Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 11/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Tiefrot und topgesund: Rote Bete


Samenfest Sorte ROBUSCHKA, (c)Bingenheimer Saatgut AG

Zeit für die klassischen Wintergemüse, und die Rote Bete gehört unbedingt dazu. Steckte sie früher meist sauer eingelegt im Glas, gibt es heute viele Rezepte mit frischen Rüben. Die vielen gesunden Inhaltsstoffe wie B-Vitamine, Kalium, Eisen und Folsäure bleiben am besten in Rohkost erhalten. Dazu raspelt man die Rote Bete und mischt sie zum Beispiel mit dünnen Apfelscheiben, Meerrettich, Ahornsirup, Weißweinessig und Walnussöl. Gut passen auch Nüsse, Trauben und Möhren. Rote Bete ist übrigens eng mit dem Mangold verwandt, und tatsächlich kann man auch die jungen Beten-Blätter essen.

Wer an kalten Tagen lieber etwas Warmes mag, kocht die Knollen im Ganzen, pellt sie und verarbeitet sie dann weiter. Handschuhe und eine Schürze sind hilfreich, da der Saft stark färbt. Die süßlich-erdige Note passt zu einer winterlichen Cremesuppe mit Kartoffeln und Möhren und Crème fraîche oder zu einem Risotto mit Schalotten, Knoblauch, Honig, Rosmarin, etwas Rotwein, Parmesan und Butter. Typisch für Osteuropa und Russland ist Borschtsch, Rote-Bete-Suppe in hunderten Versionen, oft mit Fleisch, aber auch vegetarisch mit Kartoffeln, Kohl und Möhren.

Die Beten haben übrigens nichts mit Gemüsebeeten zu tun, der Name kommt vielmehr vom lateinischen Wort „beta“ für „Rübe“, denn erst die Römer brachten das Gemüse in den Norden. Die gleichmäßig rote Farbe entstand durch Züchtung im 19. und 20. Jahrhundert. „Farbstoff“ ist das Glykosid Betanin. Im Biohandel gibt es auch samenfeste Sorten wie Robuschka und Ronjana und Saatgut für Gärtner von der Bingenheimer Saatgut AG.

Wer jetzt ganz schnell eine Portion Rote Bete möchte, für den bieten Bio-Fachgeschäfte zahlreiche Brotaufstriche, Gemüsechips – und natürlich Rote Bete im Glas.

Bio-Palmöl: Kein Regenwald muss weichen


Bio-Palmöl schützt Kleinbauern, (c)J.Morgen_WWF Int.

Es tut sich was in Sachen Palmöl: Der WWF nimmt seit 2009 alle zwei Jahre die Einkaufspolitik deutscher Unternehmen unter die Lupe. Die neueste Erhebung zeigt, dass inzwischen mehr als 50 Prozent der Befragten zumindest teilweise nachhaltig zertifiziertes Palmöl nutzen. Für Bio-Palmöl gelten noch einmal deutlich höhere Standards als bei RSPO, dem bekanntesten Siegel für nachhaltigen Anbau. Pestizide sind verboten, kein Regenwald wird abgeholzt, und die Plantagenbetreiber sorgen mit verschiedenen Maßnahmen für Artenschutz und achten auf faires Miteinander. Dafür erhielt Daabon, der größte Bio-Palmöl-Lieferant, auch die volle Punktzahl bei der WWF-Scorecard 2015. Ebenfalls im Top-Feld positioniert sind Rapunzel und CARE Naturkost, ein Bio-Importeur, von dem viele Bio-Verarbeiter Palmöl und Palmkernöl beziehen.

