Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 09/2021

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

Schluss mit chemisch-synthetischen Pestiziden ab 2035!


Ein Traktor versprüht Pflanzenschutzmittel auf einem Getreidefeld. © pixabay/hpgruesen

Mehr als 100 Bio-Unternehmen, Umweltorganisationen, Wasserwirtschaftsverbände und Wissenschaftler*innen fordern, bis 2035 aus synthetisch-chemischen Pestiziden auszusteigen. In ihrem Offenen Brief an die Kandidatinnen und Kandidaten für den Bundestag vom 24. August fordern sie außerdem ein jährliches Pestizid-Monitoring ab 2022 und eine Pestizid-Abgabe. Denn der Einsatz von Pestiziden verursacht hohe Folgekosten für die Gesellschaft und für von Kontaminationen betroffene Bio-Landwirt*innen. Die für Gesundheit und Umwelt gefährlichsten Pestizide sollten bereits in den nächsten fünf Jahren verboten werden. Dazu zählen Wirkstoffe wie Glyphosat und Terbuthylazin, die sich über die Luft weit verbreiten.

Chemisch-synthetische Pestizide sind maßgeblich für das Insekten- und Vogelsterben verantwortlich, sie schädigen das Leben in Böden und Gewässern, gefährden unser Trinkwasser, unsere Atemluft und die Versorgung der Menschen mit gesunder Nahrung. Um Mensch und Natur besser zu schützen, müssen sich die künftigen Bundestagsabgeordneten daher auch für eine Reform des Pestizid-Zulassungsverfahrens auf EU-Ebene einsetzen, fordert der Offene Brief. Dabei sollten der Ferntransport von Pestiziden durch die Luft sowie die Kombinationswirkung mehrerer Pestizide in der Natur und im menschlichen Körper stärker berücksichtigt werden.

Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören neben dem Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft als Initiator unter anderen der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), Bioland, Demeter, Naturland, das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), Save Our Seeds und die Deutsche Umwelthilfe. Das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft ist ein Zusammenschluss von Bio-Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen, das dazu beitragen will, die Lebensgrundlagen kommender Generationen zu erhalten und sie dort, wo sie bereits beschädigt sind, wieder aufzubauen.

Bienenfreundlicher Tipp für alle, die EU-weit mehr Bio und weniger Ackergifte wollen: Noch bis zum 30. September 2021 kann die Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Schluss mit Pestiziden! Bienen und Bauern retten!“ unterzeichnet werden! Ein Bündnis von europäischen Umweltorganisationen will erreichen, dass die EU-Kommission das schrittweise Ende für synthetische Pestiziden einleitet. Die Landwirt*innen sollen beim notwendigen Übergang zur Agrarökologie unterstützt, der Ökolandbau ausgebaut sowie die Forschung zu pestizid- und gentechnikfreiem Anbau gefördert werden. Eine Million Stimmen werden benötigt – 750.000 waren bis Redaktionsschluss schon zusammengekommen!

Bundestagswahl ist Klimawahl: Öko statt Ego!


(c) Öko statt Ego

„Another world is possible - Eine bessere Welt ist möglich!“ Mit dieser Überzeugung ruft Fridays for Future, unterstützt von zahlreichen Bündnissen, erneut zum Internationalen Klimastreik auf. Das Motto in Deutschland lautet „Höchste Zeit zu handeln: Wir wählen Klima!“. So soll am 24. September, kurz vor der Bundestagswahl, deutlich werden: Wir brauchen den Wandel hin zu einer gerechten und konsequenten Klimapolitik. Denn die Klimakrise ist für die Ökosysteme unseres Planeten und für Millionen von Menschen nichts weniger als eine existenzielle Bedrohung.

Die Bundestagswahl ist so entscheidend, weil uns nur noch wenig Zeit bleibt zu verhindern, dass zu viele Kipppunkte im Klimasystem erreicht werden. Schläft die Politik weiter, bringen die Schäden weit höhere Kosten mit sich als alle Investitionen in Maßnahmen zur Vermeidung der Klimakatastrophe. Längst macht sich der Klimawandel mit vertrockneten Feldern, extremen Niederschlägen und Waldbränden auch vor unserer Haustür bemerkbar. Nur eine moderne, ökologische Wirtschaft kann die Katastrophe stoppen und dabei zukunftsfähige Arbeitsplätze und neue regionale Wertschöpfungsketten schaffen.

