Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 1/2017

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Kein Hofkäse mehr - das Aus für handwerkliche Betriebe

was die neuesten Änderungen der EU Kommission bewirken - wollen Sie als Verbraucher das wirklich?

Die EU Kommission hat eine verpflichtende Änderung der Nährwertangaben auf Käse beschlossen. Als Verbraucherschutz getarnt wird diese Regelung weitreichende Folgen für Hofkäserein und handwerklich hergestellte Milchprodukte haben. In Zukunft muss jeder Käse der über den Groß- und Einzelhandel vermarktet wird die komplette Nährwertanalyse auf dem Etkett ausweisen.

Für standardisierte, industriell erzeugte Produkte großer Produzenten natürlich überhaupt kein Problem - für kleine, bäuerliche, handwerkliche Produzenten fast unmöglich zu bewerkstelligen.

Die Produkte werden handwerklich, oft unter Verwendung traditioneller Methoden und häufig mit Rohmilch produziert - ohne Zugabe von Zusatzstoffen ! Bei artgerechter Tierhaltung und veränderter Fütterung z.b. Weidehaltung im Sommer, varriert die Zusammensetzung der Milch beachtlich, entsprechend schwanken auch die exakten Nährwerte im Endprodukt. 

Um dem Verbraucher aussagekräftige Nährwertangaben liefern zu können, müssten die Hersteller ihre Produkte mehrfach im Jahr untersuchen lassen und ggf. neue Etiketten anfertigen - Kosten also, die kleine Hersteller nicht stemmen können.

Das Besondere an Hofkäsen und traditionell-handwerklichen Käsen ist nicht die Art ihrer Vermarktung, sondern ihre Herstellung.

Unsere Käse sind einzigartige und wertvolle Lebensmittel, die die lange Tradition des Käsehandwerks und den sorgsamen und verantwortungsbewussten Umgang mit Mensch, Tier und Umwelt wiederspiegeln - und so soll es auch bleiben!

Deshalb bitte wir Sie, sich an der Online-Petition von FACE (Farmhouse and Artisan Cheese and Dairy Producers European Network)zu beteiligen

Farmhouse and Artisan Cheese and Dairy Producers European Network

„Gene Drive“ – gefährlicher Turbo für die Vererbung


Keine Gentechnik durch die Hintertür! (c)Fotolia

Anlässlich der Biodiversitätskonferenz Mitte Dezember in Mexiko haben 160 internationale und regionale Organisationen von allen Kontinenten ein Moratorium für die neue gentechnischen Methode namens „Gene Drive“ und wirksame Maßnahmen gegen unkontrollierte Ausbreitung von gentechnisch veränderten Organismen gefordert. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat sich Ende November gegen die Freisetzung von „Gene-Drive“-Organismen ausgesprochen.

„Gene Drives“ oder „Gen-Antriebe“ sind Methoden zur beschleunigten Ausbreitung von Genen in der Population einer Tier- oder Pflanzenart. Die Technik verändert nicht nur das Erbgut selbst, sondern schaltet auch die natürlichen Vererbungsregeln aus. Stattdessen wird ein gewünschtes Merkmal an sämtliche Nachkommen weitergegeben und verbreitet sich so sehr schnell. Mit „Gen Drive“ wollen einige Forscher auch natürliche Populationen wie Insekten, Unkräuter oder wild lebende Säugetiere gentechnisch verändern. Arten könnten sogar komplett ausgerottet werden, indem zum Beispiel auf Grund der Genveränderung nur noch männliche Nachkommen entstehen. Damit sollen unter anderem von Mücken übertragene Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber eingedämmt werden.

Geht allerdings etwas schief, drohen schwerwiegende und bisher unabsehbare Schäden in den kompliziert verflochtenen Ökosystemen der Erde. Würde man zum Beispiel alle Mücken vernichten, hätte das ernsthafte ökologische Folgen, weil sich viele Fische, Vögel und Fledermäuse zu einem erheblichen Teil davon ernähren. Mit „Gene Drive“ manipulierte Lebewesen könnten auch weiter mutieren und unerwünschte Varianten entwickeln, die sich dann unkontrolliert vermehren. Eine wirksame Kontrolle derartiger Freisetzungen kann es nicht geben, die Risiken sind unbekannt. Trotzdem fließen derzeit Millionen in die ersten Feldversuche. Auch die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat daher im September ein Moratorium bis 2020 gefordert, um das Vorsorgeprinzip zu stärken.

Die Macht der Lebensmittelindustrie

Wer verkauft uns, was wir essen? Der Konzernatlas 2017: Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustriezeigt mit vielen Grafiken, wie konzentriert die Macht von Großunternehmen in der Lebensmittelproduktion ist – vom Acker bis ins Regal. Bekannte Namen sind Walmart und Aldi, Unilever und Nestlé, Monsanto und Bayer. Kaum jemand kennt dagegen die Namen der vier größten Im- und Exporteure von Agrarrohstoffen wie Weizen, Mais, Soja, Zucker und Palmöl: ABCD werden sie genannt, das steht für Archer Daniels Midland, Bunge, Cargill und die Louis Dreyfus Company. Sie kontrollieren zusammen 70 Prozent des Welthandels mit Agrarrohstoffen.

Mit der Industrialisierung vom Acker bis zur Ladentheke befördern weltweit agierende Firmengruppen eine Landwirtschaft, bei der Produktivitätssteigerung und Gewinn im Mittelpunkt stehen. Der Preisdruck führt zu schlechten Arbeitsbedingungen und verdrängt kleine Landwirtschaftsbetriebe vom Markt, warnen die Herausgeber, darunter die Heinrich-Böll-Stiftung, der BUND und Oxfam. Ob Milch oder Kakaobohnen, die Erlöse für die Erzeuger sinken seit Jahren. Wenige Großkonzerne wie Bayer/Monsanto und ChemChina/Syngenta haben den Großteil der Patente für Saatgut, „passende“ Pestizide sowie Lizenzen für gentechnische Verfahren zur Züchtung in der Hand und bedrohen damit die Unabhängigkeit und die Existenz von Bauern. Die konzentrierte Marktmacht ist aber auch eine Gefahr für Verbraucher, denn die Konzerne bestimmen, wie unsere Lebensmittel produziert werden und was darin steckt.

Die Herausgeber des Konzernatlas 2017 fordern eine Reform des Wettbewerbsrechts und eine sozial-ökologisch orientierte politische Regulierung der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Bio ist das Gegenmodell zur industriellen Lebensmittelproduktion, nicht nur ohne Gentechnik und chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel: Bio-Landwirte in aller Welt, mittelständische Hersteller und der Fachhandel bilden eine faire und transparente Wertschöpfungskette, in der Monsanto und Co. nichts zu melden haben.

Der Klatschmohn macht sich vom Acker


(c)H.Timmann_Loki-Schmidt-Stiftung

Auch wer wenig weiß über die Pflanzenwelt, kennt den Klatschmohn, der im Sommer rot im Getreide leuchtet. Tatsächlich sind seine zarten Blüten längst nicht mehr so häufig zu sehen. Die Loki-Schmidt-Stiftung hat daher den Klatschmohn zur „Blume des Jahres 2017gewählt. Ziel ist es, auf die Gefährdung von Ackerwildpflanzen aufmerksam zu machen und die bunte Vielfalt im Landbau zu fördern. Ursprünglich lebten auf einem Acker rund 350 Pflanzenarten. Sie hatten sich im Laufe der Jahrhunderte an die Techniken der Landnutzung angepasst, doch Saatgutreinigung, intensive Düngung und der Einsatz von Pestiziden haben viele an den Rand des Aussterbens gedrängt.

Heute steht jede zweite Ackerwildkraut-Art in mindestens einem Bundesland auf der jeweiligen Roten Liste. Dabei gelten nur 20 Arten als echte Problempflanzen, die die Ernte erschweren, sich ins Saatgut mischen oder giftige Stoffe enthalten. Wildpflanzen sind aber nicht nur Farbtupfer in der Landschaft, sie sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für Bestäuber wie Schmetterlinge und Bienen sowie andere Insekten und Spinnen. Viele dieser Tierarten halten landwirtschaftliche Schädlinge wie Blattläuse in Schach.

Der Klatschmohn stellt als Überlebenskünstler nur wenige Ansprüche an seine Umgebung und weicht von den heute meist unwirtlichen Getreideäckern aus auf Brachen, Straßenböschungen oder Gärten. Oder auf Bio-Getreidefelder: Im Öko-Landbau sind nicht nur chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel tabu, sondern die Betriebe sorgen auch mit Hecken, Blühstreifen, schonender Bodenbearbeitung und einer vielfältigen Fruchtfolge für Artenvielfalt in Flora und Fauna.

Alleskönner aus Asien: Tofu


(c)yuliiaholovchenko - Fotolia

Tofu ist ein ideales Nahrungsmittel, pflanzlich, kaum verarbeitet, in Bio-Qualität oft aus europäischen Sojabohnen produziert und vollgepackt mit allen essenziellen Aminosäuren und vielen Mineralstoffen, darunter Eisen und Kalzium. Kein Wunder, dass Tofu in Japan, China und vielen anderen asiatischen Ländern seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich täglich auf dem Speiseplan steht. Dank mutiger Bio-Pioniere, die Tofu vor 30 Jahren nach Deutschland brachten, hat er heute auch bei uns viele Fans.

