Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 08/2021

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

Zunder für die Politik, Hoffnung für die Umwelt


Ein Ergebnis des Berichts: Die Welt braucht eine klimaverträgliche und ressourcenschonende, möglichst regionale Landwirtschaft.

Ein Abschlussbericht, eine Kommission – so etwas klingt immer etwas langweilig. Aber im Abschlussbericht „Zukunft Landwirtschaft – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, den die Zukunftskommission Landwirtschaft im Juli fertiggestellt hat, liegt richtig Zunder für die Politik und Hoffnung für Umwelt und Landwirtschaft.

Überraschend waren sich nach zehn Monaten Diskussion alle 30 Fachleute aus Landwirtschaft, Natur-, Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutz, Wissenschaft und Wirtschaft einig, dass die Landwirtschaft dringend eines grundlegenden Umbaus bedarf, der unverzüglich beginnen muss. Sie überreichten das fertige Werk an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Bundesregierung hatte die Zukunftskommission eingesetzt, um Empfehlungen für eine nachhaltige, ökologisch und ökonomisch tragfähige Landwirtschaft in Deutschland zu erhalten.

Was soll nun folgen auf Jahrzehnte der politisch gewollten Intensivierung in der Landwirtschaft mit verheerenden Folgen für Natur, Trinkwasser und zahlreiche Betriebe, die aufgeben mussten? Hilfreich war eine Vision für eine klimaverträgliche und ressourcenschonende, möglichst regionale Landwirtschaft, gemeinsam entwickelt von den beiden jüngsten Kommissionsmitgliedern von der BUNDjugend und dem Bund der Deutschen Landjugend. Tatsächlich fordert der Bericht nun, die milliardenschweren Direktzahlungen aus Brüssel schrittweise und am Ende vollständig (!) an gesellschaftlichen Zielen wie Beispiel Natur-, Umwelt- und Klimaschutz auszurichten. Eine finanziell attraktive Honorierung von Gemeinwohlleistungen soll zum Beispiel dabei helfen, zehn Prozent der Agrarlandschaft künftig als Lebensraum für die Artenvielfalt zur Verfügung zu stellen, aber auch, um mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft zu erreichen.

Bei der neuen Gentechnik spricht sich die Zukunftskommission klar für das Vorsorgeprinzip und die entsprechende Regulierung aus. Mit Blick auf die EU-Ziele der „Farm-to-Fork“-Strategie fordert sie eine Agrarpolitik zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels aus dem Pariser Klimaabkommen. Weitere Punkte: Ausbau des Ökolandbaus, weniger Pestizide, Verringerung des Konsums tierischer Lebensmittel und eine Reduzierung der Nutztierbestände. Das hatte die exportorientierte Agrarindustrie bislang kategorisch abgelehnt. Damit der Umbau gelingt, empfiehlt die Kommission Abgaben auf Fleisch, aber auch auf Fett, Salz oder Zucker. Dafür könnte die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse sinken. Der Deutsche Naturschutzring hat angekündigt, dass sich Kommissionsmitglieder aktiv in den Koalitionsbildungsprozess einbringen werden, um zu erreichen, dass die Grundzüge der Vereinbarung in den nächsten Koalitionsvertrag aufgenommen werden.

Gemüse des Jahres: Mais ist in seiner Vielfalt bedroht


Die Milpa-Kultur gibt es u.a. als „Maya-Mix“ von Bingenheimer Saatgut. Die Mischkultur aus Mais, Bohnen und Kürbis bringt eine gute Ernte und bereichert die Böden.

Mais ist eine uralte Kulturpflanze, und in seiner mexikanischen Heimat gibt es eine unglaubliche, bunte Sortenvielfalt, von Weiß über das bekannte Gelb bis hin zu Grün und Violett. Mit der Ernennung zum Gemüse der Jahre 2021 und 2022 möchte der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) die traditionellen samenfesten Maissorten bekannter machen und zu ihrer Erhaltung beitragen. Denn die Vielfalt ist bedroht, vor allem durch großflächigen Monokulturen mit hohem Pestizid- und Düngerbedarf. Dort wachsen fast ausschließlich Hybridpflanzen, in Südamerika und den USA oft auch gentechnisch verändert.

Der VEN warnt vor den Risiken durch neue und alte Gentechnik und betont, dass Versprechungen hinsichtlich Welternährungssicherung, Klimaanpassung und Umweltschutz nicht erfüllt worden seien. Als erfolgreiche ökologische und klimagerechte Anbaumethode nennt der Verein die lateinamerikanische Milpa-Kultur mit Mais, Bohnen und Kürbis. In Mexiko wurde im Januar 2021 Gentechnik-Mais verboten, um die Ursprungssorten zu schützen. Seltene Sorten wie der Badische Hornmais, der Grüne Oaxaca-Mais und Rainbow Inka werden von Mitgliedern des VEN in ihren Gärten vermehrt.