Unter #klimawahl2021 ruft auch die Initiative der Bio-Branche „Öko statt Ego – Gutes Einkaufen für eine bessere Welt“ in den sozialen Medien dazu auf, am 26. September für das Klima zu wählen. Im Zentrum der Aktion steht ein Wahlwerbespot fürs Klima. Noch unsicher, was eine gute Klimawahl wäre? Informationen liefern zum Beispiel der Zukunftswahl-Check des WWF oder der Wahl-o-Mat.

Sind Sie dabei? Bist Du dabei? Machen wir die Bundestagswahl am 26.September zur #Klimawahl! Gemeinsam machen wir den Unterschied. Öko statt Ego!

Die goldene Apfelzeit ist da


Bio-Äpfel von der Streuobstwiese (c) Canva

Der Frühherbst ist da – Zeit für den Auftritt des Finkenwerder Herbstprinzen, der Rubinette, von Geheimrat Dr. Oldenburg und Sissired! Aber auch viele andere altbekannte oder neu gezüchtete Bio-Sorten werden nun nach und nach reif und zum Teil bis tief in den Herbst hinein geerntet. Feinsäuerlich sind zum Beispiel Jamba und Holsteiner Cox und besonders aromatisch der Gravensteiner. Manche Sorten müssen einige Zeit lagern , bevor sie ihre Genussreife erreichen. Dazu gehören Pinova, Alkmene, Boskoop, Goldparmäne und Cox Orange.

 

An apple a day keeps the doctor away! Aber der tägliche Apfel ist nicht nur gesund, aus zwei, drei oder mehr Äpfeln lässt sich auch viel Gutes zaubern: Apfelmus, Apfelkuchen und Apfel-Pfannkuchen, Bratapfel und Apfelgelee sind die Klassiker, aber jede Region hat ihre Spezialitäten wie Kartoffelsalat mit Apfel in Sachsen, Apfel-Speck-Schmarrn in Bayern oder im Rheinland Himmel un Ääd mit Kartoffeln, Apfelmus, gebratener Blutwurst oder gerösteten Zwiebeln. Äpfel kombiniert mit roten Zwiebeln, Champignons und Thymian bringen den Flammkuchen auf ein fruchtiges Level, dasselbe gilt für Salate, zum Beispiel mit Rucola, Radicchio, Schalotten, Walnüssen, Minze und einem Buttermilch-Dressing.

Auch bei Äpfeln stecken die besten Inhaltsstoffe direkt unter der Schale. Schon allein deswegen sind Bio-Äpfel die beste Wahl, denn sie wachsen ohne Pestizide und werden nicht gewachst. Gegen Schädlinge wie Läuse oder Apfelwickler helfen Neem-Extrakte, Lockstoff-Fallen und vor allem ein buntes Ökosystem mit Blühstreifen, Hecken und Nisthilfen. Das fördert die Artenvielfalt und damit die natürlichen Feinde der Schädlinge. Entscheidend ist auch die richtige Sorte am richtigen Standort, möglichst robust und schorfresistent wie die neue Bio-Sorte Natyra. Ein Tipp für Apfel-Allergiker*innen sind Santana, Wellant sowie viele alte Sorten, da diese nur selten allergische Reaktionen hervorrufen. Sie enthalten reichlich Polyphenole, die das eigentliche Apfelallergen inaktivieren.

Nachhaltig und aus der Region: Bio-Rübenzucker


Zuckerrüben (c) Canva

Oft steht in Backrezepten „Roh-Rohrzucker“, oft wegen des karamelligen Geschmacks oder auch, weil er etwas weniger verarbeitet ist. Aber Rohrzucker kommt immer aus Übersee, denn Zuckerrohr ist eine tropische Pflanze. Entsprechend groß ist die Umweltbelastung durch den weiten Transport, den hohen Flächenbedarf und die Art der Verarbeitung. Das zeigte eine Studie der Beratungsgesellschaft EBP Schweiz AG, die den Umweltfußabdruck von Bio-Rübenzucker aus Süddeutschland und importiertem Bio-Fairtrade-Rohrzucker aus Paraguay verglichen hat. Bio-Rübenzucker belastet danach die Umwelt um etwa 37 Prozent weniger als Bio-Fairtrade-Rohrzucker.

