Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 09/2020

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Weltweiter Klimastreik am 25. September!

Unter dem Motto #KeinGradWeiter findet am 25. September wieder ein globaler Klimastreik auf den Straßen statt - für starke EU-Klimaziele, einen Kohleausstieg bis 2030 und die sozial-ökologische Wende. Organisiert werden die Aktionen von Fridays for Future und 13 Organisationen wie attac, Campact, Greenpeace, NABU und WWF sowie deren Jugendorganisationen und ein breites Bündnis unterstützt den weltweiten Klimastreik, darunter zahlreiche Bio-Verbände und Organisationen aus Kirche, Sport, Jugendarbeit und Entwicklungsarbeit.

„Nicht nur die Corona-Krise stellt uns vor nie dagewesene Herausforderungen, sondern erst recht die Klimakrise“, heißt es im Aufruf, in dem die Bundesregierung zu einer entschlossenen Klimapolitik aufgefordert wird. Schon im Oktober wollen die EU-Staaten beim EU-Gipfel über ehrgeizigere Klimaziele entscheiden. Das Bündnis fordert eine Verminderung der Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent. Nur so könne die EU ihren Teil dazu beitragen, dass die Erderhitzung nicht die kritische 1,5-Grad-Schwelle überschreitet. Außerdem fordert das Bündnis für Deutschland Investitionen in Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit statt Corona-Staatshilfen für klimaschädliche Industrien.

Die Demonstrationen und Kundgebungen sind Corona-konform mit Alltagsmaske und Abstand geplant, zum Teil als kombinierte Fahrrad- und Laufdemo. Schon zu Redaktionsschluss waren Hunderte Aktionen gemeldet – viele werden noch dazukommen. Auf der Onlinekarte lässt sich die nächstgelegene Veranstaltung leicht finden. Wer im Vorfeld helfen möchte, Plakate aufzuhängen, Flyer auszulegen, und auf Social-Media zu werben, findet hier die passenden Materialien.

Artischocken – Blütenknospen zum Anbeißen


Nicht nur eine Delikatesse, sondern auch gesund. Artischocken enthalten wertvolle Bitterstoffe, die u.a. den Fettstoffwechsel anregen.

Artischocken sehen nicht nur bildschön aus, sie haben auch innere Werte. Aber wie kommt man da heran – und was ist überhaupt essbar? Es lohnt sich, das Geheimnis um die aus dem Mittelmeerraum stammende, edle Distel zu lüften, denn frisch zubereitet sind die Blütenstände eine Delikatesse. Das feine Fleisch zergeht auf der Zunge und schmeckt aromatisch und leicht herb. Die Freilandsaison geht noch bis Oktober – halten Sie also Ausschau in Ihrem Bio-Fachgeschäft!

Im Internet gibt es Dutzende Tipps und Videos für Einsteiger. Klar ist: Der Stiel muss ab, ob durch Brechen oder Schneiden, da scheiden sich die Geister. Dann entfernt man die harten unteren Blätter, stutzt die anderen Blattspitzen und entfernt das obere Drittel der Artischocke ganz. Alle Schnittstellen mit Zitronensaft beträufeln oder die Artischocken schnell in eine Schüssel mit Zitronenwasser legen! Sie werden sonst schnell braun. Kleine junge Artischocken können auch direkt roh mit etwas Olivenöl oder in Salaten gegessen werden. Ansonsten werden sie je nach Größe 30 bis 45 Minuten in Salzwasser mit Zitronensaft gegart oder gedämpft.

Am Tisch zupft die Genießerrunde die Hüllblätter ab, tunkt den unteren fleischigen Teil in eine Sauce und streift das Ganze mit den Zähnen ab. So arbeitet man sich langsam zum zarten Blütenboden vor, auch Herz genannt. Vorher müssen aber die innenliegenden violetten Blütenblätter sowie das faserige „Heu“ entfernt werden. Klassische Dips sind eine Kräutervinaigrette und Sauce Béarnaise, aber am Ende passt, was gefällt – zum Beispiel ein Zitronen-Majoran-Dip mit Schmand oder eine Tomaten-Salsa.

