Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 10/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Herbstlicher Genuss mit Bio-Pilzen


(c) BLE, Foto: Thomas Stephan

Auch wer kein Pilzsammler ist, kann im Herbst frische Pilze genießen. Dafür sorgen Bio-Zuchtbetreibe, die nicht nur weiße und braune Champignons, sondern auch die aus Japan stammenden Shiitake, Austern- und Kräuterseitlinge züchten. Einige haben auch Spezialitäten wie die kleinen, nussig schmeckenden Goldkäppchen im Programm, oder Samthauben mit feinem Esskastanien-Aroma, Limonenseitlinge und den Weißen Buchenpilz, ein in Japan und China begehrter Speisepilz. Der würzige Shiitake gilt in Asien als „König der Pilze” und als Heilpilz. Auf jeden Fall enthalten alle Pilze viel Eiweiß, Vitamine der B-Gruppe und reichlich Mineralstoffe.

Entscheidend in der Bio-Pilzzucht sind Rohstoffe für das Substrat in Bio-Qualität – meist Stroh, Pferde- und Hühnermist. Chemisch-synthetische Schädlingsbekämpfungsmittel sind verboten, und für die wichtige regelmäßige Desinfektion der Produktionsräume und Geräte sind ausschließlich nur Wasser, Hitze, Alkohol und Essigsäure erlaubt. Temperatur und Feuchtigkeit werden meist automatisch geregelt, denn Pilze sind sehr anspruchsvoll. Geerntet wird per Hand, um die empfindlichen Köpfe nicht zu verletzen.

Nun aber ran an die Pfanne! Beliebige Pilze vorsichtig putzen und mit Zwiebeln anbraten, eventuell mit Zitronensaft und Sahne köcheln oder leicht schmoren lassen, mit frischen oder getrockneten Kräutern würzen. Dazu passen Spätzle, Knödel, ein Omelett oder frisches Brot. Alle Pilze lassen sich auch gut im Wok zubereiten, zum Beispiel Shiitake mit Möhren, Broccoli, Ingwer, Frühlingszwiebeln, Sojasauce und Honig oder Austernpilze mit Pak Choi, Tofu, gerösteten Cashewkernen, Sesam, Knoblauch, Zwiebel, etwas Agavendicksaft, Chili und Sojasauce. Und an einem kühlen Herbsttag wärmen natürlich eine Pilzcremesuppe oder ein Pilz-Risotto besonders gut!

Wohltat für Haut und Umwelt: Bio-Baumwolle

Nicht nur Lebensmittel werden ökologisch angebaut, sondern auch Baumwolle. Wer Kleidung aus Bio-Baumwolle trägt, kann sicher sein, dass dafür weder gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut wurden noch chemische Entlaubungsmittel und weitere Pestizide zum Einsatz kamen. Dagegen landet in den konventionellen Plantagen fast ein Viertel aller Insektizide weltweit, obwohl Baumwolle gerade mal auf 2,5 Prozent der Welt-Ackerfläche wächst. Fast drei Viertel der konventionellen Baumwolle stammt zudem von genmanipulierten Pflanzen. Im ökologischen Anbau ist der Verzicht auf Pestizide selbstverständlich, darüber hinaus werden durch Fruchtfolgen mit Nahrungspflanzen Bodenfruchtbarkeit und Humusproduktion gefördert. Bei der Düngung setzen Bio-Baumwollfarmer auf Kompost und Stalldung, bei der Schädlingsbekämpfung auf Pflanzenextrakte aus Neem-Samen, Chili oder heimischen Pflanzen, auf Fallen oder Einsammeln der Schädlinge von Hand.

Das Bio-Zertifikat für Baumwolle garantiert den ökologischen Anbau der Fasern in den Erzeugerländern. Wer sicher gehen möchte, dass auch bei der dortigen Weiterverarbeitung Umwelt und Menschenrechte geschützt werden, muss Ausschau nach weiteren Siegeln halten. Der anspruchsvollste Standard ist GOTS, der Global Organic Textile Standard. Bei der Faserverarbeitung und Textilveredlung kommen keine bedenklichen Chemikalien zum Einsatz, beim sogenannten Ausrüsten der Stoffe setzt GOTS auf umweltschonende Verfahren mit Hilfe von Hitze, Feuchtigkeit und Druck. Bei der Endfertigung dürfen weder PVC noch Chrom oder Nickel verwendet werden. GOTS-zertifizierte Textilien müssen mindestens zu 70 Prozent aus Bio-Naturfasern bestehen, bei der zusätzlichen Kennzeichnung „ökologisch" mindestens zu 95 Prozent. Das weit verbreitete Label „Öko-Tex 100“ bewertet dagegen nur den Schadstoffgehalt im Endprodukt, nicht die Herstellungsbedingungen.

