Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 2/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Bio-Avocado – eine gute Wahl


Bessere Wahl: Avocados aus nachhaltigem Bioanbau

Die beliebte und gesunde Avocado hat neuerdings Kratzer am guten Image: In Mexiko werden für Großplantagen unkontrolliert natürliche Pinienwälder gerodet, in zu trockenen Regionen wie Südafrika wird beim Anbau kostbares Wasser verschwendet. Die riesigen Monokulturen sind zudem ein Problem für den Naturschutz. Bio-Avocados aus dem Fachhandel sind klar die bessere Alternative, denn Bio-Importeure wie Biotropic und Naturkost Schramm achten auf Nachhaltigkeit und soziale Standards in ihren Anbauprojekten in Spanien, Israel, Peru und Mexiko und überwachen den Wasserverbrauch. Dieser ist grundsätzlich deutlich niedriger als in Plantagen, die in extremen Trockengebieten liegen, aber auch moderne Technik wie die Tröpfchenbewässerung trägt zum sparsamen Umgang bei. Die Avocados für den Bio-Fachhandel stammen zudem in der Regel von bäuerlichen Erzeugern. Das gilt nicht unbedingt für Bio-Avocado im Supermarkt oder Discounter, wie das Fachmagazin „BioHandel“ recherchierte. Oft kommen deren Bio-Früchte von großen Plantagen, auf denen Bio nur ein Zusatzgeschäft am Rande ist.

Der ökologische Fußabdruck ist auch bei Bio-Avocados zwangsläufig größer als bei heimischer Roter Bete oder Grünkohl, denn die wärmeliebenden Früchte wachsen nicht in Mitteleuropa. Sie werden per Schiff transportiert, unterwegs jedoch gekühlt, um den Reifeprozess zu stoppen. Avocados fallen übrigens immer unreif vom Baum und reifen erst auf der Erde aus. Um Druckstellen zu vermeiden, werden die Früchte vorher gepflückt.

Die meisten Avocados gehören zur dunkleren Sorte „Hass“ oder zur Sorte „Fuerte“ mit grüner und glatterer Schale. Der milde Geschmack, die Vielseitigkeit auch in der vegetarischen und Küche sowie der hohe Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Folsäure und Mineralstoffen wie Kalium und Magnesium und haben zur Beliebtheit beigetragen. Das hellgrüne Fruchtfleisch schmeckt pur oder auf Brot, gern mit etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer. Das bekannteste Rezept ist wohl die mexikanische Guacamole mit Tomatenstückchen, Limette, Knoblauch, Koriander und Chili.

Recyclingpapier braucht eine Renaissance


Recyceln und weniger verbrauchen - gut für die Umwelt

Die Deutschen sind groß im Papiersammeln – aber beim Papierkauf greifen sie trotzdem zu oft nach Produkten aus Frischfasern. Laut Umweltbundesamt landet jeder fünfte Baum, der auf der Welt gefällt wird, in der Papierherstellung. Zudem stammt der Zellstoff für die Herstellung heute häufig aus Südamerika. In Brasilien wurden dafür Tausende Hektar Regenwald durch Eukalyptusplantagen ersetzt. Doch es geht nicht nur um Bäume: Für die Herstellung von Frischpapier werden enorm viel Energie, Wasser und Chemikalien benötigt. Die langen Transportwege des Zellstoffs verursachen zusätzlich einen hohen Energieverbrauch.

Dabei gibt es eine einfache Lösung: Recyclingpapier. Dafür muss kein einziger Baum fallen, und bei der Herstellung werden rund 60 Prozent weniger Energie und 70 Prozent weniger Wasser verbraucht. Heute gibt es für alle Einsatzbereiche passendes Recyclingpapier. So finden Sie umweltfreundliches Toilettenpapier und Küchenrollen im Biohandel, manchmal auch Schreibpapier und Postkarten. Auf der sicheren Seite ist man mit dem „Blauen Engel“. Das Siegel ist der anspruchsvollste Standard in Deutschland und garantiert 100 Prozent Altpapier, gleichzeitig hohe Qualität und sogar strengere Maßstäbe als für Hygienepapiere aus Frischfasern.

