Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 06/2020

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Verpackung und Transport entscheidend für Klimabilanz


Transport ist ein wichtiger Klimafaktor,saisonale und regionale Produkte sind daher erste Wahl

Forscher*innen am Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) in Heidelberg haben für 200 alltägliche Lebensmittel und Gerichte ermittelt, welchen Einfluss ihre Produktion auf die Umwelt und das Klima hat. Die Studie „Ökologischer Fußabdruck von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland“ zeigt: Entscheidend ist, wo und wie ein Lebensmittel angebaut, transportiert und verpackt wird. So zählen Äpfel, Erdbeeren und Pfirsiche frisch geerntet zu den klimafreundlichsten Lebensmitteln, die man in Deutschland kaufen kann. Als Neuseeland-Apfel, Winter-Erdbeere oder Dosen-Pfirsich schneiden sie dagegen schlecht ab. Ähnlich verhält es sich bei heimischen Gemüsesorten wie Blumenkohl, Fenchel oder Bohnen: frisch top, als Konserve jedoch mit deutlich schlechterer Ökobilanz. Denn eine Einwegverpackung aus Metall oder Glas hat oft einen größeren Klimaeffekt als das eigentliche Lebensmittel.

Wenn man die Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Umwelt betrachten will, reicht der Blick aufs CO2 allerdings nicht aus. Weitere Ressourcen, insbesondere Wasser, Flächen und Rohphosphat werden benötigt – und alle drei sind knapp. Es spielt außerdem eine Rolle, auf was für Flächen die Lebensmittel angebaut werden: Wenn tropische Regenwälder für den Anbau von Ölpalmen gerodet oder wie in Deutschland Moorgebiete für die Landwirtschaft entwässert werden, dann verschlechtert sich die Klimabilanz erheblich. Solche Flächennutzungsänderungen wurden für diese Studie bei allen Lebensmitteln eingerechnet. Das erklärt, warum Fleisch, Milch und Eier aus Bio-Landwirtschaft nicht immer besser, manchmal sogar schlechter abschneiden als konventionelle Produkte. Biobetriebe benötigen mehr Fläche, da sie geringere Erträge erwirtschaften. Entsprechend legten die Forscher*innen höhere Hektarzahlen zugrunde, was zu höheren CO2-Emissionen führen kann. „Der alleinige Blick auf die CO2-Emissionen sagt aber nicht die ganze ökologische Wahrheit“, erläutert Studienleiter Dr. Guido Reinhardt. „Die etwas höheren Emissionen werden durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und Erhöhung der Artenvielfaltviel mehr als wieder wettgemacht.“

Im zweiten Teil der Studie hat das ifeu untersucht, wie klimafreundlich verschiedene Gerichte wie Gulasch oder Lasagne sind. Einige Lebensmittel fielen mit unerwartet großen Umweltauswirkungen auf, zum Beispiel Reis, der für die Erzeugung sehr viel Dünger und Wasser benötigt und zudem einen hohen CO2-Fußabdruck hat. Wesentlich klimafreundlichere Alternativen sind Nudeln, Kartoffeln oder Dinkel. Wer Fleisch zum Beispiel durch Hülsenfrüchte, Sojaschnetzel oder Tofu ersetzt, genießt ebenfalls deutlich umweltfreundlicher.

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Umweltfreundliches Grillvergnügen


Nicht nur das Grillgut entscheidet über die Umweltbilanz, auch Kohle und Anzünder sollten nachhaltig sein

Sommerzeit ist Grillzeit. Damit das Grillvergnügen nicht zum Umweltproblem wird, sollte man Ausschau halten nach Naturland-zertifizierter Holzkohle. Denn in etwa jeder zweiten Grillkohle steckt Tropenholz, möglicherweise sogar aus illegal gerodeten Wäldern. Bei konventioneller Kohle sorgt das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) für ein Mindestmaß an Nachhaltigkeit. Eine weitere Möglichkeit sind Grillbriketts aus Olivenkernen oder Kokosschalen sowie „Maiskohle“ aus Maisspindeln. Finger weg von chemischen Zündhilfen mit Kerosin oder Paraffin – sie setzen krebserregende Stoffe frei. Alternativen sind zum Beispiel wachsgetränkte Anzünder aus Pressholz.