Für eine italienische Antipasti-Platte, als Pizzabelag, für bunte Salate oder Rezepte wie Artischocken-Kartoffelpfanne mit Tomaten und Schalotten gibt es im Bio-Kühlregal blanchierte, eingelegte Bio-Artischocken, unter anderem von La Selva aus der Toskana in extra nativem Olivenöl oder eingelegt mit frischen Kräutern von bio-verde.

Vielfalt schmeckt – altes Gemüse neu entdecken


Geschmackliche Vielfalt von seltenen,traditionellen Sorten wieder in die Küche zu bringen ist eines der Ziele von "Vielfalt schmeckt"_ Foto: (c) BODAN

Gemüse aus dem Supermarkt hat oft wenig Geschmack und schmeckt fast immer gleich. Bunte Vielfalt bei Formen, Farben und Aromen gibt es dagegen bei alten Sorten wie der Ochsenherz-Tomate, der Roten Bete Chioggia oder dem Eiszapfen-Radieschen. Allerdings sind mittlerweile geschätzt drei Viertel aller Kulturpflanzensorten, die es vor 100 Jahren noch gab, verschollen. Damit die bedrohten Gemüse nicht ganz aus Gärten, von den Feldern und aus unseren Küchen verschwinden, gibt es die Initiative "Vielfalt schmeckt". Rettung durch Bio-Anbau und Vermarktung über Bioläden, so lautet das Konzept. Dafür engagieren sich Bio-Gärtnereien, die gemeinnützige Organisation ProSpecieRara sowie zwei Bio-Großhändler. Podcasts, Rezepte und Koch-Events machen die geschmackliche Vielfalt von seltenen, traditionellen Sorten bekannt und informieren über den Anbau.

 

Es geht aber nicht nur um Genuss: Seit Jahrzehnten nimmt die Vielfalt in der Landwirtschaft ab, weil immer weniger Sorten angebaut werden. Oft sind es moderne Hybride, gezüchtet auf Gleichförmigkeit, Optik und hohen Ertrag. Für unsere Ernährungssicherheit ist aber eine große genetische Vielfalt unersetzlich. Denn neben ihrem außergewöhnlichen Geschmack und ihren vielfältigen Formen und Farben haben viele bedrohte Sorten besondere Eigenschaften wie Resistenzen oder gute Angepasstheit an bestimmte Standorte. Es reicht übrigens nicht, die Vielfalt nur in Genbanken zu erhalten. Der stetige Anbau ist wichtig, damit die Pflanzen sich kontinuierlich an veränderte Umweltbedingungen anpassen können.

Auch wenn das Projekt „Vielfalt schmeckt“ bisher nur im Süden Deutschlands läuft, finden Sie im Bio-Fachhandel oft besondere Sorten aus regionalem Anbau, zum Beispiel bunte Tomaten, Gelbe Bete, Mairübchen oder Kartoffeln wie Gunda, Linda und Annabelle. Also: Sorten retten durch Kaufen und Genießen! Denn nur was nachgefragt wird, wird angebaut und bleibt erhalten. Das lohnt sich nicht nur, um unsere zukünftige Ernährung zu sichern, sondern auch weil „Vielfalt schmeckt“!

Aktionswoche #deutschlandrettetlebensmittel


Die Aktionswoche ist eine Initiative von „Zu gut für die Tonne!“ des Bundeslandwirtschafts- ministeriums und der Länderministerien

Unter dem Motto #deutschlandrettetlebensmittel findet vom 22. bis 29. September 2020 die erste bundesweite Aktionswoche für mehr Lebensmittelwertschätzung statt. Initiativen und Projekte zeigen auf der Aktionswochen-Website www.deutschland-rettet-lebensmittel.de Möglichkeiten, wie sich Lebensmittelabfälle vermeiden und mehr Wertschätzung für Lebensmittel schaffen lässt: So gibt es in einigen Städten „Fair-Teiler“, öffentliche Kühlschränke für überschüssige Lebensmittel, und Web-Seminare zeigen, wie Lehrkräfte das Thema Lebensmittelverschwendung spielerisch in den Grundschulunterricht einbinden können.

