Röderhof-Laden, natürlich gut einkaufen...

Bio kann mehr! - Newsletter 9/2015

Bio, wie wir es meinen, war schon immer mehr als nur der Verkauf guter Lebensmittel. Wir meinen: Bio kann mehr! In Zeiten von Klimawandel, Agrar- und Energiewende hat Bio Antworten auch zu ganz tagesaktuellen Fragen. Nicht alles davon kann im Gespräch bei Ihrem Bioladen-Einkauf angesprochen werden - deshalb trägt unser regelmässiger Newsletter für Sie zusammen, was wichtig ist.

 

Pflaumen: Herbstboten mit Sommer-Aroma


(c) D. Menzer

Frühherbst, Zeit für Pflaumen und Zwetschgen! Noch bis in den Oktober hinein wird auf Bio-Obsthöfen geerntet. Ein frischer Zwetschgenkuchen oder Datschi bringt noch einmal die Aromen des Sommers zurück. Schneller gemacht ist ein Zwetschgen-Crumble, für das man Cantuccini in der Küchenmaschine zerhackt und mit Butter und Mehl zu Streuseln verarbeitet. Die geputzten Zwetschgen kommen mit etwas Rohrohrzucker und nach Belieben etwas Amaretto in eine flache Form und werden mit dem Streuselteig bedeckt. Etwa 25 Minuten bei 170 °C backen. Dazu passt Vanilleeis.

Pflaumen und Zwetschgen eignen sich auch für herzhafte Gerichte. Halbiert lassen sie sich zum Beispiel mit einem Käse-Tatar füllen, für den Roquefort- und Camembert-Streifen mit Zwiebelwürfeln und etwas Cayennepfeffer in Portwein mariniert werden. Für einen Gratin übergießt man die entsteinten Früchte mit einer Creme aus Eigelb, Crème fraîche, Vanillemark, Pflaumengeist und zerkrümelten Schafskäse.

Wer Pflaumen auch im Winter genießen möchte, verarbeitet sie zu Pflaumenmus, Kompott oder Chutney, für das man die gekochten Früchte mit Essig oder Rotwein und Gewürzen wie Ingwer, Zimt, Curry oder Thymian abschmeckt. Getrocknete Pflaumen, in Bio-Qualität immer ungeschwefelt, sind klassische Begleiter für Bratensaucen und Pflaumenknödel.

Zwetschgen und Pflaumen sind miteinander verwandt, aber nicht identisch. Pflaumen sind eher rundlich, und das Fruchtfleisch löst sich oft nur schwer vom Stein. Zwetschgen sind länglich und der Stein lässt gut lösen. Frische Früchte erkennt man am weißlichen Duftfilm, der sie vor dem Austrocknen schützt. Man sollte Pflaumen erst kurz vor Verzehr waschen, um die Schutzschicht nicht zu zerstören. Zur Familie zählen auch die kleinen, aromatischen Mirabellen und Renekloden.

Demo für gerechten Welthandel - gegen TTIP & CETA

In diesem Herbst geht die Auseinandersetzung um die Handels- und Investitionsabkommen TTIP und CETA in die heiße Phase. Beide Abkommen drohen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu untergraben. Der Widerstand geht quer durch Europa: Vom 10. bis 17. Oktober 2015 findet eine Internationale Aktionswoche statt, zu deren Auftakt in Berlin eine bundesweite Großdemonstrationstartet - für einen gerechten Welthandel, eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft, kulturelle Vielfalt und den Erhalt gesellschaftlicher Errungenschaften wie Umwelt- und Verbraucherschutz und Arbeitnehmerrechte. Aufgerufen hat ein Bündnis von Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherverbänden und Hilfsorganisationen. Erwartet werden zehntausende Teilnehmer, auch die Bio-Branche wird zahlreich vertreten sein.

In vielen anderen europäischen Ländern finden dezentrale Aktionen statt. Die selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative(sEBI) Stop TTIP sammelt außerdem noch bis zum 6. Oktober Unterschriften. Bisher haben mehr als 2,6 Millionen Menschen die Petition unterstützt.

