Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 6/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Bio-Bier ist besser als das Reinheitsgebot


(c) Sven Bachstroem

Die Fußball-Europameisterschaft wird den Absatz von Bier in Deutschland ankurbeln, vor allem, wenn das Wetter mitspielt. Aber so „rein“, wie es immer dargestellt wird, ist konventionelles Bier gar nicht. Das erst seit 1993 geltende „Vorläufige Biergesetz“ macht weder Vorgaben zur Qualität der Rohstoffe noch zum Herstellungsverfahren. So können die Enzyme für die Hefeproduktion gentechnisch verändert sein, und es sind zahlreiche Hilfsstoffe erlaubt, zum Beispiel Polyvinylpyrrolidon, winzige Kunststoffpartikel für eine Filterung, die die Haltbarkeit verlängert. Für obergäriges Bier sind sogar Zucker und der Farbstoff Zuckerkulör zulässig, in der restlichen EU überdies Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Stabilisatoren, Süßstoffe und Geschmacksverstärker. Theoretisch auch in Deutschland - deutsche Brauereien verzichten aber bisher. Jüngster Fund: Oft schwimmen auch Pestizide im konventionellen Bier. Das Umweltinstitut München fand den Unkrautvernichter Glyphosat in 14 beliebten Bieren, zum Teil fast 300-fach über dem Grenzwert für Trinkwasser.

Bio-Brauereien wie Neumarkter Lammsbräu verzichten nicht nur auf Plastikteilchen bei der Filtration, genmanipulierte Hefen, Schwefelung zur Konservierung und Farbschönung sowie auf Pestizide auf den Hopfen-, Gersten- und Dinkelfeldern. Sie setzen auch auf handwerkliche Braukunst und beziehen die Rohstoffe von Bio-Landwirten aus der Region. Neumarkter verwendet außerdem ganze Hopfendolden, keine Extrakte und Pellets, wie mittlerweile in allen großen Brauereien üblich. Damit lässt sich eine große Vielfalt ganz ohne Zusätze erreichen, denn beim Aromahopfen gibt es auch Sorten, die fruchtig schmecken, zum Beispiel nach Mango, Pfirsich, Grapefruit oder schwarzer Johannisbeere.

Frisch im Frühsommer: Zuckerschoten


(c) kab-vision - Fotolia

An warmen, sonnigen Tagen, zumal in der Ferienzeit, steht niemand gern lange in der Küche. Wie gut, dass nun die Zuckerschoten reif sind, zarte und süße junge Erbsen, die man im Ganzen essen kann. Aber nicht nur das Auspalen entfällt, auch die Garzeit ist kurz: Zwei oder drei Minuten Blanchieren oder Braten genügen. Damit sind Zuckerschoten eine unkomplizierte Zutat für Pfannen- und Wokgerichte und für Salate, gesund obendrein, denn die Hülsenfrüchte sind reich an Eiweiß, Ballast- und Mineralstoffen. Schon im 17. Jahrhundert galten Zuckerschoten als Delikatesse, waren aber damals noch dem Adel vorbehalten. Sie heißen auch heute noch in einigen Regionen Kaiserschoten. Vom französischen König Ludwig XIV. ist überliefert, dass er frische Erbsen und Zuckerschoten liebte. Die kurze Erntezeit in Europa dauert nur zwei oder drei Monate, beginnend im Mai oder Juni. Hauptanbaugebiet in Deutschland ist Sachsen-Anhalt.

Im Wok kann man frische Zuckerschoten fast mit allem kombinieren, was Garten oder Bioladen gerade so hergeben: Möhren, Broccoli, Paprika, Pilze oder Aubergine. Dazu Chili, Kokosmilch, Thai-Currypaste – und das Reiskochen nicht vergessen. Wer mag, ergänzt das Chili mit Tofu oder Huhn, wer fruchtige Kombinationen mag, kann mit Ananas und Mango experimentieren. Zuckerschoten passen auch zu sommerlichen Pasta-Gerichten, asiatisch inspiriert mit Limette, Erdnüssen oder geröstetem Sesam, Chili, Zwiebel und Kokosmilch, oder mit Rauke, Schalotte, Ziegenfrischkäse, Crème fraîche, Pfeffer und Muskat. Diese Sauce lässt sich nach Geschmack abwandeln, zum Beispiel mit Frühlingszwiebeln, frischem Basilikum, Ricotta und Pecorino. Lecker im Salat sind Zuckerschoten zum Beispiel mit grünem Spargel, gekochten Eiern, gehobelten Mairübchen und Radieschen oder Kirschtomaten. Die Vinaigrette erhält Pfiff mit Walnuss- oder Avocadoöl, etwas Senf und Honig. Gut passt auch frische Kresse.

Wohldosiert und natürlich süßen


Natürliche Süße: Kokosblütenzucker (c) ExQuisine - Fotolia

Manchmal darf es auch etwas Süßes sein, und zum Glück gibt es dafür im Bio-Fachhandel eine Vielzahl von Produkten wie Dicksäfte, Fruchtsirup, Vollrohrzucker und Kokosblütenzucker. Der Klassiker Honig ist sogar weitgehend naturbelassen. Dass diese Produkte oft nicht nur süßen, sondern einen typischen Eigengeschmack mitbringen, hat einen durchaus erwünschten Nebeneffekt: Man verwendet sie in kleineren Mengen als Zucker. Eine gute Sache, denn genau wie zu viel Fett kann auch zu viel Zucker Übergewicht fördern und damit das Risiko für Diabetes erhöhen. Auch bei normalem Bio-Rüben- oder Rohrzucker kann jeder die tägliche Menge leicht verringern, ganz ohne Süßstoffe: Einfach beim Backen, bei Desserts und Kakao von Mal zu Mal ein bisschen weniger verwenden, dann sinkt die persönliche „Süß-Schwelle“. Bei Fertiggerichten lohnt ein Blick aufs Etikett – auch Produkte wie Tiefkühlpizza, Müslis und Ketchup können viel Zucker und andere Süßungsmittel enthalten. Mehr als 80 Prozent der Zuckermenge, die jeder Einzelne im Schnitt zu sich nimmt, stammt aus verarbeiteten Produkten.

 

Um auch für den Bio-Markt zuckerreduzierte Produkte zu ermöglichen, hat die Europäische Union nun erstmals ein Süßungsmittel für Bio-Lebensmittel zugelassen. Der Zuckeralkohol Erythrit mit der E-Nummer 968 war bisher nur auf Zutatenlisten von konventionellen Bonbons, Kaugummis, Gebäck, Müsli, Konfitüren und Desserts zu finden. Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e.V. hatte sich gegen die Zulassung ausgesprochen, vor allem, weil es sich um einen Stoff mit sehr hohem Verarbeitungsgrad handelt, der der Philosophie der ökologischen Lebensmittelwirtschaft widerspricht. Bei der Gewinnung aus Mais oder Weizen werden mit Hilfe technischer Spezialverfahren einzelne Moleküle aus einer natürlichen Vielfalt herausgelöst, am Ende erhält man einen fast reinen Stoff. Im Vergleich zu Haushaltszucker hat Erythrit eine Süßkraft von etwa 70 Prozent. Der Verzehr größerer Mengen kann zu Bauchschmerzen und Durchfall führen, daher müssen Lebensmittel mit einem Erythrit-Anteil von mehr als zehn Prozent den Hinweis "kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" tragen.

Beim erwünschten Ziel, Zucker zu reduzieren, sind Süßstoffe keine Lösung: Sie können das Hungergefühl sogar steigern. Alternative Süßungsmittel wie Ahornsirup oder Honig enthalten zwar auch Zucker, aber „verpackt“. Der Körper braucht länger, um den Zucker aufzuspalten. Dadurch steigt der Insulinspiegel nicht so schnell und das Hungergefühl stellt sich nicht direkt wieder ein.

Fördermittel nur für nachhaltige Landwirtschaft?

