Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 06/2021

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Rund und gesund mit feiner Schärfe: Radieschen


Klimafreundlich, nahrhaft und vielseitig einsetzbar: ob als Salat, in der Suppe, auf dem Brot oder als Snack zwischendurch.

Tomaten sind das beliebteste Gemüse der Deutschen. Radieschen sind aber viel klimafreundlicher! Sie wachsen vom Frühjahr bis in den Herbst bei uns im Freiland, müssen also weder weit transportiert noch im Gewächshaus gezogen werden. Unter der meist roten Schale steckt viel Gutes, neben Vitaminen und Mineralstoffen reichlich ätherische Öle, vor allem Senföl-Glykoside. Die sorgen für den würzigen, manchmal scharfen Geschmack. Der passt bestens zu Kartoffelsalat oder zu einem bunten Salat mit Karotten, Paprika, Frühlingszwiebeln, Rucola, Kresse und Ei, dazu ein Dressing mit Senf, Meerrettich, Honig und Olivenöl.

Radieschen kann man natürlich auch einfach aus der Hand knabbern, aufs Kräuterquark-Sandwich schneiden oder zu einem Pilz-Omelette servieren. Für ein Carpaccio schneidet man Radieschen und Champignons in hauchdünne Scheiben und richtet sie mit etwas Salz, Pfeffer, reichlich Kresse, Zitronensaft und Sahne an. „Radieschen-Tsatsiki“ ist mit Gurke, Dill, Schnittlauch, Knoblauch, Quark und Joghurt ein würziger Brotaufstrich, passt aber auch gut zu Pellkartoffeln. Mit Camembert, Frühlingszwiebeln, Frischkäse und Rettichsprossen wird aus Radieschen ein besonders pikanter Obatzter. In Bayern gehören Radieschen zu einer deftigen Brotzeit sowieso immer dazu. Das passt, denn die Senföle wirken verdauungsfördernd, aber auch antibakteriell und entzündungshemmend.

Im ökologischen Gemüsebau wachsen Radieschen ohne synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger. Es gibt nicht nur rote, sondern auch rot-weiße und weiße Sorten, selten sogar violette und gelbe, und manche Radieschen sind länglich statt kugelrund. Das Innere ist aber immer schneeweiß. Tipp: Radieschensprossen sind kleine Kraftpakete und ein würzig-gesundes Plus für Salate, Sandwiches oder Dips. Man kann sie selbst auf der Fensterbank ziehen oder findet sie vorgezogen im Bio-Fachhandel.

Klimawandel macht Nahrungsmittel knapp


Dürren, Bodenerosion und Überschwemmungen nehmen weltweit zu und gefährden die Nahrungsmittelproduktion.

Der Klimawandel bringt nicht nur mehr Hitzewellen, mehr Unwetter und steigende Meeresspiegel. Bei einem ungebremsten Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts würde auch ein Drittel der heute genutzten landwirtschaftlichen Flächen weltweit unbrauchbar. Das zeigt eine Studie der finnischen Aalto-Universität, die jetzt im Fachmagazin „One Earth“ erschienen ist. Dadurch könnten wir auf der Erde nicht mehr genügend Nahrungsmittel für alle Menschen produzieren. Ein wichtiger Grund mehr für eine entschlossene Trendwende beim Treibhausgasausstoß!

Für 27 der wichtigsten Nahrungspflanzen und sieben verschiedene Nutztiere hat das Forschungsteam die Auswirkungen steigender Temperaturen berechnet. Dabei zeigte sich, dass die Risiken weltweit sehr unterschiedlich verteilt sind. Nur in 52 der 177 untersuchten Länder würde die Nahrungsmittelproduktion im „sicheren klimatischen Bereich“ bleiben. Das bedeutet, dass Temperaturen, Regenfälle und Trockenphasen in aller Regel innerhalb eines zu erwartenden Korridors liegen. Das gilt jedoch nicht für viele schon jetzt benachteiligte Länder in Lateinamerika, Afrika, Süd- und Südostasien. Dort würden bei einem ungebremsten Klimawandel zur Jahrhundertwende bis zu 95 Prozent der heutigen landwirtschaftlichen Fläche nicht mehr im „sicheren klimatischen Raum“ liegen. Die Studie weist besonders darauf hin, dass gerade diese Staaten oft keine ausreichenden Kapazitäten hätten, um sich an Klimaveränderungen anzupassen.

