Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 05/2019

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Plastikatlas: Ein bisschen Recycling ist nicht genug


Auch Tiere sind massiv vom Plastikmüll bedroht - (C)Plastikatlas

Plastik im Boden, im Wasser, in der Luft, in der Nahrung. Der Anfang Juni veröffentlichte „Plastikatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung und des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) umreißt das Ausmaß der Plastikkrise und bringt neue Einblicke in unsere Plastikwelt – zum Beispiel in die hohen klimaschädlichen Emissionen entlang des Lebenszyklus von Plastik.

Plastik war einmal ein wertvolles Material, doch wer heute Plastik hört, denkt sofort an Plastikmüll. Während es viele persönliche und politische Initiativen gibt, um das Plastikproblem zu lösen, boomt die Kunststoffproduktion ungebrochen. Das Kapitel „Die Aktivitäten der Plastik-Lobby“ richtet den Blick auf die gut organisierte Industrie, die die Aufmerksamkeit auf das Abfallmanagement und Recycling lenkt und sich so vor der Verantwortung drückt. Der Abschnitt „Regulierung – Lösungen am falschen Ende“ kritisiert zudem, dass auch Abkommen und Initiativen, die die Plastikkrise einzudämmen sollen, fast immer die Hersteller aus der Verantwortung entlassen. 83 Prozent der Deutschen finden das nicht in Ordnung: In einer Forsa-Umfrage im Rahmen des "Plastikatlas" sprachen sie sich dafür aus, Abgaben auf Plastikprodukte zu erheben, die von den Herstellern getragen werden.

Der Plastikatlas zeigt auch: Fleißiges Mülltrennen bringt bei Kunststoff bisher wenig. Ein Großteil des Plastikmülls wird in Deutschland verbrannt oder ins Ausland verschifft, nicht einmal 16 Prozent werden für neue Produkte wiederverwendet. Deutschland ist weltweit der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll - nach den USA und Japan. Die offizielle Recyclingquote ist höher, sie lag 2016 bei 45 Prozent. Sie steht aber nur für die Anlieferung bei einem Recyclinghof. Was hinter den Toren passiert, vor allem, ob wirklich recycelt wird, verrät die Quote nicht.

Für Mikroplastik in der Kosmetik und Kunststoff-Kleidung gibt es mit Naturkosmetik und Kleidung aus Naturfasern, möglichst aus ökologischem Anbau, gute Alternativen. Auch bei Verpackungen können wir selbst viel Plastik vermeiden – vor allem mit Mehrweg und Obst und Gemüse ohne Plastikhüllen. Der Plastik-Atlas macht aber deutlich, dass sich die globale Plastikkrise nur lösen lässt, wenn auch internationale Unternehmen in die Pflicht genommen werden. Dabei steht gerade auch Deutschland in der Pflicht, denn wir zählen zu den größten Kunststoffproduzenten weltweit.

Neue Kartoffeln: Ab in die Salatschüssel!


Kartoffelsalat, ob klassisch oder in anderen Varianten - lecker!

Die ersten Bio-Frühkartoffeln sind da und gutes Grillwetter hoffentlich auch. Die jungen Knollen schmecken super im Salat, und sind dabei außerordentlich wandlungsfähig. Mit roter Zwiebel, Knoblauchzehe und Tabascosauce wird’s eine eher scharfe Sache, mit grünen Bohnen, Oliven, roter Paprika, Ei, knackigen Salatblättern und frischem Basilikum mediterran. Grundlage für eine bunte und orientalische Variante sind kleine Kartoffeln – zum Beispiel Drillinge - und Auberginen vom Blech, gemischt mit Sesam, Kreuzkümmel, Gurke, Spitzpaprika, Tomaten, Zwiebel, reichlich Petersilie, Minze, Chili und Joghurt. Geröstetes Sesamöl sorgt für besonderes Aroma. In Indien prägen die Gewürze den Salat: Geröstete Koriander- und Senfsaat, Ingwer, Knoblauch, Chili, angebratene Zwiebeln und ein gutes Garam Masala, die Kartoffeln gern auch kombiniert mit Erbsen und/oder Blumenkohl.