Bei uns ist Mais besonders beliebt in Form von Cornflakes, Popcorn, Polenta, Tortilla-Chips und Nachos. Aber ab August hat auch der frische Zuckermais Saison – ein guter Zeitpunkt, Mais pur zu probieren. Die leuchtend gelben Körner schmecken roh vom Kolben geknabbert, gegrillt oder in Wasser gegart mit etwas Butter und Salz. Schnell, unkompliziert und köstlich: Quesadillas! Dafür geraspelten Käse, gewürfelte rote Paprika, Maiskörner und Frischkäse verrühren. Frühlingszwiebel-Röllchen, Koriander, etwas rote Currypaste oder rotes Pesto unterrühren. Tortillafladen mit der Mischung bestreichen, mit einer zweiten Tortilla abdecken, etwas zusammendrücken. Bei kleiner, bis mittlerer Hitze kurz anbraten oder im Ofen backen.

Grillsaucen zum Grillvergnügen


Für Grillfans ein Muss: Grillsoßen. Ob selbstgemacht oder fertig aus dem Biohandel. Immer lecker!

Ob Tofuknacker, Hähnchenschenkel, Lachsfilet oder Gemüsespieß – mit der passenden Grillsauce schmeckt es noch mal so gut! Warum nicht mal selber machen? Dann wissen Sie, was drinsteckt, und können selbst entscheiden, wie viel Säure, Süße oder Schärfe es sein darf. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Joghurt-Sauce mit geraspelter Gurke, Dill und etwas Meerrettich? Kräftiger ist eine Grillsauce aus vorgekochten roten Bohnen, Tomaten, angebratenen Zwiebeln, Knoblauch und reichlich Gewürzen wie Estragon und Paprika und frischen Kräutern wie Petersilie, Rosmarin und Oregano. Auf Wunsch sorgt Chili für Schärfe. Etwas Zucker, etwas Essig und etwas Olivenöl runden die Sauce ab.

 

Zu gegrilltem Fisch oder zu Baguette passt eine Honig-Senf-Sauce mit frischem Dill und etwas Zitrone. Für Fans von kräftiger Remoulade: Auch die ist einfacher gemacht als gedacht mit Ei, Gewürzgurken, Schalotten, Schnittlauch, Petersilie und Dill, alles fein gehackt, plus natürlich Mayonnaise. Wer auch die selbst herstellen möchte, braucht ein frisches Ei, Rapsöl, Senf und Zitronensaft – und möglichst einen Pürierstab, denn damit wird aus dem Mix am schnellsten Mayo. Rot, aber nicht Tomate: Rote-Rüben-Ketchup! Dafür vorgegarte Rote Bete, Karotten, rote Zwiebeln und Knoblauch anbraten und mit Agavendicksaft, Apfelessig, Zimt, Pfeffer und etwas Olivenöl pürieren. Bio-Tomaten sind jetzt besonders aromatisch und reichlich zu haben. Daraus lässt sich gut klassischer Tomatenketchup auf Vorrat einkochen. Rezepte gibt es reichlich.

Natürlich gibt es Grillsaucen und Ketchup auch fix und fertig in bester Bio-Qualität, ohne unerwünschte Konservierungsstoffe oder Emulgatoren. Von Sanchon gibt es zum Beispiel die Grillsaucen „Cajun Island“, „Indian Summer“ und „Höllenfeuer“ und Byodo verarbeitet sonnenverwöhnte und erntefrisch verarbeitete Tomaten aus Italien zu klassischem Ketchup und Curry-Ketchup, hat aber auch Cocktailsauce im Sortiment. Und von Zwergenwiese kommt die neue Zwergen-Sauce ganz ohne Kristallzucker oder Sirup aus - mit Freilandtomaten aus Norditalien, Äpfel aus dem Alten Land bei Hamburg und Möhren aus Schleswig-Holstein. Nur Obst und Gemüse sorgen für eine leichte Süße. Auch Salz und Fett sind aufs Minimum reduziert, entsprechend den Ernährungsempfehlungen der WHO.

Filmtipps für den Spätsommer


Die Hauptdarstellerin von GUNDA in schwarz/weiß, wie das bewegende Filmportrait auch. ©Filmwelt/Sant & Usant/V. Kossakovsky/Egil H. Larsen

„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ So hat es Roger Willemsen für sein letztes Buchprojekt formuliert. Zentrale Gedanken davon steckten in der mitreißenden „Zukunftsrede“, die zu seinem letzten öffentlichen Auftritt wurde. Sie ist der leidenschaftliche Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären.

