Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 7/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Superfood von hier: Brombeeren


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Superfood muss nicht aus fernen Ländern kommen: Auch heimische Beeren haben Superkräfte! Die Brombeeren-Saison läuft gerade an, und die schwarzglänzenden Früchte sind nicht nur saftig-süß, sondern stecken auch voller Vitamine und Mineralstoffe. Ihr Kalzium- und Magnesiumgehalt zählt zu den höchsten bei Frischobst, und auch bei Kalium, Eisen und Provitamin A sind Brombeeren in der Spitzengruppe zu finden. Für die satte Farbe sorgen Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ wirken.

Super ist im Sommer auch der ökologische Fußabdruck von Brombeeren, denn die Transportwege sind kurz. Viele Naturkostläden beziehen Beerenobst sogar direkt aus der Umgebung. Der ökologische Anbau sorgt für weitere Umweltpunkte. Biobetriebe düngen mit Kompost und etwas Steinmehl, und eine artenreiche Dauerbegrünung mit Gräsern, Leguminosen und Blumen dient Bienen als Nahrung und zieht Insekten und Nützlinge an. Auch für die Gesundheit macht sich der Bio-Anbau bezahlt: Konventionell angebautes Beerenobst enthält besonders viele Pestizidrückstände, wie aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erneut gezeigt haben. Bei mehr als jeder zehnten Brombeer-Probe war sogar der Höchstwert überschritten.

Die saftigen Brombeeren schmecken vielen am besten pur. Eine Handvoll frischer Beeren und ein wenig Honig verwandeln Naturjoghurt schnell in ein köstliches Dessert, und ein sommerlicher Obstsalat bekommt mit Brombeeren Farbe und natürlich Superkräfte. Ein Klassiker aus Frankreich ist die Brombeertarte. Erfrischend sind Sorbets, Smoothies und fruchtige Shakes, zum Beispiel mit Buttermilch, Sirup, Limettensaft und etwas Rosmarin oder auch mit Kokos- oder Mandelmilch und pürierter Banane oder Ananas.

Edle Tropfen für sommerliche Salate


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Eichblattsalat, Tomaten, Kohlrabi, Batavia, Gurken, Lollo Rosso - im Sommer liegt alles knackfrisch aus dem Freiland und aromatisch in den Bio-Fachgeschäften. Die frischen Blätter und Gemüse enthalten schon viel Gutes, aber mit hochwertigen Pflanzenölen wird der Salat zur gesunden Gourmetmahlzeit. Das beliebte Olivenöl ist eine gute Wahl, aber es lohnt, auch mal eines der besonderen nativen Öle auszuprobieren, die der Biohandel in großer Auswahl bietet. Sie enthalten reichlich ungesättigte Fettsäuren in unterschiedlichen Anteilen. Unser Körper braucht sie alle, Abwechslung beim Salatdressing ist also eine gute Idee.

Walnussöl zum Beispiel verleiht nicht nur Salaten mit leichter Bitternote wie Radicchio und Rucola eine mild-nussige Note, sondern auch Salatkombinationen mit Feldsalat, Karotten, Tomaten, grünen Bohnen, Fenchel oder Sellerie. Das Öl harmoniert außerdem wunderbar mit Ziegenkäse. Fast ein flüssiges Gewürz ist das fruchtige, leicht herbe Kürbiskernöl – ein paar der dunkelgrünen Tropfen genügen schon. Walnussöl und Kürbiskernöl können auch beim Dessert einen großen Auftritt haben: Versuchen Sie mal ein paar Tropfen auf Vanilleeis! Rapsöl kennen viele eher zum Braten, aber wenn es kalt gepresst und nicht raffiniert wurde, enthält es ebenfalls reichlich ungesättigte Fettsäuren, glänzt tief gelb und passt gut zu Kraut-, Bohnen-, Nudel- und Kartoffelsalat. Leinöl mit seinem nussigen, leicht bitteren Aroma schmeckt zu Bohnen- und Linsensalat oder Karottensalat mit Nüssen. Geröstetes Sesamöl zaubert ein wenig Fernost in die Salatschüssel. Eine Öl-Rarität ist Mohnöl. Es schmeckt fruchtig, leicht süßlich und nussig.

