Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 8/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Buntes Leben auf der Bio-Streuobstwiese


©BLE, Bonn/Foto: Dominic Menzler

Ulmer Butterbirne, Horneburger Pfannkuchen, Gelbe Sächsische Renette und Porzenapfel – schon mal gehört? Es sind die Streuobstsorten des Jahres 2016. Streuobstwiesen sind sozusagen die Oliven- und Mandelhaine Mittteleuropas: prägend für die Kulturlandschaft, attraktiv für Spaziergänger und ein Anziehungspunkt für Urlauber, vor allem zur Obstblüte und zur Erntezeit. Im Wendland gibt es sogar eine Route der alten Obstsorten.

Streuobstwiesen ziehen aber nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen an. Über 5.000 Arten sind typisch, darunter Siebenschläfer, Steinkauz, Wendehals und Grünspecht. Mehr als 1.000 wirbellose Tierarten kann ein einziger alter Apfelbaum beherbergen. Denn anders als auf gleichförmigen Obstplantagen stehen auf Streuobstwiesen hochstämmige Bäume „verstreut“ in der Landschaft, Sorten und Altersstufen bunt gemischt. Die Flächen unter den Bäumen werden als Weiden oder für die Heugewinnung genutzt. Oft findet man seltene und bedrohte Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumensorten - mindesten 3.000 sind bekannt, viele sind regional gut angepasst. Diese Sortenvielfalt ist eine wichtige genetische Ressource für die Zukunft. Konventionelle Obstplantagen sind dagegen eng bepflanzte Monokulturen mit niederstämmigen Pflanzen, die regelmäßig gespritzt werden müssen. Denn fast alle neueren Sorten – rund 30 spielen auf dem Markt eine Rolle - stammen von sechs Stammsorten ab, die alle stark krankheitsanfällig sind und ohne Fungizide kaum angebaut werden können .

Artenreiche Streuobstbestände bleiben nur erhalten, wenn das viel aufwändigere Wirtschaften sich lohnt. Die Bio-Zertifizierung ermöglicht bessere Abnahmepreise, und eine Gruppenzertifizierung macht das Verfahren auch für kleine Flächen attraktiv. Die Mitglieder des Bio-Streuobstvereins Elbtal liefern zum Beispiel an den Bio-Safthersteller Voelkel. Auf dem Bio Streuobst-Hof Stöckl in Niederbayern können Interessierte eine Baum-Patenschaft übernehmen. "Rent-an-Apple-Tree" heißt das Konzept. Und in Mecklenburg-Vorpommern gibt es sogar ein ökologisches Wertpapier, den "Streuobstgenussschein". 

Bio ist top in den Tropen


©FiBL

Der Ökolandbau erzielt in den Tropen nicht nur vergleichbare Erträge wie die konventionelle Landwirtschaft, sondern garantiert Kleinbauern auch einen besseren Verdienst. Das zeigen neue Ergebnisse der Langzeitstudie des Forschungsinstituts für Biologische Landwirtschaft in Kenia. Nach vier Jahren erzielten die Biobetriebe aufgrund der geringeren Produktionskosten und höherer Marktpreise für ökologische Erzeugnisse ein besseres Einkommen als die konventionellen Vergleichsbetriebe. Im sechsten Jahr lag der Einkommensvorsprung sogar bei 53 Prozent.

Bei den Erträgen konnte der Ökolandbau schon im zweiten Jahr mit der konventionellen Landwirtschaft mithalten. Die Studie belegt auch klar eine Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit auf den Bio-Feldern und dazu gesundheitliche Vorteile für die Menschen durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel. In Parallelstudien beim Baumwollanbau in Indien und der Kakaoproduktion in Bolivien erzielte Bio ähnlich positive Ergebnisse.

Die Schweizer Stiftung Biovision unterstützt die Langzeitstudie in Kenia finanziell. So ist zusätzliche Forschung unter Beteiligung der Landwirtinnen und Landwirte möglich, um lokal angepasste, nachhaltige und innovative landwirtschaftliche Praktiken zu entwickeln. Das „Farmer Communication Programm“ ermöglicht zudem Erfahrungsaustausch und Wissensvermittlung über Zeitungen, Radio, Internet und persönliche Beratung. Ziel ist eine nachhaltige Verbesserung der Ernährungssicherheit und der Lebensbedingungen der Kleinbauernfamilien in Ostafrika.