Auch weniger Fleisch auf dem Rost ist gut für die Umwelt: Der vegetarische Klassiker sind bunte Gemüsespieße. Gut geeignet sind Champignons oder Kräutersaitlinge, Paprika, Pak Choi, rote Zwiebel, Frühlingszwiebeln und Zucchini, vielleicht kombiniert mit Räuchertofu. Entscheidend dabei ist das Marinieren, zum Beispiel mit Olivenöl, Knoblauch und mediterranen Kräutern wie Rosmarin, Oregano und Thymian. Das schützt das Gemüse vor dem Austrocknen und Verbrennen und sorgt für intensives Aroma. Auch Tofu braucht Marinade – asiatisch beispielsweise mit Sojasauce, Zuckerrübensirup, Frühlingszwiebeln, Sesam und Chiliflocken. Beliebt zu Gemüsespießen sind Joghurtdips, Tzatziki oder auch mal eine Koriander-Linsen-Creme mit Zwiebeln und Limettensaft oder ein scharfer Bohnen-Dip mit Knoblauch, Minze und Chili. Im Bio-Fachhandel gibt es außerdem eine große Auswahl an Bio-Grillsaucen wie die „Grill & Tex Mex Sauce“ von Byodo, „Indian Summer“ von Sanchon oder „Curry-Ketchup“ von Zwergenwiese.

Selbstgemachte Linsen, Kichererbsen- oder Grünkernbratlinge, Süßkartoffel- oder Fenchelscheiben, Kürbisspalten und grüner Spargel können auch direkt auf den Grill. Damit keine Marinade auf die heiße Grillkohle tropft, wodurch sich Schadstoffe bilden können, kann man wiederverwendbare Grillschalen aus Metall oder gusseiserne Pfännchen verwenden. Bei vegetarischen Klassikern wie Feta mit Tomate und Zwiebel ersetzen große Kohlrabi-, Mangold- oder Kohlblätter die umweltschädliche Alufolie. Beim Befestigen helfen Holz- oder Rouladenspieße. Kartoffeln kocht man am besten vor und legt sie dann noch eine Weile mit Schale auf den Grill oder in die Glut. Natürlich gibt es auch Bio-Fleischalternativen auf Basis von Soja, Seitan, Tempeh, Lupine oder Jackfruit in vielen Variationen, zum Beispiel Lupinen-Filets, Pizza-Pizza-Bratfilets von Taifun und Seitan-Würstchen von Tofu Nagel.

Zeit für Blumenkohl frisch vom Feld!


Beste Zeit für Blumenkohl: Die Freiland-Saison startet im Juni

Blumenkohl-Salat mit Kichererbsen und Zuckerschoten? Orecchiette mit Pesto und gebratenem Blumenkohl? Oder lieber traditionell mit Sauce Hollandaise oder mit in Butter geröstetem Paniermehl? Blumenkohl ist unglaublich vielseitig, dazu kalorienarm und gesund. Jetzt ist die beste Zeit zum Ausprobieren, denn auch wenn es Blumenkohl das ganze Jahr zu kaufen gibt, ist er ursprünglich ein Sommergemüse. Die Freilandsaison dauert bei uns von Juni bis Oktober.

 

Sommerliche Ideen sind Blumenkohlfrikadellen mit Minzjoghurt oder eine Zitronen-Blumenkohl-Suppe. Kleine Blumenkohlröschen und in Scheiben geschnittenen Blumenkohl kann man auch im Ofen rösten. Das passt zum Beispiel gut zu einem Salat mit Belugalinsen, Kapern, Mandeln und einer Zitronen-Vinaigrette. An kühleren Tagen findet vielleicht eher eine Blumenkohl-Spätzle-Pfanne mit Gewürzen wie Kardamom, Koriander und Kumin und roten Zwiebeln Anklang. Sogar eine glutenfreie Low-Carb-Pizza mit Blumenkohl-Boden ist möglich, und „Reis“ aus geraspeltem Blumenkohl findet immer mehr Fans. In Blogs findet man auch Rezepte für vegane „Chicken Wings“, „Schnitzel“ und Bolognese aus Blumenkohl.

Der Blumenkohl ist übrigens tatsächlich so etwas wie eine Blüte – genauer: ein Blütenstand mit vielen noch nicht fertig entwickelten Blütenknospen. Der grüne Romanesco, auch „Türmchenkohl genannt“ ist eine Variante des Blumenkohls. Der Vitamin-C-Gehalt ist sogar noch höher. Um hohe Erträge zu erzielen und große und gleichmäßige Kohlköpfe zu erhalten, werden heute meist CMS-Hybridsorten angebaut. Die Biobranche unterstützt seit Jahren die ökologische Züchtung, um eigene samenfeste Sorten zu erhalten. Sorten wie „Nuage“ haben im Bio-Erwerbsanbau bereits ihren festen Platz gefunden.

