Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 9/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Wilder Herbst mit Hagebutte und Holunder


Die Hagebutten sind reif! (c) mirpic-Fotolia

Leuchtend rote Hagebutten vor einem blauen Herbsthimmel, was für ein wunderbarer Anblick. Die Früchte der Wildrosen sind trotz ihrer Warnfarbe essbar und sogar äußerst gesund. Denn genau wie Holunderbeeren, die jetzt ebenfalls reif sind, stecken Hagebutten randvoll mit Vitamin C, das die Immunabwehr stärkt. Das Wildobst übertrifft dabei sogar Zitrone und Sanddorn. Hagebutten enthalten außerdem den antioxidativ wirkenden roten Farbstoff Lycopin und zahlreiche Mineralstoffe. Dem Schwarzen Holunder, auch Holler oder Fliederbeerbusch genannt, werden seit jeher sogar magische Kräfte nachgesagt. Als „Hausapotheke“ stand er aus gutem Grund auf fast jedem Bauernhof, denn der Saft stärkt die Abwehrkräfte, wirkt schweißtreibend, möglicherweise auch entzündungshemmend und ist daher wie Holunderblütentee ein bewährtes Hausmittel bei Erkältungen. Wer den herbsüßen Saft portionsweise einfriert, kann damit jederzeit Tee und Mineralwasser aufpeppen. Beliebt sind außerdem Gelees, Fruchtsaucen und im Norden die „Fliederbeersuppe“.

Vor dem Genuss beider Wildobstarten ist allerdings ein wenig Handarbeit gefordert: Bei Hagebutten muss der Kern mit den typischen Härchen entfernt werden, denn sie reizen Haut und Schleimhäute. Viele kennen dieses "Juckpulver" noch aus der Kindheit. Danach kann man das herb-fruchtige Fruchtfleisch pur naschen, die Hagebuttenhälften für Tee trocknen oder Fruchtmus kochen. Bei Holunderbeeren ist Erhitzen auf 80 Grad sogar Pflicht, um Giftstoffe unschädlich zu machen.

Ganz ohne Mühe lassen sich Wildobst-Produkte aus dem Bio-Fachgeschäft genießen: Zum Beispiel purer Holunder-Muttersaft als Basis für Fruchtgetränke oder Saucen oder das samtig-fruchtige Hagebuttenmus fürs Frühstück und zur Verfeinerung von Wildgerichten, Müsli und Desserts. Eine klassische Früchteteemischung ist der fruchtig-säuerliche Hagebutten-Hibiskus-Tee, der frisch zubereitet aus guten Rohstoffen nichts mehr mit dem dünnen Tee auf Klassenfahrten gemein hat. Und wenn es kühler wird, wärmt und schmeckt ein Bio-Holunder-Glühpunsch – je nach Sorte verfeinert mit anderen Säften und Gewürzen wie Sternanis, Vanille und Zimt.

15 Jahre Biosiegel – mehr Schub für Bio gefordert

Das Biosiegel feiert seinen 15. Geburtstag: Am 5. September 2001 stellte die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast das sechseckige Siegel der Öffentlichkeit vor. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Der Bio-Anbau und der Biomarkt wachsen seitdem kontinuierlich. Allerdings längst nicht genug. Denn der ökologische Landbau ist eine nachgewiesen nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft, ein entscheidender Grund, warum der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Anteil auf 20 Prozent steigern wollen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fordert sogar noch mehr und bezeichnet die 20 Prozent als „Etappenziel“. Mit mehr Ökolandbau ließen sich viele Politikziele erreichen, von Biodiversität über Klima- und Wasserschutz bis zur Hochwasserprävention. Der Bio-Dachverband kritisiert daher, dass für die deutsche „Zukunftsstrategie Ökolandbau“, die 2017 starten soll, keinerlei zusätzlichen Haushaltsmittel vorgesehen sind.

Gemeinsam mit den Bio-Anbauverbänden, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Greenpeace, NABU und WWF fordert der BÖLW, dass in Deutschland weitere 500 Millionen Euro EU-Agrargelder in Umwelt-, Klima- und Tierschutz investiert werden. Dafür könnten problemlos bis zu 15 Prozent der EU-Agrarsubventionen von der Flächenförderung in den Topf für Umwelt, Tier- und Klimaschutz umgeschichtet werden. Bisher nutzt die Bundesregierung diesen Spielraum aber nicht aus und widmet nur 4,5 Prozent der Agrargelder um. Damit fehlen engagierten Landwirten wichtige Mittel für dringend erforderliche Zukunftsinvestitionen. In einigen Bundesländern mussten wichtige Umweltprogramme und zum Teil auch die Ökolandbau-Förderung wegen leerer Kassen bereits gestoppt werden.

Die Verbände haben ihre Forderungen und Argumente in dem Positionspapier „Zukunftschancen der Gemeinsamen Agrarpolitik für Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz nutzen“ zusammengefasst.

Kümmel - Medizin und Gewürz in einem

Arzneipflanze des Jahres 2016 ist der Echte Kümmel, auch Wiesenkümmel genannt. Er zählt zu den ältesten Gewürz- und Arzneipflanzen in Europa. Archäologische Funde zeigen, dass ihn die Menschen schon in der Steinzeit verwendet haben. In der Medizin werden ausschließlich die Früchte des Doldenblütlers verwendet. Sie enthalten reichlich ätherische Öle, vor allem Carvon, das krampflösend wirkt. Empfohlen wird deshalb die Anwendung bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Blähungen und Völlegefühl.

