Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 01/2021

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Gesund essen mit kleinem Klima-Fußabdruck


Sind gesund, geben Power und haben eine positive Umweltbilanz: Hülsenfrüchte und Nüsse

Gesund und mit Genuss essen, dabei das Klima schützen: Ein fabelhafter Vorsatz fürs neue Jahr! Da passt es gut, dass gesunde Nahrungsmittel wie Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst und Nüsse einen deutlich kleineren Klima-Fußabdruck haben als tierische Produkte. Ziel Nummer 1 heißt also: Mehr Linsen, Erbsen, Lupinen und Bohnen! Denn sie bringen viel Protein auf den Teller, dazu B-Vitamine und Folsäure, und zudem wirkt der Anbau wie eine Düngung fürs Feld. Denn Hülsenfrüchte beherrschen den Trick, Stickstoff aus der Luft zu binden. Auch Tempeh, Tofu, Falafel und viele Bio-Fleischalternativen und Aufstriche bestehen aus Hülsenfrüchten.

Ziel Nummer 2: Gemüse, Gemüse, Gemüse! In allen Farben des Regenbogens, gern mal roh im Salat, und am besten immer aus der Region und saisonal. Das bringt alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine, Ballaststoffe – aber kaum Belastung fürs Klima. Natürlich darf und sollte es auch etwas mehr sein: Nüsse, Sprossen, Obst, Pflanzenöle mit ungesättigten Fettsäuren und Vollkornprodukte machen den klimafreundlichen Speiseplan rund, der gleichzeitig mit einer guten Mischung an Mineralstoffen, Antioxidantien und Vitaminen die beste Vorsorge ist gegen ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes und Herzinfarkt.

Wichtig für die nachhaltige Bilanz ist auch Ziel Nummer 3: Wertschätzen statt Wegschmeißen. Mehr als zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll pro Jahr, das ist einfach viel zu viel. Schließlich braucht es für die Herstellung viel Energie und viele Ressourcen, darunter Ackerboden, Wasser, Dünger und die Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport.

Und ganz klar, Ziel Nummer 4: Am besten Bio. Denn Bio-Lebensmittel schlagen konventionelle in Sachen Nachhaltigkeit um Längen, zum Beispiel bei der Artenvielfalt, beim Tierschutz, beim Humusaufbau, durch den Verzicht auf Gentechnik, Zusatzstoffe, synthetische Dünger und Pestizide. Naturkosmetik ersetzt Produkte mit hormonähnlichen Stoffen und Erdöl – und auch beim Frühjahrsputz braucht es keinen Chemiecocktail im Putzeimer. Im Bio-Fachhandel gibt es umweltfreundliche Alternativen.

Fastenpause für Körper und Seele


Ein Boost fürs Immunsystem: Fasten mit Gemüsesäften

Fastenzeiten gibt es in zahlreichen Kulturen und Religionen der Welt. Für viele Menschen bringt der Verzicht auf feste Nahrung den Blick aufs Wesentliche zurück, andere erleben einen „Frühjahrsputz“ für Körper, Geist und Seele. Große klinische Studien gibt es bisher nicht, aber kleine Untersuchungen liefern Hinweise für positive Effekte auf den Stoffwechsel und damit insgesamt auf die Gesundheit. Insbesondere Patienten mit Rheuma, chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat, mit erhöhtem Blutdruck oder erhöhtem Blutzucker könnten profitieren. Weil beim Fasten außerdem die ständig laufende Zellreinigung in Schwung kommt, aktiviert Fasten sozusagen die körpereigene Müllabfuhr.

Für die allererste Fasten-Erfahrung ist besonders das Saftfasten zu empfehlen, bei dem man neben Wasser, Früchte- und Kräutertee auch Gemüse- und Obstsäfte trinkt. Dadurch erhält der Körper Vitamine, Mineralstoffe und in einem geringen Maße auch Kalorien. Die Stoffwechselumstellung ist daher milder. Die gesunden Inhaltsstoffe sind zudem ein Boost fürs Immunsystem. Voelkel bietet zum Beispiel einen „Fastenkasten“ mit sechs Bio-Gemüsesäften an. Lecker auch für alle, die nicht fasten, sich aber etwas Gutes tun möchten! Auf der Website finden sich zudem viele Tipps rund ums Fasten. Eine weitere bekannte Methode ist das Heilfasten. Erlaubt sind neben Wasser und Kräutertee auch Säfte, Gemüsebrühe sowie eine geringe Menge Eiweiß, vor allem, wenn man viel Sport treibt.