Natürlich ist auch der deutsche Klassiker heiß geliebt, ob im Norden eher mit oder im Süden eher ohne Mayonnaise. Fast immer dabei sind Gewürzgurke, Petersilie, Zwiebel, Senf und Ei – das man für die vegane Variante einfach weglässt und vegane Mayonnaise verwendet. Schnittlauch, Dill, Kerbel oder Kresse bringen Frische, Vitamine und Mineralstoffe.

Was man besser nicht tun sollte: Den Salat fertig im Discounter oder Supermarkt kaufen. Der Mayonnaise-Anteil ist meist sehr hoch, Gurken und Kräuter sind dagegen Mangelware, Aroma- und Konservierungsstoffe und viel Zucker die Regel. Für alle Rezepte gilt: Festkochende Kartoffelsorten verwenden und nicht zu weich kochen!

Die Feldlerche – Ackervogel im Sinkflug


Vogel des Jahres, die Feldlerche - (c) NABU/Peter Lindel

Die Feldlerche jubiliert immer seltener über unseren Feldern - ein weiteres Warnzeichen dafür, dass in der Landwirtschaft etwas gewaltig schief läuft. Der Naturschutzbund (NABU) hat die Lerche daher zum Vogel des Jahres 2019 gewählt –stellvertretend soll er auf die katastrophale Landwirtschaftspolitik in Berlin und Brüssel hinweisen.

 

Ein Drittel der Feldlerchen sind in den vergangenen 25 Jahren verschwunden. Studien zeigen, dass parallel zu steigenden Erträgen bei Weizen, Mais und Raps die Feldlerchenbestände schrumpfen. Die Vögel finden nicht mehr genügend Futter für ihre Jungen und auch keine geeigneten Brutplätze am Boden. Insbesondere das stark gedüngte und mit Pestiziden behandelte Wintergetreide wird schon früh im Jahr so hoch und dicht, dass Feldlerchen dort keine Landemöglichkeiten finden. Auch Mais-Monokulturen sind für die Vögel wertlos. Früher waren als Alternative Brachflächen ideal, doch auch sie sind fast „ausgestorben“. Insbesondere für den Nachwuchs fehlt es zudem an proteinreichem Futter - Stichwort Insektensterben.

Die ökologische Wirtschaftsweise mit bunten Fruchtfolgen und der geringeren Weidetierdichte fördert Feldlerchen und viele andere Arten. Der Verzicht auf Pestizide sorgt für Insektenvielfalt und damit ein gutes Nahrungsangebot. Viele Bio-Betriebe legen zusätzlich Blühstreifen oder nicht bewirtschaftete „Feldvogel-Inseln“ im Acker an. Aber noch immer gibt es viel zu wenig Anreize für Landwirtinnen und Landwirte, naturverträglich zu wirtschaften. Stattdessen fließen milliardenschwere Subventionen überwiegend in die intensive Landwirtschaft. Die bevorstehenden Neuverhandlungen der EU-Agrarpolitik sind die Chance, endlich nach dem Prinzip „öffentliches Geld nur für gesellschaftliche Leistungen“ die Fördergelder an Umweltmaßnahmen und -standards zu knüpfen. (Nicht nur) die Feldlerchen würden es mit ihrem unverwechselbar klaren und jubelnden Gesang begrüßen.

Monatshygiene ökologisch & hautfreundlich


Monatshygiene - es geht auch nachhaltig

Die Hälfte der Menschheit erlebt sie und doch ist sie oft noch immer ein Tabu, die monatliche Menstruation. Zum Glück ändert sich das gerade, und dabei wird auch klar, dass konventionelle Binden und Tampons alles andere als nachhaltig sind. Die Baumwolle ist auf dem Feld in der Regel mit Glyphosat oder anderen Pestiziden behandelt worden, viele Produkte werden zudem chemisch und mit hohem Energieverbrauch gebleicht. Im Vlies und im Kern stecken verschiedenen Kunststoffe, zum Beispiel das saugfähige Kunststoffgranulat Natriumpolcrylat. Leider gibt es bisher keine Kennzeichnungspflicht für solche Inhaltsstoffe.