Mit Kokos kommt Exotik in die Küche

Kokos – das klingt nach weißem Sandstrand und türkisblauem Meer. Tatsächlich gedeihen Kokospalmen nur in den Tropen. Für eine gute Ernte ist humusreicher Boden hilfreicher als Sand. Bio-Anbieter wie Morgenland, Dr. Goerg, Kulau oder Rapunzel achten in ihren Anbauprojekten daher darauf, dass die Kokospalmen in Mischkultur wachsen, zum Beispiel mit Bananen, Mango und Papaya. Für gute Bodenfruchtbarkeit sorgt auch, dass die faserigen Hüllen als Dünger genutzt werden.

Weil in unseren kühleren Breiten die Nachfrage seit Jahren wächst, wird das Angebot an Kokosprodukten immer vielfältiger. Das klare Kokoswasser oder -saft aus den jungen Nüssen ist ein guter Durstlöscher voller Mineralstoffe und Vitamine und als isotonisches Getränk beliebt bei Sportlern. Bei Bio-Kokoswasser stammt die leichte, aromatische Süße einzig aus der reifen Kokosnuss. Kokosmilch ist unverzichtbar in der asiatischen und veganen Küche und bringt fein-exotisches Aroma in Cocktails, Smoothies, Desserts und Eiscreme. Sie wird aus dem Fruchtfleisch gewonnen und enthält in Bio-Qualität alle wertvollen Bestandteile der reifen Nuss. Dabei ist Kokosmilch nicht gleich Kokosmilch, denn je nach Produkt wird mehr oder weniger Wasser zugesetzt. Hier hilft ein Blick aufs Etikett. Konventionelle Anbieter arbeiten auch mit Zusatzstoffen wie Emulgatoren, Stabilisatoren, Konservierungsstoffen und Aromen. Noch cremiger und aromatischer als Kokosmilch ist Kokosmus, das man als Brotaufstrich, aber auch für Saucen, Currys und Desserts verwenden kann.

 

Kokosöl ist beliebt fürs Braten und Frittieren, denn der Rauchpunkt liegt sehr hoch, so dass selbst bei starkem Erhitzen keine gesundheitsschädlichen Stoffe wie Transfettsäuren entstehen. Das reichhaltige Kokosfett, das ab 24 Grad flüssig wird, wird traditionell auch in der ayurvedischen Haut- und Haarpflege eingesetzt und ist in Naturkosmetikprodukten wie Bodybutter und Körperlotion enthalten.

Ebenfalls im Biohandel erhältlich sind Kokosraspeln für Desserts und Gebäck sowie das ballaststoffreiche und glutenfreie Kokosmehl, das sich für Shakes, Plätzchen, Pfannkuchen und Waffeln und auch zum Binden von Saucen und Suppen eignet. Bei Kuchen kann es andere Mehle zum Teil ersetzen. Der leicht karamellige Geschmack von Kokosblütenzucker ist das i-Tüpfelchen auf Desserts und Kaffeespezialitäten. Der Bio-Fachhandel bietet aber noch mehr Kokos-Genuss, vom -Joghurt über -Fruchtschnitten bis hin zu pikanten Würzsaucen mit Kokosmilch. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

17. September: Großdemos gegen CETA & TTIP


www.ttip-demo.de

Die EU und die USA drücken aufs Tempo und wollen die Eckpunkte für das stark in der Kritik stehende Freihandelsabkommen TTIP bis zum Jahresende festlegen. Bereits im Oktober soll CETA, das fertig verhandelte Abkommen mit Kanada, unterzeichnet werden. Um das noch zu verhindern finden am 17. September bundesweit Großdemonstrationen gegen CETA und TTIP und für einen gerechten Welthandel statt. In den sieben Städten Leipzig, Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, München, Stuttgart und Köln werden Zehntausende erwartet. Die Verteilung der Demonstrationen auf verschiedene Städte ist zugleich auch ein Appell an die Regierungen der Bundesländer, die im Bundesrat über CETA entscheiden müssen.