Trinken soll man während jeder Fastenform reichlich, mindestens 2,5 Liter am Tag. Besonders gut geeignet sind Kräutertees, die Nieren, Galle und Leber anregen. Es gibt dafür spezielle Bio-Teemischungen wie den Fasten-Tee von Herbaria oder den „Hildegard-Fastenzeit-Tee“ von Sonnentor. Mit Mate und einer zitronigen Note helfen die „Fastenkräuter“ von Lebensbaum, morgens in Schwung zu kommen oder ein Zwischentief zu überwinden. Wer noch mehr tun möchte fürs Immunsystem: Viel Bewegung, am besten an der frischen Luft, genügend Schlaf - und nach der Fastenkur eine vitaminreiche Ernährung mit reichlich ökologischem Obst, Gemüse und Kräutern! Denn die Fastenzeit kann ein guter Einstieg sein in eine dauerhafte Umstellung der Ernährung.

Verantwortungsvoll wirtschaften - für alle ein Gewinn


Unternehmen aus der Biobranche haben die Stiftung Verantwortungseigentum gegründet und streben eine neue Rechtsform für Bio-Unternehmen an

Mehr Bio-Produkte aus der eigenen Region – das wünschen sich viele. Trotzdem müssen zahlreiche Bauernhöfe aufgeben, und kleine Betriebe im Lebensmittelhandwerk wie zum Beispiel Bio-Käsereien haben es oft schwer. Doch es gibt Lösungen, die Bio in der Region stärken. So gibt es bundesweit immer mehr Regionalwert AGs, die „Bürgeraktien“ ausgeben und so Projekte auf Bio-Höfen, in der regionalen ökologischen Lebensmittelverarbeitung, dem Bio-Catering und dem Bio-Fachhandel finanzieren können. Die Idee mit diesen besonderen Aktien entstand, weil kleine und ökologische Unternehmen wie Bio-Käsereien, Obsthöfe oder Betriebe für Bio-Saatgutvermehrung für Investoren nicht attraktiv sind, weil keine Rendite in Form von Geld winkt. Es gibt aber durchaus eine Rendite: den ökologischen Mehrwert. Das gemeinschaftliche Engagement bringt die Agrarwende vor Ort voran – ein Plus für Artenvielfalt und Bodenfruchtbarkeit. Wertschöpfung und Arbeitsplätze bleiben in der Region, die Transportwege sind kurz.

 

Nicht nur Gewinne erzielen, sondern gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und die eigenen Grundsätze dauerhaft verankern, das wollen andere Bio-Unternehmen mit Hilfe einer neuen Rechtsform erreichen. Alte Rechtskleider wie die GmbH oder die AG passen da nicht. Die neue Idee der Stiftung Verantwortungseigentum heißt „GmbH in Verantwortungseigentum“ oder "VE-GmbH". Treuhänderische Eigentümer*innen bestimmen den inhaltlichen Kurs auf Zeit, aber sie können kein Geld aus dem Unternehmen ziehen. Stattdessen investieren sie Gewinne wieder ins Unternehmen, zum Beispiel für mehr Umwelt- und Klimaschutz. Zu den Gründungsmitgliedern der Stiftung Verantwortungseigentum zählen viele Unternehmen der Biobranche wie Sonett, Arche Naturprodukte, Alnatura, der bio verlag, aber auch die grüne Suchmaschine Ecosia. Aber nicht immer muss es eine neue Rechtsform sein: Viele Bio-Unternehmen, darunter zum Beispiel Ökofrost, Bodan, Sonnentor, Voelkel, Taifun, aber auch einige Bio-Fachgeschäfte, stellen über eine Gemeinwohlbilanz sicher, dass Nachhaltigkeit bei allen Entscheidungen eine entscheidende Rolle spielt.

Scharfe Wurzel: Meerrettich ist "Heilpflanze des Jahres 2021"


Aromatisch und gesund: der Meerrettich, im süddeutschen auch Kren genannt

Meerrettich ist eines der schärfsten Gewürze überhaupt und verfeinert Gemüsegerichte, Dips und Saucen. Besonders beliebt ist er zu Räucherfisch, Roastbeef und Tafelspitz. Aber Meerrettich - oder süddeutsch Kren - ist seit dem 12. Jahrhundert auch als Heilpflanze bekannt. Um auf das große und längst nicht ausgeschöpfte Potenzial aufmerksam zu machen, hat eine Experten-Jury den Meerrettich zur „Heilpflanze des Jahres“ gekürt. Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus verweist auf wissenschaftliche Studien, nach denen die reichlich enthaltenen Senföle entzündungshemmende, antivirale Effekte und starke antibakterielle Eigenschaften haben. Meerrettich wird sogar als „Penicillin des Gartens“ bezeichnet. Belegt sind auch positive Effekte auf Magen und Darm, bei Erkältungskrankheiten oder Infektionen der Harnwege. Da die Wurzel viel Vitamin C enthält, nahmen Seeleute früher nicht nur Fässer mit Sauerkraut, sondern auch Meerrettich mit auf große Fahrt.