Brombeer-Zipfelfalter sucht Wiese


Ökolandwirtschaft schützt Schmetterlinge, auch den hübschen und raren Brombeer-Zipfelfalter // Foto: (c)Rasmus Radach, www.naturgucker.de

Schmetterling des Jahres 2020 ist der Brombeer-Zipfelfalter. Seine leuchtend grünen Flügelunterseiten machen ihn unverkennbar. Wer genau hinschaut, entdeckt auch die namensgebenden kleinen Zipfel an den Flügeln. Grün sind auch die Eier und die Raupen, die an Blättern und Früchten von Pflanzen wie Brombeere, Himbeere, Klee und Ginster knabbern. Die ausgewachsenen Falter saugen Nektar unter anderem an Hahnenfuß, Weißdorn und Hartriegel.

Obwohl der kleine grünschimmernde Falter also keine speziellen Ansprüche stellt, wie viele andere Schmetterlinge, geht der Bestand in vielen Regionen zurück. Denn die Zipfelfalter bevorzugen lichte Wälder, Buschlandschaften, Wiesen, Trockenrasen und Heiden. Solche Kulturlandschaften sind selten geworden – sie werden nicht mehr bewirtschaftet und wachsen zu, werden gedüngt oder aufgeforstet. Vor allem durch die intensive Landwirtschaft mit immer mehr Mais und Raps verschwinden blütenreiche Wiesen und Weiden und mit ihnen Insekten, Vögel und Wildpflanzen. „Besonders kritisch ist die Lage bei Schmetterlingen, Käfern, Libellen“, warnte Umweltministerin Svenja Schulze, als sie Mitte Mai den umfangreichen „Bericht zur Lage der Natur 2020“ vorstellte. Ein verschärftes Düngerecht und das geplante Insektenschutz-Gesetz können helfen, aber der größte Hebel wäre eine natur- und umweltfreundliche EU-Agrarförderung. Am Haus und im Garten hilft den Schmetterlingen übrigens genau wie den Bienen eine bunte, heimische Blütenpracht.

Eine neue Vergleichsstudie zeigt, dass Öko-Landwirtschaft Heimat für 60 Prozent mehr Schmetterlingsarten bietet. Zudem gab es auf den ökologisch bewirtschafteten Flächen mit 30 Arten die doppelte Menge an gefährdeten Schmetterlingsarten der Roten Liste.

„Farm to Fork“ – 25 Prozent Bio in der EU in zehn Jahren


Green Deal: Mit „Farm to Fork“ und ihrer Biodiversitäts-Strategie 2030 fördert die EU die klimaneutrale
Kreislaufwirtschaft und den Erhalt biologischer Vielfalt

Nur noch halb so viele Pestizide bis 2030! Das sieht die am 20. Mai veröffentlicht „Farm to Fork“-Agrarstrategie der EU vor, die auch „Vom Hof auf den Tisch“ genannt wird. Der Einsatz von Düngemitteln soll um mindestens 20 Prozent, der Verkauf von Antibiotika für Nutztiere und Aquakultur um die Hälfte reduziert werden. Auf mindestens zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sollen artenreiche Landschaftselemente zurückehren, zum Beispiel Blühstreifen und Hecken. Gleichzeitig will die EU den Anteil der Bio-Flächen bis 2020 auf mindestens ein Viertel steigern. Derzeit werden nur 7,7 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in der EU ökologisch bewirtschaftet.

Die EU-Kommission bezeichnet „Vom Hof auf den Tisch“ als eine Strategie für ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem. Die Coronavirus-Krise habe die Wechselwirkungen zwischen unserer Gesundheit, unseren Ökosystemen, Versorgungsketten, Verbrauchsmustern und den Belastungsgrenzen der Erde sehr bewusst gemacht. Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände und neue Schädlinge erinnerten immer wieder daran, dass unser Lebensmittelsystem bedroht ist und nachhaltiger und resilienter werden muss.

Umwelt- und Bio-Anbauverbände begrüßen die Strategie grundsätzlich. Im Detail gibt es aber auch Kritik: Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) bemängelt, dass „Farm to Fork“ keine konkreten Vorschläge zur intensiven Tierhaltung enthält, und Greenpeace vermisst Maßnahmen, um die Produktion und den Konsum von Fleisch und Milchprodukten deutlich zu verringern. Am Ende hängt der Erfolg von „Farm to Fork“ davon ab, dass endlich die EU-Agrarpolitik (GAP) umgekrempelt wird und Vorgaben macht, wofür es Subventionen gibt. Zum Beispiel auch für Bio mit guter Fruchtfolgepraxis. Denn Bio liefert Nachhaltigkeit über die gesamte Wertschöpfungskette.