Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 1/2016

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Klimagipfel: Landwirtschaft „vergessen“


[c] WWF Andrew Kerr

Die Klimakonferenz in Paris hatte im Dezember ein glückliches Ende – zu eindeutig zeigten die wissenschaftlichen Fakten, dass endlich mehr passieren muss. Der neue Weltklimavertrag legt fest, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, im besseren Fall auf 1,5 Grad. Ab 2020 müssen die Staaten alle fünf Jahre neue Klimaschutzpläne vorlegen, die nicht abgeschwächt werden dürfen, sondern immer ehrgeiziger ausfallen sollen.

„Heute feiern wir, morgen müssen wir uns an die Arbeit machen”, betonte EU-Umweltkommissar Miguel Arias Cañete zum Abschluss. Neben dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zählt dazu auch ein Umrudern in der Landwirtschaft, denn sie erzeugt ein Drittel aller Treibhausgase. Aber sie kann auch Teil der Lösung sein, denn gesunde Böden binden besonders viel Kohlendioxid. Einigermaßen fassungslos kommentierte daher Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft: „Es ist erschreckend, dass die Landwirtschaft in Paris nicht mehr als eine Randnotiz war und im Klimavertrag nicht vorkommt.“

Insbesondere der Ökolandbau leistet durch den Verzicht auf mineralische Düngung einen enormen Beitrag zum Klimaschutz, denn die Herstellung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erfordert viel Energie und erzeugt dadurch viel Kohlendioxid. Gleichzeitig bindet der ökologische Landbau sogar Treibhausgase: Vielfältige Fruchtfolgen und der Anbau stickstoffbindender Pflanzen sorgen für Humusaufbau – und Humus speichert gewaltige Mengen an Kohlendioxid. Mehr Humus bedeutet außerdem mehr Fruchtbarkeit, bessere Wasserhaltefähigkeit und Ertragssicherheit.

Wirsing bringt den Süden in die Winterküche


(c) BLE, Foto: Thomas Stephan

Zur Ehrenrettung des Wirsings haben in den letzten Jahren Foodblogger, Gourmetköche und der Trend zum Kochen mit frischen und regionalen Zutaten beigetragen. Er wurde befreit aus der Mehlschwitze und seine Herkunft vom Mittelmeer, aus Italien, rückte in den Mittelpunkt. In Kombination mit Olivenöl, Nüssen, Chili und Tomaten kommen Wirsingstreifen in der Pfanne ganz groß raus, wahlweise auch mit vorgekochten Kartoffelwürfeln. Im Salat verträgt er sich zum Beispiel mit geriebenen Möhren und Äpfeln, Walnüssen, Mayonnaise, Apfelessig, etwas Honig und Buttermilch. Auf diese Weise bleibt auch das Vitamin C erhalten, von dem Wirsing reichlich enthält, dazu Mineralstoffe wie Kalzium und Eisen, Folsäure und sekundäre Pflanzenstoffe, vor allem wertvolle Senföl-Glykoside.

Weil der Wirsing ursprünglich aus dem Süden stammt, wird er in einigen Gegenden auch Welschkraut oder Savoyer Kohl genannt, in Frankreich „chou de Milan“, also Kohl aus Mailand. In Mitteleuropa wird er erst seit dem 18. Jahrhundert angebaut. Doch während so ein Wirsing früher schnell ein oder zwei Kilogramm auf die Waage brachte, gibt es heute auch kleinere Köpfe, die man in kleineren Haushalten gut verbrauchen kann. Große Blätter eignen sich für Kohlrouladen, je nach Geschmack mit einer Füllung aus Hackfleisch und Reis, einer Grünkern-Walnuss-Mischung oder orientalisch mit Bulgur, Karotten, Zwiebeln, Chili, Cashewkernen, Datteln und der Gewürzmischung Ras el-Hanout oder einzelnen Gewürzen wie Muskat, Zimt und Kardamom. Im Wok zeigt Wirsing mit Paprika, Sojasprossen und Sojasauce seine asiatische Seite. Wer mag, gibt Fisch oder Hühnerfleisch dazu. In Italien ist Wirsing auch häufig eine Zutat in der Minestrone und in anderen Gemüsesuppen. Wer mehr Ideen sucht, findet im Internet weitere Ideen: Wirsing-Risotto mit Steinpilzen, Pilz-Wirsing-Bolognese, Käsespätzle mit Wirsing, Kürbis-Wirsing-Auflauf oder Wirsing-Nudel-Pfanne mit Tofu und Walnüssen sind nur einige Beispiele.

