Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 3/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Spinat - das erste frische Grün vom Bio-Feld


(c) Jörg Mikus, Fotolia.de

Endlich das erste frische Grün, nicht nur in Wald und Wiesen, sondern auch auf den Feldern: Spinat ist die erste Freiland-Ernte im Frühjahr, und er steckt voller Vitamine und Mineralstoffe wie Folsäure, Kalium und Magnesium. Die jungen Blätter kann man direkt für Salat verwenden, zum Beispiel mit feinen Karotten- und Champignonscheiben, Zwiebel und Feta, Balsamico und Olivenöl. Dabei bleiben die Vitamine am besten erhalten. Aber auch für ein schnelles Pasta-Gericht ist Spinat ein guter Griff: Kurz mit einer gehackten roten Zwiebel anbraten und je nach Geschmack mit Weißwein, Gemüsebrühe, Sahne oder Hafercreme ablöschen. Mit Feta-Bröseln und frisch gekochten Nudeln vermengen und mit geriebenem Parmesan servieren.

In der indischen Küche wird Spinat phantasievoll gewürzt. Bekannt ist zum Beispiel Aloo Palak mit Kartoffeln, Ingwer, Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Chili und Knoblauch – sozusagen eine scharfe Version des deutschen Klassikers „Kartoffeln, Rahmspinat und Ei“. Cremig wird Aloo Palak mit Kokosmilch oder Sahne, serviert wird das Gericht zu Reis oder Fladenbrot. Für Spinat-Linsen-Dhal werden Zwiebeln, Chili und Ingwer angebraten und der Spinat später hinzugefügt, während kleine rote Linsen in einem Topf garen. Beides wird mit Kokos- oder Mandelmilch und der Gewürzmischung Garam Masala vermengt.

Spinat kann Nitrat anreichern. Die durchschnittlichen Werte bei Bio-Spinat, insbesondere, wenn es sich um Freiland-Spinat handelt, sind aber deutlich niedriger. Man sollte Spinat allerdings nie lange warmhalten, sonst wandelt sich das Nitrat in das gesundheitsschädliche Nitrit um.

Bio-Milch ist besonders gesund


(c) BLE, Bonn/Foto: Thomas Stephan

Bio-Milch und Bio-Fleisch enthalten rund 50 Prozent mehr gesundheitsfördernde Omega-3-Fettsäuren als konventionelle Produkte. Das belegt eine Studie der Newcastle University, die jetzt im British Journal of Nutrition veröffentlicht wurde. Das Expertenteam hat die Ergebnisse von mehr als 250 Untersuchungen aus aller Welt verglichen und fand neben der besseren Fettsäuren-Zusammensetzung bei Bio auch einen höheren Anteil an einigen essentiellen Mineralstoffen und Antioxidantien. So enthält Bio-Milch etwas höhere Anteile an Eisen, Vitamin E und einigen Carotinoiden sowie 40 Prozent mehr konjugierte Linolsäure mit gesundheitsfördernden Eigenschaften. Bereits 2014 hatte ein internationales Team die Zusammensetzung von ökologischen und konventionellen Nutzpflanzen untersucht und bei Bio 60 Prozent mehr von bestimmten wichtigen Antioxidantien nachgewiesen.

Das gute Futter der Bio-Tiere ist der Hauptgrund für die Unterschiede. Für Geflügel, Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen ist der Auslauf im Freien vorgeschrieben, so dass die Tiere mehr Gras, Klee und Kräuter fressen. Bei ökologisch gehaltenen Wiederkäuern ist zudem der Anteil von Kraftfutter wie Soja und Mais beschränkt, stattdessen erhalten die Tiere mehr arttypisches Raufutter wie Gras und Heu sowie Hülsenfrüchte wie Ackerbohnen und Lupinen, die zu einem großen Teil vom eigenen Hof stammen müssen.

Ungesättigte Fettsäuren wie die Omega-3-Fettsäuren in der Bio-Milch können vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen und stärken das Immunsystem. Die meisten Westeuropäer nehmen nach Ansicht von Ernährungsexperten nicht genügend mit der Nahrung auf.

Gesucht: Ostereier von echten Bio-Hühnern


(c) BNN

Die Geflügelzucht wird seit 60 Jahren von konventionellen Konzernen beherrscht. Sie setzen auf schnelles Wachstum oder höchste Legeleistung. So sind im Lauf der Jahre zwei getrennte Hochleistungslinien entstanden - eine für die Legehaltung und eine für die Fleischerzeugung. Diese Trennung kostet allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken das Leben. Auch Bio-Betriebe müssen Bruteier und Küken bei den großen Anbietern kaufen, weil wirtschaftlich tragbare Alternativen bisher fehlen. Doch die Hochleistungshennen „funktionieren“ nur optimal mit mehrfachen Antibiotika-Gaben und ohne Auslauf im Freien sowie speziellem Futter mit synthetischen Aminosäuren, Vitaminpräparaten und gentechnisch veränderter Soja. Im Öko-Landbau ist all das weder erlaubt noch gewollt. Es liegt also auf der Hand: Der Ökolandbau braucht eigene, an Bio angepasste Geflügelrassen, die mit 100 Prozent Bio-Futter gut zurechtkommen und sich draußen beim Scharren nicht gleich einen „Schnupfen“ holen.

Solch ein Huhn zu züchten, braucht Zeit, Erfahrung und auch Geld. Seit einem Jahr hat die Ökologische Tierzucht gGmbH diese Herausforderung angenommen. Dabei werden das Wesen und das Verhalten der Tiere respektiert, ohne einseitige Ausrichtung auf Leistungssteigerung. Auf der Grundlage von drei Herden, die seit mehr als 20 Jahren unter Bio-Bedingungen leben, sollen robuste Bio-Hühnerrassen gezüchtet werden, die sich gut für die Mast und die Eierproduktion eigenen und auch heimische Leguminosen gut verwerten. Die ideale Lösung wäre ein Zweinutzungshuhn, auch wenn dann die Kosten pro Bio-Ei voraussichtlich noch einmal rund 10 Cent höher liegen würden als heute. Denn auch ein verbessertes Kombihuhn wird immer weniger Eier legen als eine spezialisierte Legehenne.

 

Bis das „neue Huhn“ auf Bio-Höfen pickt und gackert, bietet der Bio-Handel Eier aus Projekten nachhaltiger und tiergrechter Landwirtschaft wie Ei-Care oder der Bruderhahn-Initiative, bei denen auch die männlichen Küken aufgezogen und ihr Fleisch vermarktet werden. Eier aus dem Bio-Fachgeschäft stammen zudem oft von selbständigen bäuerlichen Betrieben in der Region, bei denen eine überschaubare und begrenzte Herdengröße eine gute und artgerechte Betreuung ermöglicht.

Etappensieg gegen Glyphosat


(c) Kara - Fotolia

Am 8. März wollte die EU-Kommission die Zulassung für das umstrittene Totalherbizid Glyphosat um 15 Jahre verlängern lassen. In letzter Minute wurde die Abstimmung verschoben, weil einige Staaten, darunter Schweden und Frankreich, erhebliche Bedenken äußerten. Auch die Proteste aus der Bevölkerung waren zuletzt immer stärker geworden. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation hält Glyphosat für „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“. Dass die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) das Gegenteil behaupten, zeigt, wie mangelhaft der Wissensstand ist. Die EU-Kommission ist jedoch dem Vorsorgeprinzip verpflichtet, um die öffentliche Gesundheit auf hohem Niveau zu schützen.

Glyphosat ist das am häufigsten verwendete Pestizid aller Zeiten und unter anderem Bestandteil des Unkrautvernichters „Roundup“ von Monsanto. Die Zulassung für die EU läuft Ende Juni 2016 aus. Hinweise auf Risiken gibt es reichlich: Einige Studien zeigen, dass Herbizide mit Glyphosat den menschlichen Hormonhaushalt stören und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können. Außerdem gibt es Hinweise auf Risiken für Nutztiere wie Kühe und Schafe sowie wildlebende Tierarten. Grundsätzlich verringern Pestizide und speziell Glyphosat die Artenvielfalt, wie auch das Umweltbundesamt betont. Denn abgetötet werden auch nützliche Beikräuter und damit die Nahrungsgrundlage von Insekten und anderen Tierarten. Eine Studie von Wissenschaftlern aus Argentinien und Deutschland belegt, dass Glyphosat auch das Navigationsverhalten von Honigbienen stört. Zuletzt kritisierten 96 renommierte Wissenschaftler aus aller Welt in einem Offenen Brief an den EU-Gesundheitskommissar die Analyse des BfR und die darauf aufbauende Bewertung der EFSA in Sachen Glyphosat. Sie sei „wissenschaftlich inakzeptabel“ und die Beurteilung durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt.

Der moderne Bio-Landbau beweist, dass Landwirtschaft auch ohne Glyphosat produktiv sein kann. Gleichzeitig sorgt Bio für Artenvielfalt, gesunde Böden und sauberes Wasser und vermeidet, dass Bauern in Abhängigkeit von internationalen Konzernen geraten.

Wer sich an einer der Petitionen und Appelle gegen Glyphosat beteiligen möchte, findet diese auf den Seiten von Campact, Foodwatchund We.Move.EU.

Rückgang der Bestäuber bedroht Ernährung


(c) EC Organic

Immer mehr Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Fledermäuse und andere Bestäuber sind weltweit vom Aussterben bedroht. Da viele Kulturpflanzen ohne die Bestäubung der Insekten keine Früchte bilden können, sei die globale Nahrungsversorgung gefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt der Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES)* in der ersten globalen Bestandsaufnahme zu Bestäubern. In einigen Regionen seien mehr als 40 Prozent der Bienen- oder Schmetterlingsarten bedroht. Als Gründe nennen die Experten Monokulturen, intensive Anbaupraktiken, den steigenden Pestizideinsatz, den Rückgang traditioneller und lokaler Anbaumethoden und den Klimawandel.

Rund 70 Prozent der Feldfrüchte in tropischen Regionen und 85 Prozent der in Europa angebauten Feldfrüchte profitieren von der Bestäubung durch Tiere. Dabei erreichen wildlebende Insekten wie Hummeln mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen. Der ökonomische Wert der Bestäubung lag 2009 weltweit bei 350 Milliarden US-Dollar.

Um die Lage für Bestäuber zu verbessern, können Landwirte Wildblumen zwischen die Felder pflanzen und mehr natürliche Pflanzenschutzmittel einsetzen. Ähnliche Empfehlungen veröffentlichte im Februar die Zeitschrift „Science“. Ein internationales Forscherteam hatte bei Untersuchungen auf rund 350 Feldern in Afrika, Asien und Lateinamerika festgestellt, dass die Erträge auf Parzellen, die zur Hauptblütezeit stark von Bestäubern besucht wurden, deutlich höher ausfielen – insbesondere auf kleinen Flächen. Dort stiegen die Erträge im Schnitt um 24 Prozent, wenn Bestäubern das ganze Jahr über Lebensraum und Futter angeboten wurden. Als Möglichkeiten nennen die Experten Hecken, Blühstreifen und eine Vielfalt an Bäumen und Pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr blühen. Bauern, die mehr Bienen anlocken wollen, sollten zudem den Pestizideinsatz verringern. Noch besser wäre natürlich die Wirtschaftsweise des biologischen Landbaus, der durch Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leistet.

*Der Weltrat für Biologische Vielfalt (IPBES) wurde vor vier Jahren von 124 Ländern gegründet. In seiner Rolle zur Erhaltung der Arten ist er vergleichbar mit dem Weltklimarat (IPCC) beim Klimaschutz.