Gemeinsam mit den Ländern hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft außerdem die Internetplattform lebensmittelwertschaetzen.de eingerichtet, die Engagierte bundesweit vernetzt und Ideen sowie Checklisten, Kalkulationstabellen und Materialien für Initiativen und Privatpersonen bietet. Auch Bio-Hersteller beteiligen sich bei „Lebensmittel wertschätzen“, zum Beispiel das Ökodorf Brodowin. Dort werden zum Beispiel Lebensmittel mit Druckstellen oder anderen Makeln seit 2015 in der betriebseigenen Küche verarbeitet, unter anderem zu Tiefkühlaufläufen oder Salaten für den Direktvertrieb. Das Bio-Unternehmen sich mit vielfältigen Ideen und Konzepten für die Rettung von Lebensmitteln engagieren, bestätigt auch eine Umfrage des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. Neben preisreduziertem Verkauf und der kostenfreien Weitergabe an Kund*innen und Mitarbeiter*innen, werden unverkaufte Lebensmittel häufig in Kantinen und Bistros weiterverarbeitet. Darüber hinaus spendet ein Großteil der Bio-Händler diese Lebensmittel auch an soziale Organisationen und Einrichtungen.

Allein in Deutschland gibt es jedes Jahr rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle – auf dem Feld, im Handel und in den Haushalten. Ein großer Teil davon wäre vermeidbar. Jede und jeder von uns wirft pro Jahr ungefähr 75 Kilogramm Lebensmittel weg. Viel davon ist gar nicht verdorben, sondern erscheint nur nicht mehr gut und appetitlich genug. Milchprodukte werden oft sogar ungeöffnet entsorgt, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch verstanden wird. In den seltensten Fällen ist das Produkt nicht mehr genießbar – das kann ein Schnuppertest nach dem Öffnen leicht beweisen. Richtiges Lagern rettet ebenfalls Lebensmittel. Lebensmittel nicht wegzuwerfen ist auf jeden Fall immer praktizierter Ressourcen- und Klimaschutz. Denn für die Herstellung werden Ressourcen benötigt: Wasser und Dünger, Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport.

Gentechnik auf dem Teller: Unerwünscht


Was sich mehr als 80 Prozent der Deutschen wünschen, Bio-Lebensmittel erfüllen es: Ganz ohne Gentechnik!

Mehr als 80 Prozent der Deutschen sind dafür, gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere in der Landwirtschaft zu verbieten. 88 Prozent meinen sogar, wir seien noch gar nicht in der Lage, die langfristigen Folgen der neuen gentechnischen Verfahren abzusehen. Das ergab die neue Naturbewusstseinsstudie, die das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz im August veröffentlicht haben.

Obwohl eine deutliche Mehrheit Gentechnik auf dem Acker und auf dem Teller ablehnt, kommen aus der Wirtschaft und der Wissenschaft immer wieder Forderungen, neue gentechnische Verfahren wie die Genschere Crispr vom Gentechnikrecht auszunehmen. Die dort verankerten Grundprinzipien Vorsorge, Risikoprüfung, Rückverfolgbarkeit der gentechnischen Veränderung und Kennzeichnung sollen, wenn es nach ihren Interessen geht, nicht für die „Neue Gentechnik“ gelten. Die Autor*innen der Naturbewusstseinsstudie regen dagegen sogar zusätzliche Regelungen an: Das Votum der Befragten sei „ein deutliches Signal an die Bundesregierung“, das seit 2015 europarechtlich mögliche Anbauverbot für Gentech-Pflanzen endlich im deutschen Recht festzuschreiben. Gemeint ist damit die sogenannte Opt-out-Regelung. Sie ermöglicht es den EU-Mitgliedsländern, den Anbau einer gentechnisch veränderten Sorte – zum Beispiel von Mais oder Weizen – für ihr Territorium zu verbieten, selbst wenn die EU-Kommission diese in Europa erlaubt.

Die repräsentative Befragung wird alle zwei Jahre geführt, nun bereits zum sechsten Mal in Folge. Dabei zeigt sich, dass das Naturbewusstsein und die Wertschätzung für die Natur generationenübergreifend wachsen – und auch der Wunsch, selbst aktiv zu werden. Bio genießen kann dabei ein Baustein sein, denn ökologisch wirtschaftende Betriebe zeigen jeden Tag, dass eine Lebensmittelproduktion möglich ist, die die Artenvielfalt fördert, ganz ohne Gentechnik und chemisch-synthetische Pestizide.