Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 12/2020

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Guter Vorsatz 2021: Gesund essen in den Grenzen des Planeten


Gesund Essen in den Grenzen unseres Planeten
(c)Fotolia_Daniel Schoenen

Im nächsten Jahr soll vieles besser werden, und mit diesem guten Vorsatz für 2021 können wir alle dazu beitragen: Essen in den Grenzen unseres Planeten! Eine Richtschnur fürs Einkaufen und Essen ist dabei die „Planetary Health Diet“, erarbeitet von der EAT-Lancet-Kommission. Dieser Speiseplan schützt die Gesundheit aller Menschen und die der Erde gleichermaßen. Denn er akzeptiert die planetaren Belastungsgrenzen, zum Beispiel bei Wasser, Land, biologischer Vielfalt und Klima.

Laut „Planeten-Gesundheits-Speiseplan“ sollten 35 Prozent unserer Kalorien aus Vollkornprodukten und Knollen stammen, dazu gibt es reichlich Eiweiß aus Hülsenfrüchten und Nüssen. 500 Gramm Obst und Gemüse und 250 Gramm Milchprodukte am Tag sind möglich, aber nur 14 Gramm rotes Fleisch, 29 Gramm Geflügel und 28 Gramm Fisch. Umgerechnet heißt das: Nur einmal Fleisch und Fisch in der Woche, und nur ein Ei pro Woche. Dafür liefern Nüsse, Öle mit ungesättigten Fettsäuren, Hülsenfrüchte und grünes Blattgemüse wichtige Nährstoffe. Das gilt besonders für fermentierte oder gekeimte Hülsenfrüchte – zum Beispiel Tempeh oder Bohnensprossen. Mit diesem Speiseplan gäbe es laut EAT-Lancet-Kommission keine Mangelernährung mehr, und wir würden zudem rund elf Millionen vorzeitige Todesfälle etwa durch Herzkrankheiten oder Diabetes pro Jahr verhindern.

Der Erde und damit den Lebensgrundlagen für Mensch und Tier hilft die Planetary Health Diet unter anderem durch weniger Wasserverbrauch und weniger Treibhausgase. Insbesondere die industrielle Fleischproduktion mit dem Anbau von Viehfutter in Übersee ist extrem schlecht fürs Klima. Für gelegentlichen Fleischgenuss bedeutet Bio-Qualität nicht nur mehr Tierschutz, sondern auch der Klimafußabdruck ist kleiner, weil das Futter nicht mit Hilfe von synthetischen Düngern und Pestiziden angebaut wird und es, wann immer möglich, vom eigenen Hof oder aus der Region stammt.

Was können wir noch tun? Das Vermeiden von Lebensmittelabfällen und Resteverwertung sind besonders wichtig, denn mit viel Aufwand angebaute und verarbeitete Lebensmittel gehören nicht in den Müll. Gegen Heißhunger und damit den schnellen Griff zu süßen Riegeln und Fast Food wirkt ein Dreitage- oder Wochenplan mit gesunden Snacks wie Obst mit Nüssen und schnellen Rezepten wie Linsen-Gemüse-Suppe, gebratenem Tofu-Filet zu Karottensalat oder Ofengemüse mit Hummus.

Mit italienischen Grüßen: Risotto zum Fest!


Risotto zum Fest: Verschenken oder doch lieber selbst zubereiten?

Wenn es draußen schneit, regnet oder stürmt ist Risotto „Comfort Food“ – es wärmt Körper und Seele. Ob mit Kürbis und Radicchio oder mit Spitzkohl und Artischocken – jedes Gemüse passt zu Risotto. Ein italienischer Klassiker ist Risotto con Funghi – und der macht auch zu Weihnachten was her, egal, ob in diesem Jahr in kleiner oder ganz kleiner Runde. Getrocknete Steinpilze und Lorbeerblätter sorgen für Aroma, Pilzsorten wie Shiitake und Kräutersaitlinge für das besondere Etwas. Ebenfalls sehr festlich: ein Maronen-Risotto mit Granatapfel und Petersilie. Denn Rot, Weiß und Grün sind klassische Weihnachtsfarben, und die herzhaften Maronen und saftig-süß-sauren Granatapfelkerne harmonieren bestens mit cremigem Risotto.

