Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 02/2019

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Weltwassertag: Bio schützt Trinkwasser!


Kaltes klares Wasser ist die beste Erfrischung.

Über 70 Prozent unseres Blauen Planeten sind von Wasser bedeckt. Sauber ist es aber längst nicht überall. Weltweit sind Meere, Flüsse und Seen bedroht durch Überdüngung, Schadstoffe und Verschwendung. Der Weltwassertag macht jedes Jahr am 22. März darauf aufmerksam, dass Wasser für uns überlebenswichtig ist, dieses Jahr unter dem Motto "Leaving no one behind – water and sanitation for all" – "Niemanden zurücklassen - Wasser und Sanitärversorgung für alle". Denn rund eine Milliarde Menschen hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ziel Nummer 6 der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung ist daher so klar wie sauberes Wasser: Wasser für alle bis 2030, denn Zugang zu Wasser ist ein Menschenrecht.

Bio-Landwirtschaft schützt die kostbare Ressource, unter anderem weil deutlich weniger Nitrat ins Grundwasser gelangt. Zum einen ist die Zahl der Tiere pro Hektar begrenzt, zum anderen setzen Biolandwirtinnen und -landwirte keinen Mineraldünger ein, sondern steigern den Humusgehalt der Böden und fördern das Bodenleben, indem sie auf abwechslungsreiche Fruchtfolgen achten und mit Stallmist und Kompost düngen. Auch vor schädlichen Substanzen aus chemisch-synthetischen Pestiziden schützt Bio unser Wasser. Bundesweit kooperieren inzwischen viele Wasserwerke mit Biobetrieben, denn sie halten es für sinnvoller, in eine grundwasserschonende Landwirtschaft zu investieren, statt viel Geld für die Aufbereitung verschmutzten Wassers auszugeben.

Ostereier vom besonderen Bio-Huhn


Foto: Africa Studio-StockAdobe

Mit Bio-Siegel sind bunte Ostereier ein rundum guter Genuss: Mehr Platz für jedes Tier, viel Auslauf und ökologisches Futter. Eier im Bio-Fachhandel stammen zudem oft von gut bekannten Höfen im Umland. Damit das Bio-Ei künftig auch vom echten Bio-Huhn stammt, engagiert sich die von Bioland und Demeter getragene gemeinnützige Ökologische Tierzucht GmbH (ÖTZ) für ein Zweinutzungshuhn, bei dem die Hennen etwas weniger Eier legen und die Hähne mehr Fleisch ansetzen als die bisherigen Bruderhähne. Alle Küken werden aufgezogen, egal ob weiblich oder männlich. Bisher müssen auch Biobetriebe konventionell gezüchtete Rassen nutzen, weil wirtschaftlich tragbare Alternativen fehlen. Diese Hochleistungshennen „funktionieren“ optimal nur mit mehrfachen Antibiotika-Gaben und mit speziellem Futter mit synthetischen Aminosäuren, Vitaminpräparaten und gentechnisch veränderter Soja. Im Öko-Landbau ist das weder erlaubt noch gewollt.

Auf der weltweit größten Bio-Messe, der BIOFACH in Nürnberg, hat die ÖTZ das neue Siegel „Aus Ökologischer Tierzucht“ vorgestellt. Es steht für eine gemeinnützige Bio-Tierzucht in Bauernhand, ohne Konzerne, für 100 Prozent Bio von Anfang an und vor allem für das echte Zweinutzungshuhn, bei dem die männlichen Tiere einen eigenen Wert haben. Käfighaltung und In-Ovo-Selektion (Geschlechtererkennung im Ei) sind tabu. Viele Naturkostfachgeschäfte und Bio-Supermärkte sind „1-Cent-Partner“ der Ökologischen Tierzucht. Ein Cent pro Ei geht in die Züchtung des Bio-Zweinutzungshuhns, das an die Haltungs- und Fütterungsbedingungen der Bio-Landwirtschaft besser angepasst ist als die Hochleistungshennen von heute.

Sprossen – frühlingsfrische Kraftpakete


Köstliche Sprossenmischung

Klein, knackig und oho: Frische Sprossen stecken voller Vitamine und Proteine. Wer sich selbst einen kleinen „Garten“ auf der Fensterbank anlegt, hat das „Mini-Gemüse“ immer frisch zur Hand. Im Bio-Fachhandel gibt es Sprossen aber auch frisch und fertig zum Genießen, gekühlt oder in der Pappbox, zum Beispiel die beliebte Gartenkresse. Man kann das junge Grün auf einem Butter- oder Quarkbrot genießen, im Wok oder in der Pfanne kurz mit anbraten oder Salate und Suppen frühlingsfrisch veredeln. Einige Sprossen schmecken scharf-würzig, zum Beispiel Radieschen, Broccoli, Rettich, Rauke und Rote Bete, eher nussig sind viele Hülsenfrucht- sowie Buchweizen-Keimlinge. Getreide- und Mais-Sprossen haben einen leicht süßlichen Geschmack und passen auch zum Müsli.