Ein Palmöl-Boykott würde die Probleme in den Anbauländern nicht lösen, betont der WWF. Die Organisation sieht Europa als einen der Hauptmärkte in der Verpflichtung, ökologische und soziale Verbesserungen und Mindeststandards zu unterstützen, denn viele Kleinbauern sind auf die Palmölproduktion angewiesen. Zudem hat der Rohstoff auch ökologische Vorteile: Ölpalmen liefern einen viel höheren Ertrag auf geringer Fläche. Für die gleiche Menge Rapsöl bräuchte man dreimal mehr Fläche, für die mit vielen Umweltproblemen verbundene Soja sogar sechsmal mehr. Wer seinen Palmöl-Verbrauch trotzdem senken möchte, findet im Bio-Fachgeschäft zahlreiche Alternativen, zum Beispiel bei Schokolade, Cerealien, Brotaufstrichen, Keksen und Knabbergebäck.

75 Unternehmen blieben dem WWF eine Rückmeldung schuldig. Das bedeutet, dass nach Jahren der öffentlichen Diskussion immer noch fast 40 Prozent die Auskunft verweigern. Dazu zählen die größten deutschen Pharmaunternehmen sowie die größten Futtermittelhersteller. Auch Rossmann, Kaiser’s, Globus, Coppenrath & Wiese und Lekkerland hüllen sich in Schweigen. Der WWF fordert, dass alle Unternehmen bis spätestens Ende 2015 vollständig auf zertifiziertes Palmöl umstellen. Das erwartet auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt: Die Wirtschaft müsse die Einfuhr von nicht zertifiziertem Palmöl stoppen, erklärte er am 11. November anlässlich des Gründung des Forums Nachhaltiges Palmöl e.V., in dem 43 Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen zusammengeschlossen sind.

Natürlich schön - Ratgeber „Naturkosmetik“

Wie viel Natur steckt in Naturkosmetik? Woran kann man sie erkennen? Welche Vorteile haben die Produkte? Bei solchen Fragen kommt der neue Ratgeber „Naturkosmetik“ genau richtig. Besonders Einsteigerinnen und Umsteigern hilft das Buch, Inhaltstoffe zu bewerten und passende Produkte für ihre Bedürfnisse zu finden. Hilfreich dabei sind besonders das Kapitel „So gelingt die Umstellung“, „Mythen der Naturkosmetik“ sowie der „Natürlichkeitsindex“, der Unterschiede zwischen konventioneller, naturnaher und Naturkosmetik mit und ohne Siegel auf einen Blick zeigt.

 

In den Kapiteln zu verschiedenen Pflegekategorien von der Gesichts- und Haarpflege über dekorative Kosmetik bis hin zu Sonnenschutz und Zahnpflege liefert das Buch Fakten zur Wirkweise verschiedener Produkte und zu den besonderen Ansprüchen der Haut in verschiedenen Altersgruppen. Für Auflockerung sorgen kurze Pflegetipps und persönliche Empfehlungen von Beauty-Bloggerinnen, Naturfriseurinnen und anderen Experten. Das Kapitel „Auszeiten mit Naturkosmetik“ gibt Tipps für Ruhepausen im Alltag im Wechsel der Jahreszeiten und geht auch kurz auf Wellness-Hotels ein. Ein Glossar erläutert die wichtigsten Fachbegriffe, dazu gibt es Übersichten zu weiteren Informationsquellen, zu Onlineshops und Naturkosmetikfachgeschäften.

Die Autorin Elfriede Dambacher ist eine ausgewiesene Naturkosmetik-Expertin mit jahrzehntelanger Erfahrung und großem Wissensschatz. Die Drogistin und Betriebswirtin gründete in Berlin das erste Fachgeschäft für Naturkosmetik in Deutschland und engagiert sich seit 30 Jahren hauptberuflich für Naturkosmetik.

Elfriede Dambacher: Naturkosmetik. Herbig Verlag, 2015. 224 Seiten mit Abbildungen und Fotos. ISBN: 978-3-7766-2771-8. 20 Euro. Auch als E-Book verfügbar (14,99 Euro).

Weidehaltung: Die Kuh muss raus!


