Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 08/2020

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Sommerlich, leicht und frisch: Buttermilch

Nicht nur pur herrlich erfrischend: frisch gepflückte Brombeeren dazu und die Buttermilch wird zum Smoothie

Ein heißer, sonniger Tag, viel Durst, aber keine Lust mehr auf Wasser? Buttermilch ist schon pur herrlich erfrischend. Mit Himbeeren und etwas Agavendicksaft oder mit Brombeeren, Rosmarin und Limettensaft wird daraus ein fruchtig-kühler Durstlöscher. Oder mixen Sie doch mal einen Gurken-Buttermilch Smoothie! Ein ideales Rezept im Sommer ist kalte Rote-Bete-Suppe mit Buttermilch, in Polen als Chlodnik bekannt. Unverzichtbar: viel Dill, Schnittlauch, geriebene Salatgurke, halbierte gekochte Eier und – für Hungrige zusätzlich - ein paar Salzkartoffeln.

Bei Waffeln, Pancakes und Kuchen macht Buttermilch den Teig besonders locker und frisch. Heidelbeer-Buttermilch-Pancakes gehen daher bei einem besonderen Sonntagsfrühstück sicher genauso schnell weg wie die berühmten warmen Semmeln. Süßschnäbel kombinieren klassisch mit Ahornsirup, fruchtiger wird es mit Obst der Saison. Und ein Buttermilchkuchen mit Johannisbeeren ist eine frisch-fluffige Sommer-Alternative zu sahnigen Torten.

Buttermilch entsteht bei der Butterherstellung: Das Butterfett trennt sich von der im Rahm enthaltenen Flüssigkeit, der Buttermilch. Der Fettgehalt liegt bei nur einem Prozent. Buttermilch ist somit ein natürliches Light-Produkt – aber mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen wie Eiweiß, B-Vitaminen, Calcium und Kalium. „Reine Buttermilch“ auf dem Etikett bedeutet übrigens, dass weder Wasser noch Magermilch zugesetzt worden sind.

Für Mensch und Umwelt – Lieferkettengesetz!

Kakaoplantagen in Westafrika: Rund zwei Millionen Kinder arbeiten hier unter ausbeuterischen Bedingungen

2013 stürzte das "Rana Plaza" in Bangladesch ein, mehr als 1.100 Menschen starben in der Textilfabrik. Es ist eines der dramatischsten Beispiele für die Tatsache, dass am Anfang jeder Lieferkette ein Mensch steht und dass die Rechte dieser Menschen nicht ausreichend geschützt sind. Das gilt auch für Landarbeiter*innen, die ungeschützt mit gefährlichen Pestiziden umgehen müssen oder für die zwei Millionen Kinder, die unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika arbeiten. Bio-Unternehmen engagieren sich auf vielfältige Weise für gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne, zum Beispiel Ökotopia durch feste Abnahmemengen und faire Preise, Lebensbaum mit Zertifizierungen durch TransFair und „Kiwa - sozial, nachhaltig, fair“, Sonnentor und Biotropic durch Anbauprojekte und direkten Handel oder Kipepeo durch Fairhandels-Standards.

Eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland nimmt ihre Verantwortung dagegen leider nicht wahr. 3.000 von ihnen hatte die Bundesregierung im letzten Jahr angeschrieben, um Auskünfte über die Mindeststandards bei deren Lieferketten zu erhalten. Nur knapp 500 hielten es für nötig, überhaupt zu antworten. Traurige 18 Prozent erfüllten die Standards. Damit war klar: Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Lieferkettengesetz muss kommen. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller wird dabei unterstützt von Arbeitsminister Hubertus Heil, und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel befürwortet nun die Arbeit am Gesetz. Quer schießen bisher Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und zahlreiche Wirtschaftsverbände - mit allerlei Ausreden und Hinweisen auf freiwillige Selbstverpflichtungen – die bisher nie funktioniert haben. Die gute Nachricht: Mehr als 60 Unternehmen wollen ein Lieferkettengesetz, darunter auch Hessnatur, Weleda, Armedangels, Vaude, Gepa, avocadostore und GLS-Bank. Bis August wollen Heil und Müller die Eckpunkte für das Gesetz vom Kabinett beschließen lassen, um es noch in dieser Wahlperiode verabschieden zu können.