 

Sprossen haben es wirklich in sich, weil das Samenkorn, aus dem sie sprießen, alles enthält, was die neue Pflanze benötigt. Im Kontakt mit Wasser erwacht das Korn zum Leben und bildet Enzyme, die Speicherstoffe umwandeln. Dabei entstehen Vitamine in hoher Konzentration, darunter Vitamin C und B-Vitamine. Eiweiße und Fette werden in ernährungsphysiologisch wertvollere Formen umgewandelt. Der Gehalt an Mineralien steigt, auch der Gehalt an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist hoch.

Mit Keimsaat aus ökologischem Anbau ist man auf der sicheren Seite, während normales Saatgut fast immer chemisch vorbehandelt ist. Für die Fensterbank gibt es spezielle Keimgläser und -geräte; man kann aber auch mit einer flachen Schale starten, die mit feuchtem Küchenpapier ausgelegt ist. Darauf gedeihen am besten Kresse und andere feine Samen. Damit sich keine Bakterien vermehren und kein Schimmel entsteht, ist Hygiene oberstes Gebot. Sprossen aus Bohnen, Linsen, Erbsen, Kichererbsen und Bockhornklee sollten vor dem Genuss kurz blanchiert oder angebraten werden.

Biogasanlagen beseitigen Antibiotika nicht


Antibiotika hält sich hartnäckig in Gülle.

Es gibt bekanntermaßen viele gute Gründe für Bio – und nun hat die Universität Gießen einen weiteren bestätigt: Es ist besser, im Stall Antibiotika so wenig zu möglich zu verwenden, denn auch Biogasanlagen können diese nicht wie erhofft aus der Gülle beseitigen. Einige frühere Studien hatten nahegelegt, dass das Lagern oder Kompostieren von Gülle Antibiotika verringern könnte. Im Projekt stellte sich jedoch heraus, dass unterschiedliche Temperaturen, Säure- und Salzgehalte kaum Einfluss auf die Wirkstoffe hatten.

Das Projekt war von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fachlich und finanziell gefördert worden. In Deutschland setzten Tierärzte laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im Jahr 2017 zuletzt 733 Tonnen Antibiotika ein, vor allem in Nutztierställen. Auch so genannte Reserveantibiotika, die Menschen nur bei schwersten Infektionen verordnet werden, kommen im Stall zum Einsatz. Ein Großteil gelangt über das Düngen mit Gülle ungefiltert in die Böden. Dort können sich Bakterien entwickeln, auf die die Arzneien keine Wirkung mehr haben – sogenannte resistente Keime. „Antibiotika müssen schon bei der Vergabe im Stall verringert werden, um Mensch, Tier und Umwelt zu schützen“, stellte die DBU angesichts der Ergebnisse fest. Wie das geht, zeigen Bio-Betriebe seit Jahrzehnten. Anders als in der konventionellen Tierhaltung werden Antibiotika nur als letztes Mittel und unter strengen Vorgaben eingesetzt. An erster Stelle stehen vorbeugende Maßnahmen, damit die Tiere gar nicht erst erkranken. Im Falle eines Falles kommen zuerst natürliche Heilverfahren wie Heilpflanzen oder Akupunktur zum Einsatz.

Bio-Warenkorb: Klimafreundlich, gesund und kaum teurer


Vergleich Standardkorb und gesunder Korb, Quelle: WWF

Wie oft haben wir das schon gehört: „Bio, viel zu teuer!“. Aber das stimmt so einfach nicht, wie eine neue Studie des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) zeigt: Eine Familie, die den offiziellen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung folgt, könnte 70 Prozent des gesamten Einkaufs in Bio-Qualität kaufen, ohne mehr Geld als zuvor auszugeben. Dadurch sänken die durch die Ernährung verursachten Treibhausgasemissionen um fast 40 Prozent.

Für die Studie „Bio, gesund und leistbar – geht das?“ im Auftrag des WWF Österreich wurde ein Warenkorb für eine vierköpfige Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren berechnet. Diese Familie ernährt sich durchschnittlich, und das bedeutet: Sie isst dreimal mehr Fleisch als empfohlen, kauft zu viele Fertigprodukte und zu viele Softdrinks, gleichzeitig zu wenig Obst und Gemüse. Die Kosten für diesen durchschnittlichen Warenkorb lagen bei 119 Euro pro Woche beim Kauf einer Mischung von Marken- und Billigstprodukten. Würde diese Familie ihre Ernährungsgewohnheiten im Sinne einer gesunden Ernährung ändern und unter anderem mehr Hülsenfrüchte, weniger Fleisch und weniger Fertigprodukte essen, wird das Haushaltsbudget entlastet und Bio erschwinglich. Sogar bei einem Umstieg auf 100 Prozent Bio würden die Mehrkosten nur rund zehn Prozent betragen.

"Essen wir uns und die Erde gesund“, so das Fazit des WWF Österreich. Guten Appetit!