Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 4/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Frühlingsfrisches Grün: Bitter macht fitter


(c) Johanna Mühlbauer

Rucola, Endivien, Chicorée, Broccoli, Rosenkohl, Spargel und Grapefruit schmeckten früher deutlich bitterer als heute, denn aus vielen Kulturpflanzen sind die Bitterstoffe zugunsten eines milderen Geschmacks „herausgezüchtet“ worden. Auch intensive Düngung und Bewässerung haben das Schwinden von Aromen und Bitterstoffen verstärkt. Das hat einen unerwünschten Nebeneffekt: Nahrung, die nur mild und süßlich schmeckt, verlockt zu mehr und steigert den Appetit. Eine Forschungsgruppe an der Rutgers Universität in New Jersey fand heraus, dass Bitterstoffe tatsächlich einen regulierenden Effekt auf das Körpergewicht haben. Die Geschmacksrichtung vermittelt dem Körper Signale, die die Verdauungsprozesse anregen und gleichzeitig die Sättigung fördern.

Bitterstoffe verstärken die Produktion von Speichel und von Magensaft, regen Bauchspeicheldrüse, Leber und Gallenblase an. Der Körper kann so das mit der Nahrung aufgenommene Fett besser verarbeiten. Kein Wunder also, dass Pflanzen mit Bitterstoffen in der Heilkunde seit jeher eine wichtige Rolle gespielt haben. Das Frühjahr ist der beste Einstieg für ein paar herbere Aromen im Salat. Junge Wildpflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel, Gänseblümchen und Bärlauch, später im Jahr die Kapuzinerkresse liefern reichlich davon. Auch Bio-Gemüse und -Obst enthalten oft mehr Bitterstoffe, denn sie müssen sich ohne die Unterstützung von Pestiziden gegen Schädlinge wehren. Bitterstoffe sind ein natürlicher Schutz vor Fressfeinden, zum Beispiel die Glucosinolate bei Brokkoli und andere Kohlsorten. Hilfreich ist auch ein Blick in die mediterrane Küche: Dort sorgen Artischocken, Olivenöl und bittere Küchenkräuter wie Basilikum, Rosmarin und Thymian für einen Schuss gesunder Bitterkeit.

Ein Jahr für Bohnen, Erbsen und Linsen


(c) Zerbor - Fotolia

Noch nie mit Hülsenfrüchten gekocht oder schon lange nicht mehr? Bio-Fachgeschäfte bieten mit ihrem traditionell großen Sortiment an Linsen, Bohnen, Erbsen und Kichererbsen viele Einstiegsprodukte: So haben rote und gelbe Linsen, Puy- und Beluga-Linsen nur eine kurze Kochzeit - vergessen Sie also, was sie über stundenlanges Einweichen gehört haben. Nach 20 Minuten sind die bunten Linsen gar und Sie können daraus zum Beispiel einen warmen Linsensalat mit Paprika, Frühlingszwiebeln und Gurke oder eine Gemüse-Linsen Kokossuppe zaubern. Aus dem Glas können vorgegarte Kichererbsen und Kidneybohnen sogar sofort in den Salat, ins Chili con Carne oder ins Curry.

Gute Gründe für mehr Hülsenfrüchte auf dem Teller und auf dem Feld gibt es reichlich. Deshalb hat die UNO 2016 zum Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte deklariert. Die kleinen Kullern sind wahre Eiweißbomben und deshalb in vielen Teilen der Welt die wichtigste Proteinquelle. Daraus sind viele leckere Rezepte entstanden, vom indischen Dhal über die arabischen Falafel bis hin zu japanischen Tofu-Gerichten. Gerade für Veganer und Vegetarier sind Hülsenfrüchte ideal, zudem neben hochwertigem Eiweiß reichlich Ballaststoffe, Mineralien und B-Vitamine enthalten sind. In Kombination mit Getreide ist das Eiweißprofil kaum schlagbar! Wer Zeit und Lust zum Planen hat, kann die ganze Vielfalt nutzen und große Linsen, Erbsen oder Bohnen auch mal über Nacht einweichen. Daraus lassen sich wunderbare Eintöpfe, Suppen und Brotaufstriche zaubern. Bio-Aufstriche mit Kichererbsen oder Lupinen, die ebenfalls zu den Hülsenfrüchten zählen, gibt es auch fix und fertig aus dem Glas, zum Beispiel von Zwergenwiese und Sanchon.

Schon auf dem Acker vollbringen Hülsenfrüchte wahre Wunder: Sie können mit Hilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln Stickstoff aus der Luft binden und sind somit natürliche „Düngerfabriken“. Davon profitieren auch die Pflanzen, die im Folgejahr angebaut werden. Gerade im Ökolandbau sind Leguminosen daher unverzichtbar, aber auch für Kleinbauern, die sich keine Düngemittel leisten können.

Gärtnern für Vielfalt – mit samenfesten Sorten


Stangenbohne BLAUHILDE neu im Bantam-Programm

Bis vor 100 Jahren war Saatgut ein öffentliches Gut. Heute ist es zum lukrativen Geschäftsfeld geworden. Die zehn größten Saatgutunternehmen beherrschen über 70 Prozent des Weltmarkts. Ihr Hybrid-Saatgut, meist erkennbar am Kürzel „F1“ auf der Samentüte, können Landwirte und Gärtner nicht selbst vermehren und durch Auslese verbessern, sondern müssen es jedes Jahr neu kaufen. Patente, nicht nur auf gentechnisch veränderte Sorten, sollen diese Monopole weiter sichern. Drei Viertel der um 1900 noch verfügbaren Sortenvielfalt gingen nach Einschätzung der Welternährungsorganisation FAO bereits verloren.

 

Gärtner und Landwirte können viel dafür tun, bewährte und neue ökologisch gezüchtete samenfeste Sorten zu retten. Besonders öffentlichkeitswirksam ist seit zehn Jahren die Aktion Bantam. Mit samenfestem und ökologischem Bantam-Saatgut kann jeder auf dem Balkon oder im Garten ein Zeichen gegen Gentechnik und die Übermacht der Saatgutkonzerne setzen. Im Angebot sind neben Bantam-Süßmais auch der Leinsamen „Blaues Wunder“, verschiedene Gemüsesorten und die Blaue Lupine als Protest gegen den Import von gentechnisch veränderter Soja. Neu in diesem Jahr: die Stangenbohne Blauhilde, denn 2016 ist das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte. Die Bohne ist die perfekte Gefährtin für den Mais im Mischkultur-Anbau. Alle Standorte sind erkennbar auf der Goldenen Bantam-Karte.

Im Bio-Fachhandel finden Sie auch weiteres Saatgut, das gentechnikfrei und samenfest ist. Es wird auf ökologischen Flächen erzeugt, also ohne chemisch-synthetische Pestizide und Dünger. Auch nach der Ernte dürfen die Samen nicht mit chemischen Mitteln behandelt werden. Die Investition lohnt, denn aus den Samen der Pflanzen können Sie jedes Jahr neues Saatgut gewinnen, die Pflanzen sind an die ökologische Aufzucht angepasst und die Früchte besonders aromatisch.

Freiwilligendienste und Ehrenamt


(c) Tobias Meyer

Endlich mal sehen, wie Bio wächst und selbst mit anpacken? Einfach Lust, mal etwas Neues auszuprobieren? Ehrenamtliches Engagement auf einem Bio-Bauernhof bringt neue Einblicke. Wer viel Zeit hat, zum Beispiel nach der Schulzeit oder im Rentenalter, für den ist „BUFDI“ eine gute Möglichkeit. BUFDI steht für den Bundesfreiwilligendienst, der den Zivildienst abgelöst hat und den es auch als Öko-Bundesfreiwilligendienstgibt. Die Stellen sind in der Regel offen für alle nach Ende der Schulpflicht bis ins hohe Alter – für Ältere ist auch Teilzeit möglich. Typische Anbieter sind Biologische Schulgärten, ökologisch wirtschaftende Hofprojekte mit sozialen Aufgaben, aber auch Bio-Verbände und Naturschutzeinrichtungen. Teilnehmer erhalten ein Taschengeld von rund 350 Euro im Monat, nehmen an Seminaren teil und sind sozialversichert. Die Stellensuche ist auch möglich über die interaktive BFD-Börse des BUND.

Nur für Jugendliche gedacht ist das Freiwillige Ökologische Jahr. Der Schwerpunkt liegt auf Umweltarbeit und Naturschutz, es sind jedoch auch Biohöfe unter den Anbietern. FÖJ-Stellen, „grüne“ Praktikumsplätze und Möglichkeiten für ehrenamtliche Hilfe in ganz Europa findet man auch über Onlinebörsen wie oekojobs.de.

Mit Bio rund um die Welt, das bietet WWOOF. Ob Allgäu, Aserbaidschan oder Australien, mit den Worldwide Opportunities On Organic Farms findet jeder einen passenden Biohof. Meist arbeitet man nicht nur zusammen, sondern lebt und isst auch gemeinsam – Mithilfe gegen Kost und Logis. Für einige Länder gibt es eigene Webseiten, so auch für WOOF in Deutschland, das hierFreiwillige Helfer auf ökologischen Höfen. e.V. heißt.

Wer in seiner Region bleiben will, für den lohnt ein Blick auf die Website einer Freiwilligenagentur, die es in vielen Städten und Kommunen gibt. Oder man fragt nach beim nächsten Bio-Bauernhof, ob nicht gelegentlich Unterstützung auf dem Feld oder im Stall benötigt wird. Biolandwirtschaft bedeutet viel Handarbeit, da sind interessierte und engagierte Helfer immer willkommen. Ehrenamtliche Helfer auf Zeit werden auch immer wieder gesucht von Aktionen wie der Bio-Brotbox, in öko-sozialen Hofprojekten oder in Einrichtungen wie Öko-Bildungsstätten, in Biogärten von Kommunen, Schulen oder Volkshochschulen. Auch für Berufstätige sind solche freiwilligen Einsätze für eine sinnvolle Sache machbar und bringen meist viel Zufriedenheit und neue Kontakte.

Bio-Pluspunkte auf einen Blick


(c) Knetschke Robert_Fotolia

Biolandbau ist viel mehr als die Produktion "ungespritzter" Lebensmittel. Aber was genau ist eigentlich anders – und ist Bio wirklich besser? Die frisch überarbeitete Kompaktinfo vom aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. gibt schnell und übersichtlich Auskunft.

Für viele Bio-Kunden sind Umweltschutz, artgerechte Tierhaltung, geringe Schadstoffbelastung, gesunde und möglichst natürliche Produkte besonders wichtig. Für all diese Punkte bietet Bio tatsächlich viel, das macht die Lektüre von „Bio-Lebensmittel - Fragen und Antworten“ noch einmal deutlich. Tiere haben zum Beispiel immer die Gelegenheit, ihre Verhaltensweisen auszuleben und mehr Platz als in der konventionellen Haltung. Für die Umwelt ist Biolandbau ein Gewinn, weil Wasser, Klima und Böden geschützt werden und Biobauern viel für die Artenvielfalt tun. Für unsere Gesundheit und das Wohlbefinden schließlich sorgen die natürliche Verarbeitung mit nur wenigen Zusatzstoffen, messbar geringere Nitratwerte und mehr sekundäre Pflanzenstoffe.

Der Abschnitt „Woher kommen Bio-Tiere und -Pflanzen?“ macht aber auch klar, dass es noch große Aufgaben für die ökologische Landwirtschaft gibt, wie die Züchtung von angepassten Sorten, die auch ohne synthetische Stickstoffdünger gut wachsen und die sich selbst gegen Schädlinge verteidigen können. Ökologische Pflanzenzüchter haben in den letzten Jahren viele samenfeste Sorten entwickelt, aber die Arbeit – ganz ohne gentechnische Methoden – braucht Zeit und Geld. Weitere Kurzkapitel informieren über Bio-Kontrolle und Zertifizierung, Prinzipien des Ackerbaus und der Tierhaltung auf Bio-Betrieben sowie über die guten Gründe für höhere Preise. Auch Antworten auf aktuelle Fragestellungen wie „Was hat Bio mit vegan zu tun?“ und „Bio aus Ägypten – das soll regional sein?“ liefert der Ratgeber. Eine praktische Hilfe für den Lebensmittel-Einkauf!

Kostenloser Download oder kostenpflichtige Bestellung der gedruckten Ausgabe (10 Stück für 2 Euro) im Online-aid-Shop.

Use the free online HTML tidy to compose similar articles in your web browser.