingriffe (wie CRISPR Cas u.a.) verändern zu wollen. Damit würde einer Neudefinition von Gentechnik Tür und Tor geöffnet werden. Am Ende könnten Tiere und Pflanzen, die zum Beispiel mit Hilfe der Genschere Crispr verändert worden sind, aus der umfassenden Risikoprüfung herausfallen und Produkte daraus ohne Kennzeichnung verkauft werden.

Gegen diese Aufweichung können alle EU-Bürger*innen jetzt noch Einspruch erheben und die Vorschläge der EU-Kommission online bis 22.10.2021 kommentieren. Nutzen Sie dazu einfach das Formular und wählen einen der bereits vorgegebenen Textvorschläge aus oder schreiben Sie einen eigenen Text an die EU-Kommission mit der Forderung, Gentechnik auch in Zukunft strikt zu regulieren.

Würde die künftige Gentechnik-Gesetzgebung nach den Ansätzen der EU-Kommission gestaltet, stünden Kernelemente der heutigen Regeln in Frage: Verpflichtende Zulassungsverfahren samt Risikoprüfung und -bewertung vor Import oder Anbau, Kennzeichnungspflicht, Rückverfolgbarkeit und Monitoring genehmigter GVO, Haftungsregelungen, Transparenz und Wahlfreiheit.

Clean Label: Ist die Zutatenliste wirklich „sauber“?


Produkte mit "sauberen" Etiketten: Viele Menschen fühlen sich von irreführenden Aussagen getäuscht.

Weil so viele Menschen auf Zusatzstoffe verzichten wollen, bringt die Lebensmittelindustrie immer mehr Produkte mit „sauberen Etiketten“ auf den Markt, den sogenannten Clean Labels. Doch solche Produkte sind oft längst nicht so sauber und ursprünglich, wie die Verpackung verspricht. Daher kritisieren die Verbraucherzentralen seit Jahren, dass ein „Clean Label“ meist hochverarbeite Produkte wie Tiefkühl-Fertiggerichte oder Dosensuppen gesünder erscheinen lässt, aber oft von anderen unerwünschten Zutaten ablenkt.

Häufig vertreten sind Hinweise wie „frei von Farbstoffen“, „ohne Geschmacksverstärker“, „ohne gentechnisch veränderte Zutaten“ oder „ohne gehärtete Fettsäuren“. Fast immer ein Anlass im Kleingedruckten unter den auffälligen Schriftzügen zu prüfen: Was steckt unter der weißen Weste? Die Werbung „ohne künstliches Aroma“ könnte zum Beispiel auf den Zusatz von natürlichem Aroma hinweisen. Leider ist es mit der Natürlichkeit der meisten natürlichen Aromen aber nicht weit her. So wird natürliches Aroma mit Vanillegeschmack oft auf Basis einer Säure aus Reisspelzen produziert, mit freundlicher Unterstützung gentechnisch veränderter Mikroorganismen. Einige Hersteller verwenden auch Formulierungen wie „ohne Konservierungsstoffe laut Gesetz“ und werben dadurch mit Selbstverständlichkeiten. Es handelt sich in solchen Fällen immer um Produkte, für die Konservierungsstoff sowieso verboten sind.

Das wahre Label ist das Bio-Siegel. Gentechnisch veränderte Organismen und die meisten Zusatzstoffe sind verboten, darunter Farbstoffe, Benzoesäure und Glutamat. Für das volle Aroma sorgen hochwertige Zutaten und schonende Verarbeitung.

Umfragen von Verbraucherschutzorganisationen zeigen, dass viele Menschen sich von Clean Labels getäuscht fühlen. Beim Portal Lebensmittelklarheit.de gehen regelmäßig Beschwerden ein. Das Team bewertet jeden Fall und bittet die Hersteller um Stellungnahme. Mit Erfolg: Rund ein Drittel ändert die irreführende Kennzeichnung.