Mit dem Kauf von zertifizierten Produkten aus Bio-Baumwolle vermeidet man nicht nur giftige Rückstände in Stramplern, Bettwäsche oder T-Shirts, sondern unterstützt ein nachhaltiges Gesamtkonzept. Wenn nicht im Bioladen, wird man in Spezialgeschäften für Naturtextilien oder im Internet fündig. Eine Übersicht bietet zum Beispiel die Verbraucherzentrale Hamburg. Die beste Ökobilanz hat Kleidung, die lange getragen wird. Wer nicht zu häufig, möglichst kalt und mit Waschmitteln aus dem Bio-Fachgeschäft wäscht und auf einen Wäschetrockner verzichtet, kann sogar noch besser punkten.

Lippenpflege: Nur Naturkosmetik ist sicher


Auf die richtigen inneren Werte kommt es an - (c) BNN

Lippenpflegeprodukte sind unerwartet hoch mit gesundheitsgefährdenden Stoffen aus Mineralöl belastet. Das hat unter anderem eine Untersuchung der Stiftung Warentest im Frühsommer gezeigt. „Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auch andere mineralölhaltige Kosmetika meiden“, lautete das deutliche Urteil. Ein klares Plädoyer für Naturkosmetik, die seit jeher auf Erdölbestandteile verzichtet und stattdessen auf pflanzliche Öle und Fette setzt. Zu erkennen ist echte Naturkosmetik an den Labeln der Naturkosmetikstandards, wie BDIH, NaTrue, demeter und Ecocert.

 

In allen 25 untersuchten herkömmlichen Produkten, darunter Allzweckcremes, Babypflege, Haarwachs und Vaseline, wiesen die Warentester mit Hilfe einer neu entwickelten Methode erstmals MOAH nach. Einige dieser aromatischen Kohlenwasserstoff-Verbindungen sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) potenziell krebserregend und erbgutverändernd. Sie empfiehlt die Aufnahme daher gänzlich zu vermeiden. Lippenpflegestifte auf Mineralölbasis wurden von Stiftung Warentest als besonders gefährlich eingestuft, weil die Inhaltsstoffe nach und nach von den Lippen abgeleckt werden und dann in den Körper geraten. Die höchsten Belastungen wurden bei den Vaselinen, im englischen Sprachgebrauch auch als Petroleum-Jelly (Erdöl-Gelee) bezeichnet, gemessen: 15.000 Mal mehr als bei Tests von Lebensmitteln.

Welche Risiken andere Kosmetikprodukte auf Mineralölbasis mit sich bringen, die auf der Haut bleiben und nicht geschluckt werden, lässt sich derzeit nur schwer beantworten. Es ist nicht bekannt, wie viele und welche Mineralölbestandteile durch die Haut dringen, die ja auch mal rissig oder verletzt sein kann. Eine Untersuchung aus der Schweiz zeigte, dass bei stillenden Frauen, die für Brust und Brustwarzen Salben mit petrochemischen Bestandteilen nutzten, der Mineralölgehalt in der Muttermilch schnell und deutlich anstieg.

Coffee to go soll gehen – Mehrweg ist Königsweg


(C) BLE, Bild: Dominic Menzler

Sei ein Becherheld!“ Dieser Aufruf der Deutschen Umwelthilfe führt hoffentlich dazu, dass die unvorstellbare Menge von 320.000 Coffee-to-go-Einwegbechern – stündlich! - in Deutschland endlich sinkt. Rund drei Milliarden Becher sind es im Jahr, und sie verursachen einen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß von etwa 110.000 Tonnen. Die Umwelthilfe fordert deshalb eine Abgabe von 20 Cent auf jeden der mit Kunststoff überzogenen und kaum  recycelbaren Pappbecher. Und hofft auf viele „Becherhelden“, die auf Mehrwegbecher umsteigen oder den Kaffee einfach wieder im Café genießen.