Alle Bio-Pflanzenöle werden aus erstklassiger Rohware schonend und ohne Wärmezufuhr gepresst und nicht raffiniert. Der typische Geschmack bleibt erhalten, aber auch fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K. Das große Alleinstellungsmerkmal der Öle ist jedoch der hohe Anteil ungesättigter Fettsäuren wie Linolsäure, Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Sie sind lebensnotwendig, können aber vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden. Dagegen sind die meisten konventionellen Speiseöle Kellerkinder: Sie werden beim Pressen erhitzt, mit Lösungsmitteln wie Hexan behandelt, gebleicht, desodoriert und mit Lauge entsäuert. Dabei geht ein Großteil der wertvollen Inhaltstoffe verloren, das Öl wird zudem geruchs- und geschmacksneutral.

Zu viel Dünger in der Ostsee


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Ferienzeit, da zieht es viele ans Meer. Doch die Ostsee ist heute eines der am stärksten verschmutzten Meere der Welt. Bei Nitrat und Phosphor werden die Grenzwerte teilweise deutlich überschritten. Und die Mitgliedstaaten der EU tun nicht genug, um die Verschmutzung einzudämmen, kritisiert nun ein Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs. Immerhin 4,6 Milliarden Euro haben die Ostsee-Anrainerstaaten zwischen 2007 und 2013 für Verbesserungsmaßnahmen erhalten, aber laut Rechnungshof sind nur „begrenzt“ Fortschritte zu verzeichnen. Die Verschmutzung der Ostsee sei in erster Linie auf die Landwirtschaft zurückzuführen, so die Prüfer. Sie empfehlen strengere Agrarumweltregelungen.

Die hohe Nährstoffbelastung führt zu verstärktem Algenwachstum, dadurch wiederum verringert sich die Sauerstoffkonzentration, ein Todesurteil für Fische und andere Meeresbewohner. Laut einer Studie der dänischen Universität Århus haben sich diese „Todeszonen“ in der Ostsee stark ausgeweitet. Von rund 5.000 Quadratkilometern vor 110 Jahren sind sie auf mittlerweile 60.000 Quadratkilometer angewachsen.

Die EU-Mitgliedstaaten sind durch verschiedene Richtlinien verpflichtet, übermäßige Nährstoffeinträge zu bekämpfen und einen guten Umweltzustand der Meeresgewässer zu erreichen.

 

Das klappt in Deutschland so wenig, dass die EU-Kommission im April nach zahlreichen Mahnungen beim Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht hat. Die Bundesregierung bestreitet das Problem nicht: In Bezug auf Eutrophierung sei die Ostsee überwiegend in einem nicht guten Zustand, hieß es im Juni in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Von 45 Wasserproben aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein waren danach 30 in einem schlechten oder unbefriedigenden Zustand. Die Grünen fordern eine Reform der Düngeverordnung, die strikte Auflagen zum starken Gülleaustrag aus der Massentierhaltung vorsieht.

Hafer: Reis des Nordens


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Jahrhundertelang war Hafer ein Hauptnahrungsmittel in Europa. Heute ist er vor allem beliebt in Form von Flocken. Dabei wäre auch das ganze Korn eine ideale Zutat in der Vollwertkost: Hafer enthält mehr Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine als alle anderen Getreide und punktet zudem mit einem günstigen Verhältnis bei den ungesättigten Fettsäuren. Besondere Ballaststoffe, die Beta-Glucane, können den Cholesterinspiegel senken und den Blutzuckeranstieg bremsen.

Dass der Hafer dennoch bisher keine Traumkarriere auf dem Teller hingelegt hat, liegt daran, dass die Körner fest verwachsen sind mit den Spelzen, die daher nach der Ernte aufwändig entfernt werden müssen. Es gibt allerdings eine eng verwandte Art, den Nackt- oder Sprießkornhafer, bei dem sich die Spelzen beim Dreschen leicht entfernen lassen. Doch Nackthafer bringt deutlich weniger Ertrag und wird daher kaum angebaut. Das soll nun das vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderte Forschungsprojekt „Hafer als Reis des Nordens“ ändern. Wissenschaftler der Getreidezüchtungsforschung Darzau untersuchen 100 Sorten, Zuchtstämme und genetische Ressourcen von Nackthafer, die unter Öko-Bedingungen im Feldversuch angebaut werden. Ziel ist die Entwicklung von ertragreichen Sorten für den ökologischen Landbau, die nach dem Dreschen völlig spelzenfrei und außerdem resistent gegen den Flugbrand sind. Bei der Produktion von Haferflocken sind die Spelzen übrigens kein Problem, denn sie lassen sich nach dem Dämpfen und Darren gut abtrennen, bevor die Körner zu Flocken gepresst werden.