Punsch: Heiß und fruchtig an kalten Tagen


(c) Fotolia

Brr, der Winter kommt spät. Aber das gibt uns die Chance, nun doch noch im Aroma von Orangenschale, Zimt und Gewürznelke zu schwelgen, das aus einem heißen Fruchtpunsch aufsteigt. Das ist sogar was für Leute, die sonst nicht gern kochen: Mehr als einen Topf, Säfte, Gewürze und Fantasie braucht man nicht, denn fürs Komponieren gibt es keine Regeln. Eine kräftig-fruchtige Variante ist der Holunderpunsch, für den ein Viertelliter Wasser mit der Schale von einer halben Zitrone, einer halben Zimtstange und zwei Nelken zum Kochen gebracht wird. Hitze hinunterdrehen, damit es nicht mehr kocht und einen halben Liter Holunderbeer-Direktsaft und einen Viertelliter Apfelsaft angießen. Den Saft aus zwei Orangen oder Orangensaft dazugeben. Mit Honig oder Agavensirup abschmecken und durch ein Sieb in die Becher füllen.

 

Wer weniger Arbeit haben möchte, findet im Naturkosthandel auch Glühweingewürz, zum Beispiel von Heuschrecke, Brecht und Lebensbaum, von Sonnentor sogar im Beutel. Gut schmecken im Punsch auch Johannisbeer-, Trauben-, Kirsch- oder Aroniasaft. Vanillezucker, Zimt, Sternanis, Kardamom und Ingwer sind weitere mögliche Gewürze. Etwas fürs Auge und zusätzlich ein Aromakick sind Orangen- oder Zitronenscheiben. Wer mag, kann kleine Apfelwürfel mit erhitzen. Wer große Mengen Fruchtpunsch braucht oder den Teegeschmack bevorzugt, ersetzt einen Teil des Saftes durch Früchte-, Roibusch- oder Schwarzen Tee.

Im Bioladen gibt es auch verschiedene Fruchtpunsch-Sorten fix und fertig, ganz nach Geschmack mit Apfel-, Holunder- und Kirschsaft und mit winterlichen Gewürzen oder mit Trauben- und Pflaumendirektsaft, Zimt und Vanille. Zugesetzte Aromen wie beim oft viel zu süßen und künstlich schmeckenden Fertigpunsch aus dem Supermarkt kommen nicht in die Flasche.

Patent auf Turbo-Milchkuh widerrufen

Ein kleiner Erfolg ist errungen: Das Europäische Patentamt in München hat im Dezember ein bereits 2007 erteiltes Patent auf Milchkühe widerrufen. Es betraf eine bestimmte Gen-Sequenz, die mit einer erhöhten Milchleistung in Verbindung gebracht wird. Der Widerruf erfolgte allerdings nicht aus besserer Einsicht: Das Einspruchsverfahren lief zwar seit einigen Jahren, doch nun hat sich der Patentinhaber, eine neuseeländisch-belgische Forschergruppe, in der zweiten Instanz zurückgezogen. Weiterhin gültig sind andere Patente auf Pflanzen und Tiere, die ohne Gentechnik gezüchtet werden. Ausdrücklich bestätigt hat die Große Beschwerdekammer des Amtes im letzten Jahr zum Beispiel die umstrittenen Patente auf eine „Schrumpeltomate“ für die Ketchup-Produktion und einen Broccoli mit hohem Senföl-Gehalt.

