Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 5/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Knackig, würzig, typisch deutsch: Kohlrabi

Leicht süßlich und ein wenig nussig: Kohlrabi schmeckt viel milder als seine Verwandten der großen Kohlfamilie. Jetzt im Frühjahr kommt er frisch vom Bio-Feld in die Läden, hat kaum holzige Stellen und schmeckt besonders saftig. Ein Salat mit Kräutern, Joghurt und vielleicht etwas Apfel oder einigen gerösteten Nüssen ist schnell gemacht, und auch Kohlrabi-Stifte mit einem Kräuter-Dip finden immer Fans beim Grillen oder beim Abendbrot. Die Knolle ist auch eine gute Grundlage für Cremesuppen, Begleiter in Aufläufen, mit Basilikum, Zitrone und Parmesan lecker als Gratin und natürlich eine beliebte Gemüsebeilage zu Fisch, Fleisch oder Getreide-Bratlingen.

Die Knollen entwickeln sich oberirdisch aus dem verdickten Stiel der Pflanze - das ist einmalig bei Kohl. Beim Erwerbsanbau haben sich heute die Hybrid-Sorten fast vollständig durchgesetzt, zunehmend auch sogenannte CMS-Hybriden (CMS = cytoplasmatische männliche Sterilität; CMS erleichtert die Hybrid-Züchtung, da keine „unkontrollierte“ Bestäubung stattfindet). Für den Biolandbau gibt es jedoch dank der Arbeit von ökologischen Züchtern auch wieder samenfeste Sorten wie Rasko und Noriko. Die grünlich-weißen Sorten sind etwas milder, die blauvioletten würziger. Senföle, Folsäure, Vitamine und Mineralstoffe enthalten jedoch beide reichlich. Wenn die Blätter noch frisch sind, sollte man sie unbedingt mit verarbeiten, denn sie enthalten sogar noch mehr gesunde Inhaltsstoffe. Zum Salat kommen sie gehackt wie Kräuter, in andere Gerichte ganz zum Schluss als Würze.

Kohlrabi ist übrigens ein typisch deutsches Gemüse. Wir bauen nicht nur mehr an als andere Nationen und essen mehr davon, sondern haben auch gleich den Namen an andere Sprachen ausgeliehen: Als „kohlrabi“ findet man die Knolle in englischen und australischen Gemüseabteilungen, als „Kōrurabi“ in Japan und als „kolrabi“ in Russland.

Hintertür schließen für die Gentechnik!

Gentechnik ist in Europa längst vom Acker? Stimmt leider nicht ganz, denn auch viele neue molekularbiologische Techniken in der Züchtung greifen gezielt in das Erbgut von Pflanzen ein. Ihre Verfechter bezeichnen sie als besonders zielgenau, denn es werden nicht mehr ganze Gensequenzen ungerichtet in die Zelle geschleust, sondern einzelne Gene verändert. Ziel der Entwickler ist es, ihre neuen Sorten auf den Markt bringen, ohne dabei durch die EU-Gentechnik-Gesetzgebung eingeschränkt zu werden. Denn die verlangt für die Produkte der Risikotechnologie eine Sicherheitsprüfung, Rückverfolgbarkeit sowie Kennzeichnung und erlaubt den Anbau nur unter Auflagen.

Auch wenn beim neuen "Genome Editing" gezielter gearbeitet wird: Die unterschiedlichen Verfahren mit komplizierten Namen wie Zinkfinger-Nukleasen, Oligonukleotid-gerichtete Mutagenese und CRISPR-Cas bedeuten immer einen Eingriff ins Erbgut und entgegen den Aussagen der Befürworter gibt es trotz weniger Studien bereits viele Hinweise auf nicht beabsichtigte Effekte. Auch juristische Gutachten bezeichnen solche Methoden klar als Gentechnik, zum Beispiel das von der Universität Bonn für das Bundesamt für Naturschutz. Gentechnik aber ist im Ökolandbau prinzipiell ausgeschlossen. Die neuen Züchtungsmethoden verletzen die unteilbare Einheit der Zelle und sind somit aus Sicht von Öko-Züchtern, Biolandwirten und dem Bio-Fachhandel nicht akzeptabel. Auch die Risiken sind bisher nicht absehbar.

Die EU-Kommission muss noch entscheiden, ob und welche der neuen Verfahren unter das Gentechnikrecht fallen. Die Biobranche fordert, das Vorsorgeprinzip zu beachten und keine der neuen Sorten ohne Risikoprüfung und Kennzeichnung zuzulassen. Die ökologische Landwirtschaft und der Bio-Fachhandel engagieren sich seit Jahren für die traditionelle Züchtung und Erhaltung von Nutzpflanzen, die gut an bestimmte Standorte und die Bedingungen des Biolandbaus angepasst sind. Würden mit neuen Verfahren gentechnisch veränderte Pflanzen in der konventionellen Landwirtschaft zugelassen, könnten Einkreuzungen kaum noch vermieden werden.

Ausführliche Informationen finden Sie auf der Website des Informationsdienstes Keine Gentechnik.

Greenpeace International hat gemeinsam mit Friends of the Earth, La Via Campesina und anderen Organisationen die Petition „No new GMOs through the back door“ („Keine neuen gentechnisch veränderten Organismen durch die Hintertür“) gestartet, die die EU-Kommission auffordert, die neuen Methoden als Gentechnik einzustufen.

„Grüne Meter“ säen für den Stieglitz


(c) NABU_Peter Kühn

Der bunte Stieglitz flattert 2016 als Botschafter für mehr Artenvielfalt und Farbe in der Agrarlandschaft, in Städten und Dörfern durchs Land. Der Naturschutzbund (NABU) hat ihn zum „Vogel des Jahres 2016“ gekürt, weil immer mehr landwirtschaftliche Brachflächen und Randstreifen mit Wildkräutern an Feldern und Wegen verloren gehen und auch unsere Gärten immer eintöniger werden.

 

Auf konventionellen Äckern und in vielen Hausgärten wird die Wildkrautvielfalt auch ganz einfach weggespritzt. Damit gehen auch die Bestände des Stieglitzes zurück. Denn der auffällige Vogel, nach einer seiner Futterpflanzen auch Distelfink genannt, ernährt sich vornehmlich von den Samen zahlreicher Blütenpflanzen, Gräser und Bäume.

Passend zum „Vogel des Jahres“ läuft die NABU-Aktion „Bunte Meter für Deutschland“. Möglichst viele Meter mit Wildkräutern sollen geschaffen oder erhalten werden. Schon kleine blühende Ecken in Gärten, an Sport- und Spielplätzen, Schulen oder Straßenrändern helfen – und zwar nicht nur dem Stieglitz, sondern auch blütenbesuchenden Insekten wie Bienen, Schmetterlingen und Käfern. Am besten geeignet sind neben mehrjährigen Wildstauden Wildblumen-Mischungen aus dem Bio-Fachhandel, wie „Bienenweide“, „Wildblumen Schmetterlingsweide“ oder auch Samenkugeln wie „Bantam´s Seedballs“. Wer seine „Bunten Meter für Deutschland“ dem NABU meldet, kann mit etwas Glück zum „Meterhelden“ werden und Preise gewinnen. Mehr Infos auf der NABU-Website.

Überregional könne nur eine Reform der EU-Agrarverordnungen und der Förderpolitik den Verlust landwirtschaftlicher Brachflächen aufhalten, heißt es beim NABU. Die fortschreitende Flurbereinigung müsse gestoppt werden. Der ökologische Landbau hilft in besonderem Maße, den Artenreichtum zu vergrößern, denn schon der Verzicht auf synthetische Stickstoffdünger und Pestizide sorgt für biologischen Vielfalt, wie zahlreiche Studien belegen. Zusätzlich legen viele Biobauern Ackerrandstreifen an und schützen Hecken, Feldgehölze und Feuchtbiotope.