Zu den Unterstützern zählen mehr als 200 Verbände, Parteien und Organisationen. Das Bündnis tritt ein für eine Handels- und Investitionspolitik mit hohen ökologischen und sozialen Standards, die eine nachhaltige Entwicklung weltweit fördert. Die bäuerliche und nachhaltige Landwirtschaft sowie artgerechte Tierhaltung sollen vorangebracht, Agro-Gentechnik und industrielle Landwirtschaft nicht weiter gefördert werden. CETA und TTIP würden dem Gemeinwohl wenig dienen, sondern vor allem mächtigen wirtschaftlichen Interessengruppen. Die geplanten Sonderklagerechte für Investoren gefährden zudem die demokratische Handlungsfreiheit. Gleichzeitig wäre wohl auch der Nutzen von TTIP bescheiden. Bisher wurden alle hochfliegenden Wachstumsprognosen als nicht seriös widerlegt.

Der Demonstrationsaufruf steht auch in englischer und türkischer Sprache zur Verfügung. Aktive können einen Bus zu ihrem Demonstrationsort über das Demo-Büro bestellen – ohne finanzielles Risiko und mit wenig Aufwand. Auch eine Mitfahrbörse ist eingerichtet worden. Einzelpersonen und Organisationen können sich auf der Website des Demo-Bündnisses als Unterstützer/-innen registrieren lassen.

Grüner leben mit Kindern

Können Kinder ohne Konsumrausch und Leistungszwang aufwachsen? Wie weckt man den Spaß an der Natur, wenn PC und Konsole mit schnellen Erfolgserlebnissen locken? Die britische Autorin und Umweltwissenschaftlerin Kate Blincoes ist selbst Mutter zweier Kinder und kennt die Tücken der Praxis. Ihr Buch „Green Parenting“ ist gedacht für Menschen, die Arbeit und Familie zwar manchmal nur mit Mühe vereinbaren können, aber dennoch mehr „Grün“ in den Alltag bringen möchten. So gibt es im Kapitel „Jäger und Sammler“ Tipps zum Sammeln von Essbarem in der Natur und passende Rezepte wie Löwenzahn-Pfannkuchen und Rotklee-Limonade. „Kleine grüne Daumen“ zeigen, wie man im Garten oder auf dem Balkon Tiere anlockt und „Grüne Feste“ versammeln Ideen für umweltfreundliche Dekoration und gesunde Partysnacks.

Besonders am Herzen liegen der Autorin Erlebnisse im Freien. Ihr Buch macht klar, wie wichtig es ist, draußen zu sein, mit Matsch und Wasser und allerlei Fundstücken zu spielen – auch wenn die Zeit knapp und das Wetter mal nicht so toll ist. „Wie die Natur uns gut tut“ enthält Ideen für Spaß in der Natur und die „Die besten 10 Tipps, wie Sie ihr Kind bei jedem Wetter nach draußen locken“, auch für Großstadtfamilien. Denn Kinder sollten nicht nur die Natur kennenlernen, sie brauchen auch Herausforderungen und sie müssen lernen, Risiken und das eigene Können abzuschätzen. Helikoptereltern verhindern all dies. Weil die Werbung immer neue Konsumwünsche weckt, die oft genug der Umwelt und der Gesundheit nur schaden, gibt es „Tricks, wie Sie Ihr Kind nicht verwöhnen“. Nicht alle passen für jeden, aber wie überall im Buch findet man Punkte, die man für sich herauspicken kann, genau wie bei den zahlreichen Rezepten und Bastelanleitungen. Fotos, Zeichnungen und Rubriken wie „Und was sagt die Oma?“ am Ende der Kapitel sorgen für eine entspannte Lektüre.

Manchmal wäre allerdings weniger mehr gewesen: Wenn ich etwas über „Green Parenting“ lesen will, brauche ich nicht all die Tipps, die man auch in anderen Ratgebern findet, zum Beispiel zum Energiesparen im Haushalt, zur Müllvermeidung oder zum umweltverträglichen Putzen. Andererseits machen diese Abschnitte das Buch zum praktischen Ratgeber für Einsteiger in ein umweltbewussteres Leben. „Es gibt kein fertiges Ökokonzept für alle“, heißt es im Vorwort. „Schauen Sie also selbst, was Ihnen gefallen könnte, lachen Sie über Ihre Fehlschläge, und unternehmen Sie einen neuen Anlauf.“

Kate Blincoe: Green Parenting. Wie man Kinder großzieht, die Welt rettet und dabei nicht verrückt wird. oekom verlag, 19,95 Euro. ISBN 978-3-86581-778-5.