Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 05/2021

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Gegen versteckte neue Gentechnik auf dem Acker


100 Organisationen fordern, Gentechnik auch in Zukunft strikt zu regulieren. Bild: Ausschnitt aus dem Cover der Studie

Die EU-Kommission plant, das strenge europäische Gentechnikrecht aufzuweichen. Das legt eine Ende April veröffentlichte Studie der Kommission nahe. Sie beschreibt ausführlich mögliche Vorteile der neuen gentechnischen Methoden, Risiken werden dagegen eher als unbedeutend abgetan. Auch die Agrarkonzerne haben die „alte“ Gentechnik immer mit großen Versprechen verknüpft, diese aber nie erfüllt, weder bei Dürretoleranz, verbesserten Nährwerten oder wirksamer Unkraut- und Schädlingsbekämpfung. Die EU-Kommission kündigt außerdem an, das EU-Gentechnikrecht zugunsten bestimmter gentechnischer Eingriffe verändern zu wollen. Das kann einer verhängnisvollen Neudefinition von Gentechnik Tür und Tor öffnen. Am Ende könnten Tiere und Pflanzen, die zum Beispiel mit Hilfe der Genschere Crispr verändert worden sind, aus der umfassenden Risikoprüfung herausfallen und Produkte daraus wie Milch oder Weizen ohne Kennzeichnung verkauft werden.

„Gentechnik auch in Zukunft strikt regulieren!“ heißt das gemeinsame Positionspapier von fast 100 Organisationen, darunter viele Bio-Anbauverbände, Umwelt-, Tierschutz- und Verbraucherschutzorganisationen. „Unser Standpunkt ist klar: Gentechnik ist Gentechnik“, heißt es im Papier. „Wir fordern die Bundesregierung auf, in Deutschland und auf europäischer Ebene alle vorhandenen wie künftigen Gentechnikmethoden und die daraus entstehenden gentechnisch veränderten Organismen weiterhin unter dem bestehenden EU-Gentechnikrecht zu regulieren und zu kennzeichnen.“ Denn auch die neuen gentechnischen Verfahren greifen tief in das Erbgut lebender Organismen ein und verändern es grundlegend. Damit sind Risiken für Mensch, Tier und Umwelt verbunden, die weiterhin geprüft werden müssen. Auch die grundsätzlichen Probleme der Gentechnik, wie die Auskreuzung, Kontamination und Nicht-Rückholbarkeit bestehen bei der neuen Gentechnik weiter.

In Deutschland lehnen 80 Prozent der Verbraucher*innen Gentechnik auf dem Teller und dem Acker ab. Aber nicht nur ihre Wahlfreiheit wäre bedroht, sondern auch die von ökologisch wirtschaftenden Betrieben: Ohne Regeln zur Rückverfolgbarkeit und zur Haftung könnten sie die Gentechnikfreiheit von Bio-Lebensmittel nicht mehr sichern.

Gemüse aufs Brot!


Mit veganen Aufstrichen bringen Sie Gemüse aufs Brot.

Vegan in den Frühsommer? Oder einfach mal weniger Käse aufs Brot, dem Klima zuliebe? In den Regalen der Bioläden und Bio-Supermärkte gibt es eine überwältigende Vielfalt an Brotaufstrichen in allen Farben und Geschmacksrichtungen, auf Basis von Gemüse, Sonnenblumenkernen oder Hülsenfrüchten, mit Gewürzen aus aller Welt, Pilzen und Kräutern, von Auberginen-Creme bis Zucchini-Pastete. Pflanzliche Aufstriche lassen sich aber auch frisch zubereiten und schmecken dann besonders aromatisch. Und helfen nebenbei, „Zero Waste“ in der Küche zu erreichen! Denn fast alles, was übrig bleibt, kann mit ins Glas: Gemüse, das nicht mehr ganz so knackig ist, Petersilienstiele oder Kohlrabiblätter oder eine einsame Salzkartoffel vom Vortag.