Bei Schulheften und Collegeblöcken lag der Recyclingpapier-Anteil Anfang der 1990er Jahre übrigens noch bei 70 Prozent, heute jedoch nur noch bei mageren fünf Prozent! Dabei ist modernes Recyclingpapier nicht mehr grau und hat eine Lebensdauer von mehreren 100 Jahren. Immerhin: Bei den Kommunen hat ein Bewusstseinswandel eingesetzt. „Die deutschen Großstädte setzen zu 85 Prozent Papier mit dem Blauen Engel ein“, heißt es bei der Initiative Pro-Recyclingpapier. Das Bundeskanzleramt hat bei Büropapier sogar 95 Prozent erreicht. Zeitungen werden heutzutage fast ausschließlich auf Altpapier gedruckt.

Süß, exotisch, köstlich: die Ananas


Ursprünglich aus Südamerika / Foto (c) Daniel Vincek

Die Ananas ist sicher kein alltägliches Obst in unseren Breiten, aber so köstlich, dass man sie sich durchaus einmal gönnen kann. Ihr aromatischer Duft bringt etwas Tropensonne in graue Tage. Darüber hinaus enthält die Ananas einen guten Vitamin- und Mineralstoffmix und reichlich Enzyme wie Bromelain, das entzündungshemmend wirkt und die Verdauung fördern soll. Das saftig-süße Fruchtfleisch lässt sich vielfältig einsetzen, frisch im Obstsalat oder gegrillt mit Butter und Zimt zum Nachtisch. Aber auch pikant, zum Beispiel in einem Curry mit Tofu oder Hähnchen, Paprika, Broccoli, Kokosmilch und Ingwer.

 

Die Ananas stammt ursprünglich aus Südamerika und wurde dort "nana neant“ genannt, was nichts anderes als „köstliche Frucht“ bedeutet. Aus der Rosette mit den langen, spitzen Blättern wächst die Blütenachse mit zahlreichen Blüten. Aus diesen entwickeln sich bis zu 200 Beeren, die wiederum zu der bekannten großen Frucht zusammenwachsen. Die Spanier nannten sie wegen der Ähnlichkeit mit einem Pinienzapfen „piña“. Daraus entstand der englische Name „pineapple“.

Der ökologische Anbau ist ein Gewinn für Mensch und Umwelt, durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel, Reifemittel und Pestizide jedoch aufwändig. So müssen die reifen Früchte täglich gesucht und geerntet werden. Der Anbau in Mischkultur, zum Beispiel mit Buschbohnen, Kochbananen, Mais, Papaya oder Kartoffeln, sorgt für weniger Schädlinge, mehr Artenvielfalt und zusätzliche Einnahmequellen für die Familien. Da Ananas kaum nach reift, muss sie möglichst reif geerntet werden. Das wiederum macht sie druckempfindlich. Der Transport ist also mit Vorsicht zu meistern. Mit dem Schiff sind die Früchte rund drei Wochen auf See. Ananas kann je nach Sorte außen grün, gelb oder eher rötlich sein. Ananas gibt es im Bio-Fachhandel aber nicht nur frisch, sondern auch als fruchtiges Trockenobst, als Glaskonserve oder Saft – und in Dutzenden weiteren interessanten Produkten wie Feta-Creme und Grillsauce, in Frucht- und Rohkost-Riegel, als Lassi oder Fruchtjoghurt, im Grünen Smoothie oder im Kokoswasser.

