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Bio kann mehr! - Newsletter 03/2019

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Jetzt unterzeichnen: Petition zum Schutz der Bienen!


Bienen: JA, Pestizide: NEIN bzw. strengste Kontrollen

Bevor ein Pestizid in der EU eingesetzt werden darf, wird es geprüft– aber dieses Zulassungsverfahren hat erschreckende Mängel. Schon mehrfach musste die EU daher den Einsatz von Pestiziden wieder verbieten oder einschränken, weil sich herausstellte, dass Bienen und andere Blütenbestäuber geschädigt werden. 2018 hat sogar der Europäische Gerichtshof „erhebliche Defizite“ bei der Pestizid-Risikoprüfung festgestellt.

Imkermeister Thomas Radetzki, der sich seit 35 Jahren für den Schutz der Bienen und für eine Agrarwende engagiert, unter anderem im Verein Mellifera e.V. und in der Aurelia-Stiftung, hat nun im Online-Petitionsforum des Deutschen Bundestages die Petition „Reformierung der Risikoprüfung für Pestizide” gestartet. Sie fordert eine grundlegende Verbesserung des Pestizid-Zulassungsverfahrens. Dazu zählen transparente Sicherheitsprüfungen nach dem aktuellen Stand der Forschung und das konsequente Anwenden des gesetzlich festgeschriebenen Vorsorgeprinzips. Auch indirekte und langfristige Umweltbelastungen sollen unter Realbedingungen untersucht und von unabhängigen Instituten bewertet werden.

Ohne strengere Pestizidkontrollen ist das Insektensterben nicht zu stoppen. Machen Sie von Ihrem Petitionsrecht nach Artikel 17 des Grundgesetzes Gebrauch und unterzeichnen Sie die Petition „Tierschutz – Reformierung der Risikoprüfung für Pestizide zum Schutz von Bienen und anderen Insekten“! Mit 50.000 Unterschriften kommt es zu einer öffentlichen Anhörung im Deutschen Bundestag.

Thomas Radetzki hat zusätzlich die Kampagnen-Webseite www.pestizidkontrolle.de eingerichtet, wo für weniger geübte Internetnutzer auch eine kurze Anleitung zur Onlinepetition zu finden ist.

Die Spargelzeit ist da!


Ob grün oder weiß, jetzt ist Spargelzeit!

Spargel ist bis heute ein echtes Saisonprodukt, und entsprechend groß ist die Vorfreude auf den Erntestart. Für viele ist die Kombination mit geschmolzener Butter ein Muss, auch Kartoffeln und Schinken sind klassische Begleiter. Aber Spargel kann auch anders! Zum Beispiel frühlingsfrisch im Salat mit Kräutern wie Schnittlauch, Kerbel und Zitronenmelisse, fein geschnittener roter Paprika, Sonnenblumenkernen und Feta oder gehaltsvoller mit Ei, Radieschen, Kresse und Kartoffeln. Grünen und weißen Spargel kann man sogar roh im Salat oder als Carpaccio genießen – die wertvollen Vitamine und Mineralien bleiben so am besten erhalten. Am besten dünne Spargelstangen wählen, sie schmecken nicht so herb.

Besonders aromatisch ist Spargel, wenn man ihn im Ofen auf dem Blech gart. Am besten mit einem gebutterten Stück Backpapier abdecken oder portionsweise wie Bonbons ins Backpapier verpacken und zubinden. Dazu passen zum Beispiel eine grüne Kräutersauce oder Champignon-Rahm. Für Aufläufe den Spargel etwa fünf Minuten blanchieren und dann mit Pellkartoffeln überbacken, je nach Geschmack auch zusammen mit Kochschinken, Broccoli, Kohlrabi, Möhren oder Zuckerschoten.

Anbau und Ernte von Spargel sind aufwändig, vor allem in Bio-Qualität. Doch der Einsatz lohnt: Die humusreiche Erde bringt geschmackvollen Spargel hervor, und der Verzicht auf Pestizide ist ein Gewinn für Gesundheit, Umwelt und Grundwasser. Wer Spargel aus Folienanbau vermeiden will, sollte frische Stangen nicht vor Mitte oder Ende April erwarten, denn dann hat sich die Erde genügend erwärmt! Die Saison geht traditionell bis zum Johannistag am 24. Juni, bis dahin ist noch genügend Zeit für Spargel-Quiche, Spargel-Flammkuchen, Spargel-Gazpacho, Spargel-Pasta  oder welche leckeren Kombinationen und Rezepte Sie auch immer bevorzugen!

Bunte Blütenvielfalt für den Balkon


Nektarreiche Blüten sind nicht nur für Insekten eine Attraktion

Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge können Städte ein Zufluchtsort sein, vor allem, wenn sie dort viele insektenfreundlich bepflanzte Verkehrsinseln, Parks, Balkone, Dachterrassen und Fensterbänke finden. Allerdings: Bunte Balkone mit Geranien und Petunien locken Insekten zwar an, doch leider meist umsonst, denn diese Blüten bieten kaum Nektar oder Pollen.

Wer auf Balkon und Terrasse insektenfreundlich gärtnern möchte, ist mit Bio-Saatgutmischungen wie „Bienenweide“, „Blühender Balkon“ oder „Sommerpracht“ gut beraten. Man erhält sie im Naturkosthandel von der Bingenheimer Saatgut AG.