Mittlerweile ist Bio-Rübenzucker aus Europa auf dem Markt, oft sogar in Verbandsqualität, zum Beispiel von Bioland, Demeter oder Gäa. Von Gutding gibt es Bio Rübenzucker aus Deutschland sogar im Pfandglas. Weil die Melasse – anders als bei Rohrzucker - einen unangenehmen Beigeschmack hat, wird Rübenzucker nur in gereinigter Form angeboten, mehrfach gewaschen. Ist er deswegen weniger gesund? Diese Frage ist bei Zucker tatsächlich wenig sinnvoll, denn Zucker und Zucker-Alternativen sind immer Genussprodukte, die sparsam verwendet werden sollten. Brauner Zucker enthält zwar einige Mineralien und Aromastoffe, für eine vollwertige Ernährung sind sie aber nicht relevant.

Viele Bio-Unternehmen bevorzugen regionalen Bio-Rübenzucker, zum Beispiel bezieht die Bohlsener Mühle ihn seit 2020 vollständig aus Norddeutschland. Nach der Ernte werden die Rüben in der Region verarbeitet und haben daher nur einen kleinen CO₂-Fußabdruck. Zudem bereichern Zuckerrüben die Fruchtfolge, fördern die Bodenfruchtbarkeit und verdrängen tief wurzelnde Unkräuter wie Disteln und Ampfer. Das freut das Getreide, das im nächsten Jahr auf dem Feld wächst. Auch die Molkerei Söbbeke setzt auf heimischen Rübenzucker, zum Beispiel für die Bio-Saisonjoghurts im Mehrwegglas und bei der Joghurt-Linie „Pur Bio“. In diesem Jahr hat auch der Bauckhof begonnen, seine glutenfreien Kuchenbackmischungen von Rohrohrzucker auf heimischen Rübenzucker umzustellen, um die Beschaffung nachhaltiger zu gestalten und den ökologischen Anbau in der Region zu unterstützen. Im Hafer-Crunchy wurde Rübenzucker von Anfang an eingesetzt. Perspektivisch möchte Bauckhof auch die Demeter-Produkte auf Rübenzucker umstellen, allerdings ist noch nicht ausreichend regionaler Demeter-Rübenzucker verfügbar.

Kohl schmeckt nicht nur im Winter!


Weißkohl auf dem Feld. (c) Pixabay

Kohlgemüse im September? Klar, denn zu Beginn der Erntezeit sind die Kohlköpfe sogar besonders mild und zart! Und es gibt tatsächlich viele spätsommerliche und herbstliche Rezepte: Geraspelter Rotkohl passt zum Beispiel gut in allerlei Bowls und Salate, aber er bringt auch Farbe und Vitamine in selbstgemachte Burger. Roggenbrötchen können zum Beispiel mit gebratenem Pulled Jackfruit, Zwiebeln, Eisbergsalat, Rotkohl- und Möhrenraspeln und einer aromatischen BBQ-Sauce von Byodo oder Sanchon gefüllt werden. Gesundes Fastfood für Spätsommerabende! Die Rotkohlstreifen am besten vorher mit Salz, Pfeffer, Schwarzkümmel und Kokosblütenzucker kräftig durchkneten, dann etwas Essig und Öl dazu. Auch ein Glasnudelsalat mit Rotkohl, Paprika, Frühlingszwiebeln und Erdnussdressing ist eine ganz und gar unwinterliche und interessante Umgebung für den Kohl. Fast mediterran daher kommt ein Pasta-Weißkohl-Auflauf mit Feta, Kirschtomaten und reichlich Oregano.

Kohl ist immer kalorienarm und gesund – egal, ob Sie zu Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Weißkohl oder Spitzkohl greifen. Er verfügt über reichlich Ballaststoffe, B-Vitamine, Folsäure, Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium, Spurenelemente wie Eisen und sekundäre Pflanzenstoffe wie Senfölglykoside und Flavonoide. Und sogar Eiweiß steckt drin, mehr als in jedem anderen Gemüse! Besonders viel Vitamin C steckt in Weiß- und Spitzkohl. Schon etwa 100 Gramm decken den täglichen Vitamin-C-Bedarf. Ruhig mal in kleinen Mengen roh in Salatrezepten probieren! Wer es trotzdem nicht so gut verträgt, findet zahllose Rezepte, in denen Kohl gebraten oder gedünstet und dadurch bekömmlicher wird. Vorbeugend gegen Bauchweh und Blähungen wirken außerdem Fenchel oder Kümmel.

In einem Spätzle-Auflauf macht sich Spitzkohl zum Beispiel gut mit Champignons, Zwiebeln und kräftigem Bergkäse. An kühleren Tagen könnte die Wahl auch auf ein Weißkohl-Curry mit Kartoffeln, ein Wirsing Risotto oder sogenannte Krautfleckerl fallen, ein traditionelles würziges Ofengericht mit Weißkohl und geschnittenen Nudelblättern.