Als gute Alternativen kommen immer mehr nachhaltige Produkte auf dem Markt und finden gerade auch bei jungen Frauen Zuspruch. Besonders erfolgreich ist die Menstruationstasse oder „Cup“, ein kleiner, flexibler Becher, der das Blut auffängt anstatt es aufzusaugen. Sie kann über mehrere Jahre verwendet werden und schont daher Umwelt und Geldbeutel. Tatsächlich ist der Müllberg, der durch Monatshygieneprodukte entsteht, enorm. Nach Hochrechnungen verbraucht jede Frau in ihrem Leben 12.000 bis 17.000 Binden und Tampons. Auch Stoffbinden und Slipeinlagen aus Bio-Baumwolle sind inzwischen in verschiedenen Größe auf dem Markt. Sie sind bei 95 Grad waschbar und jahrelang verwendbar.

Für die klassische Monatshygiene gibt es im Bio-Fachhandel ökologische Tampons, Binden und Slipeinlagen. Sie sind mit Bio-Baumwolle überzogen und haben einen Bio-Zellulosekern. Es werden weder Kunststoffe noch Färbemittel, Chlor oder Duftstoffe verwendet. Wenn Folien eingearbeitet sind, bestehen sie in der Regel aus pflanzlicher Stärke statt aus Plastik.

Nitrat: EU verliert Geduld mit Deutschland


Überdüngte Böden und Gewässer gefährden die Gesundheit

 

800.000 Euro Strafe - pro Tag. So viel soll Deutschland zahlen, wenn hierzulande nicht endlich die EU-Nitratrichtlinie eingehalten wird. So steht es im Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom letzten Juni. Die Bundesregierung hatte schon vor der Urteilsverkündung halbherzig am Düngerecht herumgebessert und Anfang 2019 dann weitere Vorschläge nach Brüssel gemeldet. Diese machten aber kaum Eindruck - die EU-Kommission fordert echte Nachbesserung, und zwar schnell, und sie droht mit einer zweiten Klage. Bis zum Frühsommer 2020 sollen effiziente Maßnahmen dafür sorgen, dass die Nitratgrenzwerte endlich eingehalten werden.

Hauptursache für die vielerorts zu hohe Nitratbelastung des Grundwassers sind vor allem Mineraldünger aus der konventionellen Landwirtschaft und überschüssige Gülle in Regionen, wo zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten werden, zum Beispiel im westlichen Niedersachsen. Ein Übermaß schadet Pflanzen und Tieren, überdüngt Gewässer und gefährdet die Gesundheit - vor allem bei Säuglingen. Der EU-Grenzwert liegt bei 50 Milligramm Nitrat je Liter Grundwasser. In Deutschland wird dieser Wert an mehr als einem Viertel der Messstellen überschritten.

Nur eine konsequent nachhaltige Landwirtschaft kann Grundwasser und Gewässer entlasten. Der Biolandbau macht es vor – ohne mineralische Stickstoffdünger und mit der Förderung der Humusschicht, die auch die Filterleistung des Bodens unterstützt. Zudem ist die Zahl der Tiere pro Hektar begrenzt, das vermeidet Gülle-Überschüsse. Viele Wasserwerke fördern daher die ökologische Landwirtschaft oder stellen sogar eigene Flächen in ihrem Einzugsgebiet auf Bio um. Das aktuelle Eckpunkte-Papier „Kehrtwende für den Gewässerschutz: Stickstoffüberschüsse jetzt wirksam reduzieren“  der Umweltverbände und des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fordert eine deutliche Verringerung der Tierbestände in Deutschland insgesamt und vor allem in den Regionen mit zu hohen Nitratwerten, eine gezielte Förderung des Ökolandbaus und mehr Kontrollen.