Ein gutes Risotto ist schön cremig, die Reiskörner trotzdem nur "al dente". Damit das klappt, braucht man zuallererst den richtigen Rundkornreis – Arborio, Carnaroli oder Vialone heißen die bekanntesten Sorten. Im Bio-Fachhandel gibt es zum Beispiel Spielberger-Risottoreis der Sorte „Arborio“ von einem Demeter-Gut im Piemont, aber auch Carnaroli-Reis von La Selva und die weniger bekannte Sorte „Ribe“ aus Norditalien. Die anhaftende Stärke ist wichtig fürs Gelingen, daher den Reis nicht abspülen! Nachdem man eine fein gewürfelte Schalotte mit Olivenöl glasig gedünstet hat, röstet der Reis für eine Minute mit und wird dann mit trockenem Weißwein abgelöscht. Wenn der verdampft ist, nach und nach heiße Gemüsebrühe angießen und gelegentlich rühren. „Ans Herz rühren“, nennt es eine italienische Kochbuchautorin.

Typische Gewürze sind Safran und Pfeffer und je nach Gemüse auch Salbei, Thymian oder Muskat. Frisches Grün gibt den letzten Kick – und wichtige Vitamine. Gehackte Petersilie, Rucola oder Brunnenkresse daher erst zum Schluss unterrühren oder über das Risotto streuen! Etwas Butter und frisch geriebener Parmesan für den typisch warmen und vollen Geschmack. Guten Appetit und ein frohes Fest!

Artenvielfalt verschenken


Gut für die Natur und schön für die Beschenkten: Eine BeeGood-Bienenpatenschaft

Weihnachten wird anders, aber wir können es gerade deswegen zu einem besonderen Fest machen. In kleinem Kreis feiern, aber an all die anderen trotzdem denken. Schöne Weihnachtskarten schreiben, telefonieren, Winterspaziergänge mit Freundinnen oder Nachbarn – es gibt viele Möglichkeiten, anderen und sich selbst eine Freude zu machen. Eine selbstgemachte Bio-Kochbox mit einem Lieblingsrezept bringt neue Ideen in die Küche der Beschenkten und sorgt wie jeder Bio-Einkauf für Vielfalt auf dem Acker. Etwas haltbar sollten die Zutaten schon sein – denkbar wäre zum Beispiel ein indisches oder thailändisches Curry mit Gemüse wie Karotten oder Kürbis und allen Gewürzen.

 

Schön für die Beschenkten und gut für die Natur sind Patenschaften: Eine BeeGood-Bienenpatenschaft mit einem Glas Bio-Honig hilft den fleißigen Bestäubern und versüßt das Frühstück. Über den NABU kann man Patenschaften für bedrohte Landschaften verschenken, zum Beispiel für die Urwälder von morgen oder für Moore, die als einzigartige Ökosysteme das Klima schützen und Artenvielfalt bewahren. Für Fans bestimmter Tierarten gibt es beim WWF Patenschaften unter anderem für Eisbär, Tiger, Elefant, Gorilla, Luchs, Wale und Delfine. Einen Baum auf eigens dafür erworbenen Grundstücken können Sie über den Green Forest Fund verschenken. Er wird dann nicht gefällt und kann lebenslang wachsen. Anhand der Nummer können die neuen Baumbesitzer ihren Baum sogar ausfindig machen und besuchen.

Wenn kurz vor Weihnachten dann doch noch etwas fehlt: Bio-Fachgeschäfte sind eine Fundgrube für Last-Minute-Geschenke, die gut schmecken, duften, knuspern oder für Wärme und Wohligkeit sorgen. Wie wäre es mit einer winterlichen Teemischung, einem gerösteten Haselnussöl, Holunder-Glühpunsch oder einem Naturkosmetik-Geschenkset? Oder vielleicht Bio-Saatgut für den insektenfreundlichen Garten oder Balkon im nächsten Jahr? Auf jeden Fall: Schöne und gesunde Weihnachtstage!

Her mit den krummen Dingern!


Mehr Gemüse mit Charakter braucht das Land!

Äpfel ohne Silberrostflecken, Kohlrabi nur mit frischem Grün, Mindestmaße für den Blumenkohl  – das Umweltbundesamt (UBA) kritisiert in einem Gutachten, dass viele Handelsunternehmen genaue Vorschriften für makelloses Obst und Gemüse machen, oft strenger als die EU-Vermarktungsnormen. Die Folge: Lebensmittel mit bester Ernährungsqualität und ohne hygienische Mängel landen im Müll, im Bioenergie-Silo oder bleiben auf dem Feld liegen, nur weil sie nicht wie ein Gemüse-Topmodel aussehen. Das sind keine „unvermeidbaren Verluste“, das ist pure Verschwendung. Falsche Schönheitsideale führen zu klima- und umweltschädigenden Maßnahmen.