Nicht nur sauber, sondern umweltfreundlich

Dass es einen Unterschied zwischen „sauber“ und „rein“ gibt, wollte uns die Reklamefigur Klementine schon vor fast 50 Jahren in der Fernsehwerbung weismachen. Heute schüren die Hersteller von Putz- und Waschmitteln Panik, indem sie vor einer Keim-Invasion in den Haushalt warnen oder realitätsfern ganze Fußballmannschaften über weiße Wäsche laufen lassen, die ohne das richtige Mittel niemals wieder sauber wird.

Nachhaltig sind all die beworbenen Mittel nicht, auch nicht die, die sich mit klangvollen Namen, bunten Blümchen oder putzigen Wassertieren auf der Packung einen grünen Anstrich geben. Denn es gibt zwar einige Mindeststandards, seit in den siebziger Jahren unübersehbar wurde, dass Phosphate und schwer abbaubare Tenside das Wasser verunreinigen und Wasserlebewesen schädigen. Tenside auf Erdölbasis blieben aber weiterhin erlaubt, ebenso viele andere kritische Inhaltsstoffe. Doch einige Unternehmen begannen, an echten ökologischen Alternativen zu tüfteln. Den heutigen „Stand der Technik“ beim nachhaltigen Waschen und Putzen findet man mühelos in Bio-Fachgeschäften, die Mitglied im Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) sind. Denn die BNN-Sortimentsrichtlinien legen fest, welche Mittel ins Regal dürfen. Entscheidende Kriterien sind die vollständige biologische Abbaubarkeit, der Verzicht auf gentechnisch erzeugte Inhaltsstoffe, chlororganische und phosphathaltige Verbindungen, schädliche Schwermetalle und Phthalat-Weichmacher sowie der Ausschluss von Kunststoff-Mikropartikeln und von Partikeln in Nano-Größe.

Sogar Gentechnik ist bei konventionellen Wasch- und Putzmitteln ein Thema, weil oft Enzyme darin stecken, die mit freundlicher Unterstützung gentechnisch veränderter Mikroorganismen gewonnen wurden. Die Enzyme dienen dazu, Stärke, Fett und Eiweißbestandteile aufzubrechen, um Flecken zu entfernen. Bei ökologischen Wasch- und Reinigungsmitteln aus dem Bio-Fachhandel sind solche Enzyme ebenfalls tabu.

Neu im Kino: "Hope for All"

Unser Fleischkonsum hat sich in den letzten 50 Jahren verfünffacht. Ein Drittel des weltweit produzierten Getreides wird an Masttiere verfüttert, während gleichzeitig viele Menschen hungern. Die österreichische Autorin und Filmemacherin Nina Messinger hat in Europa, Indien und in den USA Umweltaktivisten, Bauern und Experten zu den Folgen der westlichen Ernährungsweise befragt. Zu Wort kommen unter anderem der US-amerikanische Arzt Caldwell B. Esselstyn, der Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann und der Tierarzt Dr. Hermann Focke.

Nina Messinger setzt sich schon länger für eine vegetarisch-vegane Ernährung ein. Ihr erster Dokumentarfilm ist daher ein Plädoyer gegen den westlichen Lebensstil mit viel Fleisch. Dabei fehlen auch nicht drastische Bilder vom Leben und Sterben der Tiere und einige Schwarzweißmalerei. „Bewusst und überzeugend einseitig“ urteilt der renommierte epd-Filmdienst. Für die Regisseurin ist klar: Eine pflanzliche Ernährung ist keine vorübergehende Lifestyle-Erscheinung, sondern eine Notwendigkeit für die Sicherung unserer Lebensgrundlagen. Denn der ungezügelte und weltweit wachsende Konsum tierischer Produkte geht auf Kosten von Umwelt, Böden und Wasser. Der Anbau der Futtermittel besetzt zudem wichtige Anbauflächen für die Welternährung. „Verändern wir unser Essverhalten, so verändern wir den Planeten“ – so die Botschaft des Filmes.

„Hope for All“ wurde ohne staatliche Förderungen aus privaten Mitteln und durch Crowdfunding finanziert. Filmstart in Deutschland war am 12. Mai.