Aber es gibt auch Skeptiker. Die Bloggerin Melissa schrieb dazu erfrischend offen auf „Gourmandises végétariennes“: „Die Reaktion vieler Leute auf Tofu ist ungefähr so ‚Uuuuuh, bäääh! Ne, Tofu mag ich nicht, geschmackloses, labberiges Zeugs!‘ Ganz ehrlich: das verstehe ich. Meine ersten Kochversuche mit Tofu waren auch einfach nur schrecklich.“ Um dann eine Auswahl leckerer Rezepte zu liefern. Denn es gibt fast nichts, was man mit Tofu nicht anstellen könnte: Rührtofu statt Rührei, Zwiebelkuchen, Pasta „Carbonara“ mit Räuchertofu oder Mousse au Chocolat mit zartem Seidentofu. Am besten, man startet mit einem Lieblingsgericht oder einer Lieblingszutat und sucht online nach einer Variation mit Tofu. Asiatische Rezepte sind immer eine gute Idee, denn Soja- oder Teriaykisauce, Ingwer, Chili und kräftige Gewürze sorgen für Geschmack, zum Beispiel bei einem „Stir Fry”, für das Gemüse und Tofuwürfel in der Pfanne kräftig angebraten werden oder einem Roten Thai-Curry. Bio-Hersteller wie Taifun und Tofu Nagel halten für Tofu-Einsteiger erprobte Rezepte bereit.

Im Bio-Fachhandel gibt es eine große Auswahl an Tofu-Produkten, die man ohne weitere Zubereitung für Salate und Pfannengerichten verwenden oder einfach auf Brot legen kann, zum Beispiel Tofu mit Kräutern oder Nüssen, orientalisch oder italienisch gewürzt oder auch als Terrine mit Gemüse und Algen. Auch vegetarische Würstchen, Aufschnitt, Schnitzel und Brotaufstriche auf Tofu-Basis sind im Bio-Sortiment zu finden.

Aromawunder Kaffee, bio und fair


(c) Knartz - Fotolia

Mehr als 900 verschiedene Aromen wurden bisher im Kaffee nachgewiesen. So komplex ist nicht einmal das Aromen-Potpourri im Wein. Kaffeekenner können sogar Noten von Zitrus, Zimt, Karamell oder Schokolade erschnuppern und schmecken. Klima und Boden prägen den jeweiligen Charakter – und natürlich die Röstung der Bohnen, die in den roten Kaffeekirschen stecken. Konventionelle Standardkaffees allerdings schmecken fast immer gleich – sie werden gemischt, um einen Einheitsgeschmack zu treffen.

Bio-Kaffee stammt häufig aus Honduras, Peru, Mexiko, Tansania oder Äthiopien, aber auch aus Papua Neuguinea. Jede Herkunft hat ihren Charakter. Oft wachsen die Sträucher in Mischkultur mit Nutzpflanzen wie Bananen, Papaya und Zitrusfrüchten und im Schatten anderer Bäume. Das schützt nicht nur vor Wind und Sonne, sondern auch vor dem Auslaugen der Böden und vor Erosion. Die Pulpe, die bei der Verarbeitung der Kaffeekirschen entsteht, dient als natürlicher Dünger. Studien aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas zeigen, dass die Artenvielfalt solcher „Kaffeewälder“ fast so hoch ist wie in ursprünglichen Berg-Regenwäldern. Für Bio-Anbieter im Fachhandel wie Lebensbaum, Ökotopia und Mount Hagen gehört aber nicht nur der Verzicht auf Monokulturen und Pestizide zur Philosophie, sondern auch der faire Handel. Sichere Abnahmemengen zu garantierten Preisen machen den aufwändigen ökologischen Anbau mit viel Handarbeit erst möglich und sorgen für bessere Lebensbedingungen der Familien.

Bei uns gehört Kaffee zum Frühstück, zur Arbeitspause oder zum Kuchen für die meisten Menschen einfach dazu. Mehr als 150 Liter trinkt der Durchschnittsdeutsche im Jahr, also gut 400 Milliliter am Tag. Noch immer hält sich der Glaube, Kaffee sei ein "Flüssigkeitsräuber" - er darf aber unbesorgt zur täglichen Trinkmenge gerechnet werden. Aufgrund der anregenden Wirkung sei das Genussmittel jedoch nicht als Durstlöscher geeignet, betont die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Koffein steigert die Reaktionsfähigkeit und die Aufmerksamkeit, erhöht aber auch den Blutdruck und die Herzfrequenz. Bis zu vier Tassen am Tag dürfen Sie aber mit gutem Gewissen genießen.