Damit verstößt das Europäische Patentamt nach Ansicht von Kritikern gegen die europäischen Patentgesetze, die Patente auf „im Wesentlichen biologische Verfahren“ zur Züchtung verbieten. Denn Züchter sollen grundsätzlich nicht durch Patente am Zugang zur biologischen Vielfalt gehindert werden, die sie für die Züchtung neuer Sorten benötigen. Ein großes Bündnis von Organisationen und Privatpersonen, darunter die Initiative „Kein Patent auf Leben!“ legen daher regelmäßig Widerspruch gegen Bio-Patente ein. Ursprünglich dienten Patente als gewerbliche Schutzrechte auf Erfindungen und sollten den Erfinder schützen. Doch seit einigen Jahren verschaffen sich Agrarkonzerne damit Rechte an wichtigen Nutzpflanzen und somit an den Lebensgrundlagen vieler Menschen. Schon heute wird der internationale Saatgutmarkt von wenige großen Firmen dominiert.

Das Europäische Patentamt erteilt zwar munter weiter Biopatente, zum Beispiel im Oktober eines auf Paprika ohne Samen, doch auch der Widerstand wird größer: Kurz vor Weihnachten hat das Europäische Parlament Stellung bezogen gegen Patente auf Pflanzen aus herkömmlicher Züchtung. Das deutsche Patentgesetz wurde bereits 2013 verändert, um die Patentierung traditionell gezüchteter Pflanzen und Tiere zu erschweren. Allerdings beklagt der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter, dass die Politik mehr tun müsse, um die rechtswidrige Gesetzesauslegung des Patentamts stoppen. Wer selbst aktiv werden möchte, findet auf der Seite des Bündnisses „Keine Patente auf Saatgut – No patents on seed!“ zahlreiche Aktionsmöglichkeiten.

Die Linde: Baum der Liebe und der Linderung


Baum des Jahres: Winterlinde (Tilia Cordata)

Die Winter-Linde ist der Baum des Jahres 2016. Zusammen mit ihrer Schwesterart, der Sommer-Linde, ist sie der häufigste Baum in Deutschland und häufig Teil von Orts- und Straßennamen und von Gasthäusern. Beide Lindenarten können uralt werden – über 1.000 Jahre. Doch sonst unterscheiden sie sich deutlich: Die Winter-Linde wird nur etwa 15 bis 25 Meter hoch und hat fast kreisrunde Blätter, die Sommer-Linde hat dagegen herzförmige Blätter und schafft über 40 Meter. In ihrem Schatten fand man früher häufig Gerichtsplätze, Tanzstätten oder kultische Orte.

Linden gelten als Baum der Liebe, und so kann auch die Winter-Linde mit einer Herzform aufwarten, allerdings bei der Krone, die sich im Herbst leuchtend goldgelb färbt. Die Blüten der Winter-Linde mit ihrem charakteristischen Honigduft öffnen sich zur Freude der Imker erst im Juli. Lindenblütenhonig ist ein Klassiker im Bio-Honigregal, fruchtig-blumig, manchmal sogar leicht minzig, lecker zum Frühstück oder auch im Tee oder heißer Milch. Der etwas dunklere würzigere Lindenhonig enthält auch Nektar vom Honigtau auf den Lindenblättern.

Die Blüten haben einen festen Platz in der Naturheilkunde. Lindenblütentee wirkt schweiß- und wassertreibend, schleimlösend und entspannend. Wirksame Substanzen sind das ätherische Lindenblütenöl, Flavonoide und Gerbstoffe. Zum besseren Einschlafen wird ein Bad mit Lindenblüten empfohlen. Bio-Lindenblüten für Tee oder andere Anwendungen gibt es im Bio-Fachhandel zum Beispiel von Sonnentor und Herbaria, in Mischungen wie „Teezeit zum Wärmen“ und „Drachenglut“ von Lebensbaum und vom Kräutergarten Pommerland. Aus Lindenblüten werden auch Öle und Auszüge für Naturkosmetik gewonnen, zum Beispiel für Gesichtscreme, Shampoos und Haarkuren. Für Hustengeplagte gibt es leckere Bio-Halsbonbons mit Linden- und Holunderblütenextrakt.