Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 2/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Alte Heilpflanze, apartes Gewürz: Kubebenpfeffer


Kubebenpfefferkörner - (c) G. Hanke

Kubebenpfeffer kennen in Europa nur wenige, und wenn, dann als ungewöhnliches Gewürz. Der Pfeffer wird aber auch in der Volksmedizin seit Jahrhunderten bei Kopfschmerzen, chronischer Bronchitis und Harnwegserkrankungen empfohlen und gehört zu den wichtigsten Pflanzen der traditionellen indonesischen Jamu-Medizin. Laut Hildegard von Bingen führt er „zu einem fröhlichen Geist, einem scharfsinnigen Verstand und zu reinem Wissen“. Auf diese Traditionen will der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, mit der Wahl zur „Heilpflanze des Jahres“ hinweisen.

Zu einem „fröhlichen Geist“ kann Kubebenpfeffer auf jedem Fall in der Küche beitragen: Das Aroma ist nicht nur pfeffrig-scharf, sondern auch etwas bitter, leicht holzig, mit Anklängen von Eukalyptus oder Kampfer. Viele fühlen sich an Nelkenpfeffer erinnert, andere schmecken Nuancen von Zitrone oder Limette. Grundsätzlich sollte man das aus Indonesien stammende Gewürz vorsichtig dosieren. Heuschrecke, Herbaria und die Gewürzmühle Brecht bieten ganze Körner an. Die kugelförmigen Früchte mit Stiel werden im Mörser oder in einer Mühle zerkleinert. Herbaria bezieht das Gewürz von kleinbäuerlichen Kooperativen auf der Insel Sumatra und empfiehlt es für orientalische und asiatische Gerichte und besonders für Duftreis.

Der Pfeffer ist auch wichtiger Bestandteil von Currys und Gewürzmischungen, insbesondere von Ras el Hanout aus Nordafrika, passend zu Couscous, Reis, Bulgur Hirse und Lammgerichten. Im Bio-Fachgeschäft wird der Mix von der Gewürzmühle Brecht und von Heuschrecke angeboten. Bestandteile können neben Kubebenpfeffer zum Beispiel Kreuzkümmel, Paprika, Nelke, Holunderbeere, Zimt, Macis, Lavendel, Kardamom und Lorbeer sein – bei Heuschrecke außerdem Rosen, die für ein zartes Blütenparfum sorgen. Der Gewürzspezialist empfiehlt die Mischung auch für typisch deutsche kräftige Gemüsesorten wie Wirsing, Rosenkohl oder Brokkoli, eventuell ergänzt mit etwas Piment aus der Gewürzmühle.

Mehr Ballast, bitte!


Müsli bereichert das Frühstück - (c) ec_organic

Als in Deutschland die ersten Bioläden öffneten, war Bio fast gleichbedeutend mit „Müsli“. Biokunden und Bioladen-Besitzer wurden in den Medien gern „Müslis“ genannt, und die erste Bio-Messe, Vorläuferin der internationalen BIOFACH in Nürnberg, hieß tatsächlich „Müsli 1983“. Parallel dazu fand der „Frankfurter Körner Kongress“ statt. Und auch wenn es heute in Bio-Fachgeschäften neben Müsli, Vollkornmehl und Vollkornbrot ein großes Angebot vom Amaranthriegel über die Falafel-Mischung bis hin zur Zartbitterschokolade gibt, so haben die Körner-Klassiker der ersten Stunde doch ihren Platz behauptet. Aus sehr guten Gründen!

Denn wer viele Ballaststoffe verzehrt, hat ein verringertes Risiko für zahlreiche Krankheiten, insbesondere für starkes Übergewicht, Bluthochdruck und die koronare Herzkrankheit. Vor allem Ballaststoffe aus Vollkornprodukten wirken sich laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung positiv auf die Cholesterol-Konzentration im Blut aus und senken das Risiko für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Viele Menschen tun sich allerdings schwer, genügend Ballaststoffe zu sich nehmen: Die Nationale Verzehrsstudie zeigte, dass drei Viertel der Frauen und mehr als zwei Drittel der Männer den Richtwert von mindestens 30 Gramm pro Tag nicht erreichen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung betont, dass sich die magische Menge mit reichlich Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst und am einfachsten erreichen lässt. Nicht nur bei Brot, sondern auch bei Nudeln und Reis sollte man also möglichst oft die Vollkorn-Version wählen. Vier Scheiben Vollkornbrot enthalten zum Beispiel rund 15 Gramm Ballaststoffe. Es muss aber „echtes“ Vollkornbrot sein, also mindestens 90 Prozent Vollkornmehl oder -schrot enthalten, denn Keime und Kleie enthalten viele Ballaststoffe und darüber hinaus wichtige Nährstoffe wie Zink, Magnesium und B-Vitamine. Solch ein Brot ist beim normalen Bäcker und im Supermarkt schwer zu bekommen, dort sind „Mehrkornbrot“ und „Fitnessbrötchen“ die Regel, mit viel Auszugsmehl gebacken, oft mit Melasse oder Zuckerkulör braungefärbt und mit Sesam oder Kürbiskernen verziert. Ganz anders im Bio-Fach-Geschäft. Hier gibt es nicht nur das wahre Vollkornbrot, sondern auch Flocken, Pasta, Reis, Getreide wie Hirse und Dinkel, Frühstücksbrei, Cracker und Kekse in Vollkornqualität- und natürlich Müsli!