Mehrweghelden gibt es im Bioladen seit jeher viele. Während bundesweit die Mehrwegquote sinkt, Coca-Cola sich schrittweise ganz von der PET-Mehrwegflasche verabschieden will und die Discounter erst gar kein Mehrweg im Angebot haben, ist das Angebot an umweltfreundlichen echten Pfandflaschen im Biobereich deutlich größer. Auch wenn die Einkaufstasche ein wenig schwerer wird: In der Umweltbilanz zahlt sich der Griff zu Milch, Saft und Bier in der Mehrwegflasche und zu Joghurt im Mehrwegglas in jeden Fall aus. Außerdem ist Glas das sicherste Verpackungsmaterial – unerwünschte Schadstoffeinträge sind hier kein Thema. Auch die Einkaufstasche sollte aus mehrfach verwendbaren und sehr stabilen Materialien wie Baumwolle, Leinen oder recyceltem PET bestehen, sodass die kostbare Fracht sicher und umweltfreundlich nach Hause transportiert werden kann.

Die Allianz für Mehrweg fordert, ökologisch unvorteilhafte Einweg-Getränkeverpackungen mit einer Umweltabgabe zu belegen. Denn der in der Verpackungsverordnung geforderte Anteil von 80 Prozent für ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen und Mehrwegflaschen wird nicht mehr erreicht. Derzeit liegt die Quote nur bei rund 40 Prozent. Zudem ist die Ökobilanz der Getränkekartons schlechter als angenommen. Zwar gelten die Verbundkartons aus Pappe, Plastik und Aluminium laut Verpackungsordnung noch immer als "ökologisch vorteilhaft". Eine Studie der Umwelthilfe zeigte im letzten Jahr jedoch, dass die Recyclingquote und der Anteil nachwachsender Rohstoffe deutlich niedriger liegen als behauptet.

Jedes Lebensmittel hat einen „Wasserfußabdruck“

In Deutschland gibt es Wasser im Überfluss. Aber wir verbrauchen viele Lebensmittel aus Ländern, in denen Trinkwasser ein rares Gut ist und in großen Mengen für die Bewässerung verwendet wird. Berechnungen zeigen, dass Deutschland seinen tatsächlichen Wasserverbrauch nur etwa zur Hälfte aus eigenen Ressourcen deckt. Die andere Hälfte stammt zum großen Teil aus Regionen, in denen es nicht genug Wasser gibt, zum Beispiel aus Brasilien: Von dort wird die höchste Menge „virtuellen Wassers“ nach Deutschland eingeführt, vor allem in Form von Kaffee und Soja, hat der WWF berechnet. Aktuell warnen die Vereinten Nationen in ihrem „World Water Development Report 2015” davor, dass weltweit das Wasser knapp wird. Wer Wasser spart, schont aber auch hierzulande die Umwelt, denn gebrauchtes Wasser ist verschmutztes Wasser und muss gereinigt werden. Dazu braucht man Energie und Chemikalien.

Auch mit der Auswahl unserer Lebensmittel und dem Kauf von regionalen und saisonalen Produkten können wir unseren persönlichem Wasserverbrauch beeinflussen: Heimische Kartoffeln haben zum Beispiel einen sehr kleinen Wasserfußabdruck: 29 Liter sind es pro 100 Gramm. Gut schneiden auch Milch und Brot mit 102 beziehungsweise 161 Litern ab. 100 Gramm Schokolade „verbrauchen“ schon 1.720 Liter Wasser, ähnlich hoch ist der Abdruck für Rindfleisch: 1.542 Liter. Die Werte für weitere Produkte können auf der Website Virtuelles Wasser versteckt im Einkaufskorb ermittelt werden, die unter anderem vom Umweltbundesamt und der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz gefördert wird.

Im Schnitt ist jedes Bio-Gemüse weniger wasserintensiv als konventionelles, denn die Böden sind durch die Gründüngung humusreicher und halten das Wasser besser zurück. Außerdem wird kostbares Wasser nicht durch synthetische Düngemittel und Pestizide verunreinigt.