Schnell gemacht ist ein Linsen-Süßkartoffel-Aufstrich mit Knoblauch, Zitronensaft, Curry oder Garam Masala und Chiliflocken. Am einfachsten ist es, zuerst die roten Linsen zu kochen und nach einiger Zeit die Süßkartoffelwürfel hinzuzufügen. Zum Verarbeiten reichen eine Küchenmaschine oder ein Pürierstab. Deftig wird es mit Räuchertofu, Kidneybohnen, Petersilie, Majoran, Schnittlauch und Pfeffer, mediterran mit gegrilltem oder gebratenem Gemüse, püriert mit Oregano, Basilikum und Salbei. Für cremige Aufstriche mit Nüssen oder Sonnenblumenkernen braucht man einen Hochleistungs-Standmixer. Dann wird zum Beispiel aus frischen Pilzen, Zwiebeln, Thymian, Petersilie und Cashewkernen schnell eine Champignon-Cashew-Pastete. So ein Mixer macht auch aus Gemüse mit festen Fasern wie Spinat, Fenchel oder Wildkräutern im Handumdrehen streichzarte Aufstriche. Für einen frühlingsgrünen Kräuteraufstrich kommen kurz vorgegarter Brokkoli, geröstete Cashewkerne, gedünstete Schalotten mit Olivenöl und vielen frischen Kräutern in den Mixer.

Aufstriche auf Basis von Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Tofu, Quinoa oder Nüssen sind proteinreich, vegan, cremig-lecker und haben einen sehr kleinen Klima-Fußabdruck. Für ein Plus an Vitaminen und Mineralstoffen oder einfach das gewisse Extra sorgen zum Beispiel getrocknete Tomaten, junge Brennnesselblätter, Kapern, Senf, Knoblauch oder Hanfsaat. Ein paar Tropfen Walnussöl oder natives Rapsöl bringen wichtige ungesättigte Fettsäuren ins Glas. Besonders gut schmecken die Aufstriche zu frischem Brot und garniert mit Gurke, Kresse, Radieschen oder frischen Kräutern.

Neue Bio-Sorten braucht das Land!


Taifun züchtet Soja-Sorten für den heimischen Anbau, wie hier in der Nähe von Freibung. Foto: (c) Taifun

Sojabohnen, Quinoa und Goldhirse auf Feldern mitten in Europa? Gibt es längst! Mit den richtigen Sorten sorgen innovative Biobetriebe für mehr Vielfalt in der Region. So wächst Bio-Soja für Taifun schon seit über 20 Jahren am Oberrhein, in Frankreich und Österreich. Nun hat das Bundessortenamt die neue Sorte „Tori“ zugelassen, die nächstes Jahr auf die Felder kommen wird. Entwickelt wurde sie von Taifun zusammen mit der Universität Hohenheim. Tori hat mit rund 45 Prozent einen sehr hohen Proteingehalt und ist besonders gut für die Tofuproduktion geeignet. Die Pflanze ist zudem besonders standfest und wird vergleichsweise spät reif. Dadurch hat sie eine lange Wachstumsperiode und kann mehr Bohnen hervorbringen als andere Sorten. Taifun engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Sojazüchtung. Die erste eigene Sorte, Tofina, wurde 2019 zugelassen. Sie ist auch für Regionen geeignet, in denen die Sommer kürzer und kälter sind.

Bevor eine Sorte zugelassen werden kann, sind viele Jahre Arbeit erforderlich - auch bei Getreide, Obst und Gemüse. Es dauert neun bis 22 Jahre, bis aus vielen Kreuzungen Sorten mit guten Eigenschaften für den Ökolandbau entstehen. Wichtig sind guter Ertrag auch ohne synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger, Robustheit, hohe ernährungsphysiologische Qualität und guter Geschmack.