1000 Gärten – Das Soja-Experiment


Soja sorgt für lebendigen, fruchtbaren Boden - (c) Taifun

Sie möchten etwas Neues in Ihrem Garten wagen und zugleich den Soja-Anbau in Deutschland voranbringen? Werden Sie Soja-Testgärtner! Für die Initiative "1000 Gärten - Das Soja-Experiment" sind Hobby- und Profigärtner und Landwirte an möglichst verschiedenen Standorten gesucht, die auf mindestens sechs Quadratmetern zwölf verschiedene Sojastämme anbauen und wöchentlich Daten zum Erfolg notieren wollen. Ziel der außergewöhnlichen Forschungsmethode ist es, ertragreiche und kühletolerante Sorten ausfindig zu machen und so den Soja-Anbau auch in den „rauen Norden“ ausweiten zu können. Sorten, die besonders proteinreich sind und sich speziell für die Tofuherstellung eignen, stehen ebenfalls auf der Wunschliste.

"1000 Gärten“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim und des Tofu-Spezialisten Taifun. Mittlerweile stammen über 90 Prozent der Taifun-Sojabohnen aus Deutschland, Frankreich und Österreich. Insgesamt steckt der Soja-Anbau in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen und beschränkt sich auf milde Regionen wie den Oberrheingraben und Gunstlagen in Bayern.

 

Verstärkter heimischer Bio-Anbau könnte mehr Menschen nachhaltig mit pflanzlichem Eiweiß versorgen, zudem die Hülsenfrucht auch zahlreiche Mineralstoffe und ungesättigte Fettsäuren enthält. Einer der großen Erfolge der Bio-Bewegung ist es, gesunde Soja-Lebensmittel wie Tofu, Sojamilch, Miso und Tempeh 2.000 Jahre nach ihrer Erfindung in Asien auch nach Europa gebracht zu haben. Soja sorgt zugleich für lebendigen und fruchtbaren Boden, denn sie bindet wie alle Leguminosen Stickstoff und bereitet den Boden optimal für nährstoffhungrige Folgekulturen vor.

Teilnehmer bei „1000 Gärten“ erhalten das Soja-Saatgut und eine Anbauanleitung kostenlos per Post, ebenso ein Etikett zur kostenfreien Rücksendung von Erntegut. In einem geschützten Bereich auf der Projekt-Website können Beobachtungen wie Blühbeginn, Pflanzenhöhe oder Zeitpunkt der Reife eingetragen und Fragen gestellt werden. Anmeldeschluss für Interessenten ist der 28. Februar.

Bio und fair – so ist Schokolade ein wahrer Genuss


Kakao Bio & fair - (c) fotolia

Schokolade macht glücklich und ist in kleinen Mengen sogar gesund. Doch beim Anbau des wichtigsten Rohstoffs, dem Kakao, müssen viel zu oft Kinder mit anpacken. Eine Studie der Tulane University in New Orleans zeigt, dass ihre Zahl auf westafrikanischen Plantagen sogar gestiegen ist, vor allem in der Elfenbeinküste. Fast die Hälfte aller Kinder in Westafrika arbeitet auf Plantagen, und neun von zehn verrichten dabei gefährliche Arbeiten. Sie ernten zum Beispiel mit einer Machete Kakaoschoten, schleppen Säcke mit Kakaobohnen oder Wasser für die Behandlung mit Insektiziden.