Die gute Nachricht: Wenn es uns gelingt, die Pariser Klimaziele einzuhalten und die Erwärmung auf 1,5 bis zwei Grad Celsius begrenzen, gingen bis zum Ende des Jahrhunderts bei der Pflanzenproduktion nur acht Prozent der Flächen verloren, bei der Viehzucht wären es fünf Prozent. Gleichzeitig muss jedoch laut Studie die Widerstandsfähigkeit unserer Nahrungsmittelsysteme gestärkt werden: Die Landwirtschaft muss weltweit nachhaltiger werden, zum Beispiel durch Agroforstsysteme, Ackerbau mit angepassten regionalen Sorten und biologischen Landbau, der für mehr Humusaufbau und Wasserspeicherfähigkeit der Böden sorgt.

Bio-Hühner unter Apfelbäumen


Hühner tragen dazu bei, den Nährstoffgehalt des Bodens zu verbessern und Schadinsekten zu dezimieren. Bildrechte: Bio-Obst Augustin

Pickende und scharrende Hühner unter Obstbäumen waren früher in Hausgärten ein gewohntes Bild. Für die Tiere war das auf jeden Fall ein Vorteil, denn die Vorfahren des Haushuhns lebten im Wald: Auch heute noch haben Hühner ein natürliches Schutzbedürfnis und bevorzugen Ausläufe mit Bäumen und Gebüsch. Nun wird wissenschaftlich erprobt, ob die „Apfelhühner“ auch den Obstplantagen helfen. Können die Hennen bei der Düngung und der Schädlingsregulation helfen, indem sie zum Beispiel Apfelwickler und Sägewespen vertilgen? Denn bekanntermaßen suchen sie gezielt nach Insekten, um ihren hohen Eiweißbedarf zu decken. Dabei erwischen sie auch verschiedene Entwicklungsstadien von Insekten in der Erde, im Laub, im Fallobst oder am Stamm.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) hat dazu mit sechs Partnern aus der Praxis 2020 in der Steiermark das Projekt „Apfelhuhn“ gestartet. Auf den Bio-Betrieben wird zwei Jahre lang die Haltung von Legehennen in Mobilställen inmitten von Bio-Tafelobstplantagen untersucht.

 

Die Hoffnung ist, dass diese besondere Form eines Agroforstsystems sowohl die ökologische als auch wirtschaftliche Resilienz des Betriebs steigern kann. Außerdem möchte das FiBL sondieren, wie der teilweise starken Spezialisierung im Biolandbau begegnet werden kann. Denn die Konzentration auf nur einen einzigen Betriebs- und Vermarktungszweig steht im Konflikt mit der Grundidee der Bio-Landwirtschaft, möglichst in geschlossenen Kreisläufen zu arbeiten.

Auch in Niedersachsen startete 2019 ein dreijähriges Projekt zur Geflügelhaltung in Obstanlagen. Dort kommen zusätzlich Puten zum Einsatz. Es zeigte sich, dass sie wie erhofft sowohl die Larven des Apfelwicklers als auch herabgefallene Kirschen und die darin enthaltenen Larven von Kirschfruchtfliegen und Kirschessigfliegen fressen. Beteiligt sind auch drei Obstbaubetriebe von Bio-Obst Augustin im Alten Land.

Gepoker um EU-Agrar-Milliarden - auf Kosten von Umwelt und Klima

Der EU-Agrarhaushalt ist mit rd. 58 Milliarden Euro jährlich der größte der Gemeinschaft. Um die Landwirtschaft wirklich nachhaltig zu gestalten, braucht es eine umweltgerechtere Verteilung sowie Abgaben auf Pestizide und Mineraldünger.

Fast 400 Milliarden Euro wird die EU in den kommenden sieben Jahren in die Agrarpolitik investieren. Wer Geld bekommt, soll sich künftig mehr am Gemeinwohl orientieren und mehr tun für Umwelt, Tierwohl, Klimaschutz und Artenvielfalt. Denn die intensive Landwirtschaft verursacht massive Umweltschäden – vom Vogel- und Insektensterben bis hin zur Nitratbelastung im Grundwasser. Nach welchen Kriterien genau der Geldsegen in der nächsten Förderperiode von 2021 bis 2027 verteilt wird, das verhandeln in Brüssel derzeit in einem „Trilog“ Vertreterinnen und Vertreter der drei EU Institutionen Rat, Parlament und Kommission.