Für ein starkes Gesetz und für eine Welt, in der Unternehmen Menschenrechte achten und Umweltzerstörung vermeiden, kämpft die Initiative Lieferkettengesetz. Sie wird von mehr als 100 großen und kleinen Organisationen getragen, darunter viele kirchliche, Umweltverbände, Gewerkschaften, Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland, Slow Food Deutschland und terres des hommes. Wer sich anschließen möchte, kann die Petition für ein Lieferkettengesetz unterzeichnen.

Mit Grüßen aus Italien: Fenchel

Aromatisch und gesund: Frischer Fenchel, Orangen, Oliven ...Ein Sommerschmaus!

Keine Angst vor Fenchel! Das Besondere an Gemüsefenchel sind seine wirklich zahlreichen ätherischen Öle, die für ein leicht süßliches Aroma sorgen, das an Anis erinnert. Wer das liebt, genießt Fenchel am besten fast pur: gebraten in Olivenöl mit etwas Pfeffer und Salz oder gedünstet in Sahne und Butter mit Muskat, bis er butterweich ist – diese Variante ist nicht gerade kalorienarm, aber lecker, besonders mit etwas Zitrone, Petersilie und Parmesan. Geraspelt oder gehobelt passt Fenchel zu einem Salat mit Orangenstücken, roten Zwiebeln und schwarzen Oliven oder zu Champignons, Rauke, getrockneten Tomaten und Parmesan. Gedünstet oder gratiniert ist die Gemüseknolle ein guter Begleiter von Fischgerichten, zum Beispiel zu Bio-Lachs.

 

Fenchel stammt aus dem Süden und ist am Mittelmeer deutlich beliebter als in unseren Breiten. In Italien gehört er zu den Stars in der Küche. „Finocchio“ wird gedünstet, gebraten, geschmort oder gratiniert und kommt sogar ins Risotto. Weniger traditionell, aber sehr aromatisch: Fenchel in einer Gemüselasagne mit Zucchini, Tomaten, Möhren und Zwiebeln - als Gewürz passt dann neben Basilikum auch zerstoßene Fenchelsaat. Auch einen kräftigen Sugo zu Pasta mit Zwiebel, Knoblauch, Paprika, Tomaten, Kapern, Oregano und Thymian bereichert Fenchel. Ein schnelles Einsteiger-Rezept ist Möhren-Fenchel-Sahnesauce zu Pasta– die kann sogar Kinder überzeugen.

Das Blattgrün immer aufheben, wenn es frisch ist und am Ende zu Suppe, Sauce oder Salat geben! Noch bis Oktober wird Fenchel im Freiland geerntet – ran an die gesunde Knolle!

Auf Bio ist Verlass!

Bio-Obst und -Gemüse sind die bessere Wahl, wie das Öko-Monitoring Baden-Württemberg erneut belegt hat.

Bio ist wirklich Bio – das ist das Ergebnis des aktuellen Ökomonitorings Baden-Württemberg. Wie schon in den Vorjahren schnitten frisches Obst und Gemüse aus Bio-Anbau deutlich besser ab als konventionelle Ware. Bei 77 Prozent der Bio-Proben waren gar keine Rückstände nachweisbar. Beim Rest lagen die Gehalte fast immer im Spurenbereich, also unter 0,01 Milligramm pro Kilogramm. Das ist deutlich weniger als nach einer Pestizidanwendungen zu erwarten wäre und somit auf die allgemeine Belastung der Umwelt und auf Abdrift von konventionellen Feldern zurückzuführen.

Der mittlere Pestizidrückstandsgehalt lag bei Bio-Obst und Bio-Gemüse bei nur 0,002 mg/kg – bitte nicht die zwei Nullen hinter dem Komma übersehen! Bei konventionellem Obst und Gemüse gab es dagegen im Mittel 0,43 Milligramm Pestizidrückstände pro Kilogramm. Umgerechnet enthielt konventionelles Obst 225 Mal mehr Rückstände als Bio-Obst und konventionelles Gemüse sogar 400 Mal mehr.

