Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 3/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Grün und gesund von der Fensterbank


Sprossen und Keime haben viel Power (c)Printemps

Frühlingsboten überall, aber in der Gemüseabteilung dauert es doch noch ein Weilchen, bevor die Auswahl größer wird. Eine vitamin- und proteinreiche Alternative ist ganz junges Grün: Sprossen und Keimlinge, selbst gezogen auf der Fensterbank oder aus der Kühlung im Bio-Fachhandel. Ob Radieschen, Linse oder Alfalfa-Luzerne – aus fast jeder Saat sprießt es munter. Wer sich selbst einen kleinen „Garten“ anlegt, hat zu Hause Sprossen immer frisch zur Hand. Man kann sie einfach so auf einem Butter- oder Quarkbrot genießen, Salate aufpeppen, die Sprossen als Topping auf Suppen nutzen oder im Wok kurz mitgaren. Der Geschmack ähnelt dem der ausgewachsenen Pflanze, ist aber meist feiner. Einige Sprossen schmecken scharf-würzig, zum Beispiel Radieschen, Rettich und Rote Bete, eher nussig sind viele Hülsenfrucht-Keimlinge. Getreidesprossen haben einen leicht süßlichen Geschmack und passen zum Beispiel auch zu Müslis.

So klein die Sprossen auch sind, sie haben es wirklich in sich. Das Samenkorn enthält alles, was eine neue Pflanze benötigt. Im Kontakt mit Wasser erwacht es zum Leben und bildet Enzyme, die Speicherstoffe umwandeln. Dabei entstehen Vitamine in hoher Konzentration, darunter Vitamin C und B-Vitamine. Der Gehalt an Mineralien steigt, auch der Gehalt an Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist hoch.

Konventionelles Saatgut ist meist chemisch vorbehandelt. Mit Keimsaat aus ökologischem Anbau ist man auf der sicheren Seite. Es gibt spezielle Keimgläser oder -geräte; man kann aber auch mit einer flachen Schale starten, die mit feuchtem Küchenpapier ausgelegt ist. Darauf gedeihen am besten Kresse und andere feine Samen. Damit sich keine Bakterien vermehren und kein Schimmel entsteht, ist Hygiene oberstes Gebot. Um ganz sicher zu gehen, sollten Schwangere, Kleinkinder und Personen mit geschwächter Immunabwehr auf den Verzehr roher Sprossen verzichten. Für alle anderen gilt: Keimlinge im Glas am besten zwei Mal täglich mit Wasser durchspülen. Sprossen vor dem Verzehr gut unter fließendem Wasser spülen und bald aufbrauchen.

Ostereier vom Bio-Zweinutzungshuhn?


Öko-Tierzucht auf gutem Weg! (C)BLE, F.:Thomas Stephan

Engagierte Bio-Züchter arbeiten seit langem daran, jetzt kommt endlich der notwendige Finanzierungsschub: 1,3 Millionen Euro gehen an das Projekt „ÖkoHuhn“. Mit dabei sind die gemeinnützige Ökologische Tierzucht gGmbH, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und die Bioland Beratung GmbH. Zusammen wollen sie ein Konzept für eine ökologische Hühnerzucht entwickeln. Die Mittel stammen aus dem Bundesprogramm ökologischer Landbau.

Das „neue Huhn“ soll besonders gut angepasst sein an die ökologische Haltung. Zuchtziele sind daher die Aufzucht mit heimischem Futter wie Leguminosen und die Eignung der Tiere für die Auslaufhaltung. Dabei ist nicht die einseitige Höchstleistung entweder bei der Mast oder bei der Legeleistung gefragt, sondern die „Doppelnutzung“. Denn bisher werden Jahr für Jahr in Deutschland fast 50 Millionen männliche Küken vergast oder geschreddert, weil sie als Abfallprodukt der Legeindustrie gelten. Die Arbeit des Forschungsverbunds soll Biobetriebe künftig unabhängiger machen von den Hybriden der Geflügelkonzerne und eine eigenständige ökologische Hühnerzucht etablieren. Denn bisher müssen auch Biobetriebe mangels wirtschaftlicher Alternativen zum größten Teil konventionell gezüchtete Rassen nutzen.