Der Dokumentarfilm WER WIR WAREN greift Willemsen Gedanken auf, versetzt uns in die Zukunft, um unsere Gegenwart zu ergründen. Sechs Wissenschaftler*innen aus Natur, Wirtschaft und Technologie, darunter der Astronaut Alexander Gerst, die Philosophin Janina Loh und der Molekularbiologe und Buddhist Matthieu Ricard kommen zu Wort. Produzent, Regisseur und Autor Marc Bauder begleitet sie unter anderem in die Tiefen des Ozeans, in den Himalaya und in den Weltraum und verzichtet auf Schockbilder von Umweltverschmutzung oder leidenden Tieren. Der Film hat einen zwar melancholischen, aber optimistischen Grundton. Die Menschheit muss sich ändern, Schranken überwinden, da sind sich die Protagonist*innen einig. Dieser bildgewaltige Blick auf unsere Welt zeigt: Wir überschätzen uns, indem wir uns über die Natur erheben. Aber wir haben es auch selbst in der Hand, wer wir sein könnten.

Der Film „GUNDA“ hat als Protagonistin: ein Schwein und seine Ferkel, in den Nebenrollen eine Hühnerschar und eine Rinderherde. Regisseur Viktor Kossakovsky zeichnet ein warmherziges Portrait in ästhetischem Schwarz-Weiß, mit langen Einstellungen und viel Empathie. Seit seiner Festivalpremiere bei der Berlinale 2020 sorgt der Dokumentarfilm für Furore und wurde mehrfach ausgezeichnet - obwohl wir einfach einem norwegischen Hausschwein beim Leben zusehen, ohne Hintergrundmusik oder Dialoge, nur mit Originaltönen. Beim guten Leben, einem Gegenentwurf zu Massentierhaltung und Fließbandschlachterei, ohne Betonspaltenböden, mit Auslauf und viel Platz im Stall. Aber es ist auch kein Paradies: Die Ferkel werden irgendwann abgeholt. Gunda schaut direkt in die Kamera - Kossakovsky zeichnet ihren Kummer auf wie schon zuvor Neugier, Müdigkeit, Genuss, Schrecken und Freude. Er zeigt Tiere als fühlende Wesen, und so ist GUNDA ein poetisches Plädoyer für das Recht auf Leben der Lebewesen, die wir zu oft nur als „Nutztiere“ wahrnehmen. Kinostart ist am 19. August.

Mehr Lebensmittelverschwendung als gedacht


Titel der WWF-Studie, die zeigt, das weltweit 40 Prozent der Lebensmittel schon vor oder während der Ernte verloren gehen.

Weltweit werden mehr Lebensmittel verschwendet als bisher angenommen, und zwar insbesondere schon auf dem Feld. Das ist das Ergebnis der Studie „Driven To Waste“ des WWF in Zusammenarbeit mit dem britischen Lebensmittelhändler Tesco. Vor, während und direkt nach der Ernte gehen danach etwa 40 Prozent der weltweit erzeugten Lebensmittel für den Verzehr verloren, und nicht wie bisher geschätzt 33 Prozent. Insgesamt kommen so jedes Jahr 2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel niemals auf die Teller. Für die Erzeugung diesen Lebensmittel-Müllbergs braucht es laut WWF rund 4,5 Millionen Quadratkilometer, etwa die Fläche der Europäischen Union.

Lebensmittelverschwendung hat erhebliche Auswirkungen auf den Klimawandel. Denn die 2,5 Milliarden Tonnen Lebensmittel, die jedes Jahr auf dem Feld, im Handel oder in den Haushalten verschwendet werden, sind vorher mit immensem Wasser- und Energieaufwand erzeugt worden. Bislang wurde geschätzt, dass Lebensmittelabfälle für acht Prozent der Treibhausgase verantwortlich sind. Die neuen Daten deuten jedoch darauf hin, dass es sogar zehn Prozent sind. Der WWF weist ausdrücklich darauf hin, dass die Datenlage lückenhaft ist und fordert systematische Erfassungen zu Ursachen und Mengen der Verluste entlang der gesamten Versorgungskette, auch in Deutschland.

Um Verluste zu vermeiden und damit wertvolle Ressourcen einzusparen, sind die bisher sehr strengen Handelsnormen und hohen Anforderungen der Supermärkte wichtige Stellschrauben, außerdem Verbesserungen bei Transport und Lagerung sowie im Handel. Denn Werbung und Sonderaktionen sorgen oft dafür, dass Menschen zu viel einkaufen. Zuhause helfen Einkaufslisten, Kühlschrank-Checks und Resteverwertung, möglichst nicht zu viel zu kaufen und alles zu verbrauchen. Dass das Mindesthaltbarkeitsdatum kein Stichtag zum Wegwerfen ist, ist mittlerweile zum Glück vielen bewusst. Mehr Tipps gibt es bei „Zu gut für die Tonne“.