Dieser Trilog ist allerdings Ende Mai zunächst gescheitert. Zu weit lagen die Meinungen auseinander. Besonders festgebissen hatten sich die Verhandlungspartner an der Frage, wie viel Geld aus der sogenannten ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zukünftig für Eco Schemes, also Umweltmaßnahmen gezahlt wird. Vor allem die im Rat vertretenen Agrarminister*innen der Mitgliedsstaaten standen auf der Bremse. Bisher gehen Prämien aus der ersten Säule, dem größten Topf der GAP, nach dem Gießkannenprinzip an landwirtschaftliche Betriebe – je mehr Hektar, desto mehr Geld.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der Dachverband der Biobranche, hat im Mai in der Resolution „Vom Acker bis zum Teller: Wirtschaft gemeinsam umbauen“ zehn entscheidende Stellschrauben für die künftige Agrarpolitik zusammengestellt. Die Parteien der nächsten Bundesregierung werden darin aufgefordert, das Ernährungssystem und die Tierhaltung umzubauen und Bio dafür als Leitbild zu nutzen. Insbesondere sollen Umweltleistungen honoriert und der Ökolandbau gestärkt werden, damit Betriebe mit gesellschaftlich gewünschten Umweltleistungen auch ein Einkommen erzielen können. Die Biobranche fordert außerdem, dass auch bei der neuen Gentechnik das Vorsorgeprinzip gelten müsse und dass Bio in der Forschungsförderung des Bundes sehr viel stärker berücksichtigt werde als bisher.

Die künftige Bundesregierung ist gefordert, weil über die konkrete Ausgestaltung der neuen Eco Schemes die Mitgliedsstaaten entscheiden werden. Eine Expertenanhörung im Bundestag Anfang Juni brachte allerdings schlechte Vorzeichen für Biobetriebe: Sie könnten in Deutschland von einer Reihe von Eco Schemes ausgeschlossen werden, und zwar – komplett verrückt –  weil sie bereits umweltfreundlich arbeiten.

Pflanzendrinks dürfen weiter „Milch-Alternative“ heißen

Es gibt viele gute Gründe für Pflanzendrinks: wie Geschmack, geringer CO2-Fußabdruck - aber eben auch als vegane Alternative zu Milchprodukten.Die EU-Kommission hat nun bestätigt,dass Hersteller diese Bezeichnung weiterhin verwenden dürfen.

Fast, aber zum Glück eben nur fast, wäre es noch schwieriger geworden, pflanzliche Alternativen zu Milchprodukten sinnvoll zu beschreiben. Auf den letzten Metern hat das EU-Parlament im Mai einen entsprechenden Änderungsantrag abgelehnt. Beispielsweise wären Hinweise wie „Milchalternative”, „Verwendbar wie Kochsahne“ oder „Vegane Alternative zu Joghurt” nicht mehr möglich gewesen. Sogar Darstellungen, die an Milchprodukte erinnern, sollten nach Ansicht von Agrarverbänden verboten werden - zum Beispiel Bilder mit pflanzlichem Milchschaum auf einer Kaffeetasse. An Zensur grenzte die Idee, wissenschaftlich fundierte Aussagen zu verbieten, die zum Beispiel den CO2-Fußabdruck pflanzlicher Lebensmittel mit Milchprodukten vergleichen.

Der Änderungsantrag war schon im Vorfeld von allen Seiten kritisiert worden: von vielen Lebensmittelunternehmen, auch aus der Biobranche, von mehr als 450.000 Unterzeichner*innen einer öffentliche Petition, Nichtregierungsorganisationen wie WWF, Foodwatch und Greenpeace und von der Europäischen Verbraucherorganisation BEUC. Die Verbände argumentierten, dass die geplanten Verbote den europäischen Plänen für mehr Nachhaltigkeit widersprechen würden. Immerhin hat sich die EU im Rahmen ihres Green Deals dazu verpflichtet, den Konsum pflanzlicher Lebensmittel zu fördern, denn sie ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Klimawandel. Ein Liter Haferdrink verursacht zum Beispiel nur ein Drittel der Klima-Emissionen, die für einen Liter Kuhmilch anfallen. Die industrialisierte Tierhaltung ist dagegen eine der wichtigsten Ursachen für die Klimakrise.

Dennoch wird die Milchindustrie weiterhin bevorzugt: Die EU fördert große Milchbetriebe mit Agrar-Subventionen und unterstützt Schulmilchprogramme, bei denen es keine pflanzlichen Alternativen gibt. Zudem gilt in Deutschland für Pflanzendrinks - anders als für Milch – nicht der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Stattdessen werden wie bei Bier und Wein 19 Prozent fällig. Außerdem dürfen pflanzliche Getränke weiterhin nicht als „Sojamilch“ oder „veganer Käse“ bezeichnet werden, obwohl diese Begriffe in der Alltagssprache üblich sind.