Wer dem Hafer mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, findet im Biohandel auch jetzt schon ganze Nackthaferkörner. Man kann sie mit dem Flocker oder einer Getreidemühle für Müsli und Frischkornbrei vorbereiten oder die gekochten Körner als Zutat für Gemüsepfannen und Aufläufe nutzen. Für Eintöpfe, Cremesuppen oder Bratlinge ist geschroteter Hafer ein gesundes Plus. Ein nussiges Aroma erreicht man dabei durch kurzes Andarren im Topf vor dem Kochen. Für einen Sommersalat kann man den Hafer mit bunten Paprikastückchen, Tomaten und Schafskäse mischen. Knoblauch, Thymian und Basilikum geben mediterranes Aroma in der Vinaigrette.

Ein Buch macht Mut: Saatgut retten!

Jede Pflanze erzeugt unzählige Nachkommen. Über Jahrtausende haben Bäuerinnen und Bauern Samen ausgewählt, aufbewahrt und in der nächsten Saison wieder ausgesät. Heute allerdings verdienen einige Konzerne mit Saatgut viel Geld – wie konnte das passieren bei einem so reichhaltig vorhandenen Gemeingut? Der freie Zugang wurde begrenzt durch Hybridsorten, die keine verlässlichen Nachkommen mehr produzieren, durch gentechnisch verändertes Saatgut mit „passenden“ Pestiziden, durch Patente auf Pflanzen und durch Gesetze im Sinne von großen Agrarunternehmen. Das Buch „Wer die Saat hat, hat das Sagen“ von Anja Banzhaf erzählt die Geschichte der Pflanzenzüchtung mit all ihren Facetten verständlich, kenntnisreich und spannend. Grafiken machen Zusammenhänge und Sachverhalte auf einen Blick deutlich, und kleine „Streifzüge“ und zahlreiche Interviews lockern das Buch auf. Weil die Kapitel kurz und in sich verständlich sind, könnte man bei Lesen auch „springen“, heute etwas über die gar nicht so effiziente industrialisierte Landwirtschaft lesen, morgen über Patente auf Pflanzen, Ökozüchtung oder das Pro und Contra von „OpenSource“ bei Saatgut. Überschriften wie „Von Bananeneinfalt und anderen Obstklonen“ oder „Den Stängelbohrer genial in die Irre geführt“ machen neugierig und enttäuschen nicht.

Fünf der sechs größten Pestizidhersteller gehören heute gleichzeitig zu den zehn größten Saatgutkonzernen. Nicht nur die Landwirte, wir alle geraten so immer stärker in Abhängigkeit, während die Kulturpflanzenvielfalt schwindet. Doch es gibt Widerstand. Die Autorin hat Initiativen weltweit besucht und erzählt vom „Seedy Sunday“ in Großbritannien, vom Peliti-Saatgutfest in Griechenland und vom MASIPAG-Netzwerk auf den Philippinen, in dem Bauern und Wissenschaftler gemeinsam für unabhängiges Saatgut arbeiten. Das macht Hoffnung, denn es wird deutlich: Jedes noch so kleine Projekt ist Teil einer weltweiten Gegenbewegung. Und die ist bunt und voller Energie, politisch und gleichzeitig mit den Händen in der Erde: In Stadtgärten wird Saatgut getauscht, Saatgut-Detektive spüren auf dem Motorrad alte bäuerliche Sorten auf, Internet-Aktivisten ziehen gegen unsinnige Gesetze zu Felde. Wer gleich loslegen will, findet am Ende des Buches Kontaktadressen und Literaturtipps.

Anja Banzhaf: Saatgut. Wer die Saat hat, hat das Sagen. oekom verlag München, 2016. 19,95 Euro. Auch als E-Book erhältlich. ISBN-13: 978-3-86581-781-5