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks möchte Fördermittel für Landwirte an Leistungen wie Natur- und Umweltschutz und die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln binden. Bisher wird noch immer der größte Teil der EU-Agrarsubventionen ausgeschüttet, ohne dass eine Leistung für Umwelt- oder Naturschutz vorausgesetzt wird. Hendricks nannte vor dem Hintergrund der Krise auf dem Milchmarkt die bisherige staatliche Förderung der Bauern nach der Hektarzahl „ein unsinniges Prinzip“. Öffentliche Mittel sollten nur für Leistungen im Interesse der Allgemeinheit fließen, die von der Gesellschaft auch gewünscht sind.

Durch ökologische Bewirtschaftung werden nicht nur viele bekannte Folgeschäden der industriellen Landwirtschaft vermieden, sondern der Biolandbau erbringt auch gesellschaftliche Leistungen wie Förderung der Artenvielfalt und Humusaufbau, schützt das Grundwasser, entlastet das Klima und erspart unseren Ökosystemen Tonnen an Pestiziden und synthetischen Mineraldüngern. Aus mehreren Studien, wie zum Beispiel vom Forschungsinstitut für den ökologischen Landbau (FibL) oder dem Ökoinstitut wissen wir mittlerweile, dass die konventionelle Produktion dagegen Kosten verursacht, für die wir am Ende alle aufkommen: Wasserwerke müssen Trinkwasser mit zu hohen Nitratwerten aufbereiten, und die Massentierhaltung sorgt durch die Ausbildung von antibiotikaresistenten Keimen für steigende Kosten im Gesundheitswesen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wer nicht auf Schnäppchenpreise für Fleisch, Butter, Obst und Käse fliegt, zahlt trotzdem: als Steuerzahler und als Krankenkassenmitglied. Wissenschaftler schlagen daher auch weitere Maßnahmen wie eine Stickstoff- und eine Pestizidsteuer vor.

Neuer Film: Die Welt ist voller Lösungen

Die Welt ist noch zu retten – wenn wir uns dafür einsetzen. Das ist die Botschaft des neuen Dokumentarfilms „Tomorrow - die Welt ist voller Lösungen“. Die französischen Filmemacher Cyril Dion und Mélanie Laurent zeigen an Beispielen aus zehn Ländern von Island bis Indien, wie sich kreativ Ressourcen schonen und Lebensgrundlagen schützen lassen. Auslöser für die Filmarbeiten war der Bericht über eine Studie in der Zeitschrift „Nature“, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagte. Weltweit besuchten die Schauspielerin Laurent, bekannt aus Tarantinos Inglourious Basterds, und Umweltaktivist Cyril Dion daraufhin Initiativen, die dagegen arbeiten - vom „Urban Farming“ bis zu Städten mit lokaler Währung, zahlreiche Beispiele für „Politik von unten“ und direkte Demokratie.

Sie sprachen mit inspirierenden Menschen, die in Bürgerbewegungen, in der Stadtplanung, in internationalen Organisationen, Schulen, der Energiewirtschaft oder der Landwirtschaft durch ihr Handeln überzeugen. So kommt beispielsweise der Gründer der Transition-Town-Bewegung Rob Hopkins zu Wort, ebenso Jan Gehl, Autor von „Städte für Menschen“ und Stadtplaner aus Kopenhagen, einer Stadt, die die Vorfahrt an Fußgänger und Fahrradfahrer zurückgibt. Der Film erläutert das „Zero Waste“-Abfallmanagement in San Francisco und macht den Wert von Regionalwährungen deutlich. Die Ideen sind nicht alle neu, aber zusammen können sie unsere Welt zu einem besseren Ort machen.

„Tomorrow“ entmutigt nicht wie viele Filme, die Probleme offenlegen, er inspiriert und motiviert. Der Soundtrack der schwedisch-französischen Sängerin Fredrika Stahl unterstreicht die Aufbruchsstimmung. In Frankreich ist der Film erfolgreich angelaufen und wurde mit dem „César“ als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Seit dem 2. Juni 2016 ist „Tomorrow“ auch in deutschen Kinos zu sehen.