Auch gentechnische Veränderungen sind bei Bio-Lebensmitteln sehr selten nachweisbar. In fünf Prozent der Proben - in Mais- und Sojaerzeugnisse sowie Honig - wurden Verunreinigungen gefunden, jedoch immer unter 0,05 Prozent. Von den konventionellen Proben enthielt dagegen ein Viertel Spuren von Gentechnik. Die Auslobung als „Bio“ wurde bei 27 Milch-Proben im Labor überprüft. Bei keiner gab es Beanstandungen, wie auch schon in den Jahren zuvor. Bio-Milchkühe bekommen mehr Grünfutter und Heu, was sich im Fettsäuremuster der Milch und in deren Kohlenstoff-Isotopen nachweisen lässt.

Was das Preisschild verheimlicht

Würden sich Umwelt-, Sozial- und Gesundheitsfolgekosten im Preis abbilden,müssten konventionelle Nahrungsmittel um ein Vielfaches teurer sein.

„Stellen Sie sich vor, Sie gehen in den Supermarkt und alle Lebensmittel, die ökologisch und sozial nachhaltig erzeugt wurden, sind günstiger als die herkömmlichen. Bei ihrer Produktion wurde sorgsam mit Menschen und Natur umgegangen. Luft, Boden und Wasser wurden geschont und den Arbeiterinnen und Arbeitern ein auskömmliches Gehalt gezahlt. Dennoch ist ihr Preis niedriger als der von Nahrungsmitteln aus konventionellen Betrieben. Das wäre doch fantastisch, oder?“ Mit diesen Sätzen beginnt das lesenswerte Dossier Die wirklichen Kosten unserer Lebensmittel - Eine zukunftstaugliche Bilanz“, das das Hilfswerk Misereor gerade veröffentlicht hat. Eine schöne, eine richtig gute Vorstellung. Allerdings: Noch kostet Bio an der Kasse mehr, weil all die nachhaltigen Maßnahmen vom Acker bis zum Teller mehr Arbeit und mehr Kosten verursachen, aber die positiven Auswirkungen auf die Umwelt nicht honoriert werden.

Auf dem Preisschild stehen eben nicht die wahren Kosten und Folgekosten. Und die sind bei konventionellen Lebensmitteln deutlich höher, insbesondere bei tierischen. Irrsinnige Mengen an Stickstoff ruinieren unser Wasser, der industrielle Anbau schädigt Böden und vernichtet Vielfalt und sogar ganze Tier- und Pflanzenarten. Corona hat es schonungslos offengelegt: Diese Strukturen schaden der Gesundheit von Mensch und Tier. Die StudieHow much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich? der Universität Augsburg zeigte, dass konventionelles Fleisch mindestens drei Mal so viel kosten müsste.

Wenn Unternehmen die Gesellschaft für ökologische und soziale Schäden zahlen lassen, die sie selbst verursachen, heißt das vornehm „Kosten externalisieren“. Die wahren Kosten zahlen wir alle, zwar nicht beim Einkauf, aber mit der Steuer, beim Krankenkassenbeitrag, mit der Wasserrechnung – und im schlimmsten Fall als Patient*innen im Krankenhaus, wenn Antibiotika nicht mehr wirken, weil sie in der industriellen Landwirtschaft zu oft wie Bonbons verfüttert werden. Bio-Erzeuger und Bio-Hersteller schaffen dagegen sogar Werte auf der Haben-Seite für die Allgemeinheit: Artenschutz, Wasserschutz, Bodenschutz, Tierschutz. Vergütet wird ihnen das kaum.

Ein erster Schritt in Richtung Lösung: eine verpflichtende Bilanzierung von Umwelt-, Sozial- und Gesundheitsauswirkungen, das sogenannte „True Cost Accounting“. Das ist nicht einfach, aber die Abschätzungen werden immer besser.