Die gute Nachricht ist: Jeder Einzelne kann dazu beitragen, Kinderarbeit zu verhindern. Bei Fairtrade-zertifizierter Schokolade ist sie verboten, ebenso engagieren sich auch die Bio-Schokoladenhersteller. Denn Ursache für Kinderarbeit ist immer die Armut der Eltern. Haben sie ein Einkommen, mit dem sie die Existenz ihrer Familie, Schulbildung und Gesundheitsversorgung sichern können, schützt das auch ihre Kinder. So stammt der Kakao für Naturata-Schokolade von langjährigen Partnern wie der Fairtrade-Kooperative Cooproagro in der Dominikanischen Republik und von einer Bio-Kooperative in Peru. Dort gelten grundsätzlich die Kriterien des fairen Handels. Die Kakaobauern in Peru erhalten zum Beispiel Erntevorschüsse und eine Bio-Prämie von zehn bis 25 Prozent. Alle Kinder haben freien Zugang zu Schulen und werden mit Schulmaterialien unterstützt. Vivani bezieht Kakao von Kleinbauern und Bauern-Kooperativen in Ecuador und der Dominikanischen Republik. Das Unternehmen schließt Kinderarbeit aus, zahlt faire Preise und sorgt für sozialverträgliche Arbeitsbedingungen. Auch Rapunzel setzt mit seinem Siegel „Hand in Hand“ auf faire Kakao-Projekte in der Dominikanischen Republik und in Bolivien.

Es gibt natürlich weitere gute Gründe für Bio-Schokolade: Die Hersteller helfen nicht mit Aromen wie Vanillin nach und viele verzichten auf den Emulgator Sojalecithin. Synthetische Pestizide sind wie immer bei Bio tabu. Der Kakao-Anbau in Mischkulturen mit Orangen, Bananen, Guaven, Avocado, Kokospalmen und Wurzelgemüsen hilft, Schädlinge zu bekämpfen und sichert zudem den Vorrat für die Küche.

Gerste? Hafer? Viele Kinder erkennen sie nicht


Gartenführung im Schaugarten "Kuhmuhne" (c)

Kinder und Jugendliche haben große Wissenslücken, wenn es um Nutzpflanzen und ihre Verwendung geht. Das zeigte im letzten Jahr eine Studie der Universität Mainz. So konnten zwar 92 Prozent der Schülerinnen und Schüler Maiskörner identifizieren, die Maispflanze selbst erkannten jedoch nur 60 Prozent. Und fast alle wussten zwar, dass Mais zur Herstellung von Popcorn dient, dass aber auch Cornflakes daraus bestehen, war nur 18 Prozent bekannt. Noch schlechter erging es Roggen und Gerste: Nur 30 beziehungsweise 20 Prozent der Befragten kannten die Pflanzen. Haferkörner konnte nur jeder Sechste richtig bestimmen. Dabei gab es kaum Unterschiede zwischen den Alters- und Jahrgangsstufen. Mädchen schnitten jedoch deutlich besser ab. Für die Studie wurden knapp tausend Schülerinnen und Schüler im Alter von 9 bis 18 Jahren befragt.

Die Wissenschaftler haben beobachtet, dass das Interesse von Kindern und Jugendlichen an Pflanzen und Landwirtschaft weltweit abnimmt, obwohl Nutzpflanzen wie Mais, Weizen, Hafer, Hirse und Raps die Grundlage unserer Ernährung bilden und andere Pflanzenteile unverzichtbar sind für die Herstellung von Textilien, Möbeln oder Kosmetik. Die Autorin der Studie fordert daher, in der Schulzeit grundlegende Kenntnisse über den Anbau und die Biologie von Nutzpflanzen zu vermitteln, damit junge Menschen an öffentlichen Diskussionen über Nahrungssicherheit, gesunde Ernährung, Umweltschutz und Verwendung erneuerbarer Ressourcen fundiert teilnehmen können. Besonders erfolgversprechend seien praktische Projekte mit Kulturpflanzen von der Aussaat bis zur Ernte, neues Unterrichtsmaterial und bessere Methoden der Wissensvermittlung.

Private Initiativen wie der ökologische Schaugarten der „Kuhmuhne in Thüringen, Stadt- und Schulgärten und auch die Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau tragen zur „grünen Bildung“ bei. Gerade Schulgärten fehlen aber an vielen Orten, weil Gründung und Erhalt meist vom ehrenamtlichen Engagement der Lehrkräfte und der Eltern abhängig sind. Zusätzlich bieten außerschulische Lernorte und Botanische Gärten die Möglichkeit, Kulturpflanzen zu erleben. Man findet sie online über die Schulportale und Bildungsserver der einzelnen Bundesländer. Einige Politiker, darunter Agrarminister Christian Schmidt, fordern mittlerweile ein eigenes Schulfach „Ernährungsbildung“. Andere Experten setzen dagegen auf den Erhalt und vor allem den Ausbau einer lebensweltbezogenen und handlungsorientierten Ernährungsbildung in Fächern wie Sachkunde, Politik, Wirtschaft und Biologie.