Die geplanten Handelsabkommen TTIP und CETA sollen Arbeitsplätze schaffen und das Wirtschaftswachstum fördern. Doch so, wie die Verträge gestrickt sind, werden vor allem große Konzerne profitieren. Sie könnten zum Beispiel Schadensersatz einklagen, wenn sie meinen, dass ihnen aufgrund von Maßnahmen der EU oder von EU-Mitgliedsstaaten Verluste entstehen. Das kann auch Gesetze im Interesse des Gemeinwohls betreffen, zum Beispiel zum Umwelt- und Verbraucherschutz. Mit Klauseln aus anderen Abkommen haben Unternehmen bereits Entschädigungen in Millionen- oder gar Milliardenhöhe erstritten. Konzerne hatten von Beginn an großen Einfluss auf die geheimen Verhandlungen zu CETA und TTIP. Einige Formulierungen in Entwürfen der Abkommen, die an die Öffentlichkeit durchgesickert sind, stammen direkt aus der Feder von Unternehmenslobbyisten.

Informationen zur Demo und zur Anreise unter http://ttip-demo.de/home/.

PIWI-Weine erobern die Weinkeller

Riesling und Merlot kennen viele, aber haben Sie schon mal Regent, Souvignier Gris oder einen Johanniter probiert? Diese Rebsorten zählen zu den pilzwiderstandsfähigen Weinen, kurz PIWI. Die neue Generation von Weinreben ist für den ökologischen Anbau bestens geeignet, denn diese verteidigen sich besser als andere gegen den im Weinbau fast unvermeidlichen Befall mit Schimmelpilzen wie Mehltau und Botrytis.

 

Die neuen Rebsorten sind das Ergebnis jahrelanger Züchtungsarbeit. Dabei wurden robuste amerikanische Wildreben in die bekannten europäischen Sorten eingekreuzt. Die Idee dazu stammt schon aus dem 19. Jahrhundert, als der Mehltau von Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurde. Doch die ersten PIWI waren geschmacklich noch weit von den beliebten traditionellen Weinen entfernt. Inzwischen haben die Sorten jedoch so viel Aroma zu bieten, dass sie regelmäßig prämiert werden, zuletzt im Juni beim 6. Internationalen Bioweinpreis 2015 und im Juli beim Internationalen PIWI-Weinpreis unter der Schirmherrschaft der drei Landwirtschaftsministerien Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg.

Der Verband PIWI International e.V. setzt sich für die weitere Verbreitung der pilzresistenten Sorten ein und fördert seit 15 Jahren den Informationsaustausch zwischen Forschern, Züchtern und Weinproduzenten. Denn ein Pilzbefall kann die Traubenernte komplett vernichten. Konventionelle Winzer behandeln daher ihre Weinberge jedes Jahr sechs bis zehn Mal mit Fungiziden. Im ökologischen Anbau dienen Kupfer und Schwefel in möglichst geringer Dosierung als Pflanzenschutzmittel. Durch pilzwiderstandsfähige Rebsorten lässt sich der Einsatz weiter verringern. Entscheidend sind im Bio-Weinbau außerdem ein fruchtbarer und gesunder Boden, für den viel Grün zwischen den Reben wächst, darunter stickstoffproduzierende Leguminosen.

Neuer Film zeigt weltweiten Landraub

„Kaufen sie Land. Es wird keines mehr gemacht“, soll Mark Twain einmal gesagt haben. Der neue Film „Landraub“ zeigt, dass große Investoren vor allem seit der Finanzkrise 2008 diesen ursprünglich sicher ironisch gemeinten Rat des sozialkritischen Schriftstellers weltweit befolgen. Eine Fläche halb so groß wie Europa wurde bereits aufgekauft, Bauern und indigene Völker mussten weichen. Statt Nahrung für die Region anzupflanzen, wird im großen Stil für die Märkte wohlhabender Länder produziert. Der Film portraitiert die Investoren und ihre Opfer. Die einen sprechen von Sicherung der Nahrungsversorgung und Wohlstand für alle, die anderen von Vertreibung, Versklavung, vom Verlust der wirtschaftlichen Grundlagen und der Zerstörung ihrer Heimat.