Die Pfahlwurzel wird vom Herbst bis ins Frühjahr hinein geerntet und liegt immer häufiger frisch in der Bio-Gemüsetheke. Aber aufgepasst beim Reiben: Das ist wirklich eine scharfe und manchmal zu Tränen rührende Sache! Am besten lässt man eine Küchenmaschine die Arbeit machen oder friert die Wurzel vorher kurz ein. Ein selbstgemachter Meerrettich-Quark schmeckt gut zu Kartoffelpuffern oder zu Ofenkartoffeln. Ein Klacks Sahnemeerrettich auf Gemüse oder Suppen wirkt Wunder. Lecker auch auf Röstbrot, zu Reisbratlingen und zu Roter Bete in jeder Form. Ein Sonntagsgericht ist Penne mit Lachs, Babyspinat, Dill und Meerrettichfrischkäse. Alternativ für Vegetarier: eine Birnen-Meerrettich-Tarte mit Bohnensalat. Eine Meerrettichsuppe mit Maronen wärmt mit feiner Schärfe – in die Suppe kommen zusätzlich Zwiebeln, Thymian und Muskat. Die Maronen werden als Topping mit Butter und Rohzucker karamellisiert.

Geriebenen Bio-Meerrettich und Sahnemeerrettich im Glas erhalten Sie das ganze Jahr über, zum Beispiel von Zwergenwiese oder als „Meerrettichpaste Wasabi-Art“ von Arche Naturprodukte. Auch fürs Brot gibt es eine bunte Bio-Vielfalt, darunter den Meerrettich-Streich von Zwergenwiese und das Hof-Gemüse „Rote Bete Meerrettich“ von Allos, sowie im Kühlregal Frischcremes mit der scharfen Wurzel.

Fleischatlas 2021: Junge Menschen ernähren sich oft vegetarisch


Fleischatlas Infografik: 2020 lag weltweit der Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung bei 160.000 Tonnen Abb.:Bartz/Stockmar /Lizenz: CC-BY 4.0

Immer mehr junge Menschen verzichten auf Fleisch und andere tierische Produkte, um das Klima zu schützen und um etwas für den Tierschutz zu tun. Das zeigt eine repräsentative Umfrage für die neue Ausgabe des Fleischatlas, der von der Heinrich-Böll-Stiftung, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Magazin Le Monde Diplomatique herausgegeben wird. In der Generation der 15- bis 29-Jährigen ernähren sich rund 13 Prozent ausschließlich vegetarisch oder vegan. Das sind gut doppelt so viele Menschen wie in der Gesamtbevölkerung. Männer essen nach wie vor etwa doppelt so viel Fleisch und Wurst pro Tag wie Frauen. Im Schnitt kommen in Deutschland über alle Gruppen hinweg etwa 60 Kilogramm im Jahr auf den Tisch.

Zum Wohle von Umwelt, Klima und Tierwohl sollte es nur etwa ein Viertel sein. Denn die Tierhaltung ist laut Fleischatlas verantwortlich für 14,5 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Die industrielle Fleischproduktion vertreibt Menschen von ihrem Land, befeuert Waldrodungen, Pestizideinsätze, Verluste bei der Artenvielfalt und ist einer der wesentlichen Treiber der Klimakrise. Der massive Einsatz von Antibiotika in den Ställen führt dazu, dass selbst hochwirksame Reserve-Antibiotika beim Menschen ihre Wirkung verlieren. Um die Tierhaltung nachhaltiger zu gestalten, fordert der Fleischatlas, die Tierhaltung an die Fläche zu binden. Das ist bisher nur bei Bio-Betrieben vorgeschrieben – wer sich für weniger Fleisch und dafür Bio-Fleisch entscheidet, tut also etwas für den Klimaschutz.

Weitere Daten und Fakten liefert der Fleischatlas auf über 50 Seiten und mit über 80 Grafiken, zum Beispiel zum Klima-Fußabdruck der Fleischindustrie oder zum Einsatz von in Europa verbotenen Pestiziden beim Futtermittelanbau in Südamerika. Die Autor*innen fordern einen grundlegenden Umbau der Fleischproduktion und gezielte politische Strategien, damit der Fleischkonsum um mindestens die Hälfte sinkt. Das entspräche auch der Menge, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

Tipp: Schulen können den Fleischatlas klassensatzweise bei der Heinrich-Böll-Stiftung bestellen.