 

An der Universität Kiel läuft zum Beispiel ein fünfjähriges Züchtungsprojekt mit dem Ziel, Quinoa-Sorten zu entwickeln, die an die kurzen Sommer in Norddeutschland angepasst sind. Einige Höfe bauen bereits Bio-Quinoa für die Bohlsener Mühle an. Die „Forschung & Züchtung Dottenfelderhof“ hat bereits mehrere brand- und gelbrostresistente Bio-Weizensorten entwickelt. Zusammen mit Bio Planète engagiert sich der Dottenfelderhof auch für den Leindotter. Denn für diese alte Ölpflanze gab es seit den 1990er Jahren keine Züchtungsvorhaben mehr. Barnhouse hat sich für die weltweit erste ökologische Züchtung einer Spelzhafer-Sorte engagiert. „SinaBa“ steckt nun in Krunchys des Unternehmens, das auch weiterhin Projekte der ökologischen Getreidezüchtung finanziert.

Ökologische Züchtung sichert genetische Vielfalt und sorgt für samenfeste, nachbaufähige Sorten. Ein großes Angebot an eigenen samenfesten Sorten stärkt den Ökolandbau gegen die Interessen der Agrarindustrie, die ihr Hybridsaatgut jedes Jahr aufs Neue verkaufen will und die viel Lobbyarbeit betreibt, damit mehr Gentechnik in der Züchtung zugelassen wird. In der Öko-Züchtung sind Patente auf Pflanzen tabu. Die Sojabohnensorten Tofina und Tori zum Beispiel gehören zwar Taifun, sie können aber von allen Züchter*innen weiterentwickelt werden. Das hilft dem heimischen Bio-Soja-Anbau insgesamt.

Was, wenn wir einfach die Welt retten?


Raus aus dem Umsetzungsstau! Frank Schätzing weist mit seinem klugen Sachbuch Wege aus der Klimakrise. Foto: Frank Schätzing,(c) privat

Bestsellerautor Frank Schätzing hat einen Thriller, an dem er gerade schrieb, zur Seite gelegt und ein Sachbuch zur Klimakrise geschrieben: Was, wenn wir die Welt einfach retten? Handeln in der Klimakrise. Was er darin beschreibt, ist eigentlich auch ein Thriller, aber ein realer. Millionen Menschen machen einfach so weiter wie immer, obwohl das Unheil unter der Oberfläche schlummert. Und sich immer öfter mit bösen Vorzeichen meldet: Dürren, Brände, schmelzende Gletscher. Ein ganzes Set von Bösewichten versucht in diesem Realthriller durch Aussitzen oder mit Hilfe von Fake News, Verschwörungsideologien und oder dem schrillen Ruf nach „Freiheit“ (für Autofahrer, Kohlekonzerne…) vom Drama abzulenken.

Schätzing hat recherchiert und schafft es, komplexe Sachverhalte allgemeinverständlich, spannend, manchmal mit (schwarzem) Humor, manchmal mit Anekdoten und Gedankenspielen zu vermitteln. Auch wer schon drin ist im Thema, hat sicher einige Aha-Momente und bekommt zudem eine schnelle und gut geschriebene Auffrischung in Sachen arktischer Eisschild, Albedo-Rückkopplung, Permafrost und Jetstream, Lobbyismus und Politikversagen. Was wurde in Paris eigentlich vereinbart? Was sind Kippelemente, und wo kippelt es schon gefährlich? Schätzing führt Zukunftsszenarien vor, in denen wir mal versagen, mal angemessen handeln. Spoiler: In Version RCP 8.5, dem Worst Case auf Grundlage der Prognosen des Weltklimarats, sterben sie vorzeitig den Serientod, macht aber nichts, denn am Ende stirbt die Menschheit sowieso aus.

Der Autor zeigt aber auch die andere Seite, die Möglichkeiten, Fridays for Future, gesellschaftliche Bündnisse, vielversprechende Techniken. In Kapitel 6 „Handeln“ geht es um konkrete Lösungen wie Fair Fashion, nachhaltiges Reisen, grüne IT und Biolandbau. Stellenweise geht das zu sehr ins Detail – bis zum korrekten Abtauen des Kühlschranks. Solche Tipps sind wichtig, stehen aber auch woanders. Und vor allem hat bis dahin das Buch klargemacht, was wirklich wichtig ist: groß gedachte politische Weichenstellungen. Die Fakten liegen auf dem Tisch, Mittel und Werkzeuge stehen uns zur Verfügung – raus aus dem Umsetzungsstau! Schätzing setzt durchaus weiter auf Wachstum, aber auf Bildungswachstum, soziales Wachstum, bedarfsgerechtes Wachstum, mit Zero Waste, Share Economy und Effizienzsteigerung.