Der Film des österreichischen Dokumentarfilmers Kurt Langbein zeigt in eindrucksvollen Bildern die Folgen und die Dimensionen des „neuen Kolonialismus“ in Europa, Afrika, Asien und Südamerika. Böden werden für GPS-gesteuerte Maschinen im großen Stil eingeebnet, riesige Zuckerrohr- und Palmöl-Plantagen entstehen. „Landraub“ erzählt aber auch, was dieser neue Kolonialismus mit uns zu tun hat: Es sind unter anderem Programme der EU, mit deren Hilfe Mega-Plantagen für die Biosprit-Erzeugung und zur Zuckerproduktion entstehen. In Rumänien erhält heute nur ein Prozent aller Betriebe die Hälfte der gesamten EU-Agrarsubventionen im Land. Es sind Betriebe, die mehr als 500 Hektar groß sind. Auch Entwicklungshilfe-Gelder gehen oft an Investoren, die Bauern ihre Lebensbasis rauben.

Kinostart in Deutschland ist am 8. Oktober, wenige Tage nach dem Erntedankfest. Der Trailerist bereits online. Das gleichnamige Buch zum Film erschien am 4. September.

Nachhaltig Bio – Arbeit & Dialog

Zur nachhaltigen Produktion von Bio-Lebensmitteln zählt auch ein faires Miteinander von Erzeugern, Herstellern, Händlern und Verbrauchern. So zählen beim Tee- und Kaffeespezialisten Ökotopia faire Preise und langfristige Partnerschaften mit kleinbäuerlichen Produzenten zu den Grundprinzipien. Die Handelsbeziehungen bestehen oft bereits seit rund 30 Jahren. Tee aus Indien und Sri Lanka stammt ausschließlich aus Teegärten, die im Transfair-Register gelistet sind. Beim Fruchtsafthersteller Voelkel sind rund 98 Prozent der Lieferanten langjährige Partner. Gemeinsam werden Verträge erarbeitet, die den Bedarf an hochwertigen Rohwaren sichern und den Lieferanten Planungs- und finanzielle Sicherheit geben. Heuschrecke kauft Gewürze vor allem von Kleinbauernprojekten, die das traditionelle soziale Gefüge erhalten. Durch Forschung und Schulungen der Kleinbauern wird diese ursprüngliche Art der Agrarwirtschaft zukunftsfähig gemacht und sichert den Familien den Lebensunterhalt. Langfristige Lieferantenverbindungen bringen Vertrauen und Zuverlässigkeit; gegenseitige Beratung fördert Qualität und gute Vermarktung.

Zum fairen Miteinander gehört auch ein gutes Verhältnis zwischen Unternehmen und Mitarbeitern. Ökoland bietet daher umfassende Leistungen wie individuelle Arbeitszeitmodelle, Gesundheitsvorsorge, Weiterbildungen und Mitarbeitergespräche. Beim Bio-Tiefkühlspezialisten Ökofrost haben Mitarbeiter und Geschäftsführung ein gemeinsames Leitbild erarbeitet. Meinungen und Wünsche des Teams werden bei Entscheidungen einbezogen.

Weitere Praxisbeispiele aus ökologisch wirtschaftenden Unternehmen finden sie auf der Website „Nachhaltig Bio!“* zur gleichnamigen Kampagne des Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) e. V. Es gehört zum Selbstverständnis der Bio-Branche, Vordenker und Vorreiter zu sein, gerade beim nachhaltigen Wirtschaften. Dazu erfassen die Unternehmen im BNN mit Hilfe eines Nachhaltigkeitsmonitors regelmäßig ihre Nachhaltigkeitsleistungen.

*„Nachhaltig Bio!“ wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN).