Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 4/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Radieschen: Knackig mit gewisser Schärfe


Frühlingsfrisch, gesund, lecker: Ran an die Radieschen!

Keine Frage, das Radieschen ist ein besonderer Frühlingsbote. Die „Mini-Rettiche” enthalten unter ihrer meist roten Schale reichlich ätherische Öle, vor allem Senföl-Glykoside. Das sorgt für den pikanten, manchmal scharfen Geschmack. Außerdem stecken Vitamin C, Kalium und Folsäure in den knackigen Knollen. Radieschen aus Freiland-Anbau enthalten meist mehr ätherische Öle und schmecken somit schärfer.

Radieschen kann man aus der Hand knabbern, für Butter- oder Quarkbrote in Scheiben oder Streifen schneiden oder in den Salat raspeln. Sie verfeinern mit ihrer leichten Schärfe Dips, Sandwiches und Wraps. Ganz klassisch gehören sie zu Kartoffel- oder Wurstsalaten, aber sie geben auch Blattsalaten pikante Würze und sorgen für Farbtupfer. Frühlingsfrisch kann man Radieschen zum Beispiel mit Möhren, Broccoli, Frühlingszwiebeln, Zuckerschoten, vielen Kräutern und Ei kombinieren. Für ein Carpaccio schneidet man Radieschen und Champignons in hauchdünne Scheiben und richtet sie mit etwas Salz, Pfeffer, Kresse, Zitronensaft und Sahne an.

Das Radieschen stammt wahrscheinlich aus dem Nahen Osten oder aus China, ganz sicher weiß man es nicht. Auf jeden Fall knabberten schon die alten Ägypter und Babylonier die kleinen roten Knollen. Heute gibt es auch rot-weiße und weiße, selten sogar violette und gelbe Sorten, und manche sind länglich statt kugelrund. Die Sorte mit dem Namen „Riese von Aspern“ aus der Wiener Region bringt es auf sechs Zentimeter Durchmesser und wurde von Slow Food in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen.

Frühjahrstipp: Endlich grüner Strom!


(c) K. Niedzwezky

Was geht schneller als Frühjahrputz und macht die Umwelt richtig sauber? Drehen Sie schmutzigen Energieversorgern den Geldhahn zu! Das geht einfacher und schneller, als die meisten denken. Jeder, der umschaltet, mindert die Umweltgefahren von Kohle- und Atomstrom. Bei der Wahl des Energieversorgers sollten Sie aber darauf achten, echten Ökostrom zu bekommen. Denn leider ist „Ökostrom“ ist kein gesetzlich geschützter Begriff wie „Bio“ für Lebensmittel. Viele Anbieter produzieren nur schöne Prospekte, aber investieren nicht in neue Anlagen für eine schnellere Energiewende. Bezieht beispielsweise ein Energieversorger für seine Ökostromkunden lediglich Strom aus alten Wasserkraftwerken, dann bleibt unter dem Strich alles beim Alten: Es entstehen keine neuen Anlagen und auch der Anteil an Ökostrom im europäischen Strom-Mix steigt nicht.

Mit dem Bezug von zertifiziertem Ökostrom sorgen Sie dagegen dafür, dass neue Wind-, Biomasse- und Solaranlagen entstehen, aber auch Zukunftsprojekte wie Energiespeicher und intelligente Netze. Eine gute Wahl sind Tarife mit dem Grüner Strom Label. Träger sind sieben gemeinnützige Umwelt- und Verbraucherverbände. Auch das ok-power-Siegel zeichnet Ökostromtarife aus, bei denen die Anbieter einen Beitrag zur Energiewende leisten. Eine gute Übersicht bietet außerdem Eco Top Ten. Die vier größten Anbieter sind die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom. Es gibt aber auch lokale und regionale Energieversorger, die glaubwürdig zertifizierten Ökostrom bieten. Die meisten Bio-Fachgeschäfte und Unternehmen der Naturkostbranche haben längst umgeschaltet, darunter Lebensbaum, Byodo, Allos, Herbaria, die Bohlsener Mühle, Bauck, Spielberger, Ökoland, Andechser, Isana, Taoasis und Sodasan.

Soja hat Zukunft in Deutschland


(c)Life Food GmbH / Taifun-Tofuprodukte

Wetterfeste Sojasorten dringend gesucht! Um den Soja-Anbau in Deutschland voranzubringen, haben die Universität Hohenheim und der Bio-Tofuhersteller Taifun die Deutschen im letzten Jahr zum bundesweiten Anbau-Experiment „1000 Gärten“aufgerufen. Zwischen Alpen und Nordsee beteiligten sich über 2.400 Menschen, darunter Hobby- und Profigärtner und Landwirte. Jeder baute zwölf verschiedene Soja-Linien an. Am Ende der Anbausaison trudelten dann 15.000 Bohnenproben in der Landessaatzuchtanstalt der Uni Hohenheim ein, inklusive der erwünschten Notizen zu Blütenfarbe, Pflanzenhöhe und Reifezeit. Inzwischen sind die ersten Analysen abgeschlossen. Erfreulichstes Ergebnis: Es konnten mehrere Sojastämme identifiziert werden, die es schaffen, auch während der kürzeren und kühleren Sommer in Deutschland heranzureifen.

 

Auch bei der Suche nach Sorten, die sich besonders für die Tofu-Herstellung eignen, gab es gute Nachrichten: Unter den über 1.700 Kreuzungen fanden die Wissenschaftler einige Sojabohnen mit einem Proteingehalt von 43 bis 45 Prozent – deutlich über den üblichen 40 Prozent und damit ideal für Tofu. Ob aus den vielversprechenden Linien tatsächlich schmackhafter Tofu werden kann, prüft nun die hauseigene Labor-Tofurei bei Taifun. Der Markenhersteller verarbeitet seit 2017 ausschließlich Bio-Sojabohnen aus Deutschland, Österreich und Frankreich und hat anlässlich seines 30-jährigen Bestehens einen Jubiläums-Naturtofu in den Naturkostfachhandel gebracht, der nur aus deutschen Bio-Sojabohnen hergestellt ist.

Als besonders günstige Anbauregionen erwiesen sich vor allem das Rheintal, die Regionen rund um Berlin, Leipzig und Magdeburg sowie das Donautal in Bayern. Die Sojaernte beginnt in Deutschland je nach Region und Sorte ab September bis in den Oktober hinein. Bei Magdeburg konnten sogar schon Ende August die ersten reifen Schoten geerntet werden. Die erfolgsversprechenden Kandidaten werden in diesem Jahr noch einmal angebaut, um zu prüfen, welchen Ertrag die Pflanzen liefern.

UNO-Bericht: Pestizide sind Problem statt Lösung


Herbizide auf Reisfeldern / Foto: Pixabay

Ein neuer Bericht von zwei UN-Sonderbotschaftern warnt vor den katastrophalen Auswirkungen von Pestiziden auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit. Notwendig sei eine „Zeitenwende“ in der Landwirtschaft, denn durch den übermäßigen Gebrauch und Missbrauch von Pestiziden werde das Grundwasser kontaminiert und die Artenvielfalt einschließlich wichtiger Nützlinge zerstört. Jährlich endeten 200.000 akute Pestizidvergiftungen tödlich, insbesondere in Entwicklungsländern mit niedrigeren Sicherheits- und Umweltstandards. Die Rückstände bestimmter Pestizide blieben überdies jahrzehntelang in der Umwelt erhalten und bedrohten so das gesamte Ökosystem, auf dem unsere Lebensmittelproduktion basiert.

Der Sonderbericht empfiehlt, weltweit agrarökologische Methoden zu fördern. Dazu gehörten Maßnahmen wie Fruchtwechsel, die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und die Verwendung von lokal angepassten Sorten. Für die ökologische Lebensmittelproduktion sollten mehr Anreize durch Subventionen sowie finanzielle und technische Unterstützung gesetzt werden. Zahlreiche Studien würden mittlerweile belegen, dass auch so ausreichend geerntet werden könne, um die Weltbevölkerung zu ernähren. Laut Bericht rechtfertigen Konzerne wie Monsanto, Bayer und Syngenta die Produktion und den Einsatz von Pestiziden regelmäßig damit, dass diese für die Ernährung einer stetig wachsenden Weltbevölkerung unverzichtbar seien. Diese Behauptung sei ein Mythos. Probleme in der Welternährung seien vielmehr auf Armut, Ungleichheit sowie auf die ungerechte Verteilung von Nahrungsmitteln zurückzuführen. Der Bericht fordert ein globales Abkommen zur schrittweisen Abkehr von Pestiziden in der Landwirtschaft. Damit müsse auch die Praxis beendet werden, dass in Industrieländern verbotene Pestizide weiter produziert und in Entwicklungsländer exportiert würden.

Die beiden Autoren, die UNO-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Hilal Elver, sowie der Sonderbeauftragte für Menschenrechte, gefährliche Chemikalien und Abfälle, Baskut Tuncak, kritisieren außerdem die Agrarkonzerne für ihre „aggressiven, unethischen Marketing-Taktiken“ und für ihre systematische Verleugnung von Schäden durch den Einsatz von Pestiziden. Die massive Lobbyarbeit blockiere politische Reformen und globale Pestizideinschränkungen.

Frisches Grün von der Fensterbank


Thymian gedeiht auch auf der Fensterbank

Ob Rosmarin-Kartoffeln, Kerbelsuppe oder Taboulé mit Gurke, Tomate und Petersilie – frische Kräuter bringen Aroma in viele Gerichte. Damit Sie immer Auswahl in der Küche haben, können Sie Ihre Lieblingskräuter auf dem Balkon oder auf der Fensterbank selbst ziehen. Das Frühjahr ist die beste Aussaatzeit. Dabei ist Bio-Saatgut erste Wahl: Es wird ohne Pestizide und synthetische Dünger erzeugt und darf auch nach der Ernte nicht chemisch behandelt werden. Im Bio-Fachhandel finden Sie im Frühjahr meist eine gute Auswahl, zum Beispiel von Bingenheimer Saatgut.

Vor der Aussaat sollte man kurz prüfen, welche Ansprüche die Pflanzen haben. Die Saat von Lichtkeimern wie Basilikum, Bohnenkraut, Oregano, Estragon, Majoran, Thymian und Zitronenmelisse darf zum Beispiel nicht mit Erde bedeckt werden. Mittelmeerkräuter wie Rosmarin, Thymian, Salbei und Oregano brauchen ein West-, besser noch ein Südfenster. Petersilie, Liebstöckel, Schnittlauch und Basilikum kommen dagegen gut im Osten oder Norden zurecht, denn sie vertragen keine direkte Sonne. Wer die Töpfe oder Anzuchtschalen in den ersten Tagen mit einer Haube abdeckt, sorgt für eine förderliche Treibhausatmosphäre, in der sich die Luft erwärmt und die Feuchtigkeit erhalten bleibt. Wenn die jungen Pflänzchen bald zu eng stehen, sollte man sie pikieren und später in einzelne Töpfe umsetzen. Die beste Zeit zum Umsiedeln auf den Balkon ist der Mai, wenn es frostfrei bleibt.

Beim Ernten gilt: Besser nicht einzelne Blätter abzupfen, sondern bei Basilikum, Salbei und Rosmarin die oberen Triebe abschneiden. Petersilie und Dill sollten dagegen direkt am Stielansatz geerntet werden.