 

Eine ähnliche, wenn auch etwas schwächere Wirkung hat Kümmeltee. Dafür verwendet man am besten ganze Samen, die in einem Mörser kurz angestoßen werden. Immer abgedeckt ziehen lassen, damit das ätherische Öl nicht entweicht! Viele Bio-Spezialisten haben Kümmelsamen im Sortiment, pur oder in Kombination mit Anis und Fenchel, auch als Teebeutel.

Schon Hildegard von Bingen empfahl Kümmel bei schwerverdaulichen Speisen. Bis heute ist er eine typische Zutat für Deftiges wie Kohlgerichte, Zwiebelkuchen, Sauerkraut und Schweinebraten. Sonnentor empfiehlt den herb-würzigen Kümmel aber auch für Kartoffelsuppe und Quark oder feindosiert für Salate. Heuschrecke bietet Bio-Kümmel von der Mittelweser an und verwendet ihn auch in Mischungen wie dem „Keltischen Suppengewürz“. Bei Herbaria stammt der Kümmel ebenfalls aus Deutschland, von einem Bioland-Partner im Lippischen Bergland. Lebensbaum empfiehlt das warme Kümmel-Aroma auch für herzhaftes Gebäck und Sauerteigbrot. Fix und fertig mit Kümmel gewürzt gibt es im Bio-Fachhandel knusprige Cracker, Backwaren und verschiedene Käsesorten zu entdecken.

Natur erleben im „Kinder-Garten“


© FiBL, Fotograf: Klaus-Peter Wilbois

Kinder sind kleine Entdecker und außerdem die Gärtnerinnen und Konsumenten von morgen. Das Netzwerk-Projekt„Kinder-Garten im Kindergarten – Gemeinsam Vielfalt entdecken“ will sie deshalb für die Vielfalt der Natur begeistern. Beteiligt sind 200 Kindergärten in Deutschland. Fachlich begleitet wird das Programm vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau e.V.

Gärten im Kindergarten machen es möglich, dass die Kleinen die Vielfalt der Nutzpflanzen und der natürlichen Lebensmittel erleben: Wie schmecken alte heimische Gemüsearten oder und unterschiedliche Sorten bei Möhren oder Erdbeeren? Wie kann ich aus Tomatensamen selbst Saatgut herstellen? Die Erzieherinnen und Erzieher der Kinder-Gärten können sich in Workshops für die neuen Themen fit machen. Wichtige Praxistipps stehen für alle Interessierten kostenfrei in den Leitfäden "Naturnah gärtnern – Biologische Vielfalt fördern" und "Biologische Vielfalt spielend erleben" zum Download bereit. Die Website versammelt außerdem Aktionsideen der Kindergärten, zum Beispiel zur Anlage von Wildkräuterbeeten und Naschgärten, zum Bau eines Insektenhauses oder zum Anbau von Teekräutern.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat "Kinder-Garten im Kindergarten" als Vorzeigeprojekt im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Zähne natürlich putzen


(c) Dangubic - Fotolia

Was steckt eigentlich in unserer Zahnpasta? Der Tag der Zahngesundheit am 25. September ist ein guter Anlass, mal genauer auf die Tube zu schauen. Manche Sorten enthalten bedenkliche Substanzen, darunter PEG-Derivate, halogenorganische Verbindungen wie Triclosan und synthetische Farb-, Duft- oder Aromastoffe. Auch Natriumlaurylsulfat (deklariert oft als Sodium Lauryl Sulfat), ein aggressives Tensid, das die Schleimhäute reizen kann, ist weit verbreitet. Eine sanfte und trotzdem gut reinigende Alternative sind Zahncremes, die nach einem Naturkosmetik-Standard zertifiziert sind. Die umstrittenen Stoffe sind verboten, stattdessen sorgen natürliche Inhaltsstoffe für gründliche Reinigung und frisches Mundgefühl.

Kräuterextrakte, ätherische Öle und Meersalz wirken entzündungshemmend und zum Teil auch antibakteriell. Verwendet werden unter anderem Teebaumöl, Myrrhe, Salbei und Nelke. Auszüge aus Ratanhia und Rosskastanie stärken das Zahnfleisch und beugen Zahnfleischbluten vor. Wenn möglich, stammen die Zutaten aus ökologischem Anbau, zum Beispiel Kamillen- und Salbeiextrakt. Auf Schaumbildner verzichten Naturkosmetikhersteller entweder ganz oder sie verwenden milde Zucker- oder Kokostenside. Wer während einer homöopathischen Behandlung auf Pfefferminze verzichten will, findet im Biohandel mentholfreie Zahncremes, zum Beispiel mit Calendula-Extrakt oder Fenchelöl. Von Sante gibt es außerdem eine mit Vitamin B12 angereicherte Zahncreme. Sie hilft Veganern, ausreichend Vitamine B12 aufzunehmen, das in veganen Lebensmitteln kaum vorhanden ist.

Ein weiteres Plus im Naturkosthandel: Man hat die Wahl zwischen Zahncreme mit und ohne Fluorid. Fluoride sollen den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Karies machen. Stiftung Warentest und Ökotest werten daher Zahncremes ohne Fluorid ab. Doch viele Menschen möchten lieber darauf verzichten oder die Menge einschränken, denn in der Naturheilkunde und in der ganzheitlichen Zahnmedizin wird Fluor zum Teil kritisch gesehen. Ob mit oder ohne Fluor: Wichtig zur Vermeidung von Karies sind sorgfältige und regelmäßige Zahnpflege, Wasser als Haupt-Durstlöscher und die richtige Ernährung mit Zucker in Maßen. Denn Kariesbakterien produzieren aus Zucker Säuren, die den Zahnschmelz angreifen.