Kühe auf der Weide geben bessere Milch - (c)ec organic

Die Mehrzahl der Milchkühe in Deutschland – fast 60 Prozent - steht ein Leben lang im Stall. Nur auf den Milch-Verpackungen grasen diese Rinder noch auf saftigen Weiden, ihrem arttypischen Lebensraum. Kein Wunder, dass sich immer wieder Verbraucher beim Onlineportal lebensmittelklarheit.de über die Aufschrift „Weidemilch“ und scheinidyllische Bilder beschweren. Da es bisher keine Qualitätskriterien für Weidehaltung gibt, diskutierten der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Milchindustrie-Verband mögliche Standards, zum Beispiel zur Häufigkeit und Länge des Weidegangs. Der Dialog wurde jetzt allerdings ohne Einigung beendet, auch weil die Milchindustrie der Forderung nach Kontrollen und gentechnikfreiem Futter nicht nachkommen wollte.

Dagegen sind die Vorgaben für die ökologische Haltung von Milchkühen eindeutig. Ein Zugang zur Weide oder ein Laufhof im Freien gehören immer dazu. Außerdem steht den Tieren im Stall mehr Platz zur Verfügung, Einstreu ist vorgeschrieben. Der größte Teil des Energiebedarfs wird über artgerechtes Futter wie Gras und Heu abgedeckt. Eine ganzjährige Fütterung von Silage ist bei den Bio-Anbauverbänden verboten. Konventionelle Kühe erhalten dagegen viel Kraftfutter, hergestellt aus Mais, Resten der Zucker- und Stärkeherstellung sowie Raps- und Sojaschrot, das gentechnisch verändert sein kann.

Eine Kuh, die auf der Weide darf, hat nicht nur ein besseres Leben, sie gibt auch bessere Milch mit mehr gesunden ungesättigten Fettsäuren. Vor allem der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und an Conjugierten Linolsäuren (CLA) ist deutlich erhöht. Aber auch das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren wird durch Weidehaltung und Grünlandfutter günstig beeinflusst. Klare Argumente für Bio-Milch!

Nachhaltig Bio – Umweltmanagement unverzichtbar


Mehr Beispiele? www.nachhaltigbio.de

Abfall vermeiden, Artenschutz fördern, klimafreundlich handeln, das gehört zur Philosophie der Biobranche. Besondere Aktivitäten der Unternehmen im Umweltmanagement zeigt die Website „Nachhaltig Bio!“. Ein Beispiel ist LaSelva. Der Name des Unternehmens bedeutet „Wildnis“, und tatsächlich steht der Feinkosthersteller in der Toskana für ökologischen Landbau im Einklang mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Eingebettet in die Anbauflächen liegen mediterrane Walder, Feuchtbiotope und Bienenweiden. Allein 7.000 Bäume wie Korkeichen und Wildkirschen wurden gepflanzt. Für den Erhalt lokaler Rassen sorgt die Haltung von weißen Chianina-Rindern und Apennin-Schafen.

Auch bei Sonnentor profitiert die Umwelt nicht nur vom ökologischen Anbau: Das Unternehmen setzt auch beim Fuhrpark auf die Kraft der Natur. Pflanzenöl und Sonnenlicht dienen als Antriebsstoffe. Betankt werden die Elektrofahrzeuge an der firmeneigenen Elektrotankstelle, der Strom wird über eine Photovoltaikanlage produziert. Waldschutz- und Aufforstungsprojekte kompensieren Klimagase, die dennoch entstehen. Auch der Bio-Großhändler Bodan Naturkost hat seinen Fuhrpark umweltfreundlich umgebaut. Mit Gas betriebene Lkw liefern ökologische Produkte energie- und geräuscharm aus. Das Projekt "Decarbonisierte Logistik 2020" sorgt für weitere Verbesserungen. Dazu zählt auch die firmeneigene Solaranlage, die bis zu ein Viertel des Energiebedarfs produziert.

Kein Greenwashing, sondern nachhaltiges Wirtschaften, das sichtbar und messbar ist: Zahlreiche Naturkost-Unternehmen messen ihre Leistungen regelmäßig mit Hilfe von rund 120 Indikatoren. Mehr zum BNN-Nachhaltigkeitsmonitor finden Sie auf der Website des Bundesverband Naturkost Naturwaren.