 

Jungfer im Grünen, Winde, Kornblume, Borretsch, Schleifenblume und Zinnien sorgen für bunte Pracht und fröhliches Summen. Ebenfalls beliebt in der Insektenwelt: Löwenmäulchen, Ringelblume, Hornveilchen, Glockenblumen, Echter Lavendel und Wiesen-Salbei, Katzenminze, Mauerpfeffer, Rosmarin und die Bienenweide Phacelia. Wer wenig Platz hat, kann Kletterpflanzen wie Duftwicke oder Stangenbohnen aussäen. Langfristig weniger Arbeit macht es, mehrjährige Stauden zu ziehen, am besten heimische Arten wie Polster-Seifenkraut, Knäuel-Glockenblume und Färberkamille. Am besten blüht es von Frühjahr bis zum Herbst, damit die Insekten immer was zu „futtern“ finden. Und im Winter sollten alle Pflanzenteile stehen bleiben, da Stängel und trockenes Laub als Überwinterungsplatz für Insekten und ihre Larven dienen.

Konventionelles Saatgut ist oft mit Pestiziden behandelt, zudem handelt es sich in der Regel um Hybridsorten. Bei samenfesten Bio-Sorten kann man im nächsten Jahr die gesammelten Samen wieder verwenden oder mit Freunden und Nachbarn tauschen, um die Vielfalt auf Balkons und in Gärten zu fördern.

Disteln: Wehrhafte Pflanzen, wertvolles Öl


Pur oder mit Kräutern: Distelöl bereichert die Frühlingsküche

Die Staude des Jahres 2019 ist ein Hit – für Vögel und Insekten, aber auch in der gesunden Küche. Gemeinsam ist der Staudengruppe der Disteln, dass sie sich mit mehr oder weniger stacheligen Blatträndern oder Stängeln vor Fressfeinden schützen. Im Garten sind Kugeldistel, Silberdistel, Mannstreu und Co. nicht nur wunderschön, sondern auch robust und beliebt bei Insekten, die Nektar und Pollen suchen. Finken und andere Vögel lieben die nahrhaften Samen und die Blätter dienen vielen Schmetterlingsraupen, wie denen des Distelfalters, als Futter.

Eine ganz besondere Distel aber ist die Färberdistel. Aus ihren Samenkapseln wird das wertvolle Distelöl gewonnen. Dieses kaltgepresste Öl enthält reichlich essenzielle und mehrfach ungesättigte Fettsäuren sowie die Vitamine A, E und K. Überdurchschnittlich hoch ist auch der Anteil an  Linolsäure. Dies macht Distelöl zu einer besonders wertvollen Zutat für Veganer und Vegetarier und in der täglichen Vollwertküche. Ölmühlen wie Bio Planète, Byodo und die Ölmühle Solling achten auf schonende Pressung und natürlich beste ökologische Qualität.

Das Öl hat einen feinen, leicht nussigen Geschmack, eine goldgelbe bis leicht rötliche Farbe und passt sehr gut zu Wurzelgemüse, Dips, Sprossen, Artischocken und Kürbis. Zwei frühlingsfrische Ideen mit Distelöl: Friséesalat mit Löwenzahn, Linsen, roter Zwiebel, Apfelessig und Cherrytomaten - oder Spinatsalat mit Radieschen, Möhren, Kerbel und Gänseblümchen. Auch Smoothies profitieren von einem Spritzer Distelöl – fettlösliche Vitamine kann der Körper so besser aufnehmen. Distelöl auf keinen Fall stark erhitzen, am besten kalt verwenden oder kurz vor dem Servieren einige Tropfen zu Pastagerichten, Suppen, Gemüse oder Kartoffelspeisen hinzufügen!

Biolandbau siegt im Leistungsvergleich


Eine Metastudie zeigt, besser mit Ökolandbau

Bio ist besser! Wer das noch bezweifelt hat, kann sich in die 360 Seiten starke Studie „Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft vertiefen, die das Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, kurz Thünen-Institut, veröffentlicht hat. 22 Forscherinnen und Forscher haben dafür mehr als 500 Studien durchforstet, Vergleiche angestellt und am Ende das Fazit gezogen: Bei Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Artenvielfalt, Ressourceneffizienz und der Belastung der Umwelt hat der Biolandbau klar die Nase vorn. Die Autoren folgern daher, „dass der ökologische Landbau einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen dieser Zeit leisten kann und zu Recht als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Landnutzung gilt“.

Beim Schutz von Grund- und Oberflächenwasser wirkt sich erwartungsgemäß der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel aus. Die ökologische Bewirtschaftung vermindert außerdem die Stickstoffausträge im Mittel um 28 Prozent. Auch bei Tierarzneimitteln und Phosphor verringert Ökolandbau die Belastung. Bei der Bodenfruchtbarkeit zeigt schon die um 94 Prozent höhere Menge an Regenwürmern, dass Bio wirkt. Aber auch eine geringere Versauerung der Böden ist  zu verzeichnen. Die Studie zeigt zudem, dass der ökologische Landbau hilft, Erosion zu vermeiden und vor Hochwasser schützt. Grund ist der höhere  Humusgehalt, der Oberflächenabfluss und Bodenabtrag vermindert. Nur gute Meldungen auch bei der Biodiversität: So gibt es bei der Ackerflora 95 Prozent mehr Arten, bei den Feldvögeln 35 Prozent.

Weniger eindeutig ist laut der Metastudie der Beitrag des Ökolandbaus zum Klimaschutz. Zwar ist der Ausstoß an Klimagasen pro Hektar und Jahr geringer, weil aber der Ertrag niedriger ausfällt, braucht Bio mehr Fläche – was laut Studie die Klimavorteile wieder ausgleicht. Ein Langzeitversuch des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) über 40 Jahre belegt dagegen: Ökologisch bewirtschaftete Böden emittieren weniger Treibhausgase – nicht nur pro Hektar, sondern auch pro Tonne Ertrag. Nur bei Mais ist der Wert pro Tonne bei Bio und konventionell gleich. Vielfältige Fruchtfolgen und Hofdünger wie Mist und Gülle verringern laut der Studie Lachgas-Emissionen im Pflanzenbau.