Biolandbau schützt vor Nitrat im Wasser


Zu viel Nitrat durch Agrarindustrie /Foto(c) J. Fälchle

Der neue Nitratbericht der Bundesregierung an die EU-Kommission macht es deutlich: Das Ziel, die Nitratmenge im Grundwasser endlich zu verringern, hat Deutschland erneut verfehlt. Bei 28 Prozent der Messstellen war der Grenzwert überschritten. Hauptursache ist der übermäßige Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger und zu viel Gülle auf zu wenig Fläche. "Die intensivierte Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen“, kommentierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Das zeige sich gerade beim Grundwasser: „Wenn es zu stark mit Nitrat belastetet ist, muss es für die Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden.“ Um 25 bis zu 60 Prozent könnte deswegen der Trinkwasserpreis steigen, warnte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft im Januar.

Die EU-Kommission hat Deutschland im Oktober 2016 wegen der Verstöße gegen die EU-Nitratrichtlinie verklagt. Die Bundesrepublik habe es versäumt, strenger gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat vorzugehen. Nun drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe. Zwar wird eine Novelle der Düngeverordnung seit drei Jahren diskutiert, der Bauernverband und andere Lobbygruppen brachten den Prozess aber immer wieder zum Stocken. Zuletzt scheiterte eine geplante Verabschiedung im Januar, weil die Unionsfraktion erneut mehr Ausnahmen für Landwirte forderte, unter anderem bei der geplanten „Stoffstrombilanz“ für Betriebe mit Viehhaltung, außerdem geringere Bußgelder.

Zu hohe Nitratwerte können die Gesundheit bedrohen, insbesondere bei Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern. Zudem trägt die Überdüngung dazu bei, dass immer mehr empfindliche Pflanzen- und Tierarten aussterben. Im Ökolandbau ist nicht nur die Stickstoffdüngung begrenzt, sondern es gibt auch Grenzen für die Zahl der Tiere pro Hektar. Damit wird verhindert, dass mehr nitrathaltige Gülle anfällt, als die Böden aufnehmen können.

Gesünder leben mit weniger Zucker


Äpfel, auch süß aber gesünder /Foto© R. Kneschke

Die Deutschen werden immer dicker, insbesondere die Männer: Am Ende des Berufslebens haben drei Viertel von ihnen Übergewicht, bei Frauen ist es gut die Hälfte. Das zeigt der Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Einer der Hauptgründe sind laut DGE kalorienreiche Snacks und Getränke, die heute nahezu überall verfügbar und günstig seien sowie der Mangel an Bewegung.

Dass Übergewicht das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht, ist unumstritten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert eine Süßwarensteuer, denn Zucker wird vom Körper schnell in Fett umgewandelt und trägt damit erheblich zum Übergewicht bei. In Großbritannien sollen Hersteller ab 2018 eine Abgabe auf Erfrischungsgetränke mit mehr als fünf Prozent Zucker zahlen.

Zucker ist preisgünstig und mit zuckrigen Produkten lassen sich gute Geschäfte machen. Einige Hersteller nehmen daher regelmäßig Einfluss auf Entscheidungsträger in der Politik. Das Forschungszentrum für Prävention an der Universität in Kopenhagen berichtete 2015 über die Lobbystrategien von „Big Sugar“. So erhielt die Universität Maryland Gelder von Coca-Cola und Pepsi für eine Studie, die die Rolle der Softdrinks herunterspielte. Später wurden deutliche methodische Mängel nachgewiesen, trotzdem wird die Studie weiter regelmäßig zitiert.

Jeder Deutsche trinkt im Schnitt 80 Liter zuckergesüßte Getränke. Tee und Wasser sind da bekanntermaßen die besseren Durstlöscher. Viel Zucker steckt auch in vielen industriell verarbeiteten Lebensmitteln wie Backwaren und Milchprodukten. Für den Appetit auf Süßes gibt es allerdings gesündere Optionen: In frischem Obst ist Zucker weniger problematisch, denn er kommt dort in Verbindung mit wichtigen Nähr- und Ballaststoffen vor und wird langsamer als isolierter Zucker vom Körper aufgenommen. Auch Nüsse, Fruchtjoghurt mit wenig Zucker oder ein Stückchen dunkle Schokolade sind eine gute Wahl.