Als Frank Schätzing sein Buch beendet hat, hatte das Bundesverfassungsgericht sein wegweisendes Urteil zum Klimaschutz noch gar nicht gefällt, trotzdem zeigt sich der Autor optimistisch. Die Chancen sind sogar nun eher gewachsen. Am Ende könnte alles nicht nur gut, sondern sogar besser werden. Eine Vision gibt es im letzten Kapitel – Stoff für Träume, aber sicher auch für heftige Diskussionen. Lesen Sie selbst.

Frank Schätzing: Was, wenn wir einfach die Welt retten? Handeln in der Klimakrise. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 16 Euro. ISBN 978-3-462-00201-0

Blütenkelche mit Aroma und Heilkraft: Schafgarbe


Die Schafgarbe war 2004 „Heilpflanze des Jahres“. Ihr wissenschaftlicher Name Achillea millefolium weist auf den griech. Sagenheld Achilles hin, der mit dem Kraut der Achillea seine und die Wunden seiner Soldaten versorgt haben soll.

Die Schafgarbe zählt zu den bekanntesten Wildkräutern und Heilpflanzen. Schon seit Jahrhunderten wird sie in der Medizin verwendet und trägt Namen wie Blutstillkraut, Frauendank und Grundheil. Die weißen, manchmal rosafarbenen Blüten sind jetzt auf Wiesen und an Waldrändern zu entdecken und immer häufiger auch in Gärten: Der Bund deutscher Staudengärtner hat die Schafgarbe daher zur „Staude des Jahres 2021“ gekürt. Die weißen Blütenschirme locken viele Insekten an, denn nicht nur die Wildform, sondern auch die meisten Züchtungen in Weiß, Gelb, Rot oder Orange bieten reichlich Nektar und Pollen. Weil die Schafgarbe mit längeren Trockenphasen zurechtkommt, ist sie außerdem in Zeiten des Klimawandels eine gute Wahl.

Die Wiesen-Schafgarbe verbreitet schon bei leisester Berührung der Blätter einen aromatischen, süßlich-würzigen Duft. Der stammt von verschiedenen ätherischen Ölen in Stängeln, Blättern und Blüten, die seit Jahrhunderten für Gewürze und Arzneien verwendet werden. Sie regen die Galle an, wirken antibakteriell und krampflösend. Daher ist die Schafgarbe Bestandteil von Tee-Mischungen wie dem „Für Dich Frauen-Tee“ von Herbaria oder der belebenden Kräuterteemischung „Morgengruß“ von Lebensbaum. Der blumige „Eine Mütze voll Schlaf Tee“ von Sonnentor beruhigt mit Schafgarbe, Zitronenmelisse und Lavendel. Von Primavera und Taoasis gibt es Bio-Schafgarbe auch als ätherisches Öl in Bio-Qualität. Während des Destillationsvorgangs entsteht Azulen, wodurch das Öl intensiv dunkelblau schimmert. Gemischt mit Pflanzenöl pflegt es nicht nur, sondern wirkt entzündungshemmend und wundheilend.

Schafgarbe als essbares Wildkraut ist wenig bekannt, aber die zarten Blatttriebe sind durchaus geeignet für Kräuterquark, Rührei oder Salate. Der Geschmack ist leicht bitter, aromatisch und erinnert entfernt an Kamille. Bei Herbaria ist die Schafgarbe Teil der Würzmischung „Provençalische Wildblüten“ für Desserts. Die Basen Kräuter-Gewürz-Mischung mit Schafgarbe von Sonnentor eignet sich für Suppen, Salate, Fleisch-, Fisch- und Gemüsegerichte.