Das UBA weist auch darauf hin, dass Vorgaben im konventionellen Lebensmittelhandel sogar den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln verstärken. Radieschen, Kohlrabi und andere Gemüse mit Blättern werden nämlich oft kurz vor der Ernte noch einmal gedüngt, damit ihre Blätter satt grün bleiben. Die Pflanzen nehmen den Stickstoff aber nicht mehr ganz auf, so dass Rückstände im Grundwasser landen. Im Porree-Anbau kommt laut UBA ein für Bienen giftiges Pestizid zum Einsatz, um gesundheitlich unbedenkliche scheckige Verfärbungen zu vermeiden, die durch winzige Insekten verursacht werden. Und bei konventionellen Äpfeln können umstrittene Pestizide gegen Schorf noch auf der Schale haften, wenn kurz vor der Ernte noch einmal gespritzt wurde. Dabei ist Apfelschorf gesundheitlich unbedenklich.

„Es ist unklar, ob der Handel die Qualitätsstandards festlegt, weil die Verbraucher und Verbraucherinnen standardisierte Ware fordern, oder ob die Verbrauchenden nur makellose Ware gewöhnt sind / kaufen, weil der Handel kaum Alternativen bereithält“, schreibt das UBA. Also ran an die krummen oder kleinen Dinger mit inneren Werten, auch dann, wenn die Blätter mal schon etwas welk sind! Denn zum Glück gibt es im Bio-Fachhandel viel mehr „Gemüse mit Charakter“ – aber es muss natürlich auch seine Fans finden.

„Wir haben es satt” 2021 – anders, aber stark!

Eine riesige Demo mit Zehntausenden Menschen – das ist in Corona-Zeiten nicht denkbar. Dennoch braucht es weiter Protest gegen Agrarindustrie und für eine enkeltaugliche Agrar- und Ernährungspolitik! „Wir haben es satt!“ wird daher am 16. Januar 2021 anders als sonst stattfinden – mit wenigen Demonstrierenden aus Berlin und Brandenburg, mit Abstand und Maske vor dem Kanzleramt und mit einem Bühnenprogramm, das online verfolgt werden kann.

Und für alle in Nah und Fern gibt es etwas Besonders: „Agrarwende lostreten“ - jeder Schritt wird Teil des Protests! Ab sofort könnt Ihr und können Sie Ihre Fuß- oder Schuhabdrücke kreativ und gern mit einer Forderung versehen bis zum 13. Januar per Post an das Organisationsteamsenden oder auf der Webseite hochladen. Teilt euer Bild auch auf den Sozialen Medien mit dem Hashtag #AgrarwendeLostreten. Es kann ein echter Abdruck sein oder ein gemalter Umriss oder ein Foto. So sind im Januar alle Protestierenden auch in Abwesenheit dabei. Vor dem Kanzleramt ergeben die eingesandten Fußabdrücke und die der Anwesenden auf einer überdimensionalen Stoffbahn ein starkes Protestbild für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, regionales Lebensmittelhandwerk, für Klimagerechtigkeit und globale Solidarität. Eine Abstimmung mit den Füßen gegen Höfesterben, Tierfabriken, Pestizide und Gentechnik!

Julia Klöckner tändelt ebenso wie ihre Vorgänger in den letzten 15 Jahren mit der Agrarindustrie und schiebt den Umbau der Landwirtschaft immer weiter auf. Das treibt zehntausende Höfe in den Ruin und lässt die landwirtschaftlichen Betriebe auf den Kosten für den Umbau der Tierhaltung sitzen. Das „Weiter so“ bei den pauschalen EU-Flächensubventionen heizt das Höfesterben, die Klimakrise und das Insektensterben an. Zum Auftakt des Superwahljahrs 2021 fordern wir einen echten Politikwechsel: Vom Acker bis zum Teller – Agrar- und Ernährungswende jetzt!

Zum Trägerkreis und zu den Förderern von „Wir haben es satt“ gehören zahlreiche Bio- und Umweltverbände, aber auch Bio-Unternehmen. Weitere Informationen auch auf Twitter, Facebook und Instagram: #WHES21, #essenistpolitisch, #aktionfussabdruck.