Bis Ostern wird das natürlich nicht gelingen, aber schon jetzt gibt es viele Möglichkeiten, das Töten männlicher Küken zu verhindern. Im Bio-Fachhandel gibt es Eier von verschiedenen Initiativen, bei denen durch einen Preisaufschlag das kostspielige Aufziehen der männlichen Tiere ermöglicht wird. Ein Beispiel ist die "Bruderhahn Initiative", an der sich Demeter- und Biolandbetriebe beteiligen. Bei der Initiative "Haehnlein" werden Bruderhähne mindestens nach den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung mit aufgezogen. Und auf den ei care-Höfen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern leben Hühner der alten Zweinutzungsrasse „Les Bleues“, die Eier und wohlschmeckendes Fleisch liefern.

Bio: Besser für die Gesundheit


Mit Bio gesünder - (c)magele picture

Bio ist unbestritten besser für Wasser, Boden, Tierschutz und Artenvielfalt. Ein Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes des EU-Parlaments beweist nun: Der Genuss von Bioprodukten hilft auch, persönliche Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Dazu zählen ein niedrigeres Allergierisiko bei Kindern, ein geringeres Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome, Übergewicht und Fettleibigkeit bei Erwachsenen und weniger Gesundheitsrisiken dank geringerer Cadmiumgehalte und massiv niedrigerer Pestizidrückstände.

 

Außerdem bringt Bio laut der Studie „Der Einfluss von Bio-Lebensmitteln und ökologischer Landwirtschaft auf die menschliche Gesundheit“ große Vorteile für die öffentliche Gesundheit. Dazu zählt die Vermeidung von Antibiotika-Resistenzen: „Die Vorbeugung von Tierkrankheiten und ein restriktiver Einsatz von Antibiotika, wie sie in der ökologischen Haltung üblich sind, kann dieses Risiko minimieren - mit beträchtlichen Vorteilen für die öffentliche Gesundheit.“ Epidemiologische Untersuchungen wiesen zudem auf negative Folgen bestimmter Insektizide auf die geistige Entwicklung bei Kindern hin. Die gesellschaftlichen Folgekosten würden bisher deutlich unterschätzt.

Wegen der Vorteile für das Allgemeinwohl ziehen die Autoren den Schluss: Bio sollte politisch gefördert werden. Sie leiten aus den Befunden verschiedene Vorschläge ab. So könnte mehr Unterstützung für die Forschung zusätzliche Innovationen im Biosektor ermöglichen, die im weiteren Verlauf auch die konventionelle Landwirtschaft verändern, zum Beispiel beim Pflanzenschutz. Da die Folgekosten von Schadstoffbelastungen und Antibiotika-Resistenzen zurzeit die Allgemeinheit tragen muss, wären laut Studie auch finanzielle Instrumente wie Steuern und Abgaben für die Verursacher denkbar. In eine ähnliche Richtung zielt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft in seinem Grundsatzpapier zur Bundestagswahl 2017. Der Dachverband fordert einen grundlegenden Umbau der EU-Agrarpolitik. Subventionen gäbe es dann nur noch für eine Landwirtschaft, die Böden, Klima, Grundwasser und Artenvielfalt schützt und artgerechte Tierhaltung betreibt. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren schlägt darüber hinaus vor, den Mehrwertsteuersatz für Bio-Lebensmittel von 7 auf 3,5 Prozent zu senken, um umweltverträgliches Wirtschaften zu belohnen.

Hirse - zurück in Europa


Hirse: süß und herzhaft ein Genuss - (c)julie208

Hirsebrei war in Europa Grundnahrungsmittel über Generationen - und ist es bis heute in vielen Regionen Afrikas. Bei uns verschwand die Hirse ab 1850 mit dem Vormarsch von Kartoffeln, Mais, Weizen und Roggen zunehmend von den Tellern und war zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast völlig verdrängt. Mit der Bio-Bewegung und dem neuen Interesse für vollwertige und ausgewogene Ernährung erlebte das Hirsekorn eine Renaissance. Inzwischen ist sogar wieder Hirse aus europäischem Bio-Anbau erhältlich, zum Beispiel aus Deutschland, Ungarn und Österreich. Dafür mussten die Landwirte die alte Tradition mühsam wiederbeleben: Viel Wissen war verloren gegangen und geeignetes Saatgut nicht leicht zu finden.

In Grimms Märchen „Der süße Brei“ kochte das Töpfchen „guten, süßen Hirsebrei“ für ein armes Mädchen und seine Mutter – „und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig“. Tatsächlich ist Hirse in der Küche vielseitig einsetzbar und mit 20 Minuten Kochzeit schnell gar. Man kann Hirse wie Reis verwenden und ein „Hirsotto“ kochen, zum Beispiel mit Möhren und Schalotten. Sie passt auch zu einer mediterranen Gemüsepfanne, und einen erfrischenden Salat erhält man mit Gurke, Tomate, Zitronensaft, Minze und Petersilie.

Erfreulich für alle, die es nicht vertragen: Hirse enthält kein Gluten. Sie wird daher auch für glutenfreie Backwaren verwendet. Außerdem ist Hirse sehr mineralstoffreich und enthält im Vergleich zu anderen Getreidesorten besonders viel Silizium und Eisen. Der Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist sehr hoch. Wer Hirse mal anders probieren möchte, findet im Bio-Fachhandel auch Hirseflocken (von Spielberger), Hartweizen-Hirse-Pasta oder auch Babynahrung und Knuspergebäck für Kleinkinder (von Holle).

Bundespreis „Zu gut für die Tonne“ wird verliehen


Bio gegen Verschwendung: Ökodorf Brodowin (c)Foto

Rund ein Drittel unserer Nahrungsmittel endet als Abfall. Das meiste davon wäre essbar – nur vielleicht nicht ganz so hübsch oder einfach nicht normgerecht wie sehr kleine Kohlköpfe. Bekannt ist das spätestens seit dem Kinofilm „Taste the Waste“. Seitdem entstehen immer mehr Initiativen, um den Wahnsinn zu stoppen. In Deutschland werden die besten mit dem Bundespreis für das Engagement gegen Lebensmittelverschwendung „Zu gut für die Tonne“ ausgezeichnet. Darunter waren 2016 das Bio-Catering-Unternehmen Biond und die Initiative „Ugly Fruits“, die sich um „krummes Gemüse“ kümmert.

In diesem Jahr hat die Jury unter Vorsitz von Klaus Töpfer aus den rund 170 Beiträgen 14 Projekte für den Preis nominiert. Mit dabei ist auch das Bio-Unternehmen Ökodorf Brodowin GmbH & Co. KG. Der Demeter-Betrieb vermeidet Lebensmittelverschwendung, wo immer es geht. So werden Produkte, die wegen Druckstellen oder anderer Makel nicht in die Abokisten kommen, in der betriebseigenen Küche zu Fertiggerichten wie Suppen, Tiefkühlaufläufen und Pasta-Saucen verarbeitet. Außerdem lässt sich der Betrieb vom Hausschlachter alle Teile der Schlachttiere aushändigen, denn kein Tier besteht nur aus Brust oder Keule. Normalerweise landen aber 20 bis 55 Prozent nicht auf dem Teller, sondern im Müll. In Brodowin entstehen zum Beispiel aus den Knochen Hunderte Liter Brühe im Jahr und aus Innereien kreative Gerichte wie Rinderherz in Rotweinsoße oder Saure Leber.